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"Unbill der Luft": Chinesischer Smog

Wie findige Chinesen aus Feinstaub Kohle machen

Fragwürdige Versicherungen gegen Atemnot und Herzkrankheiten durch Smog


Von Peter Achten


Die chinesische Umwelt-Krise treibt findige Dienstleister zu einem wahrlich kreativen Innovationsschub: Seit neuestem können sich Pekinger gegen Smog versichern. Die Stadtverwaltung will nicht hintanstehen. Beamtete Regenmacher sollen fortan den Smog bekämpfen.


Nicht schon wieder. In den Breaking news war Chinas verschmutzte Luft in den letzten Wochen und Monaten nur allzu oft. Schliesslich ist ja auch weder Mexiko-Stadt noch Indiens Mumbai ein Luftkurort. Von Paris, wie neulich zu lesen war, ganz zu schweigen. Trotzdem, noch einmal soll die wüst verunreinigte  chinesischen Luft thematisiert werden. Aus gegebenem Anlass.

Geld bei Atem- und Herzproblemen

Nicht dass die Luft noch ungeniessbarer geworden wäre in Peking, ja in ganz Nordchina. Die Luft bleibt auch im März, was sie ist und schon lange war: schlecht. Ein Dienstleister hat sich jetzt, wohl gereizt vom Feinstaub, etwas einfallen lassen.

Die Volks-Versicherungsgesellschaft Chinas (PICC) offeriert den Bewohnern der chinesischen Hauptstadt jetzt eine Smog-Krankenversicherung. Die grösste chinesische Versicherung (www.epicc.com.cn) garantiert den zehn bis fünfzig Jahre alten Pekingern für eine Jahresprämie von 78 bis 154 Yuan Renminbi (etwa 13 bis 26 Franken) ein klein wenig finanzielle Sicherheit im Krankheitsfall. Sollte ein Versicherter im Spital diagnostierziert werden mit von Luftverschmutzung verursachten Atem- und Herzproblemen, dann erhält er täglich 100 Yuan Renminbi während maximal 15 Tagen. Damit dieser Obolus auch ausbezahlt wird, kommt es weniger auf den Feinstaub als vielmehr auf die Feindiagnose des behandelten Spitalarztes an.

Der Trick mit den Mess-Stationen

Doch der Versicherungsschutz geht noch weiter. Sollte nämlich der Luft-Qualitäts-Index (AQI) an fünf aufeinander folgenden Tagen die Marke von 300 überschreiten, dann hat der oder die Versicherte Anrecht auf 300 Yuan Renminbi cash in die Hand. Im Stadtzentrum kommen fünf aufeinander folgende Tage mit nur einem 300-Index selten, wenn überhaupt, vor. Doch der Versicherungstrick liegt ganz woanders. Der AQI nämlich muss an sämtlichen zwölf Mess-Stationen Pekings die 300-Marke an fünf aufeinanderfolgenden Tagen überschreiten. Doch von den zwölf Mess-Stationen stehen nicht alle im Zentrum, sondern einige auch im relativ sauberen Berggebieten rund um die Hauptstadt. Die Chance also, die für den Schadenfall ausgelobten 300 Yuan Renminbi tatsächlich zu erhalten, stehen deshalb fast so schlecht wie ein Lotto-Sechser.

Eine weitere Möglichkeit, sich gegen die Unbill der Luft zu versichern, haben jetzt chinesische Touristen. Die Ping An-Versicherungsgruppe hat zusammen mit dem Online-Reiseveranstalter Ctrip.com ein Profit versprechendes Päckli geschnürt. Wer mit Ctrip zwischen drei und sieben Tage unterwegs ist, kann mit einer Prämie zwischen 10 und 15 Yuan Renminbi bis zu maximal 350 Yuan kassieren. Vorausgesetzt, dass zum Beispiel bei einem Besuch von sieben Tagen jeder einzelne Tag schwer luftverschmutzt ist.

Die Grosse Mauer in Umrissen

Für die bislang sechs im schlauen Versicherungspäckli aufgelisteten Städte gelten indes unterschiedliche Bestimmungen. Der Luft-Qualitäts-Index muss so in Peking und Xi'an 200 überschreiten, in Harbin und Chengdu 150 und in Guangzhou (Kanton) und Shanghai 100, damit die Versicherung 50 Yuan Renminbi pro Tag zahlen muss. Das ist hart verdientes Geld, wenn man bedenkt, dass man extra zur weltberühmten Grossen Mauer reist und diese Mauer dann wegen Luftverschmutzung, wenn es gut geht, allenfalls in Umrissen wahrnehmen kann.

Doch nicht nur Chinas grosse Dienstleister sind innovativ. Auch die Pekinger Stadtverwaltung, beziehungseise deren aktive Umweltbehörde, lässt sich nicht lumpen. Kein Wunder, denn eben hat Premierminister Li Kejiang am Nationalen Volkskongress den "Anti-Smog-Krieg" ausgerufen. So wird denn bald mit einem bewilligten Aufwand von umgerechnet fast vier Millionen Franken ein schon einmal angewendetes Verfahren aus der bürokratischen Trickkiste geholt.

Schutzmaske billiger und sicherer

Nur Tage vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking 2008 haben chinesische Regenmacher das Schlimmste verhütet und es Tage vor den Spielen regnen lassen, dass es seine Art hatte. Die Eröffnungsfeier am 8.8.08 um 8 Uhr abends ging dann, wie beabsichtigt, ohne Regen über die Bühne. Böse Gerüchteverbreiter mit verborgenen Absichten behaupteten damals, dass nicht die Regenmacher für das schöne Eröffnungswetter verantwortlich waren, sondern vielmehr die chinesische Glückszahl 8.

Ich habe das Versicherungsangebot genauestens geprüft, dann aber doch nicht angenommen. Eine Maske mit Kohlefilter und allem drum und dran für 29 Yuan Renminbi (etwa 4.50 Franken) im Supermaket erstanden, schien nicht nur günstiger, sondern ist wohl auch sicherer.

7. April 2014


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