Max Kaufmann: Frisch pubertiert

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Die Kleinen: Nicht nur "fräch und härzig"

Wer mit 70 Kindern eine Woche im Jugendblasorchester-Lager verbringt, bekommt zu spüren, wie gnadenlos Primarschülerinnen und Primarschüler sind.

Ich war nie in der Pfadi. Zum Glück nicht. Ich hatte zu sehr Angst, Regenwürmer oder kalten Kaffe eingeflösst zu bekommen. Ich vermisse es auch nicht, mich mit Wölfli oder Biberli herumzuschlagen.

Trotzdem begleitete ich letzthin das Jugendblasorchester Allschwil als Leiter und Schlagzeuger ins Orchesterlager. Schon auf der Anreise, als der ganze Car zu Schlagern und "Venus vo Bümpliz" grölte, hinterfragte ich diesen Entscheid.

Die anderen Leiter ertrugen diese Woche nur dank ihrem abendlichen Bier.

Am frechsten waren die Trompeten. Die tröteten Tag und Nacht und wurden noch von ihrem Lehrer angespornt, morgens zum Weckdienst Fanfaren zu spielen.


"Die Hornistin meinte, ich stinke
nach Sonnencreme. Ich verneinte."



Vor allem registrieren 70 Kinder alles, gnadenlos. Geheimnisse vor ihnen zu bewahren, ist noch unmöglicher, als etwas vor deiner Mutter zu verstecken. Als ich eine kleine Hornistin im Gang kreuzte, meinte sie, ich stinke nach Sonnencreme. Ich verneinte. Sie entgegnete, doch, ich stinke. Dann sei es halt Tagescreme.

Mit acht wusste ich nicht einmal, was Tagescreme ist. Aber sie hatte Recht. Und wenn die schon Tagescreme identifizieren ...

Es bleibt in jungen Jahren aber nicht immer bei "fräch und härzig". Wir spielten im Kindergarten "Giftfabrik". Das Spiel bestand darin, nicht "schweizerisch" aussehende Kinder vom Klettergerüst aus mit Tannzapfen und Kastanien zu bewerfen. Wenn sie nicht mehr hochzuklettern versuchten, waren sie tot.

Alle spielten mit.

Auch im Orchesterlager merkte ich: Wenn ein Kind ausgeschlossen wird, kannst du als Leiter noch so beliebt sein. Die Peiniger hören nicht auf dich.

Deshalb ist meine Bewunderung für Freundinnen und Freunde, die sich gerade zur Pirmarlehrperson ausbilden lassen, jetzt umso grösser. Ihr Beruf besteht echt aus mehr als Mandalas und Laminieren.

Schliesslich war ich so weit, dass ich auf der Rückfahrt sogar beim Putzen half, als das schlechte Lagerhaus-Essen aus den Kindern in die verteilten Plastiktüten plätscherte.

Das wär mir bei der Schlagermusik auch beinahe passiert.

6. Mai 2019
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Max Kaufmann, geboren 2001, wohnt in Allschwil und besucht zurzeit das Gymnasium Oberwil mit Schwerpunkt Mathematik/Physik. Seit er vierzehn Jahre alt ist, tritt Max Kaufmann regelmässig an Poetry Slams auf. Im März 2018 wurde er in Winterthur Poetry Slam-Schweizermeister in der Kategorie "u20".

max.kaufmann@gmx.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

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"Nach Sumpftour in Keller gelockt und ausgeraut"

OnlineReports.ch
Schlagzeile
vom 23. August 2019
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Sogar der Redaktor raubte ihm einen Buchstaben.

RückSpiegel


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Weitere RückSpiegel

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