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"Modernste Tageszeitung": BaZ-Chefredaktor Ivo Bachmann, Basler Establishment*

Der Therapeut des Anspruchs-Infarkts

Die neue "Basler Zeitung": Chefredaktor Ivo Bachmann muss das Medien-Bewusstsein einer ganzen Region korrigieren


Von Peter Knechtli


Pech und Schwefel schütten Zeitungsleser derzeit über die neue "Basler Zeitung" (BaZ) aus, Kulturveranstalter üben den Boykott. Es sind Symptome des Anspruchs-Infarkts: Basel muss wieder lernen, mit einem journalistisch statt opportunistisch geführten Printmedium umzugehen. Der neue Chefredaktor Ivo Bachmann muss die Region Basel auf ein neues Medienbewusstsein trimmen.


Mit Swing und Groove stimmte am 3. September die Pepe Lienhard Band Anfang September die zahlreichen Gäste des Gala-Abends zum BaZ-Redesign auf die neue Zeitung ein. Über 5'000 bestellte Schnupper-Abonnemente vermeldete Chefredaktor Ivo Bachmann sechs Wochen später. Doch die Nagelprobe - Erneuerung der Abonnemente - folgt in den kommenden Wochen. Denn die Kritik, die es in der BaZ-Online-Ausgabe gleich nach der Neulancierung hagelte, ist nicht verstummt.

Auch intern waren kritische Töne zu vernehmen. BaZ-Redaktoren berichteten OnlineReports von einem "schlimmen Arbeitsklima". "Nicht ganz wasserdicht" (so ein BaZ-Redaktor) sei "die hohe moralische Autorität", mit der Bachmann angetreten sei. Beispiel: Nachdem Kulturredaktor Sigfried Schibli in einer Glosse das wahre Alter der gehätschelten Basler Film-Ikone Arthur Cohn (geboren am 4. Februar 1927) offengelegt hatte - 77 statt 65 -, eine Nachricht, die von "NZZ am Sonntag" bis "20 Minuten" aufgenommen wurde, habe Bachmann einen Ukas erlassen, wonach über Cohns wahres Alter dürfe fortan "nicht mehr geschrieben" werden.

Draussen im Leser-Volk setzte sich fort, was sich seit dem Abgang des alten Chefredaktors Hans-Peter Platz Ende letzten Jahres aufbaute: Eine Wand der Auf- und Ablehnung. "Es gibt in meinem Umfeld niemand, der die BaZ gut findet", entfuhr es Tage vor der Neulancierung einem bedeutenden Basler Parteipräsidenten. "Diese BaZ ist eine Katastrophe", tönte es in den letzten Monaten immer wieder.

Am lautesten begehrten die Basler Kulturschaffenden auf, die in kritischen BaZ-Inseraten gegen den Abbau der Kulturberichterstattung Front anmeldeten. Sie fordern Gratis-Präsenz, drohen mit Boykott und bitten die "liebe NZZ" in einer kürzlich mit 2'300 Unterschriften eingereichten Petition, doch bitte eine Ausgabe mit Basler Bund heraus zu bringen. Wenns geht, wahrscheinlich mit Gratis-Inseraten.

"Es entsteht der Eindruck, als sei die BaZ
früher eine Edellektüre gewesen."




Der Kultur-Widerstand begann schon früh. Als Erste heizte die ProgrammZeitung die Stimmung in der Allianz der Neo-BaZ-Kritiker an. Die inzwischen anerkennenswert professionell gemachte Kultur-Zeitschrift, die sich in den letzten zwei Jahrzehnten wenig bis gar nicht um die Basler Medienentwicklung gekümmert hatte, ortete die Zeitung schon in bedrohlicher Boulevard-Nähe. An Chefredaktor Ivo Bachmann entdeckte sie beim Interview als Erstes seine "Designerbrille". Das mehrseitige aggressive und voreingenommene Interview erweckte den Eindruck, als sei die BaZ bis zu Bachmanns Eintritt eine Edellektüre gewesen - obschon in Wahrheit und hinter vorgehaltener Hand seit Jahren über sie geschnödet worden war.

Der Kultur-Protest beschränkte sich aber nicht nur auf die Zeit, in der Bachmann sozusagen das Auslaufmodell seines Vorgängers Hans-Peter Platz verwaltete. Im Gegenteil: Er verschärfte sich noch, seit die "Basler Zeitung" ab 4. September in neuer gestalterischer und formaler Aufmachung erscheint und täglich ein umfangreiches Kultur-Magazin im Tabloid-Format bietet. Die Kultur-Kritik auf dieses Angebot ist bisher so erstaunlich oberflächlich geblieben, dass eine Auseinandersetzung mit ihr schlicht unmöglich ist. Eine vertiefte und seriöse Argumentation, die über die teils fragwürdige Mischung von Tiefgang und schrillfarbig illustriertem Oberflächengesäusel oder die zweifelhafte Eignung des Kleinformats für geistige Aktivkost hinaus geht, ist vorläufig nicht existent. Plumper Zoff scheint der Kultur-Elite derzeit mindestens zu genügen.

"Blattmacher und Rechercheure
beginnen das Profil zu bestimmen."




