© Fotos by Jan Amsler, OnlineReports.ch
"Wie spielt man Frieden?": Spielzeug-Kanonen m Museum

Vom Schrecken inspiriert: Spielzeuge für Stuben-Krieger

Das Spielzeugmuseum Riehen wagt sich mit "Krieg im Kinderzimmer" an ein heikles Thema


Von Jan Amsler


Die Sonderausstellung "Krieg im Kinderzimmer – spielen kämpfen träumen" im Spielzeugmuseum Riehen zeigt, wie der Mensch das mörderische Gewalt-Handwerk als lustvollen Zeitvertrieb inszeniert. Das Projekt polarisiert.


Brett- und Kartenspiele, Schaukelpferde, Zinnfiguren und Puppen, Laserschwerter, Video-Games: Anlässlich des Gedenkjahres zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 zeigt das Spielzeugmuseum Riehen die ganze Vielfalt an Kriegs-Spielwaren der letzten 150 Jahre. Die Sonderschau ist Teil der Ausstellungsreihe eines internationalen Museum-Netzwerks und dauert noch bis zum 1. März 2015.

"Wir halten fest!"

Das Konzept ist clever: Der Besucher muss sich bücken und strecken, um durch "Einschusslöcher" in den Vitrinen, wie durch schmale Bunkeröffnungen, einen Blick auf die Ausstellungsgegenstände zu erhaschen. Passend zum Thema bewirkt dieses Spähen eine ungewöhnliche Spannung.

Die Kriegsspielzeuge werden teilweise in speziell eingerichteten Räumen zur Schau gestellt, manchmal sind sie auch in die Dauerausstellung integriert. Beim Rundgang fällt auf: Während die Spiele im Ersten Weltkrieg zum Beispiel von der Verteidigungs-Ideologie der Eidgenossenschaft handelten – ein Spiel heisst "Wir halten fest!" –, drehen sie sich heute vorwiegend um Superhelden. Aufwändige Info-Tafeln erläutern Hintergründe oder erklären die Regeln. Dabei wird klar, dass die Spielzeuge nicht nur der Unterhaltung in der Kinderstube, sondern auch der Ablenkung im Schützengraben oder auf der Verwundeten-Station dienten. So spendete der deutsche Entwickler Josef Friedrich Schmidt im Ersten Weltkrieg 3'000 Exemplare seines bekannten Spiels "Mensch ärgere dich nicht" an Armee und Lazarette.

Spiel-Spass und Kriegs-Ernst

"Die Ausstellung ist für Besucher zwischen 7 und 99 Jahren konzipiert", sagt Claudia Glass, die zusammen mit Julia Nothelfer das Projekt verwirklichte, gegenüber OnlineReports. Das Museum im Wettsteinhaus werde vorwiegend von Familien besucht. Die Ausstellung, so Glass weiter, präsentiert eine historische Sammlung, vermittelt die kindliche Freude am vorerst wertfreien, kriegerischen Spiel und thematisiert, wie Kinder mit realen Kriegserfahrungen umgehen. Dass Kinder Helden brauchen, wird vor allem im "Gartensaal" gezeigt.

"'Krieg im Kinderzimmer' polarisiert", weiss Kuratorin Glass, was auch der Blick ins Gästebuch bestätigt. Während sich dort die Kinder einstimmig fasziniert zeigen, äussern sich die Erwachsenen auch kritisch: "Die Anti-Kriegs-Botschaft kam nicht rüber", schrieb ein Besucher. In der Tat: Durch die Widersprüchlichkeit von Spielspass und Kriegsernst regt die Ausstellung zum Reflektieren an, verzichtet aber auf eine moralische Denkanleitung. Der Fokus liegt eher auf der Faszination des Spielens und seiner Entwicklung denn in der kritischen Betrachtung einer Gesellschaft, die in Kriegszeiten ihre Kinder die "Heldentaten" ihrer Väter nachstellen lässt – und was dies für die heutige Spielkultur bedeuten könnte.

Wie spielt man Frieden?

Wertfrei ist die Ausstellung aber nicht. Sie verweist auf die suspekte Spielzeugindustrie und ihre Rolle in der Kriegspropaganda und wirft bedeutende Fragen auf: "Wie spielt man eigentlich Frieden?", steht im Eingangsbereich auf einer Tafel und sensibilisiert das Publikum für die Problematik. "Wir haben bewusst nicht den Mahnfinger zeigen wollen, um eine Diskussion nicht schon vorab zu verhindern", betont Glass.

Tipps vorweg: Allein schon das Wettsteinhaus, ein vom berühmten Basler Namensgeber im 17. Jahrhundert zum Landsitz umgebauter Bauernhof, ist eine Tramfahrt ins Spielzeugmuseum wert. Weil der Besucher durch die Sonderausstellung schon im Kriegs-Modus ist, bietet sich auch ein Abstecher in den Keller des zweiten Gebäudes (Lüscherhaus) an – das Dorfmuseum des Grenzorts Riehen stellt unter anderem eindrückliche Exponate aus der Kriegszeit aus. Wer das Kinder-Flugzeug sucht, das die Werbeplakate schmückt, sollte nicht verpassen, auch dem "Kabinettli" im Hof einen Besuch abzustatten.

Dieser Beitrag wird auch in "Amnesty – Magazin der Menschenrechte" erscheinen.

Informationen: www.spielzeugmuseumriehen.ch

5. November 2014


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Sozialhilfe hatte bereits Anfang Dezember die Wärmetube aufgefordert, weniger Gutscheine an ausserkantonale und ausländische Wanderarbeiter zu vergeben, ..."

