Schottische Kilts und luftige Geister

Richard Wherlock brachte "James oder La Sylphide" im Theater Basel zur Uraufführung


Von ISABELL STEINBÖCK

A
m Anfang steht ein Kindertraum: Ein Mädchen in weissem, langen Kleid lockt den in sich gekehrten James aus der Reserve. Mit neckischen, kecken Bewegungen fordert der kleine Luftgeist den Jungen auf, sie zu fangen, und ist doch stets geschickter.

Es ist ein verspieltes, unschuldiges Haschen, und doch hinterlässt es einen bleibenden Eindruck. Noch als junger Mann träumt James von der schwerelosen Erscheinung, die ihn mit sanften Armen so sehr betört, dass sie ihn immer wieder von seiner irdischen Liebe zur Verlobten Effy ablenkt. Hin- und hergerissen ist der junge Mann zwischen den beiden Frauen, am Ende soll er keine an sich binden. Die überirdische Sylphide stirbt, als er ihr durch einen Kuss zu nahe kommt, Effy entscheidet sich für seinen besten Freund Gurn und damit gegen den wechselhaften Verlobten.

Richard Wherlock, Ballettchef am Stadttheater Basel, transportiert das Libretto des ersten grossen romantischen Balletts "La Sylphide", das Filippo Taglioni 1832 in Paris zur Uraufführung brachte, in die heutige Zeit, indem er die romantische Verklärung des schottischen Märchens auf ein Mindestmass reduziert und in moderne Bewegungssprache überträgt. Filippo Taglioni hatte das Handlungsballett, das wegweisend für weitere Produktionen der Epoche werden sollte, 1832 in Paris zur Uraufführung gebracht. Nicht nur das - damals noch wadenlange - Tutu setzte sich als romantisches Ballettkostüm durch, auch der Spitzentanz gewann seither an Bedeutung und wurde immer weiter perfektioniert. Zahlreiche Adaptionen hat es seither in der Ballettgeschichte gegeben, darunter die Inszenierung von August Bournonville aus dem Jahre 1836, die noch bis heute im Original getanzt wird und die zahlreiche Choreografen zu Neuinszenierungen inspirierte.

"Gruppen-Zelebrierung
vor dem Hintergrund einer Half-Pipe."




Wie sein dänischer Kollege, der den männlichen Part aufwertete, so betont auch Richard Wherlock in "James oder La Sylphide" die Bedeutung der Figur des Mannes als träumender Phantast. In seiner Interpretation steht der junge James im Gegensatz zur schlagkräftigen Jugendgang seines Widersachers Madge, die Gruppenzugehörigkeit vor dem Hintergrund einer Half-Pipe zelebriert. Nach Spitzentanz sucht man hier vergeblich, stattdessen mischt der Choreograph zeitgenössischen Tanz mit Ballett und legt den Schwerpunkt im zweiten Teil des ersten Aktes auf schottische Folklore, gepaart mit akrobatischem Breakdance. Jungen wie Mädchen wirken in der allzu geerdeten Choreografie gleichermassen burschikos, wenn sie mit angewinkelten Armen und Beinen im schottischen Kilt Lebensfreude auf die Bühne bringen. Inhaltlich wie choreografisch passiert nicht viel in diesen allzu langen Gruppenszenen, und es tut schon ein Blick ins Programmheft Not, um diese als Vorbereitungen zur Hochzeit von Effy und James zu erkennen.

Baute sich zu Beginn des ersten Aktes noch Spannung durch die Dreierkonstellation auf, so stellt Wherlock die Entwicklung seines Protagonisten vorerst zurück. Anders als im Original des 19. Jahrhunderts gewinnt Gurn hier nicht als Konkurrent um die Liebe zu Effy Profil, und auch die Hexe als treibende Kraft des Bösen fehlt. Sie wird durch Effys Bruder Madge ersetzt, der sich an Stelle von James Gurn als zukünftigen Mann für seine Schwester wünscht. Dieser muss sich an den Gedanken allerdings erst einmal gewöhnen.

So belanglos der erste Akt auch endet - der zweite und letzte Akt ist umso stärker. Madge, kraftvoll getanzt von Sergio Bustinduy, lauert dem verträumten James mit seiner Schlägerbande auf, die durch virtuose Sprünge brilliert. Die Sylphide, die Ayako Nakano bislang im Kontrast zu den bodenständigen Volkstänzen mit der ihr angemessenen Leichtigkeit tanzte, gewinnt Format in den Reihen ihrer Schwestern, allen voran Catherine Habasque, die sich als Unheil verkündende Luftgestalt durch hervorragende Bühnenpräsenz auszeichnet. Wirkte die Sylphide bis dahin noch kindlich-naiv, so verleiht Wherlock den Luftgeistern hier eine transzendentale Aura, die durch wellenförmigen, weichen Ausdruck für sich einnimmt. Und auch James, getanzt von Cédric Anselme-Mathieu, der sich bis dahin noch wie ein Spielball zwischen der irdischen und der geisterhaften Geliebten hin- und hertreiben liess, findet schliesslich zu sich selbst als sensibler Träumer. Die Hochzeit seines Freundes Gurn mit Effy scheint er kaum mehr wahrzunehmen, der junge Mann zieht sich zurück in die phantastische Welt seiner Phantasie. Herzlicher Applaus.

"James oder La Sylphide", Stadttheater Basel, nächste Termine: 23., 26., 30.1.06, 20 Uhr

20. Januar 2006


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vom 20. Februar 2018
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Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

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