Dagegen ist Tatsache: Seit Bachmann im Chefbüro am Aeschenplatz die Fäden zieht, ist der Paradigmawechsel unverkennbar. Die Redaktion lernt wieder, News zu beschaffen statt darauf zu warten. Die neue Redaktionsleitung mit Blattmachern und ausgewiesenen Rechercheuren beginnt das Profil zu bestimmen. Die Zeitung weckt wieder Neugier.

Noch gibt es, wie bei Neuschöpfungen üblich, zahlreiche formale wie inhaltliche Korrekturansätze: Gestalterische Kür in den Seitenköpfen, die Inflation an schwer verständlichen Wähler-Grafiken, der fragwürdige Sinn gewisser gestalterischer Elemente oder die noch ungenügende Zahl ausgebildeter Rechercheure und Erkenntnis gewinnender Analysen. Doch insgesamt präsentiert sich die "Basler Zeitung" als ein Produkt, das unerschrockener wirkt, sich bemüht, Sachverhalte verständlich und in neuen Formen zu präsentieren, und dessen Macherinnen und Macher wieder bereit sind, die professionell kritische Distanz zum lokalen Establishment zu wahren und das Filzrisiko eingebetteter Lokaljournalisten zu minimieren.

Der auf News fokussierte Ansatz, die verschärfte Auswahl und ein modernes Layout, das sich von jenem einer Schnell-Lesezeitung abhebt, haben Erfolgspotenzial. An der neuen BaZ ist wieder spürbar, was im System von Hans-Peter Platz verkümmert war: Den Willen der Redaktion, nach Relevanz auszuwählen und zu gewichten, Recherchen und Enthüllungen zu verstärken, den Mut, sich von Überholtem zu trennen, und das wirklich Wichtige deutlich zu sagen. Die Reduktion der Stoffe ist wohltuend, die stärkere Selektion bietet mehr Pflichtlektüre.

"Bachmanns Vorgänger liess die BaZ
in der Bedeutungslosigkeit versinken."




Ein Zurück ist nicht mehr möglich, denn der Erfolg der "modernsten Tageszeitung dieses Jahrhunderts" (Bachmanns Ambition) ist nicht nur für das Überleben der Zeitung entscheidend, sondern möglicherweise für die gesamte BaZ-Mediengruppe. Bachmann muss das schier Unmögliche leisten: In einer Zeit der zunehmenden Lesefaulheit und schrumpfender Budgets und personeller Ressourcen eine politische Tageszeitung zu machen, die wieder Gewinn abwirft und eine Auflage erzielt, die deutlich über der aktuell deklarierten 100'000-er-Grenze liegt. Wenn die Zeitung dünner und gleichzeitig teurer wird, ist dies zwar auf den ersten Blick brandgefährlich. Doch stärkere Betonung von News und Recherchen bieten zusammen mit einer intensiveren Gewichtungsarbeit den erforderlichen Mehrwert.

Allein der etwas moderatere Anspruch, eine "Regionalzeitung von überregionaler Bedeutung" zu werden, ist eine Mammut-Herausforderung. Denn Vorgänger Hans-Peter Platz hatte das Blatt über viele Jahre hinweg ignorant - aber auch ungehindert - auf Bedeutungslosigkeit absinken lassen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die "Basler Zeitung" ausserhalb der Region kaum wahrgenommen wurde, im Konzert der Schweizer Pressestimmen spielte sie bestenfalls die zweite Geige. Eine bekannte journalistische Stimme im Bundeshaus mochte sich auf Anfrage von OnlineReports über die journalistische Bedeutung der alten BaZ in der Restschweiz nicht äussern - aus Rücksicht darauf, "dass ich ja mehrere Mitarbeiter persönlich kenne und sie nicht kompromittieren will". Ein Inlandredaktor von Schweizer Radio DRS erklärte gegenüber OnlineReports, die alte "Basler Zeitung" sei in der mit der journalistischen Leistung anderer Medien vergleichenden täglichen Sendekritik "nie ein Thema" gewesen.

Über die 20-jährige Platz-Aera hinweg blieb auch das Layout, von einigen Retuschen abgesehen, unverändert. Zu lange, viel zu lange liess Platz es sich in seiner Rolle als unangefochtener Monopolzeitungs-Dirigent wohl sein. Als er abtrat, war die Zeitung auf ein existenzbedrohliches Niveau gesunken, überrundet von neuen Konzepten wie jenem von "20 Minuten", die massenhaft Pendlerströme bedienten, gefangen in einem Netz von angejahrter Aufmachung, einem ziemlich eng begrenzten Netz gehätschelter gesellschaftlicher Exponenten, gouvernementaler redaktioneller Grundhaltung und dem journalistischen Biss einer jungen Spitzmaus. Platz pflegte ein elitäres Journalismus-Verständnis, das sich um die Qualität der Vermittlung nicht zu kümmern schien. Eine Vielzahl der Beiträge glich eher einem Ratespiel als dem beseelten Versuch, dem Publikum einen Sachverhalt logisch nachvollziehbar, sinnlich und gleichzeitig lesefreundlich zu erklären.

