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"In einer Notlage": Unterschiedlich deklarierte Regio-Milch*

Migros produziert ihre "Regio-Milch" ausserhalb der Regio

Nach Konkurs der Regio-Molkerei: Coop produziert Regio-Milch in der Region, Migros jenseits des Jura


Von Stephan Dietrich


Bezüglich regionaler Milch hat Coop am Juranordfuss die Nase vorn: Seit wenigen Tagen lässt der Basler Grossverteiler Bio-Milch in der Regio-Molkerei in Frenkendorf verarbeiten. Die Migros verkauft hingegen in beiden Basel Regio-Bio-Milch, die den Umweg über das solothurnische Obergerlafingen macht – ohne die Konsumenten darüber zu informieren.


"Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennen lernen", schrieb der  Solothurner Schriftsteller Peter Bichsel 1964. Ein Schicksalsjahr für die Milchmänner, denn damals verloren sie das Monopol auf den Milchverkauf. Seither dominieren die Grossverteiler samt Tetrapack das Geschäft mit dem weissen Saft.

Ob in Solothurn oder anderswo in der Schweiz: Milchmänner sind fast überall ausgestorben. Nur in Basel haben einige wenige überlebt. Nicht zuletzt dank des Milchverbands Nordwestschweiz (Miba). Zur Unterstützung der unrentablen, aber den Milchkonsum fördernde Hauszustellung unterstützten die Bauern die Milchmänner jahrzehntelang mit einer Abgabe von einem halben Rappen pro Liter Milch. Doch solche Milchmann-Subventionen sind mittlerweile Vergangenheit.

Gehört Obergerlafingen zur Regio?

Heute kommt die Milch der Basler Milchmänner aus Solothurn, genauer von der Molkerei Lanz im acht Kilometer im südlich gelegenen Obergerlafingen. So steht es auf der Verpackung. Eigentlich würden die Basler Milchmänner lieber Milch verkaufen, die in der Region Basel verarbeitet wird. Doch die Regio-Molkerei beider Basel in Frenkendorf, in die sie zusammen mit Bauern und Privaten viel Enthusiasmus und Geld investierten, ging letzten Sommer nach nur rund zwei Betriebsjahren mit Ach und Krach Konkurs.

Wer Milch fortan aus der Region kaufen wollte, musste sie in der Migros besorgen. Sie führte und führt weiterhin regional produzierte Milch im Sortiment. So steht es wenigstens auf der Verpackung.

Was die Milchtrinkenden aus der Region Basel nicht wissen: Auch die Migros-Milch "aus der Region" wird in Obergerlafingen verarbeitet und abgepackt. Nur wird das auf der Verpackung nicht deklariert. Man habe sich wegen der Konkurses des Betriebs in Frenkendorf in einer Notlage befunden und den Wechsel der Molkerei auch kommuniziert, erklärte Dieter Wullschleger, Sprecher von Migros Basel, gegenüber OnlineReports. Er sagt, dass die Migros-Milch "aus der Region" tatsächlich auch regional gesammelt und abgefüllt werde.

"Das ist ein Bschiss"

Das sieht Jost Müller, Geschäftsführer des WWF beider Basel, anders. "Bei einem Regio-Produkt erwartet man eigentlich, dass es auch in der Region verarbeitet wird, und da ist Gerlafingen schon ein wenig weit weg." Auf jeden Fall müsste der Produktions-Standort korrekt deklarieren, fordert er. Die grüne Baselbieter Nationalrätin Maya Graf, die am Aufbau der Regio Molkerei in Frenkendorf massgeblich mitbeteiligt war, wird noch deutlicher: "Das ist ein Bschiss, der schon seit Jahren andauert." Bei der Marke "Aus der Region", wie sie Migros verwendet, gingen die Konsumierenden "davon aus, dass die Milch auch in der Region verarbeitet wird".

Auch Coop war vom Konkurs der "Regio Milch beider Basel AG" in Frenkendorf betroffen, weil sie auch dort hergestellte Produkte im Sortiment hatte. Darauf verzichtete der Grossverteiler unverzüglich auf das "Regio"-Label. Doch "hinter den Kulissen" – wie es in einer Medienmitteilungen heisst – wurde an der Wiederaufnahme des Frenkendörfer Betriebs gearbeitet.

