Flügel-Recyling der feinen Art

Die Berner Firma Krompholz verleiht wertvollen Tasten-Instrumenten ein zweites Leben


Von Peter Knechtli


"Nach sechs Monaten Ueberholung ist jetzt gerade der erste Flügel ausgeliefert worden", freut sich Stephan Mohler (43), technischer Leiter des Berner Musikhandelsgeschäfts Krompholz AG, über den Beginn einer neuen geschäftlichen Aktivität.

Als einzige Firma der Schweiz hat Krompholz vor kurzem den Schritt in die professionelle Total-Auffrischung der Tasteninstrumente gewagt: Das Recycling von alten Flügeln so erlesener Spitzenmarken wie Bechstein, Grotrian-Steinweg, Berdux, Erard oder Pleyel. Einzig Steinway-Instrumente werden zur Generalüberholung durch Krompholz nach Hamburg spediert, wo die renommierte US-Firma eine grosse Fabrik unterhält.

Der Ausbau des Service-Geschäfts in Richtung Grossrevisionen bei Krompholz fällt in eine Zeit, in der das grösste Schweizer Musikhaus Hug seine Berner Präsenz nach nur drei Jahren aufgibt, weil die Ertragskurve "flacher verlaufen" sei als angenommen.

Derweil macht sich Krompholz daran, ein neues Marktpotential zu erschliessen. "Weil unter dem Einfluss der billigen asiatischen Konkurrenz immer weniger neue Hochqualitäts-Instrumente abgesetzt werden, steigt der Bedarf, die noch bestehenden Instrumente zu erhalten", sagt Technik-Chef Mohler.

Gefragt ist herausragender handwerklicher Einsatz. "Denn jetzt bricht eine Epoche an, in der zahlreiche Instrumente aus der Blütezeit des Klavierbaus zwischen 1890 und 1930 ins Alter geraten", stellt Stephan Mohler fest. "Statt sie irgendwo zu entsorgen, überholen wir sie von Grund auf – und das Instrument erlangt seine klangliche Spitzenklasse zurück", sagt Mohler, der selbst einen Bechstein-Flügel aus dem Jahr 1864 sei eigen nennt und ihn auch mal Radio-Solisten für Direktübertragungen zur Verfügung stellt.

Mohler weiss, wovon er spricht: Er ist gelernter Schreiner und gelertner Klavierbauer zugleich. Während acht Jahren war der gebürtige Baselbieter in der Berliner Traditionsfirma C. Bechstein GmbH tätig, am Schluss als Produktionsleiter.

Der engagierte Hintergrund-Handwerker mit Sinn für Renovationen kennt Klavier und Flügel bis in ihre letzten Einzelteile. Hand legt er selbst an – in der Produktion, bei der Auslieferung, aber auch beim Stimmen. Zu seinen Kunden zählen private Instrumentenbesitzer ebenso wie Solisten von internationalem Spitzenrang. Auch stimmte Stephan Mohler schon Flügel, die die Star-Violonistin Anne-Sophie Mutter begleiteten.

Grossrevisionen an Markeninstrumenten hält der Klavierbauer aus Leidenschaft auch für eine gute Kapitalanlage: Kostet ein neuer Qualitäts-Flügel zwischen 70'000 und 90'000 Franken, kommt die Total-Überholung samt neuem Resonanzboden auf 25'000 bis 35'000 Franken zu stehen. Mit diesem Einsatz, sagt Mohler, erhält das Instrument "ein zweites Leben" bei einer nochmaligen Alterserwartung von spielend sechzig bis siebzig Jahren.

8. Oktober 1998

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"Parterre Basel" ist die neue Pächterin des Basler Konzertlokals "Atlantis" am Klosterberg.

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Dominique Tellenbach, bisheriger Direktor der Berufsfachschule Basel, wird ab 1. Februar 2019 neuer Rektor der beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz.

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