Im konjunkturellen Schönwetter-Klima keimte auch eine andere Gefahr: BaZ-Journalisten nutzten oft das faktische Pressemonopol und begaben sich aufs hohe Ross - im Umgang mit Informanten, Veranstaltern und freien Mitarbeitern.

"Während langen Jahren war die BaZ
ein Konserven-Produkt."




Längst nicht alles, was Platz als BaZ-Chef unternahm, war schlecht. Er war immerhin der Vater des Wochenend-Magazins mit seinen vertiefenden Texten und mehrseitigen illustrierten Reportagen. Er war vielleicht der beste Schreiber seiner Redaktion, sicher aber der Aufsehen Erregendste. Zu seinen profiliertesten Leistungen zählten seine Kommentare, die sich auch seitenlang mit Spannung lasen. Aber er schuf nicht ein Klima, das solche Leistungen redaktionsintern zur Referenz von Nachwuchskräften machte, und in dem Erneuerungsfreude zur handwerklichen Daueraufgabe gehörte. Düster ist die Bilanz der journalistischen Talente, die Platz in zwei Jahrzehnten als Chefredaktor hervor gebracht hat. Er blieb eine einsame Schreib-Ikone - und diese Rolle schien ihm zu genügen. Aber auch formal zeigte sich die Zeitung gegenüber neuen Entwicklungen und Gewohnheiten weitgehend immun. Was Verleger Matthias Hagemann am politischen System zu Recht kritisiert - die Ignoranz gegenüber offensichtlichen Missständen -, schien sein damaliger Chefredaktor in eigener Sache, von wenig überzeugenden Ausnahmen abgesehen, regelrecht zu kultivieren: Die Konserven-Zeitung als vermeintliches Erfolgsrezept.

Im Wirtschafts-Hoch und unter den geschützten Bedingungen eines faktischen Monopols ging diese Strategie auf. Doch mit dem Einbruch auf dem Anzeigenmarkt führte sie in den Niedergang. Innerhalb weniger Jahre verlor die BaZ 15 Prozent ihrer Auflage. Platz reagierte nie mit einer markanten Anpassung. Seine sichtbarsten Neuerungen waren die Regio-Beilage "3" und das monothematische Frontseitenkonzept - beide scheiterten.

"Jekami als Forums-Verständnis
war ein verhängnisvoller Irrtum."




Ursprung der Abgrund-Situation war die Zeit nach der Fusion von "National-Zeitung" und "Basler Nachrichten" im Frühjahr 1977, als sich die neue "Basler Zeitung" zur Beruhigung der aufgebrachten Leserschaften auf das Konzept einer "Forums-Zeitung" festlegte, die das Monopolblatt lesernah und vor allem überparteilich im umfassenden Sinn positionieren wollte. Doch die Beschwichtigungsstrategie "Forum" entpuppte sich als Illusion: Die Redaktion trat einen Teil ihrer fundamentalen Pflicht - unerschrocken und auch gegenüber höchsten hierarchischen Positionen Stellung zu beziehen -, an die Leserschaft ab, so dass die Leserbriefseite oft die spannendste im ganzen Blatt war. Längst hatte die regionale Pflanze im schweizerischen Blätterwald jene Bedeutung verloren, über die Blätter ähnlicher oder selbst geringerer Grösse noch verfügten.

Gleichzeitig mit der weitgehenden Abtretung der redaktionellen Entscheidungshoheit an externe Kräfte verlor die Redaktion ihre Souveränität: Sie wurde mehr und mehr zur Verwalterin der Anspruchsgruppen und Lobbies mit dem Ergebnis, dass das Blatt zum gedruckten Wunschkonzert mutierte und allgemeine Unzufriedenheit einkehrte. Denn in einer Gesellschaft, die sich immer hemmungsloser über ihre Wahrnehmung durch die Medien definiert, ist der Hunger nach öffentlicher Präsenz unersättlich. Gleichzeitig sahen sich die Medienschaffenden mit immer professioneller aufgerüsteten und früheren journalisten besetzten PR-Abteilungen konfrontiert, die es vorzüglich verstehen, die Agenda der Medienberichte immer dichter zu besetzen.

"Die Gier nach Öffentlichkeit
und Selbstdarstellung ist unersättlich."




Die Auswüchse dieser Entwicklung spüren alle, die im Basler Medienbetrieb tätig sind: Die Flut an "Medien-Communiqués", "Medien-Apéros", "Medien-Empfängen" und Einladungen zu Schnickschnack jeder Variation hat ein Ausmass angenommen, dass schon eine mediokre Parteien-Verlautbarung wie eine Offenbarung erscheint.