Wieder Milch von Baselbieter Kühen

Von der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, kaufte allerdings Branchenriese Emmi den gescheiterten Betrieb im letzten September ohne Passiven auf, wobei die "Miba" mit einer kleinen  Minderheitsbeteiligung mitzog. Coop erleichterte diesen Schritt offenbar mit Abnahmegarantien und sicherte sich damit eine Vorzugsstellung bei der Belieferung. Lorenz Wyss, Leiter Frischprodukte bei Coop: "Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Emmi eine Lösung gefunden haben, die das Überleben der neuen Regio-Milch langfristig sicherstellt und einem echten Kundenwunsch entspricht."

Seit letzter Woche  produziert der Betrieb  in Frenkendorf wieder richtige Regio-Milch von Baselbieter Kühen, die ohne den 120 Kilometer langen Umweg über Obergerlafingen an die Kundschaft nördlich des Juras geliefert wird.  Vorab nur Biomilch im Schlauchbeutel und exklusiv für Coop. Weitere Produkte sollen Schritt für Schritt  folgen. Derzeit nicht beliefert mit dem Prestigeprodukt  "regionale Biomilch" werden die Basler Milchmänner und die Migros, obschon sie sich darum bemühten.

Emmi produziert "für alle Abnehmer"

Die Migros-Regio-Bio Milch wird weiterhin in Obergerlafingen abgefüllt. Das muss aber nicht für immer so bleiben. "Grundsätzlich produzieren für alle möglichen Abnehmer", betont Emmi-Kommunikationsleiterin Esther Gerster. Aufgrund der getroffenen Abnahmegarantien scheint Coop im Augenblick aber von einer Vorzugsstellung zu profitieren.

Inzwischen startete Migros eine neue Milch-Marketing-Initiative. "Mit Migros-Milch zum gesunden Wald", lautet der Titel eines zweiseitigen Artikels in der letzten  Ausgabe des "Migros Magazins". Hintergrund der Geschichte: Der Gebinde-Karton, respektive das dafür verwendete Holz ist neu FSC-zertifiziert, es stammt also aus nachhaltiger Waldwirtschaft. Eigentlich eine Selbstverständlich, sollte man meinen. Was im Artikel nicht steht: Bezügllich Ökobilanz schneidet der Schlauchbeutel viel besser ab als die Kartonverpackung. An die Rohmilch im Offenverkauf kommt sie nie heran. Doch die Zeiten, als Milchmänner die Milch mit Kellen aus grossen Kübeln in kleine Töpfe abfüllten und in die Milchkästen stellten, sind längst Vergangenheit.

"Die Milchmänner haben keine Schuld, dass die Milch teurer wird", hat Bichsel vor bald 50 Jahren geschrieben. Auch das hat sich seither verändert. Die Milch wird immer billiger. Aber das ist eine andere Geschichte.

* von links: Verpackungen von Migros, Coop, Basler Milchmann

24. Februar 2011


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"I'm from Liestal, Basel-Country"

Die Schweiz neigt gelegentlich dazu, den Begriff der Kleinräumigkeit ad absurdum zu führen. Was ist regional? Man definiert sich ja sogar über das Quartier in einer Stadt, um sich abzugrenzen. Oder noch schlimmer: Ich habe tatsächlich schon einen Schweizer gehört in Indonesien, der sagte auf die Frage, woher er käme: "I'm from Liestal, Basel-Country." In den USA definiert sich jemand als jemand von L.A., auch wenn er 50 Kilometer vom Stadtzentrum wohnt.

 

Wenn wir es vom Produkt Milch haben: Das produziert man in Deutschland auch als "Milch aus der Region" und meint damit vom Bundesland (zum Beispiel Bayern, grösser als die ganze Schweiz). Ich finde, Produkte aus der Region sind eine gute Sache und sollten bevorzugt werden. Allerdings ist es genau so wichtig, dass die Produkte sich rechnen und der Warenfluss effizient stattfindet, sprich zahlbar bleibt für den Detailhandel.

