© Fotos by Jürg Erni
"Irrésistible, scabreuse, imprévisible": Elsässer Kulturbetrieb "La Coupole"

Gleich drüben: Ein hölzernes "Globe Theatre" in St. Louis

Zehn Jahre "La Coupole": In Basel wenig wahrgenommener Kulturbetrieb an der Landesgrenze


Von Jürg Erni


Zum zehnjährigen Bestehen lässt das Kulturzentrum "La Coupole" an der Croisée des Lys in St. Louis zwischen Hôtel de Ville und Mediathèque eine 13 Meter hohe und 12 Meter breite Rekonstruktion des Londoner "Globe Theatres" errichten. Darin wird Shakespeares "Sommernachtstraum" aufgeführt. Eine Attraktion – auch für die Basler.


Werktäglich fährt der Grenzgänger-Bus "604" ab der Basler "Schifflände" nach St. Louis direkt zur "Lys", wie die Fussgängerzone bei der grossen Carrefour bezeichnet wird. Abends wird es still auf dem modernen Platz, es sei denn, "La Coupole" öffnete ihre Pforten für 500 Besucher des im roten Plüsch gehaltenen Theatersaals, den die Architektin Manuelle Gautrand um die Jahrtausendwende erbaut hat.

Directeur Denis Beaugé gerät bei der Begehung seines hochrangigen Theaters geradezu ins Schwärmen. In blumigen Worten preist er die Jubiläumssaison zur Dekade seiner Direktionszeit: "Irrésistible, scabreuse, imprévisible, jubilatoire et poétique." Das Zauberwort der Franzosen für kulturelle Aktivitäten heisst "Animation". Sie verführt das Volk zum Dabeisein und bringt ihm die Kultur näher.

Die Sparten des Gastspielbetriebs

Beherbergt hat La Coupole auch schon "troupes de résidence", fahrende Truppen, die für eine gewisse Zeit in St. Louis eine Bleibe fanden und ihre Animation bis in die Lycées der Gemeinden hinaustrugen. Sie gastierten in Musikschulen und Altersheimen, brachten so ihre Kunst frei Haus unter die Leute.

In der "Coupole" mischen sich die Sparten des reinen Gastspielbetriebs: Theater, Oper (kürzlich "La Bohème"), Ballett, Chanson, Spéctacle reichen einander die Hände mit ein- bis mehrmaligen Auftritten. 300 Produktionen in 400 Aufführungen hat die elsässische Kuppel in den letzten zehn Jahren eingeladen und so etwa zehn Prozent der 30'000 Bewohner der Stadt und der eingemeindeten Dörfer angelockt.

Eine Million Euro Subvention

Mit gerade mal sieben Angestellten und einer städtischen Subvention von jährlich einer Million Euro leistet die "Coupole" in einer verödeten Umgebung kulturelle Kärrnerarbeit. Ihr jüngster Coup zum Jubiläum ist die temporäre Aufrichte eines hölzernen, oktogonalen Theaters aus der elisabethanischen Zeit, wie sie einst im Londoner "Globe Theatre" mit Aufführungen von Shakespeares Schauspiel-Stücken blühte. Nach dem Globe-Vorbild hat eine Stiftung in Freiburg im Uechtland "La Tour Vagabonde" mit 250 Plätzen gebaut, den sie auf Wanderschaft schickt und ihn in St. Louis ante portas basilienses wieder aufbaut.

Ab 31. März wird der Theaterturm auf der Place de la Mairie mit Shakespeares "Sommernachtstraum" vom Théâtre de l'Ecrou und bis 10. April mit weiteren Spectacles bespielt. Am 15. April gastiert das renommierte Kammerorchester Basel grenzüberschreitend in der "Coupole" unter anderem mit Mahlers 4. Sinfonie. Und am 19. Mai ist das in Mulhouse beheimatete "Ballet de l'Opéra National du Rhin" mit zwei Choreographien zu Gast in der Kuppel am Lys.

Eine Destination für Kultur-Freaks

So mausert sich St. Louis peu à peu zu einer Destination für Kultur-Freaks, die auch aus der verwöhnten Chemiestadt anreisen. Performances in Wort und Musik.

Jenseits der Geleise nach Paris ist die bildende Kunst zuhause. Schon von weitem sieht man den Adler, der sich an einer Fernet Branca-Flasche über dem Globus festkrallt. Eine eiserne Globe-Skulptur gleichsam. Die Basler Maler Sämi Burri und Carlo Aloé zeigen derzeit ihre Helgen in den zur "Espace d'Art Contemporain" verwandelten Fabrikräumen. Viertelstündlich verkehrt der "604"-er Bus tagsüber bis 19 Uhr. Abends und sonntags erreicht man die "Coupole" ab Endstation "11"-er-Tram zu Fuss oder man steigt aufs private Gefährt um.

www.lacoupole.fr

28. Februar 2011


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"Rentenmassaker auf Kosten der Staatsangestellten"

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