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Das Kuckucks-Ei auf dem Syngenta-Dach

Von PETER KNECHTLI

Ob die SVP im Kanton Basel-Stadt regierungsfähig ist, wird die zentrale Frage des eben angelaufenen Wahlkampfs sein. Die Deutlichkeit, mit der insbesondere Wirtschaftsminister Christoph Brutschin und Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels, aber auch Finanzdirektorin Eva Herzog diese Fähigkeit in Frage stellt, erhellt die Strategie der SP, mit Hilfe des Grünen Bündnisses die Regierungsmehrheit auch in der vierten Amtsperiode in Folge zu verteidigen.

Dieses Ziel ist für die drei seit acht beziehungsweise zwölf Jahren mehrheitsgewohnten Exekutiv-Mitglieder von politisch nahezu existenzieller Bedeutung: Gelingt es nicht, die bisherige Majorität zu erhalten, wären die Linken während den nächsten vier Jahren ans Gängelband der bürgerlichen Regierungsmehrheit gefesselt. Die Steuer-, Verkehrs- und Sozialpolitik sähe wohl spürbar anders aus – Steuersenkungen für Unternehmen und Einkommensstärkere, erhöhte Priorität für den motorisierten Individualverkehr und verschärfte Anforderungen an Sozialhilfebezüger.

Dieses Szenario abzuwenden ist nur möglich, wenn sich das Visier auf einen der vier bürgerlichen Konkurrenten fokussiert. Weder gegen den CVP-Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger noch gegen Sicherheitsdirektor Baschi Dürr lässt sich eine verfängliche Kampagne führen. Der neu antretende Liberale Conradin Cramer, der den Sitz von Christoph Eymann verteidigen soll, hat Sympathien bis ins linksliberale Lager.

So bietet sich als Zielscheibe nur einer förmlich an: SVP-Fraktionschef Lorenz Nägelin. Er sei ein Kuckucks-Ei innerhalb der klassischen bürgerlichen Allianz, sagte Brutschin. Ihn gilt es aus links-grüner Optik mit aller Kraft zu verhindern.


"Wirtschaftsfreundlichkeit kann niemals
Kadavergehorsam bedeuten."



E
s mutet in der Tat seltsam an, dass sich einerseits Nägelin bisher nicht kritisch zur SVP-Masseneinwanderungs-Initiative geäussert hat, und anderseits die traditionellen bürgerlichen Parteien FDP, LDP und CVP von ihm nicht eine klare Distanzierung gefordert haben. Brutschin hat recht: Die Ungewissheit, die über dieser Initiative schwebt, schwächt den Wirtschafts-Standort fraglos, potenzielle Neu-Unternehmen zögern mit der Ansiedlung in der Rheinstadt. Die bürgerlichen Parteien haben sich diesbezüglich mit Nägelin ein Problem unter die Haube gezogen.

Doch die fünf rot-grünen Wahlkämpfer, die so sehr den Wirtschafts-Standort und die mit ihm verbundenen Arbeitsplätze in den Vordergrund stellen, haben auch ein Problem. Die Kantonalpartei von Finanzdirektorin Herzog unterstützt das Referendum gegen die Unternehmenssteuerreform III; das Grüne Bündnis der Kandidatinnen Elisabeth Ackermann und Heidi Mück plädierte für Rückweisung des Roche-Bebauungsplans mit seinem zweiten Hochhaus; dasselbe Bündnis unterstützt Demos gegen Syngenta und beschliesst kritische Resolutionen gegen den Basler Agro-Konzern.

Was in Basel zu beobachten ist, ist reines Wahlkampf-Getöse, das letztlich nicht über Erfolg oder Misserfolg kommenden Oktober entscheidet. Wir haben es derzeit zu tun mit den ganz normalen Rollenkonflikten, vor denen weder linke noch rechte Parteien, weder Regierung noch "Opposition" gefeit sind.

Es wäre selbstzerstörerisch, wenn eine links dominierte Regierung in einem Konzern-Konglomerat wie Basel wirtschaftsfeindliche Politik betriebe. Es ist klug, wenn sie eine angemessen wirtschaftsfreundliche Linie fährt, ohne ihre eigene soziale Grundhaltung zu verraten.

