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"Büezer neben Business-Man": Quartierbeiz-Wirtin Charlotte Wirthlin

Charlotte Wirthlin – eine Klybeckerin und Beizerin erster Güte

Eine Frau, die weiss, was sie will: Die Wirtin führt seit 25 Jahren das Kleinbasler Kult-Restaurant "Platanenhof"


Von Anna Wegelin


Vor einem Vierteljahrhundert verliebte sich Charlotte Wirthlin in ein Haus im unteren Kleinbasel und übernahm den "Platanenhof". Seither hat sich das alternative Restaurant mit seiner vorzüglichen Küche einen soliden Namen gemacht. Auch Geschäftsleute betreten das Lokal mit seiner bunt gemischten Kundschaft und geniessen dort gutes Essen und gesellschaftliche Vielfalt.


Ihr Lokal liegt mitten im Klybeck-Quartier, dem eine grosse TRansformation bevorsteht. Die Anlaufstelle "klybeckplus", der Zusammenschluss von BASF und Novartis mit dem Kanton Basel-Stadt, führt in diesen Tagen Mitglieder des Grossen Rates, Verbände und Institutionen durch das Industrieareal Klybeck und der Verein "Zukunft Klybeck" veranstaltet in der Aktienmühle einen Workshop zur Frage "Wie wollen wir unser neues Quartier?".

Ziel des Stadtentwicklungs-Projektes ist es, die riesige Fläche von rund 300'000 Quadratmetern zwischen Horburgstrasse und der Wiese in den kommenden Jahren zu einem "lebendigen, durchmischten Stadtquartier" für Wohnen, Arbeit, Freizeit und Kultur umzuauen.

Eine Quartierbeiz, unverwechselbar

Doch damit kann sich Charlotte Wirthlin derzeit nicht beschäftigen, obwohl sie sich aktiv für ihr Quartier einsetzt. Denn die gebürtige Baselbieterin steckt inmitten der Vorbereitungen für das Jubiläums-Wochenende des Restaurants "Platanenhof", das sie seit 25 Jahren mit einem kleinen, treuen Team führt – eben in diesem Quartier, dem eine grosse Transformation bevorsteht.

Der "Platanenhof" liegt am südlichen Ende der Klybeckstrasse zwischen den Tramhaltestellen "Insel" und "Ciba". "Man muss schon wissen, wo wir sind", sagt Wirthlin über ihr Refugium, das im Winter gemütlich ist wie eine Stube und immer Sommer, mit dem lauschigen Garten unter den Kastanien (nicht Platanen) und der angrenzenden Tiki-Freiluftbar, verheissungsvoll wie das Mittsommernachtsfest.

Es war im April 1992, als Charlotte Wirthlin, in Gelterkinden aufgewachsen, das Restaurant übernahm. Schon als Jugendliche habe sie gewusst, was sie wollte, wie eine verlässliche Quelle weiss. Als neuen "Platanenhof"-Wirtin sorgte sie dafür, dass die Liegenschaft im damaligen Besitz der Ciba Geigy nicht abgebrochen wurde.

Die Wirtin, die Stimmung und die Küche

Seit einer halben Ewigkeit ist der "Platanenhof", in dessen Küche auch die spätere "Rostiger Anker"-Wirtin Claudia Granacher schon arbeitete, eine städtische Oase für bodenständige bis kreative Kulinarik mit Kultur, die ich immer wieder gern aufsuche – auch wenn sie nicht gerade am Weg liegt. Warum ist das so?

Da ist zunächst die Wirtin selbst. Charlotte Wirthlin, eine stattliche Frau mit schönen Augen und einer klaren, geraden Sprache, ist für mich der Inbegriff von Güte.

Die Mutter zweier erwachsener Kinder, die das Geerdete und das Luftige in sich vereint, hat in all den Jahren auch immer wieder Gutes getan: Sie hat randständigen oder seelisch gestrandeten Menschen geholfen, auch wenn sie dies nie an die grosse Glocke hängen würde. "Sie bietet Raum, so dass man sich als normaler Mensch wohl fühlt", heisst es über sie. Als im Sommer 2014 die politischen Wellen auf dem zwischengenutzten "Wagenplatz" am Klybeckquai hoch gingen, vermittelte sie zwischen den Parteien.

Dann gefällt mir die urchig-hippe Atmosphäre im Lokal, die getäferten Wände, die kreativen Lampen – Röstiraffeln vor nackten Glühbirnen – und die Menükarte, die Wirthlin seit 25 Jahren von Hand schreibt.