Häufig sind Journalisten nur Staffage von Anlässen, die vor allem gesellschaftliche oder protokollarische Bedeutung haben. Der Inhalt solcher "Empfänge" steht meist in krassem Gegensatz zur Masse: Federleicht bis nicht erkennbar. Da wird aber auch ein hundskommuner Leserbrief zum "Presse-Communiqué" in der Absicht, bedeutungsschwer zu wirken; da halten Aktivisten die Inszenierung einer "Pressekonferenz" für notwendig, wo die Nachricht dazu in wenigen Zeilen zu vermitteln wäre; da wunderten sich Regierungsratskandidaten neuerdings, wenn sie vor sechs Personen auftreten - und erst noch die Presse fehlt; Parteivorsitzende zeigen lange Gesichter, wenn zur lange vorbereiteten "Medienkonferenz" mehr Veranstalter als Journalisten aufkreuzen. Vor einigen Wochen kündigte gar ein bekannter Gewerkschafter seine eigene Grossratskandidatur per "Mediencommuniqué" an. Noch grotesker: Der Basler Frauenrat verschickte Anfang September, als "Medienmitteilung" getarnt, einen auf Erfolg getrimmten Bericht über die "1. Basler Grossrätinnendebatte", die erst tags darauf stattfand und in Wahrheit eher enttäuschend verlief.

Wer es darauf abgesehen hat, das unbedingte Recht auf Zugang in die Medien einzufordern, wird Ivo Bachmann künftig mit grosser Wahrscheinlichkeit enttäuschen müssen. Denn Verlautbarungs-Journalismus hat in einem demokratisch verfassten Staat weder eine inhaltliche Berechtigung noch eine Marktchance. Die Zahl der publizierten Zeilen dürfte sich künftig an der öffentlichen Relevanz des Ereignisses richten und nicht mehr an der Relevanz des Veranstalters. Jede aus Konzept- oder Spargründen nicht besuchte Veranstaltung, jeder abgewiesene Leserbrief und jeder unbeantwortete Brief löst in der durch Dienstfertigkeit verwöhnten Lesergemeinde Frustration aus.

"Es geht nicht um Antiqua oder Grotesk.
Es geht um die Inhalte."




In diesem Licht ist auch der naive Protest der Kulturbetreiber gegen die Einführung der Kostenpflicht von Eintragungen in den Veranstaltungskalender der BaZ-Kultur-Beilage zu sehen. Solcher Aktionismus ist genauso verantwortungslos wie es verantwortungslos war, den Anspruchs-Infarkt überhaupt entstehen zu lassen. Natürlich hat die Verleger-Familie Hagemann mit der "National-Zeitung" und später mit der "Basler Zeitung" und verwandten lokalen Titeln während Jahrzehnten Geld, sehr viel Geld verdient. Ihr aber jetzt Gratiswerbung abtrotzen zu wollen, da die grosse Konkurrenz in Zürich nur darauf wartet, bis die Basler Familien-Firma wankt, um dann zuzuschlagen, ist fatal missverstandener Kulturförderungs-Anspruch und Ausdruck jahrelanger Verwöhnung. Mit welchem Recht sollen - "Kulturstadt" hin oder her - Arbeitslose, Menschenrechtsgruppen, Regenwaldschützer oder Tourismusvereine nicht gratis inserieren dürfen? Öffentlichkeitsarbeit ist Marketing und Marketing kostet Geld.

In hohem Mass blauäugig ist auch die Petition an die NZZ. Viel scheinen die Petitionäre vom Mediengeschäft nicht zu verstehen. Scheinbar glauben sie allen Ernstes, dass die NZZ-Manager das Basler Marktpotenzial nicht längst abgeklärt haben.

Die Entwicklung zeigt in die genau gegenteilige Richtung: Die Pressekonzentration in der Schweiz wird weiter zunehmen. Dabei wird sich auch der Verteilungskampf um den Zugang in die Medienkanäle ebenso verschärfen wie sich die Strategien dazu verfeinern. Was es unter solchen Vorzeichen braucht, sind wirtschaftlich starke, eigenständige, aber auch faire Medien und Medienschaffende, die den Gefahren widerstehen können - etwa dann, wenn Versuche ruchbar werden, dem Zugang zur Öffentlichkeit durch verlockende Angebote nachzuhelfen.

In einem epischen "Offenen Brief" an BaZ-Verleger Matthias Hagemann beklagt der Historiker und frühere BaZ-Autor Markus Kutter hingebungsvoll das untaugliche Layout der neuen "Basler Zeitung" und erklärt damit die Zeitung gesamthaft für eigentlich nicht mehr goutierbar. Er beklagt Fettdruck und Blocksatz, wo er Normalschnitt und Flattersatz gediegener fände. Doch es geht weder um Block- noch Flattersatz, weder um Grotesk noch Antiqua. Es geht darum, ob die Baslerinnen und Basler in einem Anfall von kollektiver Hysterie ihre einzige grosse Zeitung kaputt kritisieren zu einem Zeitpunkt, da sie im Begriffe ist, längst verlorene journalistische Souveränität und handwerkliche Grundwerte zurück zu erlangen. Andere, die jetzt nörgeln, haben dem augenfälligen Niedergang jahrelang zugeschaut. Aber jetzt, da Verleger Matthias Hagemann mit seiner Mediengruppe in der wohl schwersten Zeit der letzten fünfzig Jahre steht, verweigern sie ihm abwartendes Wohlwollen - von Unterstützung gar nicht zu reden.

"Verleger Matthias Hagemann
macht keine Geschenke."




