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"Plötzlich war Ruhe": eBay-User Franz Sklenak

Auf eBay tummeln sich auch Betrüger

Auf der erfolgreichen Handelsplattform ist Vorsicht geboten. Das hat ein Baselbieter Rentner erfahren müssen


Von Peter Knechtli


Wie Millionen andere wollte der Binninger Rentner Franz Sklenak über die Online-Handelsplattform eBay ein Geschäft abwickeln. Für eine Nikon F5 überwies er dem Anbieter aus Deutschland 900 Euro - doch die Fotokamera erhielt er nie. Die Baselbieter und Basler Polizei mochte sich um den Fall nicht kümmern. Aber die deutsche Polizei hat sich dem Betrüger jetzt an die Fersen gehefetet.


Franz Sklenak, 65, aus Binningen ist seit wenigen Tagen Rentner. Doch von Ruhe keine Spur: Der begeisterte Online-Nutzer wurde auf der Internet-Auktionplattform eBay von einem Betrüger übers Ohr gehauen.

Begonnen hatte das Drama im Mai in Nizza, als Sklenak eine Gruppe zum Formel-1-Rennen von Monaco chauffierte . Nur eine kleine Unachtsamkeit vor dem Hotel – und weg war die Tasche mit seiner Fotoausrüstung im Wert von 5'000 Franken. Animiert durch Kollegen meldete sich Sklenak bei eBay an, loggte sich ein und fand Anfang Juli in der Kategorie „Sofort kaufen“ genau das gewünschte Nikon F5-Gehäuse zum Preis von 900 Euro oder fast 1'500 Franken.

eBay wimmelt per Tonband ab

„Zarca13“ war das Kennwort des Anbieters aus der Umgebung von Karlsruhe, der Zarka Dragicevic heisst.und das Konto 740743801 bei der deutschen Postbank besitzt.

Nikon-Fan Sklenak zahlte umgehend, doch seine F5 erhielt er nie. Stutzig wurde er schon, als Dragicewic auf seine Mails nicht mehr antwortete. In seiner Verzweiflung rief er die Postbank in Karlsruhe an, weil „dringender Verdacht auf Betrug“ bestehe. Sklenak schien Glück zu haben: Der Kaufpreis war dem Anbieter zu jenem Zeitpunkt noch nicht gut geschrieben worden. Doch unglaublich: „Aus Datenschutzgründen könne sie leider nichts machen“, beschied eine Bankangestellte und vollzog die Buchung auf Dragicevics Konto.

Der darauf folgende Versuch, das Geld wieder zu erhalten, geriet zur wahren Odyssee. Auf dem Polizeiposten seiner Wohngemeinde Binningen, wo er Steuern zahlt, und bei der Kantonspolizei Basel-Stadt wurde der Hilfe Suchende ebenso abgewimmelt wie bei eBay: Dort liefen am Telefon nur Tonbänder, standardisierte Mail-Antworten wiesen ihn „an eine professionelle Rechtsberatung“ ab. Ein tumbes Tonband läuft selbst am offiziellen Sitz der eBay-Europazentrale in Bern.

"Viel Aufwand für Sicherheit"

Aus Berlin drückte eBay-Sprecherin Maike Fuest gegenüber OnlineReports Bedauern aus: „Jeder Betrugsfall ist einer zuviel.“ Aus rechtlichen Gründen könne eBay als blosser Anbieter einer virtuellen Markt-Plattform aber keine Rechtsberatung anbieten. Dagegen werde „viel Aufwand für Sicherheit und Transparenz“ betrieben, beispielsweise durch das Bewertungssystem, Verkäuferinformationen und das eBay-Sicherheitsteam. Auch biete eBay ein Käuferschutzprogramm an oder die Möglichkeit, grössere Transaktionen über einen kostenpflichtigen Treuhänder abzuwickeln. Zudem arbeite der Konzern „eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen“.

Darüber, welches Ausmass der Betrug auf der „grössten Handelsplattform der Welt“ (eBay-Selbsteinschätzung) schon angenommen hat, spricht der stark expandierende und rentierende Konzern ungern. Gegenüber „Facts“ sprach eBay-Konzernchefin Meg Whitman von „ein paar Betrugsfällen“ auf ihrer Plattform - eine massive Verharmlosung: Nach offizieller Auskunft kommt es zwar in „deutlich unter einem Prozent der weltweiten Transaktionen“ zu Problemen. Doch aus 225 Millionen Artikeln, die zwischen April und Juni weltweit angeboten wurden, resultieren allein in drei Monaten mehrere hunderttausend Problem-Deals.

Soeben wurde in Deutschland bekannt, dass etwa 150 eBay-Kunden allein von einem einzigen Betrüger um ihre Ware geprellt wurden. Auf mindestens 100'000 Euro schätzt eBay den Schaden.

