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"Festhalten und kommentieren": Basler Künstler Heiri Strub

Künstler und Kommunist: Heiri Strub 97-jährig gestorben

Radikale politische Reflexion ist das Hauptmerkmal im Werk des Basler Illustrators


Von Peter Knechtli


Der bekannte Basler Künstler und Kommunist Heiri Strub ist am Dienstag im Alter von 97 Jahren in Basel gestorben. Die politische Überwachung verfolgte ihn während Jahrzehnten seiner Schaffensperiode.


Der Tod ereilte Heiri Strub drei Tage vor der Vernissage einer Ausstellung heute Freitagabend im "Kaskadenkondensator", eingerichtet in der ehemaligen Basler Warteck-Brauerei, die Werke von Strub und Louise Guerra zeigt. Dass der Künstler die Welt verlassen hatte, überschattete alles. Er lebte zuletzt im Altersheim "Sonnenrain" an der Socinstrasse. Seit dem Tod seiner Ehefrau Lotti letztes Jahr, mit der er sein ganzes Leben durch dick und dünn teilte, und die er liebevoll pflegte, verliessen auch ihn die Kräfte, die ihm bis in sein hohes Alter künstlerisches Schaffen ermöglichten. Geistig blieb er fit, doch sein Augenlicht wurde immer schwächer.

Neujahrskarten als gepfefferte Manifeste

Heiri Strubs künstlerisches Profil war über Jahrzehnte ebenso klar berechenbar wie sein politisches. Wie eine Generallinie durchzogen soziale Gerechtigkeit, Industrialisierung- und Kapitalismuskritik thematisch die Werke des gelernten Grafikers, Kunstmalers und Buchillustrators. Der in Riehen geborene gelernte Schriftsetzer und Absolvent der Kunstgewerbeschule zeigte auf, wie die Schwachen auf Kosten des Profits durch die sozialen Netze ins Elend stürzen oder sich – wie beispielsweise im "Tapferen Schneiderlein" – mit List gegen die Riesen zu behaupten wissen. Seine Bilder enthalten auch ungeschminkte Kritik an der Investment-Kultur. Immer wieder zeigte er überdies Landschaften oder Alltags-Szenen aus dem Leben der einfachen Leute, die ihn tief beindruckten.

Im Interview mit OnlineReports im Jahre 2006 bezeichnete es der malende Chronist als Sinn seines Schaffens, die "Realitäten festzuhalten", aber nicht nur dies: sondern sie auch "zu kommentieren". Die Ausbeutung als allgegenwärtiges Faktum umtrieb ihn ohne Unterbruch. Selbst seine Neujahrskarten waren meist mehr gepfeffertes politisches Manifest als persönliche Botschaft.

14 Jahre DDR

Kein Wunder, dass Heiri Strub, Vater einer heute 63-jährigen Tochter Olga, parallel zu seiner künstlerischen Arbeit auch in der Politik Einfluss suchte. Als überzeugter Kommunist und Antifaschist war er 1944 eines der Gründungsmitglieder der "Partei der Arbeit" (PdA). Mit seiner politischen Einstellung war es ihm aber nicht möglich, eine Existenzgrundlage zum Aufbau einer Familie zu schaffen, so dass er 1957 in die damalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) auswanderte. Dort betätigte er sich auch weiterhin als Illustrator, fand aber keine dauerhafte Bleibe.

Nach der Rückkehr der Familie in die Schweiz im Jahr 1971 setzte Strub allmählich seine Absicht um, aktiv in die Politik einzusteigen. In Allschwil, seinem damaligen Wohnort, wurde sein Schaffen mit dem Kulturpreis geehrt. In den siebziger Jahren kandidierte das PdA-Mitglied, inzwischen Redaktor des Parteiorgans "Vorwärts", couragiert für den Baselbieter Regierungsrat – allerdings ohne den Hauch einer Chance, es herrschte Kalter Krieg. Strub war aber in politischen Kreisen auch unbekannt: Zu seiner Regierungs-Kandidatur entschloss er sich, ohne je einem Kommunal- oder Kantonsparlament angehört zu haben. In jüngeren Jahren war er in seinen politischen Vorstellungen kompromisslos bis stur, in seinen Werken dagegen widerspiegelten sich nebst bitterem Ernst immer wieder Witz und Ironie.