Machen wir uns nichts vor: Der BaZ-Verleger ist nicht der Mann, der Geschenke macht, an Konkurrenten schon gar nicht. Er hat nebst öffentlichen selbstverständlich auch private Interessen zu verteidigen. Aber das ist nicht neu. Neu hingegen ist, dass Matthias Hagemann, der das Unternehmen gleich zu Beginn eines konjunkturellen Langzeit-Tiefs übernommen hat und seither als Regen-Kapitän fungiert, das Steuer entschlossen herum gerissen hat. Dazu gehört der Verkauf der Jean-Frey-Gruppe und der Rückzug auf das Stammgebiet am Juranordfuss. Dazu gehört aber auch sein Entscheid, seine Tageszeitung von Grund auf inhaltlich und formal zu reformieren und den nicht verfilzten Nicht-Basler Bachmann an die Redaktionsspitze zu berufen, der gleich in seinem ersten öffentlichen Auftritt vor rund einem Jahr in Basel deutlich machte, dass sich die Zeitung fortan nicht mehr "sklavisch" nach dem "Terminplan der Räte oder nach der parteipolitischen Agenda" richten wolle.

Hagemann zählt nicht zu den Verlegern, die ihre Managern die lange Leine überlassen. Vielmehr hat er sich in wenigen Jahren beträchtliche medienwirtschaftliche Kompetenz erworben. Er hat also gewusst, worauf er sich einliess, als er Bachmann holte und eine Generalüberholung seiner Tageszeitung bestellte. Er betrachtete diese Grundsatzentscheide als einzige Möglichkeit, die Autonomie des Verlagshauses und seine Vormachtstellung in der Nordwestschweiz langfristig abzusichern - wenigstens im Rahmen des Möglichen. Schon bereitet er jedenfalls sein Redaktionsteam angesichts galoppierend schwindender Erträge auf eine Zeit verstärkter Kooperationen, verbunden mit sinkender Nachfrage an personellen Ressourcen vor.

Während indes der frühere Chefredaktor Hans-Peter Platz die Strategie seiner Zeitung weitgehend autonom bestimmte, hat Nachfolger Ivo Bachmann in Matthias Hagemann einen kompetenten und intelligenten Sparringpartner. Mit ihm kann er die kleinen Freuden teilen - und vor allem die grossen Sorgen.

"Ivo Bachmann bleibt keine grosse Chance,
aber die letzte."




Dem neuen Chef und Buhmann Bachmann bleibt keine grosse Chance, sondern die letzte: Er muss in der Region Basel nicht nur den Journalismus neu erfinden, sondern vor allem das, was sein Publikum bisher darunter verstand. Er darf das Bildungsbürgertum nicht verlieren und muss gleichzeitig kurzfuttersüchtige Jungleser und Nachwuchs-Abonnenten hinzu gewinnen.

Wie er diesen Spagat bei schwindenden personellen und finanziellen Ressourcen vollbringen will, ist im Moment noch nicht absehbar: Die Zeitung, die die neue BaZ eigentlich sein will, ist sie längst noch nicht: Der Umbau wird Jahre dauern. Die Texte werden kürzer, die Bilder grösser und emotionaler, die Titel prägnanter, die Story-Ansätze Interesse weckend. Aber dieser Fortschritt allein garantiert noch längst nicht den Erfolg, so lange sich die Basler Gesellschaft den zweifelhaften Spass leistet, der noch fragilen Presse-Pflanze mit teils offener Feindschaft entgegen zu treten, nachdem sie schon für die Zeitung unter Platz nur ein "tssss" übrig hatte: Ivo Bachmann muss Parteien, Vereinen, Gesellschaften, Institutionen, Administrationen, Regierungs- und Grossräten beibringen, dass sich der neue BaZ-Journalismus nicht mehr um ihre publizistischen - und narzisstischen - Interessen dreht, sondern um den Bauchnabel der Redaktion.

Dies ist gar nicht ironisch gemeint: Durch die Rückführung der Bewertungs- und Gestaltungshoheit in die Ränge der Redaktion reisst sie eine ureigentliche Kernaufgabe wieder an sich, die Service an der Öffentlichkeit keineswegs ausschliesst, sondern ihn im Gegenteil erst wirklich möglich macht. Denn Jekami ist kein ernsthaftes publizistisches Konzept, und schon gar kein wirtschaftliches. Ivo Bachmann muss also nicht bloss die "Basler Zeitung" optisch und strukturell etwas aufpäppeln, sondern - weitaus mühsamer - den Anspruchs-Infarkt nachhaltig therapieren. Er muss den Basler Zeitungs-Lokaljournalismus neu erfinden.

"Ist eine aus Zürich gesteuerte BaZ
ein wirtschaftlicher Standortfaktor?"