Querbeet durch die Kulturen

Interessant ist der Gäste-Mix: Über Mittag sitzt der Büezer neben dem Business-Man. Seit die Novartis ihren Campus ins Grossbasel gezügelt hat, habe die Geschäfts-Kundschaft allerdings drastisch abgenommen, so die Wirtin. Zum Feierabendbier verweilen Menschen aus dem Quartier in der Gaststätte. Und wenn die Nächte lau werden, kommen die Zugewanderten auf Zeit mit ihren Stadtvelos angefahren und geniessen ein feines Essen unter freiem Himmel, das nette Menschen servieren.

Und natürlich muss auch die Kulinarik und das Preis-Leistungsverhältnis stimmen, damit man gewillt ist, zu Wirthlin ins Klybeck zu gehen: Im "Platanenhof" wird saisongerecht gekocht und die Ware wird in der Schweiz besorgt, wie die Beizerin betont.

Man kann sich durch verschiedenen Küchen und Kulturen essen, von der urschweizerischen über die nordamerikanische bis zur westafrikanischen. So gibt es zum Beispiel neben den Klassikern wie Gnocchi "Romaine" auch Wärschaftes wie Fleischkäse mit Spiegelei und im Sommer zum Bier den Wurstsalat, oder aber man sucht das Angusfilet vom Baselbieter Bauernhof aus oder das senegalesisch Fisch-und-Reisgericht Thieboudienne.

Vergeblich nach Zunge gesucht

"Wir kochen, was uns gluschtet und das ist dann eher crossover", erklärt Wirthlin, die das Wirtepatent in der Tasche hat und ihr Kochhandwerk in der selbstverwalteten Genossenschaftsbeiz "Hirscheneck" lernte. Manchmal werde ihr ein exotischer Menüwunsch auch zugetragen, erzählt sie: Kürzlich habe sie Zunge für eine Gruppe älterer Gäste zubereitet. "Sie hatten in der ganzen Stadt vergeblich nach einem Restaurant gesucht, das dieses Gericht für sie kocht", sagt sie sichtlich zufrieden angesichts der Freude, die sie ihren Kunden damit bereiten konnte.

Seit Anfang Jahr rühren Marius Isnard mit Lehrling im "Platanenhof" die Kelle. Isnard hat seine Ausbildung im Bünderland absolviert und deshalb gebe es jetzt Vegi-Capuns "mit Salbei statt Salsiz", so Wirthlin.

"Ich kann mit wenig leben", sagt sie auf die Frage, wie sie ihr gastronomisches Projekt über ein Vierteljahrhundert am Leben erhalten konnte. Auch zahle sie wenig Miete – Wirthlin wohnt über dem "Platanenhof" in der als links-alternativ geltenden "Wohngenossenschaft Klybeck", die 2004 die ganze Häuserzeile von der Novartis erwarb. Aber die Zeiten seien schon härter geworden, meint sie. "Stark zurückgegangen" sei vor allem das Geschäft über Mittag. Da müsse man halt wieder umdenken.

"Man lässt sich gegenseitig leben"

Wirthlin führte ein bewegtes Leben und hat in anderen Ländern gewohnt und gearbeitet. Doch im "Klybeck" hat sie Wurzeln geschlagen – ganz wie der Baum auf der neuen Webseite des Platanenhof. "Unser Quartier macht immer negative Schlagzeilen", sagt sie. Sie selber fühle sich wohl unter Ausländern und Alternativen: "Man lässt sich gegenseitig leben und es muss nicht immer alles kontrolliert werden."

Ich frage sie, ob die albanische Moschee gleich gegenüber, die ich von einem interreligiösen Treffen kenne, noch existiere. Es seien jetzt Salafisten da, antwortet sie, "aber es stört mich nicht und ansonsten können wir ja miteinander reden."

Für ihr Quartier wünscht sie sich zum 25. Geburtstag des Restaurant "Platanenhof", was sie auch im aktuellen Buch "Urbane Widerständigkeit"* zu Protokoll gibt: "Ich wünsche mir erschwingliche Wohnungen für die normal verdienenden Leute und eine Öffnung für das Quartier ans Wasser."


*ein gemeinsames Projekt des Seminars für Soziologie der Universität Basel mit dem Institut für Sozialplanung und Stadtentwicklung der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

Info
Restaurant Platanenhof, Klybeckstrasse 241, 4057 Basel, offen Dienstag bis Samstag
Jubiläumsprogramm mit Essen und Musik am Freitag, 31. März, und Samstag, 1. April, ab 18.30 Uhr
www.platanenhof-basel.ch



Dieses Porträt war dank des OnlineReports-Recherchierfonds möglich.

23. März 2017

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Communiqué vom
11. Dezember 2018
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Kein gutes Omen, wenn die Vorlage schon zur Alge mutiert ist.

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