 

Zentral ist auch die Frage, ob die Transporte per LKW oder mit der Bahn stattfinden. Die Migros ist immerhin grösster Kunde der SBB Cargo überhaupt

(http://www.migros.ch/de/ueber-die-migros/nachhaltigkeit/projekte/klimaschutz/transport.html), das heisst, die Verantwortung bezüglich ökologischer Transporte wird wahrgenommen.

 

Oder ist es vergleichsweise ökologisch sinnvoller, wenn Camions kleine Bio-Läden beliefern und dort jeweils nur ein paar Kilogramm Gemüse oder Liter Milch abliefern?


Karl Linder, Basel



"Anbieter darf auch mal ein wenig schummeln"

Danke für die schöne Geschichte. Leider nichts Aussergewöhnliches. Es geht um klare Deklaration, eigentlich um faire, konsumentenfreundliche Deklaration. Da hält sich leider auch die Migros nicht dran. Begreiflich, denn dann sähe ein Werbeslogan wie "Aus der Region für die Region" uralt aus.

 

Da aber gesetzliche Grundlagen fehlen, braucht sich ein Anbieter nicht darum zu kümmern und darf gerne auch mal ein wenig schummeln. Zum Politischen: Vor ein paar Jahren gab es einen parlamentarischen Vorstoss in der Richtung des grünen Nationalrats Zysyadis (http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20083386).

 

Aus der Antwort des Bundesrates: "Auf die schriftliche Angabe kann jedoch verzichtet werden, wenn die Information der Konsumentinnen und Konsumenten auf andere Weise gewährleistet ist (z. B. Plakate oder mündliche Information) ...".

 

Ziemlich aufwändig, bei der Fülle von Produkten. Die Anbieter können beruhigt davon ausgehen, dass kaum jemand sich die Mühe macht, bei jedem Produkt sich umständlich nach der Herkunft zu erkundigen. Und wenn doch – so wie in Ihrem Artikel – hat man eine PR-Abteilung für unangenehme Fragen zur Seite.


Christian Egli, Zürich


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"Weinstein setzte Spione auf Opfer ab"

BZ Basel
vom 8. November 2017
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... nachdem er sie zu Miniaturen erniedrigt hatte.

RückSpiegel


Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

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Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

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Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.

• Der Binninger Mike Keller ist neuer Präsident des Trinationalen Eurodistricts Basel (TEB) bis Frühjahr 2019 und somit Nachfolger des neuen Basler Stadtentwickers Lukas Ott, der alle politischen Ämter niederlegt.

• Der an der Harvard-Universität arbeitende Forscher Professor Alexander F. Schier wird ab 2018 neuer Leiter des Biozentrums der Universität Basel.

• Das Unternehmerpaar Marc Friedrichsen und Julia Reidemeister übernahm Mitte Oktober die "Boutique Danoise" an der Aeschenvorstadt in Basel im 50. Jahr ihres Bestehens von Thomas und Astrid Bachmann.

Hoffmann-La Roche will bis ins Jahr 2020 den Wasserverbrauch pro Mitarbeitenden um zehn Prozent senken.

• Da die Prämien der obligatorischen Krankenversicherung in Basel-Stadt im kommenden Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent ansteigen, passt die Regierung die Prämienbeiträge des Kantons für Haushalte mit bescheidenem Einkommen im gleichen Umfang an.

• Für den 9. Basler Pop-Preis sind folgende Bands nominiert: Alma Negra (Electronic World Music, Basel), Audio Dope (Electronic Music, Basel), Schammasch (Avantgarde Metal, Liestal), We Invented Paris (Indie-Pop, Liestal) und
Zeal & Ardor (Black Metal/Gospel, Basel.

• Weil sich FDP und SVP nicht auf eine gemeinsame Kandidatur für die Ersatzwahl in den Stadtrat von Liestal einigen konnten und "alle offiziell Kandidierenden wählbar" sind, verzichtet die CVP auf eine Wahlempfehlung.

• Die Wettbewerbs-Kommission hat entschieden, den geplanten Zusammenschluss zwischen dem Universitätsspital Basel und dem Kantonsspital Baselland ohne Auflagen zu genehmigen.