Ein Honiglecken wird der Bewusstseins-Umbau nicht sein: Einer Region mit über einer halben Million Einwohnern muss er schonungsvoll, aber konsequent an die neuen Regeln des Journalismus gewöhnen. Nicht mehr die Anspruchsgruppen unter den Leserinnen und Leser bestimmen die Agenda, sondern die Redaktion. Eine der Folgen dürfte sein, dass die Zeitung reine Freundschafts-Präsenz auf das Unumgängliche reduziert, Veranstaltungen nur nach dem Kriterium der journalistischen Substanz besucht und auf "Communiqués" nur noch nach öffentlicher Bedeutung eingeht. Die Zeit wird - nicht nur bei der "Basler Zeitung" - vorbei sein, in der Journalisten in immer knapperen Fristen zu beliebigen sogenannten "Medien-Events" gleich welcher Bedeutungslosigkeit herbei gepfiffen werden können in der sicheren Erwartung, dass sie auch erscheinen - und dies hinterher auch mit einigen Zeilen dokumentieren.

Das hat nichts zu tun mit der Missachtung des Publikums, sondern mit der Glaubwürdigkeit einer unabhängigen Redaktion. Sie ist die einzige Rechtfertigung zur Aufrechterhaltung einer autonomen Zeitung im zweitwichtigsten Wirtschaftsraum der Schweiz. Wie ungnädig hinter vorgehaltener Hand ausgerechnet auch in Kreisen des Basler Wirtschafts-Establishment ein Kritik-Gewitter auf die "Basler Zeitung" herunter prasselt ist verwunderlich - vor allem weil der Zeitung alles vorgeworfen wird, nur nicht Linkslastigkeit. Ist eine aus Zürich gesteuerte "Basler Zeitung" ein wirtschaftlicher Standortfaktor für die Region am Rheinknie?

Eine grosse Verantwortung lastet darum nicht nur auf dem Duo Hagemann/Bachmann und der gesamten Redaktion, sondern ebenso auf dem Publikum. Es muss den Dirigenten der neuen Zeitung beim Versuch unterstützen, das Medien-Bewusstsein umzuschichten, oder ihm zumindest mit kritischem Verständnis begegnen. Schöner als mit dem Streit um Veranstaltungsinserate jedoch könnte die Massstab-Verschiebung nicht belegt werden, an der die Debatte um die neue "Basler Zeitung" leidet: Ein harmloser Luxus-Streit als Projektion einer verdrängten, aber dringend nötigen Inhalts- und Strukturdiskussion. Es sieht wieder einmal so aus, als leiste sich Basel freiwillig einen Nebenkriegsschauplatz, nur weil es gegenwärtig gerade nicht anderes zu sezieren gibt.

* ex-Ciba-Präsident Alexander Krauer (links), Universitäts-Präsident Rolf Soiron (rechts)

30. November 2004

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"Die neue BaZ schneidet sehr schlecht ab"

Ich habe eine "alte BaZ" vor mir liegen. Wenn ich die "neue BaZ" dazu vergleiche, scheidet sie im Vergleich sehr schlecht ab. Für mich in der Nähe von Boulevard. Werde mein Abo nicht mehr verlängern.


Othmar Freytag, Allschwil



"Sogar -minu mutierte zu Säbelzahntiger"

Ich lese von Herrn Knechtli eine grossartige Darstellung der Mediensituation. Eine brilliante Analyse! Ich gehöre aber zu dem Teil der BaZ-Abonnenten, die Mühe bekunden, sich neu zu orientieren; was ist Werbung (grün hinterlegt...?), was gehört zum Inhalt? Der jeweilige Bericht aus dem Grossen Rat ist ein wenig knapp gehalten. Sagen wir es so: Ich bin wegen wegen meines hohen Alters zu wenig flexibel, mich an neue Strukturen zu gewöhnen. Andererseits; das Blatt hat an Biss gewonnen. Sogar -minu mutierte vom Eichhörnchen zum Säbelzahntiger. Falls dieses Niveau gehalten werden kann, werde auch ich die Verlängerung des Abos in Betracht ziehen.


Theo Degen, Röschenz



"Die Selektion möchte ich selbst vornehmen"

Bestimmt stimmen viele von Peter Knechtlis Einschätzungen, und gerade einige der jungen Autoren sind eine wirkliche Entdeckung, allen voran Philipp Loser. Aber einiges gibt es doch einzuwenden: Die Selektion, was wichtig ist und was nicht, möchte ich gerne als Leser, als mündiger Bürger, selber vornehmen. Dazu muss mir aber eine grösstmögliche Auswahl geboten werden. Da die BaZ-Redaktion sich anmasst, diese Selektion selbst vorzunehmen, lässt sie auch sehr viel Relevantes weg. Darum ist die BaZ-Lektüre zwar durchaus ein Genuss, aber nur in Kombination mit einem gleichzeitigen Abo der Basellandschaftlichen Zeitung hat man eine lückenlose Abdeckung dessen, was in der Region von Interesse ist.

 

Der ganz grosse Mangel, der dringend behoben werden muss, ist die sprachliche Schludrigkeit der BaZ. Nicht nur kennen die Redaktoren die deutschsprachigen Bezeichnungen von Ortsnamen in unserer französischsprachigen Nachbarschaft nicht (Mülhausen, Hüningen, Strassburg, Delsberg, Pruntrut usw.), nein, es wimmelt in jeder Ausgabe von Fallfehlern, Grammatikfehlern, falsch geschriebenen Namen, falschen Trennungen und Kommas und plumpen Orthographieschnitzern. Es ist nun einmal so: wer einen formal fehlerhaften Bericht vorgesetzt bekommt, zweifelt automatisch auch an der inhaltlichen Richtigkeit.

