© Foto by OnlineReports.ch
"Handlung nicht mehr linear": Regisseur Baumgarten im OnlineReports-Gespräch

Sebastian Baumgarten inszeniert am Theater Basel seine erste Verdi-Oper

Der Starregisseur erarbeitet mit einem jungen Sängerteam die  tragischen Szenen zur Musik von "La forza del destino"


Von Jürg Erni


Mit dem "Tannhäuser" hat der Ostberliner Regisseur Sebastian Baumgarten (47) die Wagnerianer auf Bayreuths Grünem Hügel in Wallung gebracht. Nun wagt er sich bei seinem Basler Debüt erstmals an eine Verdi-Oper: "La Forza del destino". Die tragische Geschichte eines verkannten Aussenseiters.


Sebastian Baumgarten verkörpert das in traditionellen Kreisen ungeliebte Regietheater. In der Tradition einer Ruth Berghaus zeigt er radikale Deutungen, die den romantischen Belcanto-Gesang aus der Kuschelecke verdrängen und die Szenen eigenwillig interpretieren.

Der Sohn einer Sängerin und eines Arztes, der Enkel des früheren Intendanten der Berliner Staatsoper Unter den Linden, studierte an der Musikhochschule "Hanns Eisler" in Ostberlin. Er war bereits Operndirektor in Kassel und Chefregisseur in Meiningen und führt neuerdings in München Studierende in die Geheimnisse der Regie ein.

Von Händel bis Weill

Baumgartens Leistungsausweis im Bereich Musiktheater ist beachtlich. Händel und Mozart, Berlioz und Bizet, Berg und Britten führen die Liste seines Repertoires an. Nach Puccinis "Tosca" und seinem "Trittico" öffnet sich der Kreis der romantischen Opern zu Verdis vieraktigem Melodramma "La forza del destino".  

Die Opernregien nehmen allerdings nur einen Drittel seiner bisher über 60 Inszenierungen ein. Baumgarten ist ein ebenso begehrter Schauspiel-Regisseur. Auch in den Zwischensparten ist er zuhause: Mit Strawinskys "Geschichte vom Soldaten" hat er in Dresden begonnen, mit dem "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" von Bert Brecht und Kurt Weill setzt er die Schweizer Gast-Inszenierungen am Opernhaus Zürich als Nächstes fort.

Verdi versus Puccini

Beim Gespräch sitzt uns der Hüne mit den aufwallenden, blonden Haaren im Foyer der Kleinen Bühne gegenüber. Seine Präsenz, seine Wachheit, seine Geistesblitze, seine Analysen wirken so an- wie aufregend.
   
Auf die Frage "Worin unterscheidet sich Puccini von Verdi?" sagt er: "Bei Verdi geschieht die Handlung nicht mehr linear, sie ist brüchig geworden. Der Kanon der Zeit ist überschritten, die Form verändert sich ständig. Das Pathos ist stärker als bei Puccini, dessen Musik in die Depression abgleitet."

Verdi und sein Held Don Alvaro. In der literarischen Vorlage des  Spaniers Duque de Riva ("Don Alvaro o la Fuerza del sino") war er noch der Titelheld. Als Abkömmling eines spanischen Aristokraten und einer Inka-Prinzessin wurde er in Sevilla zum Stierkämpfer und damit zum von den Frauen umschwärmten "Majo". Im Titel des Libretto von Francesco Maria Piave ist der Held weggelassen. Das Schicksal steht wie eine Burg der Unausweichlichkeit da: "La forza del destino", was im Italienischen auch "Kraft" bedeutet.

Auf verlorenem Posten

"Alvaro ist ein Aussenseiter, der durch ein Unglück zum Mörder wird" (Baumgarten). Nach dem Schuldbekenntnis gegenüber dem Marchese di Calatrava, dem Vater seiner Geliebten Leonora di Vargas, wirft Alvaro als Zeichen der Entwaffnung die Pistole weg. Es löst sich ein Schluss, der den Marchese tödlich trifft. Das Schicksal wendet sich gegen ihn auch als Soldaten in spanischer Uniform, der in Italien für sein Heimatland kämpft und der als Kamerad unter falschem Namen auf Don Carlo, den unerkannten Bruder von Leonora, stösst. Er ist, so Baumgarten, "der Nomade in einer auswegslosen Situation".

Zwischen männlichen Mächten in die Enge getrieben, flieht Leonora in die klösterliche Einsamkeit zu Pater Guardiano und Fra Melitone. "Eine ambivalente Figur ist die Zigeunerin Preziosilla, die in der 'Rataplan'-Szene bis zur Besinnungslosigkeit die Trommel schlägt und die Soldaten zum Kampfe aufhetzt" (Baumgarten).

Von Barquisimeto bis Wladiwostok

Wie diese Welt der Brüche und der turbulenten Szenenwechsel einem jungen Sängerteam nahebringen? Baumgarten scheint damit leichten Umgang zu haben: "Die Sänger sind allem Neuen gegenüber offen."

Sie stammen von weither: aus Wladiwostok die Sopranistin Elena Stikhina (Leonora), aus Venezuela der Tenor Aquiles Machado (Alvaro), aus Saratow am Wolga-Ufer der Bass Pavel Kudinov (Marchese), aus Weissrussland der Bariton Vladislav Sulimsky (Carlo), aus Moskau der Bass Evgeny Stavinsky (Guardano), aus Lyon die Mezzosopranistin Anaik Morel (Preziosilla). Am Pult des  Sinfonieorchesters Basel steht Ainars Rubikis aus Riga.


Info
Giuseppe Verdi: "La forza del destino". Premiere am 23. Oktober auf der Grossen Bühne des Theater Basel. Weitere Aufführungen: 28./31. Oktober – 2./5./7./12. November.

20. Oktober 2016


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.