© Foto by zvg
"Rastlos unterwegs": Basler Schriftsteller Jürg Federspiel

"Schnell im Urteil und doch immer präzise, voller Leidenschaft"

Der Basler Schriftsteller Jürg Federspiel wird siebzig: "Unbestechlich", "autonom", "unübersehbar"


Von Hansjörg Schneider


Der Schriftsteller Jürg Federspiel wurde 1931 geboren und ist in Davos aufgewachsen. Schon in jungen Jahren ist er in die Stadt ausgewandert, nach Zürich und Basel, Paris und Berlin. Und immer wieder nach New York. Ein Heimatloser, den es nirgends lange hält. Am wohlsten ist es ihm vermutlich im Flugzeug über dem Atlantik, wenn unten die ersten Inseln von Neufundland auftauchen und er weiss, dass er in zwei Stunden den Fuss auf das gelobte Eiland Manhattan setzten wird.

Jürg Federspiel gehört zur Generation nach Max Frisch. Aber er hat Frisch nie zu seinem Übervater gemacht, er hat sich frei gelebt und frei geschrieben. Er hat Faulkner, Hemingway und Scott Fitzgerald gelesen und von ihnen gelernt. Er ist einer der autonomsten Deutschschweizer Schriftsteller, die ich kenne. Vital und sensibel, blitzschnell und rücksichtslos, wenn es sein muss. Seine Neugier ist phänomenal. Er ist neugierig auf das Leben, auf Menschen, er hasst nichts so wie Langeweile.

Kein Mann des modischen Literaturbetriebs

Es ist einer der besten, unbestechlichsten Kollegen, die ich habe. Schnell im Urteil und doch immer präzise, voller Leidenschaft. Er ist kein Mann des modischen Literaturbetriebs.

Ich habe ihn in der Basler „Rio Bar“ kennen gelernt, um 1960, als sein Erzählband „Orangen und Tode“ erschien. Mit diesem Bändchen hat er zusammen mit Otto F. Walter und Peter Bichsel die neuere Schweizer Literatur eingeläutet. Er war unübersehbar. Gross und kräftig gebaut, diskussionsfreudig und trinkfest, schlagfertig und manchmal von stupender Arroganz. Der Tisch, an dem er sass, war in jedem Fall sein Tisch.

Den ersten grossen Erfolg hatte er er 1969 mit „Museum des Hasses“, einem Tagebuch aus Manhattan. Darin schildert er sein Leben in New York als Aufenthalt in der Hölle (oder zumindest im Fegefeuer), als unerhört intensives Erleben der Grossstadt und ihrer Schattengestalten. Immer wieder schaut er gebannt hin, mit sehr genauen Augen. Und da er schreiben kann, schreibt er auf, was er sieht, mit sehr genauer Feder. Eines der besten New-York-Bücher, ein Bericht aus dem uralten Babel, gerade weil er so persönlich ist. Das Buch ist Jahre später auch in der Bibliothek Suhrkamp erschienen und so zum Klassiker geschlagen worden.

Auf der amerikanischen Bestsellerliste

1982 hat er mit der „Ballade von der Typhoid Mary“ einen weiten Coup gelandet. Typhoid Mary ist die Köchin, die mit ihrem Essen den Tod bringt. Auch dieses Buch spielt in New York. Es ist auf der amerikanischen Bestsellerliste erschienen, was für einen Schweizer Autor sensationell ist. Weitere erfolgreiche Bücher mit Übersetzung in mehrere Sprachen sind „Die Liebe ist eine Himmelsmacht“ und „Geographie der Lust“.

Daneben hat er regelmässig, und immer mit Können und Lust, Reportagen und Filmkritiken für Zeitungen geschrieben. Er ist einer der besten Reporter der deutschen Sprache.

Er hat eine ganze Reihe von Auszeichnungen erhalten, so den Literaturpreis der Stadt Zürich, den Basler Literaturpreis und den Preis der Schweizerischen Schillerstiftung.

Ich habe alles gelesen, was er geschrieben hat. Ich habe es gelesen, weil ich mich beim Lesen nicht gern langweile. Bei Federspiel habe ich mich nie gelangweilt.

Texte von magischer Kraft

Am liebsten sind mir seine „Märchentante“ und „Paratuga kehrt zurück“. Knappe Texte, Erzählungen eben. In ihnen erzählt er von seiner ganz eigenen Welt, die zwischen Wirklichkeit und Unwirklichkeit hin- und herpendelt. Und plötzlich weiss man nicht mehr genau, ob man liest oder träumt. Texte von magischer Kraft, die gestern spielten, oder vielleicht auch morgen.

In den letzten Jahren hat Federspiel kaum mehr Prosa geschrieben. Die Kraft fehlt ihm in der Nacht, wenn er erwacht und nicht mehr einschafen kann. Er packt die Verse beim Schwanz wie Träume, bevor sie entschwinden. Er schreibt sie auf und brütet darüber, bis sie passen. So entsteht hervorragende Lyrik, unverwechselbar, einmalig.

Geburtstagsfeier im Basler Literaturhaus

Seit einiger Zeit wohnt Federspiel wieder in Basel, diesmal auf der minderen Seite ennet dem Rhein. Manchmal trifft man sich im Restaurant Klingental, wo Taxifahrer und Huren Kaffee trinken. Und man freut sich über das lebhafte Leben.

Am 28. Juni wird Jürg Federspiel siebzig Jahre alt. Die Geburtstagsfeier findet im Basler Literaturhaus statt. Peter Bichsel und Jörg Steiner werden aus seinem Werk vorlesen, Hans Saner wird die Einführung halten. Der Verlag im Waldgut gibt zu diesem Anlass einen neuen Gedichtband mit dem Titel „Mond ohne Zeiger“ heraus. Wir gratulieren herzlich.

19. Juni 2001


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"2018 - ein schwieriges Jahr für die Basler Vekehrsbetriebe BVB"

Regionaljournal Basel
vom 6. Mai 2019
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Sie verloren sogar Buchstaben.

Frisch pubertiert

Nicht nur "fräch und härzig"
RückSpiegel


Die Basler Zeitung äusserte sich in einer Gerichtsberichterstattung über einen "Sexverbrecher" (so die BaZ) kritisch über OnlineReports.

Telebasel und die Basler Zeitung bezogen sich in ihren Berichten über das Bordell in der Schillerstrasse auf einen OnlineReports-Bericht.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung, 20 Minuten, die Nachrichtenagentur SDA, das SRF-Regionaljournal und die Badische Zeitung nahmen die OnlineReports-News über den Unfall an der Parking-Baustelle beim Kunstmuseum auf.

Die OnlineReports-Recherche über die Zukunft des Basler "Viertel-Kreis" wurde von der Gundeldinger Zeitung aufgenommen.

Die Nachrichtenagentur SDA nahm die OnlineReports-News über die Berufung im Fall des pädophilen Sekundarlehrers auf.

Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.