© Fotos by Jürg Bürgi
"Kein Museum im herkömmlichen Sinn": Architekt Jacques Herzog, Schaulager

Der mächtige Münchensteiner Kunst-Tresor

Neue Kunst-Attraktion in der Region Basel: Das Schaulager der Emanuel Hoffmann-Stiftung


Von Jürg Bürgi


Mit einem Medientag wurde das Schaulager für die Werke der Emanuel Hoffmann-Stiftung in Münchenstein eröffnet. Ab Sonntag, wenn die „Roth-Zeit“, die erste umfassende Werkschau des Kunstgenies Dieter Roth (1930 bis 1998), beginnt, ist auch das Publikum eingeladen, den mächtigen Kunst-Tresor in Augenschein zu nehmen. Allerdings nur die öffentlich zugänglichen beiden untersten Geschosse, die für Ausstellungen reserviert sind.


Was die Architekten Herzog & de Meuron neben der Betriebszentrale der Migros und dem Versandhaus Spengler in Münchenstein buchstäblich aus dem Boden wachsen liessen, ist eine Wucht. Ein gewaltiger Quader mit lehmbrauner, mit Kieseln aus dem Aushub bedeckter fast fensterloser Fassade. Auch die nach innen gebogene Eingangspartie signalisiert ganz Zurück-Haltung. Wären da nicht die beiden riesigen LCD-Bildschirme und das witzige, wie von Kinderhand entworfene Pförtnerhäuschen, wüsste man: Hier ist man nicht willkommen.

Innen ist der Empfang allerdings warm und herzlich. Durch den hellen, den Lagergeschossen vorgelagerten hohen Licht- und Luftraum wirkt der Bau nun viel leichter als aussen. Im Erd- und im Untergeschoss sind die Böden mit Eichenparkett belegt, Kasse, Bar und Museumsshop sind gediegen gestaltet wie es einem künftigen Publikumsmagneten geziemt.

Vom Geld war nicht die Rede

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt einen mit allen technischen Raffinessen ausgestatteten Kunst-Tresor, mit einer Klimaanlage, die sich die dicken Mauern des Gebäudes zunutze macht, mit Sicherheitseinrichtungen, Brandschutzvorkehrungen und einer ausgeklügelten Beleuchtung. Sichtbar durften hier die Architekten ihr ganzes Können zeigen, ohne Rücksicht auf den Geldbeutel ihres Auftraggebers.

Als Maja Oeri, Miteignerin der Hoffmann-La Roche, den Medien ihr neues Schaulager im Dreispitz vorstellte, war allerdings von vielem die Rede, nur nicht vom Geld. Kein Museum im herkömmlichen Sinn, sei das Schaulager, aber auch kein gewöhnliches Lagerhaus, sondern ein Zwischending, geschaffen, zeitgenössische Kunst, die oft aus ungewöhnlichen Materialien besteht, sachgerecht aufzubewahren und der Forschung zugänglich zu halten. Vom Schaulager-Konzept profitieren vor allem die oft raumfüllenden zeitgenössischen Kunst-Installationen. Sie sind unverpackt in Einzelkojen aufgestellt. Nicht in einem Warteraum, wie an einem oft unwirtlichen, dunklen Lager eines Museums, sondern in einem ihrer Grösse und ihrem Charakter angemessenen Platz. Weil hier nur sachliche Kriterien wie Material und Anfangsbuchstaben des Künstlernamens die Zuordnung bestimmen, finden in den einzelnen Lagerkojen spannende Begegnungen statt – zum Beispiel gemalte Werke der Künstler von H bis P, von Hutchinson bis Kabakov und Poliakoff.

Roth-Retrospektive macht den Anfang

Dieter Roth, Wahlbasler am Schluss seines Lebens, dem unsteten Sucher und Alles-Ausprobierer, dem genialen Wirrkopf und pingeligen Tüftler kommt die Ehre zu, das Schaulager-Konzept als erster mit einer Ausstellung sichtbar zu machen. Die Retrospektive ist ein Projekt, das Theodora Vischer, die Direktorin des Hauses, seit Roths Tod 1998 umtreibt. Was jetzt gezeigt wird, ist die Frucht jahrelanger konzeptioneller, konservatorischer und kuratorischer Bemühungen - der Überblick über ein Leben als Werk. Roth hat alles gemacht und ausprobiert, was Kreativität erfordert: Er war Grafiker, Maler, Möbeldesigner, Objektkünstler, Musiker, Büchermacher, Dichter, Filmer. Der Planet Roth ist jetzt zur Besichtigung offen.

Die Ausstellung „Roth-Zeit“ dauert vom 25. Mai bis 14. September 2003.
Öffnungszeiten Di bis Fr 12 bis 18 Uhr, Do 12 bis 19 Uhr, Sa, So 10 bis 17 Uhr.

21. Mai 2003


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"Rentenmassaker auf Kosten der Staatsangestellten"

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Betreff einer Medienmitteilung
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