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"Sprachkompetenz miserabel": Dialekt-Förderer Werthmann, Etter, Müller

Hochdeutsch im Kindergarten erwächst Widerstand

Überparteiliche Basler Lobby startet Gesetzesinitaitive für eine starke Verankerung des Dialekts im Kindergarten


Von Peter Knechtli


Eine breite Allianz von Basler Dialekt-Freunden wehrt sich gegen Pläne des Erziehungsdepartements zur Einführung von Standard-Hochdeutsch in den Kindergärten: Sie lancieren eine Volksinitiative, mit der sie Dialekt als Hauptsprache in Kindergärten gesetzlich verankern wollen.


Mitte Dezember hatte das Basler Erziehungsdepartement einen "Kompromiss" im Streit um die Kindergarten-Sprachen vorgelegt: Mit der Einführung des von der Eidgenössischen Erziehungsdirektorenkonferenz vorangetriebenen "Standarddeutsch", das auch den Gebrauch von Helvetismen duldet, komme es zu keiner Sprachverluderung. Ebenso wenig, betonte Erziehungsdirektor Christoph Eymann im Anschluss an ein Pilotprojekt in 31 Kindergärten, werde der Basler Dialekt verdrängt. Vielmehr sollen in Kindergärten künftig auch der Basler Mundart Zeitfenster eingeräumt werden. Auf die Angabe konkreter Vorgaben wollte sich Eymann aber nicht festlegen.

Dialekt-Befürworter misstrauisch

Genau dies macht die Kritiker des amtlich forcierten Standarddeutsch misstrauisch: Sie glauben daran, dass ohne einen verbindlichen Volksentscheid der Basler Dialekt "nach Salamitaktik" scheibchenweise aus den Kindergärten verschwinden werde. Unter der Führung der "Basler Interessengemeinschaft Dialekt" bildete sich darum ein überparteiliches Initiativkomitee, dem Mitglieder von "Basta" und Grünen bis SVP angehören. Sein Ziel: In den nächsten 18 Monaten mindestens 3'000 gültige Unterschriften für eine Volksinitiative zu sammeln, die das Schulgesetz um einen Paragrafen ergänzen soll: "Die Unterrichtssprache in den ersten beiden Jahren nach der Einschulung (Kindergartenstufe) ist Dialekt. Hochdeutsch wird in definierten Sequenzen gefördert."

Die Initianten wollen die Zeitanteile für Mundart und Hochdeutsch also genau umkehrt proportional zu den Vorstellungen des Erziehungsdepartements gesetzlich verankern. Von ihnen äusserten sich heute Mittwochmorgen an einer Medienkonferenz IG-Copräsident Jost Müller, Eduard Etter, Meister E.E. Zunft zu Rebleuten, Rudolf Suter, Verfasser des Baseldeutsch-Wörterbuchs, alt-Ständerat Carl Miville, Antoinette Gelzer-Miescher, Liselotte Reber-Liebrich, die ehemalige Präsidentin der Hebelstiftung, der Obmann des Fasnachts-Comitées Felix Rudolf von Rohr ("als Privatperson") Grossrat Dieter Werthemann, aber auch die Kindergärtner(innen) Eva Koellreuter und Stephan Winter.

"Gleich den Mao-Kittel anziehen"

Indem sich das Departement nicht auf einen konkreten Zeitanteil festlegen wolle, betreibe es eine "Diskreditierung der Umgangssprache", kritisierte Jost Müller und fügte an, dass das neue Sprach-Regime schon zu Beginn des neuen Schuljahres im August eingeführt werden soll. Dialekt-Wissenschafter Rudolf Suter bemängelte, dass - mit Ausnahme des Romanischen - der Fortbestand der Schweizer Dialekte als Kulturgut ersten Ranges nicht einmal verfassungsmässig garantiert sei. Dialekte seien zwar "noch lebendig und hochgeachtet", sie würden aber "in den Familien nicht mehr kultiviert". Die allgemeine Sprachkompetenz sei "weltweit miserabel". Darum, so Suter, "müssen wir uns für den Dialekt wehren".

Kindergärtnerin Koellreuter sagte, die Integration ausländischer Kinder laufe "über den Dialekt". Am Beispiel des Elsass und Südbadens zeigte Rudolf von Rohr auf wohin es führe, wenn der Dialekt nur "geduldet statt gefördert" werde: Wenn der "dramatische sprachliche Einheitsbrei", wie er in Südbaden herrsche, auch in die Schweiz überschwappe, "dann können wir doch gleich die Mao-Kittel anziehen". CVP-Grossrat und Zeedel-Dichter André Weissen wird gar "Angst und Bange vor hochdeut verfassten Fasnachts-Zeedeln". Reber-Liebrich zeigt Mühe am Standarddeutsch, wenn Sätze toleriert werden wie "Du musst Dich halt an der Stange heben."

Initiative als Druckmittel

Trotz der teilweise prononcierten Stellungnahmen wollen die Initianten ihr Volksbegehren "nicht als aggressive Kampfansage" (Rudolf von Rohr) an das Erziehungsdepratement verstanden wissen und "keinen Gegensatz zwischen Dialekt und Hochdeutsch konstruieren" (Müller). Am Rande der Medienkonferenz wurde deutlich, dass die Initiative vor allem als Druckmittel gegenüber dem Departement Eymann dient: Falls sich der Erziehungsdirektor doch noch für eine prirotäre Bedhandlung des Dialekts aussprechen sollte, könnte die Inititive nach ihrem Zustandekommen dereinst zurückgezogen werden.

Sehr wahrscheinlich aber ist, dass die geplante integrale Umsetzung der Standarddeutsch-Regelung auf das neue Schuljahr hin kaum denkbar ist. Pierre Felder, Leiter Volksschulen im Erziehungsdepartement, war bisher nicht erreichbar. Jost Müller schlug vor, bis zu einer verbindlichen Regelung in den 31 Versuchs-Kindergärten das Standarddeutsch weiterzuführen und in den 90 verbleibenden Kindergärten den Dialekt beizubehalten.

28. Januar 2009

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BaZ online
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