Entschuldigung wegen Binninger Polizeiposten

So stellt sich die Frage, ob mit der kultartigen Ausbreitung des Onlinehandels nicht in gravierendem Ausmass polizeiliche Ressourcen beanprucht werden, die anderswo fehlen. Meinrad Stöcklin, Sprecher der Polizei Basel-Landschaft, sieht noch keine dramatische Entwicklung, aber „es werden uns immer wieder solche Fälle bekannt“. Gegenüber OnlineReports entschuldigte er sich auch dafür, dass der Binninger Polizeiposten Sklenaks Anliegen nicht ernst genommen habe: Das Korps verfüge über zwei eigens auf digitale Ermittlung spezialisierte Stellen. Allerdings habe Franz Sklenak zu hoch gepokert: „Es bleibt immer ein Restrisiko. Wir empfehlen eine gesunde Portion Vorsicht und den Versuch, den Geschäftspartner sauber zu identifizieren. Wenn es zu einem Betrug kommt, sollte Anzeige erstattet werden. “ Denn auf eBay wie auf andern Auktions-Plattformen „kann man sich eine falsche Identität zulegen.“ Ein deutscher Ermittler spitzt sogar zu: „ Man kann sich Schneewittchen nennen - und dann ist es so.“

Maike Fuest von eBay pocht indes darauf, dass die Anmeldedaten der Kunden „geprüft“ werden. Allerdings sei nicht auszuschliessen, dass sich gewisse gesperrte Anbieter entgegen den Geschäftsbedingungen durch einen „Zweitaccount“ wieder Zutritt verschaffen. Weitere Abklärungen von eBay haben laut Fuest ergeben, dass Sklenak seinen Deal zwar auf eBay begonnen, aber per direktem E-Mail mit dem Anbieter "an eBay vorbei abgewickelt" habe. Dadurch könne er auch nicht in den Genuss den Kundenschutzprogramms kommen.

Täter konnte ausfindig gemacht werden

Offensichtlich ist: Das Sicherheitskonzept von eBay weist immer noch beträchtliche Lücken auf. Obwohl Auktionen noch 90 Tage auf dem Server gespeichert bleiben müssen, war beispielsweise der Dragicevic-Deal nicht auf Anhieb nachvollziehbar - möglicherweise, weil der Deal nicht auf dem offiziellen, von der Firma vorgegebenen und ihr die Provision eintreibenden Handelsweg ablief. Zudem ist es möglich, dass Betrüger über falsche Identitäten auf eigene Angebote selbst mitbieten und so die Preise in die Höhe treiben oder sich gar reihenweise selbst positive Bewertungen ausstellen und damit falsches Vertrauen wecken. Das Sicherheitssystem habe noch „seine Tücken und Kanten“, die klare Identifizierung beider Geschäftspartner müsse noch verbessert werden, meint ein Fahnder.

Hilfe und die Rückerstattung seiner 900 Euro erhofft sich Franz Sklenak jetzt von der deutschen Justiz. Auf seine Anzeige hin ermittelte die Polizei in Karlsruhe in dieser „neuen Art Kriminalitätsdelikt“, wie Polizeihauptmeister Helmut Schmidt bestätigt. Der Täter habe ausfindig gemacht und befragt werden können. Sein Name sei schon in mehreren andern Fällen aktenkundig.

Sklenak hat dem Täter, der sich inzwischen wieder gemeldet hat, angeboten, die Anzeige zurück zu ziehen, wenn er die 900 Euro zahle. Doch selbst wenn Dragicewic zahlt, kann er sich der Justiz nicht entziehen, wie Chefermittler Schmidt bekräftigt: Warenbetrug ist ein Offizialdelikt, die Verfahrensmühle läuft unerbittlich. Die Akten sind mittlerweile zur strafrechtlichen Beurteilung an die Staatsanwaltschaft Karlsruhe überwiesen worden.

Jetzt beginnt für Franz Sklenak der zivilrechtliche Marathon um seine 900 Euro.

4. September 2003


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"Ich habe von der Justiz nie mehr etwas erfahren"

Die Internet- resp. Auktionsbetrügerei ist nichts Neues. Ich wurde schon im März 2001 von einem in Oesterreich ansässigen Anbieter übers Ohr gehauen. Das Geschäft wurde via Ricardo abgewickelt und mein Verlust dabei betrug 368 Franken. Auch ich erhielt keine Hilfe von der österreichischen Bank. Ich fand den richtigen Namen und die Adresse des Betrügers raus und machte bei der Basler Polizei eine Anzeige. Diese Anzeige wurde nach Innsbruck weitergeleitet. Obwohl ich mich über ein halbes Jahr später schriftlich in Innsbruck erkundigte, habe ich bis heute weder etwas von meinem Fall gehört, geschweige denn mein Geld zurückerhalten


Sabine Suter, Basel


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