Schweiz am Sonntag
Newsletter
vom 31. Dezember 2016
über die Wärmestube
"Soup&Chill"
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Wenn eine sterbende Zeitung noch kurz auf die Tube drückt.

RückSpiegel


Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über den erneuten Parteiwechsel von Grossrat Michel Rusterholtz auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung griff die OnlineReports-News über den Sammelerfolg des Referendums gegen Alkohol in Jugendzentren auf.

Die OnlineReports-Story über Andrea Strahm und die Präsidiums-Suche der Basler CVP nahmen das SRF-Regionaljournal, die TagesWoche, die Basler Zeitung und die BZ Basel auf.

Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ online nahmen die OnlineReports-News über den Austritt Daniel Goepferts aus dem Basler Grossen Rat auf.

In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozess auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der Basler "Mittelstand" hat seit Anfang dieses Jahres mit Remo Ley, der Paul Rüst ablöst, einen neuen Präsidenten.

• Mit 7,3 Millionen Passagieren verzeichnete der EuroAirport im Jahr 2016 mit einer Zunahme von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen neuen Rekord.

• Nach dem Rücktritt von Elisabeth Ackermann als Co-Präsidentin der Basler Grünen als Folge ihrer Wahl in die Kantonsregierung führen interimistisch Harald Friedl und Barbara Wegmann die Partei.

Tobias Brenk ist als Nachfolger der abtretenden "Kaserne"-Chefin Carena Schlewitt neuer künstlerischer Leiter des Theaterfestival Basel.

Gerhard Schafroth, Gründungsmitglied und Gründungspräsident der Baselbieter Grünliberalen, tritt nach fast zehn Jahren aus dem Parteivorstand zurück und überlässt seinen Posten dem 26-jährigen Frenkendörfer Wirtschaftsstudenten Patrick Wolfgang.

• Die Augenkliniken des Kantonsspitals Baselland und des Universitätsspitals Basel arbeiten künftig so eng zusammen, dass sie ihre Angebote miteinander abstimmen und medizinisches Personal austauschen.

• In Liestal werden die Gasstrasse (Abschnitt Rheinstrasse bis Weierweg), der Weierweg und die Rosenstrasse vom Gemeinde- ins Kantonsstrassennetz integriert und umgebaut werden.

Beat Lüthy (54), dreifacher Vater aus Sissach, wird neuer Leiter des Baselbieter Amts für Volksschulen.

• Der ACS beider Basel will gegen die Einführung von "Tempo 30" auf Basler Hauptverkehrsachsen weiter zu kämpfen und den Fall am Beispiel der Sevogelstrasse vor Bundesgericht bringen.

• Mit dem Ziel, dass Basler Jugendzentren alkoholfrei bleiben, hat ein Komitee aus gesundheits- und jugendschutzorientierten Kreisen das Referendum gegen das revidierte Gastgewerbegesetz ergriffen.

• Im Rahmen ihrer Aktion "Noël" hat die Basler Kantonspolizei 36 Langfinger verhaftet.

• Zur Unternehmenssteuer-Reform III haben die Basler SP-Delegierten mit 84 zu 47 Stimmen bei 3 Enthaltungen die Nein-Parole beschlossen.

• In zwei von 27 Enkelbetrugs-Fällen konnten Gangster im Baselbiet gesamthaft 16'000 Franken ergaunern.

• Entgegen der ursprünglichen Absicht bleibt der Polizeiposten Waldenburg aus "regionalpolitischen Gründen" bis auf Weiteres bestehen, wie die Baselbieter Regierung schreibt.

• Die beiden Basler Parteien CVP und EVP führen ihre seit vier Jahren bestehende Fraktionsgemeinschaft im Grossen Rat weiter.

Leila Straumann, die Leiterin der baselstädtischen Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern, übernimmt ab 1. Dezember 2017 das Präsidium der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG).

• Die Stimmberechtigten von Sissach haben sich mit 1‘583 Ja- gegen 985 Nein-Stimmen für den Ausbau der Kunsteisbahn zur geschlossenen Eishalle ausgesprochen.

• Grossrätin Beatrice Isler übernimmt den Vorsitz der CVP-Frauen Basel-Stadt als Nachfolgerin der langjährigen Präsidentin Jenny Ch. Wüst.

• Das Budget 2017 von Riehen lässt bei Ausgaben von 112 Millionen Franken einen Überschuss von rund 0,7 Millionen Franken erwarten.

• Weiterhin gleich bleibende Konditionen für Baselbieter Steuerzahlende: Der Vergütungszins für das Jahr 2017 bleibt bei 0,2 Prozent, der Verzugszins bei 6 Prozent.

• Das aus Vertretern von BDP, FDP, LDP und SVP bestehende überparteiliche Komitee "Nein zum überteuerten Kasernen-Umbau" hat mit knapp 2'900 Unterschriften das Referendum gegen das vom Grossen Rat beschlossene Projekt eingereicht.

Markus Balmer wird neues Mitglied der IWB-Geschäftsleitung und neuer Leiter des Geschäftsbereichs Vertrieb als Nachfolger des kürzlich verstorbenen Patrick Schünemann.

• Die Reinacher Gemeinderätin Bianca Maag-Streit wird ab 1. Januar 2017 Präsidentin des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG) und damit Nachfolgerin von Peter Vogt, Gemeindepräsident von Muttenz.