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Das Güte-Siegel FSC rettet die Tropenwälder nicht

Von RUEDI SUTER

A
lle wollen nur das Beste. Alle wollen die schwer bedrohten Urwälder im riesigen Kongobecken schützen helfen. Dafür haben sich Organisationen und Unternehmen, die vor drei Jahren noch erbitterte Gegner waren, zusammengerauft und die Medien vor einen Eisenbahnwaggon frisch importierter Urwaldriesen nach Klingnau geladen.

Hier sollte ihnen zuhanden der Schweizer Konsumierenden das "erste urwaldfreundliche Tropenholz aus Afrika" präsentiert werden. Doch kaum ein Medium folgte der Einladung. Die Organisatoren blieben, mit fünf Ausnahmen, in der schweizweit einzigen Tropenholzsägerei der Gebrüder Kappeler unter sich. Ein Desinteresse, das alarmiert: Weil im Kongobecken Schweizer Steuergelder eingesetzt werden. Weil der Schutz dieses grossen Regenwaldgürtels im Herzen Afrikas für das Weltklima von zentraler Bedeutung ist. Und weil der zweifellos denkwürdige Anlass in Klingnau mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt.

Die, die das Beste wollen, sind das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), der WWF, Greenpeace, die Türenfabrik Brunegg und die vom Deutschen Hinrich Stoll aufgebaute Firma Congolaise Industrielle des Bois (CIB), die in der Volksrepublik Kongo seit Dekaden den Urwald abholzt.

Um für die Kongowälder das Beste zu erreichen, haben Greenpeace und WWF mit Druck und Verhandlungen und das Seco mit klaren Bedingungen die CIB endlich zu einer wenigstens partiell besseren Bewirtschaftung sowie die Türenfabrik Brunegg für die Verwendung von Tropenholz aus "nachhaltiger Nutzung" bewegen können. Die Garantie hierfür liefert das international anerkannte, vom WWF geförderte Gütesiegel FSC des Forest Stewardship Council.

Das Siegel verspricht uns Konsumierenden, dass das Holz aus einem "sozial- und umweltverträglich bewirtschafteten Wald" stammt. Eine segensreiche Einrichtung - mit einer Ausnahme: Bei den letzten Urwäldern. Dort wird das viel gepriesene FSC-Label zur Kommerzwaffe. Dort verkommt es zum Killer-Instrument und Feigenblatt der involvierten Regierungen, Konzerne und Umweltorganisationen, die aus den Urwäldern Kapital schlagen wollen. Der einzige Schutz für die bedrohten Urwälder - Lebensraum von Waldvölkern, seltenen Tieren und Pflanzen - wäre, sie ganz in Ruhe zu lassen. Dafür müssten im Kongobecken vor allem die Europäer als bisherige Hauptprofiteure besorgt sein.

Stattdessen ist der seit der Kolonisation anhaltende industrielle Raubbau an den Regenwäldern Afrikas verheerender denn je: Immer schnellere Öffnung der Urwälder, unkontrollierte Abholzung, Entwurzelung der Waldvölker, Wilderei, Vernichtung von Fauna und Flora und die nachhaltige Zerstörung riesiger Landstriche sind die Folgen. Hinzu kommt, dass die Bäume zu einem Bruchteil ihres Wertes exportiert werden und die Einnahmen der Korruption wegen kaum je die betroffene Bevölkerung erreichen. So schockt die Realität vor Ort.

Dass in diesem Tohuwabohu, das neuerdings durch den Einfall rücksichtsloser malaysischer und chinesischer Holzkonzerne arg verschlimmert wird, überhaupt ein paar Kubikmeter Holz FSC-zertifiziert werden konnten, ist eine beachtliche Leistung. Allerdings wird sie irreführend verkauft: Das Güte-Siegel FSC kann die Regenwälder im Kongobecken nicht retten, das könnte nur eine entschlossene Staatengemeinschaft. FSC ignoriert im Kongobecken die Bedürfnisse der rechtlosen Waldmenschen, der Pygmäen. FSC fördert das Geschäft mit "urwaldfreundlichem" Holz, anstatt es zu reduzieren. Und FSC wirbt in der Schweiz für Türen aus mehreren hundert Jahren alten Urwaldbäumen, anstatt einheimische Alternativen aufzuzeigen, die nach der nicht mehr allzu fernen Totalabholzung der Tropenwälder ohnehin nötig sein werden.

Wenn also im Zusammenhang mit den Primärwäldern alle wirklich nur das Beste wollten, müsste alles für die Unantastbarkeit der letzten Urwälder unternommen werden. Doch davon sind wir noch weit entfernt. Auch in der Schweiz: Die vom Volk längst geforderte Deklarationspflicht für Holzprodukte wird von Parlament und Bundesrat weiterhin verwehrt. So bleibt uns Konsumierenden einmal mehr nur die Wahrnehmung der persönlichen Verantwortung: Hände weg von Holzprodukten aus Urwäldern, selbst wenn sie FSC-zertifiziert sind.

3. November 2006
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