 

Zwei weitere Bemerkung, eher Kleinigkeiten betreffend: Die Abkürzung "baz" statt "BaZ" und die ganze blasierte Kleinschreibung wirken einfach kindisch, also zurück zu normalem Deutsch! Das Tabloidformat finde ich persönlich sehr gut; bedauerlich nur, dass die BaZ auf halbem Weg stehen geblieben ist und nicht gerade die ganze Zeitung im Kleinformat erscheinen lässt. Die Trams und Züge am Morgen wimmeln von fluchenden Pendlern, denen die kleine Kulturbeilage beim Versuch, den übrigen Zeitungsteil umzublättern, zu Boden fällt...

 

Insgesamt aber ist die BaZ auf einem richtigen, guten Weg hin zur (optisch und inhaltlich) attraktiven Zeitung.


Andy Zeugin, Basel



"Ein Spiegel der Vereinfachungen in dieser Stadt"

Ihnen ist ein sehr fundierter, differenzierter Beitrag gelungen, der dieser Stadt den Spiegel ihrer Vereinfachungen in Sachen Medien zeigt. Man redet gerne Meinungen anderer nach und diejenigen, welche individuell urteilen, sehen sich schnell in der Minderheit. Gerade zum Wahlausgang dieses Wochenendes hat die BaZ gut berichtet und analysiert. Aber die Masche "früher war alles besser..." lässt sich nun mal optimaler einsetzen ohne Argumentationszwang. Unter Chefredaktor Platz verkam die Zeitung zu einem ziemlich unpolitischen Blatt, bei welchem ein Bericht über den Abendverkauf wichtiger wurde als parteipolitische Auseinandersetzungen. In all der Kritik über die BaZ sind substanzielle Punkte selten zu finden, und auch der Hinweis fehlt, was früher denn so viel besser hätte sein sollen.


Karl Linder, Basel



"Wiedereinführung von journalistischer Kultur verdient Unterstützung"

Dieser Artikel war überfällig. Endlich sagt mal jemand etwas Kluges zur neuen Basler Zeitung. Der Versuch, in Basel wieder eine journalistische Kultur einzuführen, verdient Unterstützung.


Hans-Peter Wessels, Basel



"So viel Papier und Druckerschärze"

Der Artikel ist sehr anregend, aber nichts desto trotz gehöre ich zu den Snobisten, die diese Zeitung abbestellen. "Tant de bruit pour une omelette": So viel Papier und Druckerschwärze und -farbe und soviel Mühe, das, was ich wissen will, in dem "Gnusch" zu finden und die Information rauszufiltern. Nein danke, ich denke selber.


Beatrice Alder, Basel



"Die Zeitung wirkt erfrischend neu"

Alles, was für den Menschen beziehungsweise für den BaZ-Leser neu ist, scheint gewöhnungsbedürftig. Die Basler Zeitung hat sich seit geraumer Zeit ein neues Gesicht gegeben. Ich finde die BaZ gut bis sehr gut. Ihre Artikel sind informativ, die Gestaltung ist dem heutigen Zeitgeist angepasst. Kosmetische Korrekturen könnte man an jedem Gesicht machen, doch letztlich wirkt die Zeitung erfrischend neu. Kurzum, macht weiter so bei der BaZ, micht freuts.


Samuel Wehrli, Pratteln



"Region braucht ein kritisches und unabhängiges Blatt"

Gratulation Herr Knechtli. Ihr Beitrag ist sehr wichtig in der Diskussion um die neue BaZ. Die Perspektive muss sein: Die Region Basel braucht ein kritisches und unabhängiges Blatt von überregionaler Bedeutung.


Gerhard Matter, Liestal



"Unter der BaZschen Käseglocke bequem geworden"

Sehr treffend, dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, ausser vielleicht dies: Wenn ich in der Stadt Leute auf die neue BaZ anspreche, kommt zuerst immer der übliche BaZ-Schmäh. Über die BaZ zu schnöden, ist für den Basler Teil seines Habitus geworden. Bohre ich nach und frage, was denn mein Gegenüber von konkreten Artikeln gehalten hat, kommt das Eingeständnis des Gegenübers, gerade diesen (oder diese) Artikel nicht gelesen zu haben.

 

Der Schluss daraus wird wohl sein, dass die Basler es sich in den letzten zwanzig Jahren abgewöhnt haben, diese Zeitung auch wirklich zu lesen. Sei es, weil die Artikel uninteressant geschrieben waren, sei es weil der Inhalt selbst nicht von Interesse war.

 

Jetzt, wo immer mehr lesenswerte Artikel erscheinen, die News beinhalten und teils sogar exzellent geschrieben sind, werden sie nicht wahrgenommen. Wer über die BaZ herzieht, hat entweder den direkten Zugang zur Redaktion verloren und beklagt diesen Verlust an Einflussmöglichkeit oder stimmt unreflektiert und vor allem unfundiert in eine diffuse Mehrheitsmeinung ein. Man könnte fast meinen, unter der BaZschen Käseglocke sei die hiesige Population bequem, selbstgefällig und überheblich geworden. Weshalb soll man noch neugierig sein, wenn man alles weiss und der Nabel der Welt ist? Aber vielleicht kommt die Neugier ja wieder zurück.