Im Visier der Bundespolizei

Zurück in der Schweiz empfing ihn sein Vaterland, für das er Aktivdienst geleistet hatte, nicht mit offenen Armen. Die Bundespolizei nahm ihn von 1936 bis 1989 als Staatsfeind ins Visier. Zehn Kilogramm schwer und 28 Zentimeter dick seien die rund 1'700 Seiten umfassenden Polizeifichen über ihn gewesen, sagte er OnlineReports vor acht Jahren. Er wurde überwacht, abgehört, beschattet und letztlich unschädlich gemacht. Sein damaliger Kommentar über die Polizeiakten: "Die schlechteste und teuerste Literatur, die in der Schweiz je geschrieben worden ist."

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und des realen Sozialismus nahmen die Vorbehalte gegen den Kommunisten ab. Mit einem Buch von Corina Lanfranchi ("Unbeirrt. Heiri Strub – ein Leben zwischen Kunst und Politik") und einer Ausstellung im Kunst Raum Riehen erlangt das Lebenswerk des unbeugsamen Kunstschaffenden eine späte Anerkennung.

"Ein gebildeter Kommunist"

Diese Anerkennung offenbarte sich an der heutigen Vernissage, an der unter anderem Strubs Interpretation der Figuren des Basler Münsters und, erstmals öffentlich zu sehen, Zeichnungen zu Denis Diderots Buch "Jakob der Fatalist und sein Herr" (Diogenes Verlag). Der bekannte Basler Künstler und Parteikollege Strubs Guido Nussbaum, der die Ausstellung organisierte, betonte, der französische Philosoph und Aufklärer sei für Strub sehr wichtig gewesen. Auch dies habe Strub dazu veranlasst, die Zeichnungen, an denen er bis vor rund einem Jahr arbeitete, anzufertigen.

Nussbaum bezeichnete Heiri Strub in seiner Rede als "einen gebildeten Kommunisten", dessen Anliegen es immer gewesen sei, dass die Kunst unter das "Volk" kommt – und nicht in die Hände von Investoren.

Die Ausstellung im "Kaskadenkondensator" dauert noch bis zum 11. Mai 2014



Mitarbeit: Anna Wegelin

25. April 2014

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"Basel soll Andenken in anständiger Weise bewahren"

Einer der ganz grossen Basler Kunstmaler ist nun gestorben. Es ist nur zu hoffen, dass Basel sein Andenken in anständiger Weise bewahren wird und ihm den entsprechenden Platz in der Stadt-Geschichte und im künstlerischen Leben zugesteht. Auch ist zu hoffen, dass alle seine Bilder zusammenbleiben und im Kanton Basel-Stadt in einem Museum einen Platz bekommen.


Paul Bachmann, Rheinfelden



"Ein aufrechtes Leben"

Vielen Dank für diese schöne Würdigung eines aufrechten Lebens, das uns Heutigen ein Vorbild sein soll.


Beatrice Alder, Basel


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"Der Traum von Fahrgemeinschaften wird an der menschlichen Naturscheitern"

Basler Zeitung
vom 21. November 2018
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Das Naturscheitern hat eben seine Auswirkungen auf das menschliche Wesen.

RückSpiegel


Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Der Basler Zeitung fiel in einem Leserbrief in OnlineReports auf, dass der frühere Baselbieter Polizeisprecher auf der SVP-Liste für den Landrat kandidiert.

Telebasel, nau.ch und 20 Minuten bezogen sich in ihren Beiträgen über Sachbeschädigungen gegen die Jüdische Genossenschafts-Metzgerei auf OnlineReports.

Im Interview mit Claudia Sigel geht die Basler Zeitung auf eine Aussage der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller in einem OnlineReports-Interview ein.

In ihrem Bericht über das Ja der Wettbewerbs-Kommission zur Übernahme der "Basler Zeitung" durch Tamedia erwähnt die NZZ auch OnlineReports.

