© Foto by Ruedi Suter
Louis Soutter (1871-1942): Saloons américains du tragique New York, 1939

Schöpferische Explosionen mit Spätwirkung

Louis Soutter, der Maler mit dem schweren Leben, ist noch bis zum 5. Januar im Kunstmuseum Basel zu erleben


Von Aurel Schmidt


Im Kunstmuseum Basel sind noch bis 5. Januar 2003 Zeichnungen, Illustrationen und Fingermalereien eines einzigartigen Schweizer Künstlers zu sehen. Er war lange verkannt und ist auch heute noch eher eine Randerscheinung in der Kunstwelt. Dabei gehört er zu den Grossen der Kunst des 20. Jahrhunderts: Der Maler Louis Soutter (1871-1942).


Ihm den gebührenden Platz zu geben, ist die Absicht dieser grossen Ausstellung "Louis Soutter et les modernes" im Kunstmuseum Basel. Gezeigt werden etwa 110 Zeichnungen und Illustrationen, 90 Fingermalereien und sechs illustrierte Bücher. Zwei Räume der Ausstellung sind berühmten Werken der internationalen klassischen Moderne gewidmet, übrigens alle aus den Beständen der weltbekannten Öffentlichen Kunstsammlung Basel. Diese dienen als Gegenüberstellung zum Aussenseiter-Werk Soutters, das aber neben diesen Werken durchaus bestehen kann.

Stichartige Silhouetten im Spätwerk

Die Betrachtenden können die Bilder Soutters nun direkt vergleichen mit den Kubisten wie Braque, Picasso, Léger, mit den Surrealisten wie Ernst und Dali oder Miro. Am interessantesten fallen wohl die Vergleiche aus mit Nolde, Munch, Corinth, Chagall, Klee, Kandinsky, Kokoschka und Giacometti. Giacometti vor allem, dessen lang gezogene Menschenfiguren den strichartigen Silhouetten in Soutters Spätwerk am meisten verwandt sind. Vollständig weggelassen wurden in dieser Ausstellung die Bezüge zur Gegenwartskunst nach Soutter. Interessant wäre zu erfahren, ob und in welchem Masse Soutter Einfluss hatte auf die Werke eines Keith Haring, Harald Nägeli, der Strichmännchen-Sprayer, Georg Baselitz und vor allem A. R. Penck. Ob sie je von Soutter gehört oder Werke von ihm gesehen haben?

Der Direktor des Kunstmuseums, Bernhard Mendes Bürgi, erzählt, wie er selbst überwältigt und ergriffen war, als er vor vielen Jahren erstmals Bilder von Louis Soutter sah. "Seine dynamisch-gestische Malerei ist nie abstrakt; es sind zeichenhafte, hieroglyphenartige Silhouetten." Konservator Hartwig Fischer musste eine strenge Auswahl treffen aus dem Gesamtwerk, das heute noch etwa 3'000 Blätter umfasst. "Aber das ist wohl nur ein Viertel von dem, was er geschaffen hat. Vieles ist damals nicht geschätzt und einfach weggeworfen worden. Soutter war hochbegabt, aber sozial nicht 'kompatibel', sein Verhalten war einfach zu bizarr für die damals sehr engherzige Umwelt."

Violonist und Ingenieursstudent

Louis-Adolphe Soutter wurde am 4. Juni 1871 in Morges am Genfersee geboren. Sein Vater war Apotheker, seine Mutter, eine musikalische Frau, war die Grosstante von Charles Edouard Jeanneret, der als Architekt "Le Corbusier" Weltrang erlangte, und der auch ein grosser Förderer und Vertrauter von Louis Soutter wurde. Soutter wuchs also in einem grossbürgerlich-protestantisch-gebildeten Milieu auf und erhielt als Kind Violinunterricht. An der Universität Lausanne begann er ein Ingenieurstudium, das er aber abbrach, um in Genf Architektur zu studieren.

Aber auch diesen Weg brach er ab und ging in Brüssel ans Conservatoire Royal, wo er Schüler des berühmten Geigers und Komponisten Eugène Ysaye wurde. Brüssel war in jener Zeit ein Laboratorium der Avantgarde. Soutter beendete aber auch das Musikstudium nicht und kehrte Ende 1894 in die Schweiz zurück, um Zeichen-und Malunterricht zu nehmen. Dann reiste er für weitere Malstudien nach Paris; 1897 übersiedelte er nach Colorado Springs in den USA, wo er seine amerikanische Frau Madge Fursman heiratete.