Erwin Zbinden, Basel



"Die Erste bis Vierte Gewalt in Basel hatten fusioniert"

Siginifikant zu dem Zerfall der Bürgerlichen zu Basel beigetragen hat - Ironie der Geschichte - der Protektionismus der alten BaZ. Wie Peter Knechtli richtig sagt: Opportunismus ersetzte Journalismus! Vermeintlicher Teil der Eilte zu sein, war - ganz "Speditionsmentalität" - wichtiger, als konstruktiv kritisch über die vermeintlichen und tatsächlichen Eliten zu berichten. Fakt: Die Erste bis und mit Vierte Gewalt zu Basel hatten fusioniert. Bilanz: Linksextrem, Links und Rechtsextrem: 72 Prozent!

 

Die ersten, mutigen Schritte der neuen BaZ zeigen in die richtige Richtung. Solange Matthias Hagemann & Cie. es aber unterlassen, Nepotisten, politisch, wirtschaflich und sonstwie Schuldige (weil privilegiert aber erfolgslos) kompromisslos beim Namen zu nennen und dank exzellenter Recherchenarbeit journalistisch zum Rücktritt zu bewegen, solange wird in dieser Stadt die Mediokratie über der Meritokratie stehen, solange wird in dieser Stadt der Untergang der (zu) traditionellen Bürgerlichen andauern.

 

Erst wenn der Marktführer BaZ durch Umsetzung der reinen Lehre der Vierten Gewalt die Transparenz fördert, wird es zur Selbstverständlichkeit und somit auch hier zur politischen Kultur, dass sich zum Beispiel die drei "traditionellen Mitglieder" jenes dilettantischen Ständerats-Deals 2003 - also Markus Lehmann, Urs Schweizer und Christine Wirz - zurückzögen. Hoffentlich ist es bald so weit, denn dann hätten die Jungen Motivation, in der Politik zu bleiben!


Patric C. Friedlin, Basel



"Günstige Jung-Journis mit Schülerzeitungs-Erfahrung"

Ich gebe Herrn Knechtli in einigen Punkten durchaus Recht. Zum Glück beginnen sich einige der neuen Journalisten nun langsam - und hoffentlich auch sicher - zu profilieren. Aber der Start der neuen BaZ und der neuen Crew war eine einzige Katastrophe. Zuerst nahm der neue Chefredaktor mit Ankündigungen den Mund gar voll und weckte Erwartungen, die dann nur zum kleinen Teil eingelöst wurden. Kam dazu, dass mit bewährten langjährigen Journalisten unanständig, ja eigentlich unverantwortlich umgegangen wurde. Da sind einige "Verabschiedungen" über die Bühne gegangen, die einen sehr bitteren Nachgeschmack hinterlassen haben.

 

Kommt weiter dazu, dass sich dadurch auch ein massiver Wissensverlust über das lokale Geschehen und die Zusammenhänge ergab, der von den günstigen Jung-Journis mit Schülerzeitungs-Erfahrung anfänglich - verständlicherweise - nicht kompensiert werden konnte. Da kam es folgerichtig zu etlichen journalistischen Versäumnissen, mit welchen die BaZ unter der neuen Leitung, noch im alten Layout, die halbe Stadt verärgert hat - zum Beispiel der Bericht über ein grosses Zunftjubiläum, der nur in Form eines zynischen Bildes stattfand.

 

Es ist halt schon so, dass bei aller Liebe zur Recherche und Unabhängigkeit auch ein Basisservice an die Leserschaft - nennen wir sie durchaus Kunden - erwartet wird. Gewisse Pflichtstoffe bleiben, trotz Internet und Lokalradio und TeleBasel. Das sollte die hohe Chefredaktion und Verlegerschaft zur Kenntnis nehmen und sollte nicht halb verwundert und ganz beleidigt auf gutmeinende Kritik reagieren.

 

Ein wesentlicher Punkt ist auch die - milde formuliert - äusserst gewöhnungsbedürftige Gestaltung. Da rotieren ganze Hundertschaften von gelernten Gestaltern und Typographen in ihren Gräbern ob der typographischen "Verbrechen". Wer, bitteschön, soll beispielsweise Texte in Kästchen mit der kleinen, feinen Groteskschrift auf farbigem Grund lesen können? Ist das nicht ein direkter Angriff auf die Alten ab 50, mit der unterschwelligen Aufforderung, bitte nicht mehr die BaZ zu lesen?

 

Mein Fazit: Ich lese die BaZ täglich, teilweise mit Genuss, oft immer noch mit grosser Verwunderung. Weitere Verbesserungen sind dringend nötig. Sonst wird in der Diskussion - und in der Ablehnung - keine Ruhe einkehren.


Edwin Tschopp, Basel


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"Die Temperaturen kratzen heute am Gefrierpunkt."

BZ Basel
Newsletter
vom 1. Dezember 2017
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Hinterliessen sie Spuren, die Temperaturen?

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.