Die BZ Basel, Telebasel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-Nachricht vom Tod der FCB-Legende Peter Ramseier auf.

Prime News geht in ihrem Überblick über die Perspektiven des Medienplatzes Basel auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung geht in ihrem Bericht über den "Spagat der CVP-Präsidentin" Brigitte Müller auf ihre Aussagen im OnlineReports-Interview ein.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, Prime News und Telebasel zitierten in ihren Berichten zur Baselbieter CVP aus dem OnlineReports-Interview mit Parteipräsidentin Brigitte Müller.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der EuroAirport begrüsste am 4. Dezember seinen 8 Millionsten Passagier und erzielte damit die höchste Jahres-Frequenz seit Gründung im Jahr 1946.

Erik Rummer (48) ist seit 2002 bei den IWB, seit 2016 als Leiter Public Relations, übernommt auf Jahresbeinn die Leitung des Bereichs Kommunikation & Marketing und folgt damit auf Lars Knuchel, der sich selbstständig macht.

• Die Baselbieter Regierung will bei der Staatssteuer den Vergütungszins für das Jahr 2019 bei 0,2 Prozent belassen, ebenso bleibt der Verzugszins bei 6 Prozent.

• Die Bau- und Raumplanungs-Kommission des Basler Grossen Rates spricht sich für den Neubau von Staatsarchiv und Naturhistorischem Museum im St. Johann-Quartier aus.

Matthias Gysin, heute Verwaltungsleiter in der Gemeinde Aesch, wird ab 1. April 2019 neuer Geschäftsführer des "Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden" (VBLG) und Nachfolger von Ueli O. Kräuchi.

• Das Projekt eines Ozeaniums des Basler Zoos hat mit starkem Wellengang zu kämpfen: Das gegnerische Komitee reichte fast 5'000 Referendums-Unterschriften ein, wodurch es zu einer Volksabstimmung kommen wird.

Yvette Harder wird per 18. März 2019 neue Generalsekretärin des Basler Finanzdepartements und damit Nachfolgerin von Alexandra Schilling, die in die Kommandoabteilung der Kantonspolizei wechselte.

• Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli übernahm an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Universität Basel von Jean-Luc Nordmann das Präsidium.

• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal für das Jahr 2019 einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent auszurichten.

Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.

Daniel Roth (61) wird im Baselbiet neuer Leiter des Rechtsdienstes von Regierung und Landrat, als Nachfolger von Hans Jakob Speich, der sich vorzeitig pensionieren lässt.

Irene Heinimann wird neue Baselbieter Kantonsapothekerin und folgt als bisherige Stellvertreterin auf Hans-Martin Grünig, der Ende Dezember in Pension geht.

• Vertiefte Kostenkontrollen zum Umbau der Kunsteisbahn Sissach zur geschlossenen Halle zeigen, dass der Bau bis zu zehn Prozent teurer wird als vorgesehen.

• Der Baselbieter alt Landratspräsident Jürg Degen und der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter sind von "Pro Bahn Schweiz" für ihr Engagement zur Erhaltung des "Läufelfingerlis" mit dem Preis "Premio Pro Spez 2018" ausgezeichnet worden.

Steigende Bildungs- und Sozialkosten belasten das Ergebnis der Gemeinde Reinach, so dass für 2019 ein Defizit von 1,67 Millionen Franken budgetiert werden muss.

Olivier Aebi wird per 1. Februar 2019 neuer CEO des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner AG und Nachfolger von Kurt Rau ab, der die Gruner-Gruppe interimistisch leitet.

• Aufgrund einer umfassenden Kontrolle der Stadtgärtnerei müssen im Kanton Basel-Stadt 229 Bäume zum grössten Teil aus Sicherheitsgründen gefällt und ersetzt werden; die Liste der betroffenen Bäume wird im Kantonsblatt vom 10. Oktober publiziert.

Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, ist durch den Universitätsrat für weitere vier Jahre bestätigt worden.

• Am 1. Oktober beginnen in Basel die Vorarbeiten für den Bau des unterirdischen Kunstmuseum-Parkings mit der Umlegung unterirdischer Leitungen.