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"Abonnementsplätze sind garantiert": Sinfonierochester Basel

Ein mutiger Schritt: Sinfonieorchester Basel trennt sich von der Mutterbrust

Die vollkommene Abnabelung des SOB von der Allgemeinen Musikgesellschaft kam schneller als erwartet


Von Jürg Erni


Es war eine Basler Spezialität, die jahrzehntelange Koexistenz zweier Institutionen von Konzertveranstalter und Orchesterhalter. Nun trennt sich das Sinfonieorchester Basel von der Allgemeinen Musikgesellschaft (fast) einvernehmlich. Die AMG kann auch ohne SOB leben und legt bereits eine eigene Konzertreihe für die Saison 2112/13 auf – ohne Mitwirkung des SOB. Das Sinfonieorchester anderseits vertröstet die künftigen Abonnenten auf ihre garantierten Stammplätze in den beiden Konzertreihen.


Fast schon zynisch titelt die Homepage der Allgemeinen Musikgesellschaft den Aderlass ihrer Konzertreihe: Unter der Spitzmarke "Höhepunkte im Stadtcasino" heisst es trocken "AMG in der Saison 2012/13 ohne Sinfonieorchester Basel". Endgültig getrennte Wege gehen die Partner, nachdem sie jahrzehntelang eine Zweckgemeinschaft gebildet haben: die AMG als traditionelle Veranstalterin der Sinfoniekonzerte des SOB und die Stiftung Basler Orchester als Arbeitgeberin einer Hundertschaft von MusikerInnen, deren Anstellung in einem Gesamtarbeitsvertrag geregelt ist.

Die Stiftung nimmt also das Heft selber in die Hand und zahlt aus dem Topf der Staatssubvention in der Höhe von jährlich 15 Millionen Franken nicht nur die Gehälter, sondern organisiert auch in eigener Verantwortung die Konzerte im Musiksaal des Stadtcasinos: 8 Mittwochskonzerte und 6 Donnerstagskonzerte.

"Für das treue Publikum des Sinfonieorchesters wird sich nicht viel ändern" schreibt das SOB in seiner Medienmitteilung beruhigend. "Die bisherigen Abonnementsplätze sind garantiert. Und natürlich ist auch wieder eine Reihe international bekannter Solisten zu Gast." Das Zeitungsinserat an die "Geschätzten Abonnenten" verkündet zur für Aussenstehende ziemlich konfusen Ablösung lapidar, "die beliebten Mittwochs- und Donnerstags-Abonnementsreihen mit dem Sinfonieorchester Basel werden selbstverständlich weitergeführt und neu einfach durch das Sinfonieorchester Basel selbst verwaltet".

So einfach stellt sich das die rührige Stiftung vor. Dabei sind der AMG die Abonnentenzahlen im Laufe der Jahre weggebrochen, so dass die Fortsetzung der doppelt geführten Konzerte in Frage gestellt schien.

(Fast) alles neu nach der Trennung

Die Stiftung macht ihre Rechnung nun ohne die Wirtin AMG, die ihre Abonnentenkartei natürlich nicht umsonst abtritt. Also muss das SOB erst wieder von vorne beginnen und um ein neues Stammpublikum für die eigenen Orchesterreihen buhlen. Ob die bisherigen AMG-Stammkunden einfach so ihren Platz auf die Konzerte des SOB transferieren und die Solisten so "natürlich" gastieren werden, wird sich erst weisen.  

Für AMG-Präsident Thomas Staehelin kam der Wunsch nach einer Loslösung der "Mutter AMG" zwar nicht aus heiterem Himmel. Aber deren Ankündigung erfolgte "ohne ein Wort des Verhandeln". Und das hat die jahrzehntelange Konzertveranstalterin und künstlerische Betreuerin denn auch wenig gefreut, wie sie auch den Dank des Subventionsgebers vermisst, der die Dienste der AMG seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert und seit ihrer Trennung vom Orchester der damaligen BOG im Jahre 1921 wie selbstverständlich in Anspruch genommen hat. Die AMG hat die Konzertdefizite in der Höhe von jährlich rund einer halben Million Franken getragen und auch Sponsorengelder aufgebracht.

AMG-Konzertreihe ohne SOB

Nun legt die AMG bereits heute für die nächste Saison eine sechsteilige Klassik-Konzertreihe mit Gastorchestern auf. Sie wird ausgerechnet mit dem privaten Kammerorchester Basel eröffnet, einer Konkurrentin zum SOB, die jährlich um ihre Subventionen bangen muss. Auffällig auch das Gastspiel des Orchestra Svizzera Italiana unter Altmeister Nello Santi, dem früheren Chefdirigenten des mit dem Sinfonieorchester Basel fusionierten, einstigen Radio-Sinfonieorchesters Basel.  

Mit der operationellen Leitung betreut die AMG seit Jahren die "Konzertgesellschaft", eine private Konzertagentur, die von Thomas Jung geleitet wird. Unter dem Sammellabel "amg" organisiert sie verschiedene Konzertreihen, weiterhin auch die Volks- und COOP-Sinfoniekonzerte. Die Verbindung des SOB zur "Konzertgesellschaft" bleibt also wenigstens in diesen dem Gewerkschaftsbund resp. dem Grossverteiler nahestehenden Konzertreihen erhalten.   

Eigene Identität für das SOB

Mit ihrer Loslösung von der AMG übernimmt das Sinfonieorchester Basel die künstlerische wie kommerzielle Selbstverantwortung, wie es bei andern Orchestern längst selbstverständlich ist. Stiftungspräsidentin und Ex-Regierungsrätin Barbara Schneider sieht diesen Wechsel als Schritt in eine Zukunft, die dem Orchester eine eigene Identität garantiert. Mit der Übernahme der Kosten für die künstlerische Leitung, die Programmierung, Organisation, Werbung trägt sie auch ein unternehmerisches Risiko. Ein Schritt zur Selbständigkeit ist bereits früher vollzogen worden, indem der noch als "Künstlerischer Leiter der AMG" engagierte Dennis Russell Davies nun der eigentliche Chefdirigent des SOB ist und somit die künstlerische Gesamtverantwortung über das Orchester trägt.

Zugemietet ist das Orchester nach wie vor im Theater, das jedoch die Orchesterdienste je nach Spielplan und Besetzung beansprucht und auch bezahlt. Das hat zur Folge, dass das SOB nicht mehr exklusiv im Orchestergraben spielt, sondern andern Orchestern wie in dieser Spielzeit gleich für zwei Eigenproduktionen, der Ballettoper "The Fairy Queen" und in "Armida", dem Barockorchester "La Cetra" Platz machen muss.

Genügend Dienste für alle?

Das SOB und die Stiftung Basler Orchester haben sich mit ihrem Wechsel zur Selbstverantwortung viel vorgenommen. So müssen sie auch selber dafür sorgen, dass das Dienstplan-Soll der Musikerinnen und Musiker erfüllt wird, das heisst, dass das SOB genügend Auftrittsmöglichkeiten auf den eigenen Podien wie auswärts oder gar auf Tourneen beschaffen kann. Für Gastspiele müssen ohnehin Sponsoren aufgetrieben werden, was für ein international kaum bekanntes Produkt wie das SOB schwierig sein dürfte.

Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. So wird sich zeigen, wie die bisherigen Konkubinen im baselstädtischen Orchesterwesen den Markt neu aufmischen und wie sich der Publikumskuchen im hiesigen, überreichen Kulturangebot nicht noch mehr aufteilen wird.

21. Februar 2012


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