© Fotos by Jürg Bürgi
"Ein richtiger Krampf": Bildhauerin June Leaf, Werk "Figure on a hoist"

Drei Inseln für amerikanische Kunst

Drei eigenwillige amerikanische Kunstschaffende im Basler Museum Tinguely


"Three Islands" (Drei Inseln) heisst die Präsentation der drei eigenwilligen amerikanischen Künstler-Persönlichkeiten, des Eisenplastikers Richard Stankiewicz, der Malerin und Bildhauerin June Leaf und des Malers Robert Lax ab 21. September im Museum Tinguely.


Es ist vierzig, fünfzig Jahre her, dass Stankiewicz, Leaf und Lax in New York, Chicago und Paris als Newcomer im Treibhausklima der metropolitanen Beatnik- und Existentialisten-Kultur ihre ersten grossen Erfolge feierten. Die viel versprechenden Talente, alle Kinder osteuropäischer jüdischer Einwanderer, wurden gefördert und geschult. Die "Hansa-Gallery" und ihr intellektuelles Umfeld in New York, auch die Zeitschrift "New Yorker" und andere Publikationen beflügelte eine ganze Generation.

Nie nach Ruhm geschielt

Das Band, das die drei grundverschiedenen Künstler-Persönlichkeiten verbindet, ist allerdings lose. Gemeinsam ist ihnen, dass sie alle in relativ jungen Jahren die Grossstadt verliessen und sich auf ihre eigene einsame Insel zurück zogen. "Ja, wir leben isoliert", sagt June Leaf, die mit ihrem Mann, dem aus Zürich stammenden Fotografen Robert Frank, seit 1969 an der Küste in Neuschottland lebt und arbeitet. "Meine Arbeit ist aus der Stille geboren", berichtet die 75jährige Malerin und Eisenplastikerin. Es sei manchmal "ein richtiger Krampf", das Metall zu schmieden, sagte sie und weist auf die feinen Hände ihrer "Figure on a hoist" (Figur auf einer Schaukel).

Die Künstlerin, die nie nach internationalem Ruhm oder Anerkennung geschielt hat und ihr Werk "aus meinem Beimirselbst-Sein" schafft, freut sich über die erste Ausstellung ihrer Werke in Europa, vor allem, weil sie ihr die Möglichkeit gibt, ihre "Freunde", wie sie ihre Gemälde und Skulpturen nennt, wieder einmal an einem Ort versammelt zu sehen. Es ist offensichtlich, dass für June Leaf ihre Kunst den Mittelpunkt ihrer Existenz bildet: "Ich weiss nicht, ob ich eine besonders gute Künstlerin bin", sagte sie einmal, "aber ich weiss, dass ich eine richtige Künstlerin bin."

Stankiewiczs Treue zm Schrott

Richard Stankiewicz (1922 bis 1983) hätte einen solchen Satz wohl nie gesagt – obwohl er auch auf ihn zutraf. Denn auch der Sohn polnischer Einwanderer, der im Zweiten Weltkrieg bei der Navy diente, konzentrierte sich sein Leben lang auf seine kreative Mission. Er war zeitweise ein Star in der New Yorker Szene und pflegte regelmässige Kontakte mit der Kunstszene in Paris. Ein Schrottkünstler der ersten Stunde. Als Jean Tinguely 1960 zum ersten Mal nach New York kam, wurde er sogleich zu Richard Stankiewicz geführt.

Doch die Szene veränderte sich. Begnadete Selbstdarsteller wie Andy Warhol traten auf, Kunst wurde zum Kommerz, die Künstler zu Marken. Wer ein Atelier in Manhattan betreiben wollte, brauchte Geld. Nicht zuletzt aus materiallen Gründen zog sich Richard Stankiewicz 1962 auf seine eigene ländliche Insel in die Wälder von Massachusetts zurück und geriet bald in Vergessenheit. Dem Schrott blieb er treu. Aber seine Figuren und, seltener, Maschinen – in der Ausstellung sind 60 Skulpturen zu sehen - nahmen nicht den verspielten Charakter der zumeist aufgeregt-mobilen Tinguely-Skulturen an, sondern blieben eindrückliche, karge, witzig-knappe Botschaften eines introvertierten Insulaners.

Minimalistisches Werk

Robert Lax (1915 bis 2000), schliesslich, der dritte der Inselbewohner, fällt ganz aus dem Rahmen. Nicht zuletzt, weil sein minimalistisches Werk sich in erster Linie auf das geschriebene Wort verlässt. Er war ein erfolgreicher Journalist, der für den "New Yorker" und andere Ikonen der urbanen Publizistik schrieb, bevor er sich Mitte der sechziger Jahre auf griechische Inseln zurück zog und dort seine minimalistische konkrete Poesie kultivierte. In der Ausstellung wird sein Leben auf der Insel Patmos und seine lapidare Lyrik in Büchern – der Zürcher Pendo-Verlag hat sich grosse Verdienste um ihre Verbreitung erworben – durch den einstündigen Film "Three Windows – Hommage à Robert Lax" von Werner Penzel und Nicolas Humbert fassbar gemacht.

Three Islands – Richard Stankiewicz, June Leaf, Robert Lax – im Museum Tinguely. 21. September 2004 bis 16. Januar 2005. Zur Ausstellung erschienen im Berner benteli-Verlag drei Publikationen, die sowohl einzeln (45 Franken) als auch im Schuber (120 Franken) erhältlich sind.

18. September 2004


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"Rentenmassaker auf Kosten der Staatsangestellten"

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