Mit 52 Jahren ins Altersheim abgeschoben

Das Colorado College ernannte Louis Soutter zum Leiter des neu gegründeten Art Department. 1903 folgte die Scheidung von seiner Frau und der Rücktritt von seinem Amt am College. Physisch und psychisch sehr geschwächt kehrte er in die Schweiz zurück. 1908 trat er in das Symphonieorchester von Lausanne ein, dessen Leitung Ernest Ansermet 1910 übernahm. Soutter fiel auf durch sein kauziges, ja bizarres Verhalten. Er wechselte 1915 zum Genfer Orchester, konnte aber seinen aufwändigen Lebensstil nicht finanzieren. Er wurde deshalb unter Vormundschaft gestellt.

Er zog immer wieder als Musiker durch die Schweiz und führte zunehmend das Leben eines dandyhaften Vagabunden. 1923 wurde Louis Soutter schliesslich von seinem Vormund und seiner Familie mit 52 Jahren in das Altersheim von Ballaigues eingewiesen, einem abgelegenen Dorf im waadtländischen Jura. Und hier blieb er, gegen seinen Willen und zutiefst unglücklich, in einem Klima christlich-moralisierender, autoritärer Fürsorge und ohne Verständnis für sein künstlerisches Werk, bis an sein Lebensende. Er unternahm lange Wanderungen, fastete, zeichnete. Er zeichnete mit Feder und Tinte oder Tusche zunächst in Schulheften, später auf grösseren Blättern. Er pflegte Kontakte mit dem Künstler René Auberjonois und mit seinem Cousin Le Corbusier.

Schatten und Lichter mit den Fingern auf Papier verewigt

Etwa 1937 begann Louis Soutter mit den Fingern zu malen. Le Corbusier war von diesen neuen Werken nicht begeistert. Soutter blieb dabei; meist auf dem Fussboden arbeitend, manchmal völlig entkleidet. Der Körper selbst wurde zum Werkzeug; es gab keinen Abstand mehr zwischen dem Maler und dem Papier. Er selbst sagte, was ihn anziehe, seien nicht die Dächer und die Häuser, sondern die Leere zwischen ihnen. Einmal wies er auf ein weisses Blatt und bemerkte: "Schauen Sie, die Schatten und Lichter auf diesem Papier; ich mache nichts anderes als sie zu deuten, und so entsteht meine Zeichnung."

Er malte schwarze, schattenhafte, heimatlose Figuren in einem weissen, leuchtenden, ortlosen Raum. Die Blätter bekamen Titel wie "Katastrophe", "Vampir, das ist der Krieg", "Vor dem Massaker", "Golgatha", "Weihnacht im Krematorium", "Halsketten der Schönheit", "Angestellte des Bluts", "Arme Leute und ihr totes Holz", "Von den Heiligen verstümmelt", "Die Gestrüppigen", "Geburt bei Mondschein". Am 20. Februar 1942 starb Louis Soutter, 71jährig und völlig vereinsamt, in Ballaigues.

"Er ist den Grossen der Zeit ebenbürtig"

Konservator Hartwig Fischer möchte Louis Soutter nicht als Naiven oder als Art-brut-Künstler verstanden wissen. "Er ist den Grossen der Zeit ebenbürtig." Heinz Holliger widmete Louis Soutter ein Violinkonzert, das im Museum angehört werden kann; ebenso Musik von Soutters Lehrer Eugène Ysaye. Zur Ausstellung ist ein umfassender Katalog erschienen, wo auch Texte von Le Corbusier, René Auberjonois, Jean Dubuffet und Heinz Holliger abgedruckt sind. Ein Programm mit Vortrag, Konzert, Lesung und Filmen begleitet die Basler Ausstellung, die noch bis 5. Januar 2003 dauert. Ab 21. Februar 2003 wird die Ausstellung in Lausanne zu sehen sein.

25. Dezember 2002


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Temperaturen kratzen heute am Gefrierpunkt."

BZ Basel
Newsletter
vom 1. Dezember 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Hinterliessen sie Spuren, die Temperaturen?

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.