© Fotos by Maja Preiswerk
"Etwas in sich Ruhendes": Ausschnitt aus der "Schallmaschine Maximus"

Ein Dompteur über 200 Schlagzeuge

200 Instrumente aus Stahl und Eisen: Fritz Hauser und seine "Schallmaschine Maximus" im römischen Theater von Augusta Raurica


Von Jürg Erni


Als "Schallmaschine Maximus" betitelt der Basler Kulturpreisträger Fritz Hauser seine jüngste Kreation auf dem Gebiet der schlagfertigen Klangarchitektur. Hinter einem 16 Meter langen Eisentisch hat Architekt Boa Baumann auf den Steinstufen des Theaters die Szene zum Schlagwerkspektakel installiert. Ein metallophones Gesamtkunstwerk.


In einer Bättwiler WG lieferte der 20-jährige Fritz Hauser einst den Beat für seine Art-Rockband "Circus". Nach einer Solokarriere als subtiler Erforscher der Klangmöglichkeiten von Schlagzeugen aller Art unter andern in Hörspielmusiken hat sich Hauser, 60-jährig, zum Komponisten und Regisseur eines perkussiven Klangcircus entwickelt, der weltweit Furore macht. So hat er auch schon die mystische Stille der Zumthor'schen Termen im Valsertal mit seiner Metallophonie entweiht.

Irritierender Stücktitel

Der Stücktitel "Schallmaschine" irritiert allerdings. Die Maschine auf dem Flyer ist nicht typähnlich mit der "Maximus"-Version. Sie ist auch keine Tinguely-Maschine, die von Motoren angetrieben, als Selbstläufer scheppert. Vielmehr lässt Hauser die unzähligen Idiophone, die Selbstklinger, von harten bis zarten Händen als eine Art metallische Toccata schlagen und streicheln.

In der Rolle eines Dompteurs im circus maximus steuert Hauser seine jüngste Kreation mit dem Chronometer durch die nicht fixierte Partitur. Die 18-köpfige Perkussionsgruppe ist angewiesen, wie und wo sie im Halbrund der Arena stehen und gehen, Trottinett fahren, als Marathonläufer rennen, als Gladiatoren mit Schwertern fechten beziehungsweise eigens konstruierte Instrumente wie die quadratisch eisernen "Nicophone" bearbeiten soll.

Streng geordneter Ablauf

Der Ablauf ist geometrisch streng geordnet, choreographiert. Das Licht (Brigitte Dubach) unterstützt die Bewegungsabläufe auf Treppen und Rasen. Becken wirbeln, bis sie, wie benommen vom Kreisen, am Boden aufschlagen. Autofelgen werden beschlagen, als ob missionarische Siegfriede ihre Schwerter schmieden wollten. Holz auf Eisen, Eisen auf Eisen, Säuseln im Wind, Zirpen im Freien, Rascheln im Geäst des Hains über der Theaterkrone, Wandeln auf Steinstufen mit Klangquellen; ostinate Glockenschläge hämmern, bis die Ohren steif werden. Ein Schlaggesamtkunstwerk ist da zusammengetrommelt.  

Am Schluss versammeln sich die Schlagwerkenden hinter einem 16 Meter langen, eisernen Abendmahlstisch und feiern in enger Bruderschaft, jüngerhaft ihr Ritual der Austeilung und Bearbeitung von angehäuftem Schlagmaterial. Es hat etwas organisch Rundes, in sich Ruhendes, diese Domestizierung von harten Materialien. Sie werden weich geklopft, bis sie unendlich nachklingen und aufpoliert, zum Kunstwerk geadelt werden.

Weiteres kreative Projekt

Mit der schlagfertigen Klangalchimie hat sich Augusta Raurica ein weiteres kreatives Projekt für sein antikes Theater erobert. 200 Zuschauer und -hörer können auf der hölzernen Tribüne Platz nehmen. Nach dem Römerfest, das Brot- und Zirkusspiele unters Volk bringt, und nach der kunstvollen Schallmaschinen-Performance wird das Schweizer Armeespiel unter Philipp Wagner auf dem Podium zu populären Arrangements und Feuerwerksmusiken die Zuhörer im Halbrund anfeuern.

Für seine Sommernachts-Festspiele im antiken Freilufttheater vertauscht der Baselbieter Kulturbeauftragte Niggi Ullrich seinen Chefbeamtenstuhl mit demjenigen eines römischen Impresario. Das legt auch ihn arbeitstechnisch "under fire", wie die blasorchestralen Helden ihr instrumentales Spiel betiteln.

"Schallmaschine Maximus" im Römischen Theater Augusta Raurica, Mittwoch-Samstag, 28.-31. August und "Under Fire" mit dem Symphonischen Blasorchester des Schweizer Armeespiels Freitag/Samstag, 6. und 7. September, je 20.30 Uhr.

26. August 2013


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