Es gehört demzufolge zum System, dass Regierende in bestimmten Fragen andere Positionen einnehmen als ihre Parteien. Regierungs- und Parteipolitik sind zwei Paar Stiefel. Wenn es wegen Pestizid-Problemen zu einer Kundgebung der Grünen gegen Syngenta kommt, braucht niemand zu hyperventilieren. Wirtschaftsfreundlichkeit kann niemals Kadavergehorsam bedeuten. Vielmehr sollten sich bürgerliche Kritiker die Frage stellen, wie sie es mit problematischen Aspekten dieses Unternehmens halten – und ob Schweigen dazu die "Politik des feinen Mannes" ist.

Anderseits brauchen Linke nicht gleich den Teufel an die Wand zu malen, wenn Nägelin als SVP-Volksvertreter die Masseneinwanderungs-Initiative unterstützte. Selbst wenn die Bürgerlichen die Rückeroberung der Regierungs-Mehrheit gelänge, brächten die drei Vertreter von LDP, FDP und CVP ihren neuen SVP-Kollegen mit Sicherheit auf Kurs, wenn er den Wechsel dahin nicht schon selbst vollzogen hätte.

Im Grossen Rat gehörte Nägelin noch zu den Wortführern der Gegner des 80 Millionen-Deals mit Baselland. Zum Regierungsrats-Kandidaten nominiert, rückte er bereits von seiner gegnerischen Position ab. Dies hat nichts mit Windfahnen-Politik zu tun, sondern mit Rollenwechsel. Nägelin darf insofern Regierungsfähigkeit attestiert werden.

Entscheidend aber ist und bleibt die persönliche Wirkung während des Wahlkampfs. Gelänge ihm als erstem Basler SVP-ler der Eintritt in die Regierung, sässe er mit den SP-Mitgliedern schon bald kollegial am Tisch.

Bericht vom 21. Juni 2016: Rot-Grün greift an: "SVP-Nägelin ist ein Kuckucks-Ei"

30. Juni 2016
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"Neo-FCB-Coach Marcel Koller stationierte einen Tag vor dem Sieg gegen GC ein Exempel an einem Spieler."

Blick online
vom 6. August 2018
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Fragt sich nur, wo Koller das Exempel stationiert hat – als Rechtsverteidiger oder Mittelstürmer?

Frisch pubertiert

Küssen, nicht spucken!
RückSpiegel


In seinem Artikel über medienpolitische Entscheide der Wettbewerbskommission erwähnt Rainer Stadler in der NZZ auch OnlineReports.

Roland Stark, Kolumnist der Basler Zeitung, nahm in seinem Text über Meinungsvielfalt auf OnlineReports Bezug.

In der Meldung über das neue Basler Nachrichten-Portal "Prime News" bezogen sich die BZ Basel, Nachrichtenagentur SDA und das Branchenmagazin Persönlich auf OnlineReports.

Das SRF-Regionaljournal bezog sich in seiner Meldung über die Selbst-Vergiftung des Basler Museumsdirektors Michael Kessler auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über den Streit der Basler SVP mit ihrem Grossrat Patrick Hafner über Ausstände bei den Mandatabgaben auf.

Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Bericht über den Rückzug des potenziellen Baselbieter FDP-Regierungs-Kandidaten Daniel Recher Bezug auf OnlineReports.

20 minuten online
bezog sich im Bericht über die Email-Affäre um Joël Thüring auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der FCB-Captain und Innenverteidiger Marek Suchy hat sich am 12. August im Spiel gegen den FC Sion einen Teilriss der Achillessehne am linken Fuss zugezogen und fällt damit für unbestimmte Zeit aus.

• Die Wirtschafts- und Abgabekommission des Grossen Rates unterstützt den "Basler Kompromiss" zur Umsetzung der Steuervorlage 17 und stimmt dem Ratschlag der Regierung mit einer Änderung zu.

• Nach zwei Jahren wechselt in Basel-Stadt das Präsidium der Fraktion "Grünes Bündnis" wieder von "Basta" (Beatrice Messerli) zu den Grünen (Jürg Stöcklin).

Pierre Lavielle, der Präsident des EuroAirport-Verwaltungsrats, ist am 2. August unerwartet gestorben.

• Verschiedene Baselbieter Gemeinden wie Therwil oder Gelterkinden haben aufgrund der Trockenheit ein totales Verbot des Abbrennens von jeglichen Feuerwerkskörpern (Raketen, Vulkane, Heuler usw.) erlassen, bevor auch der Kantonale Krisenstab ein generelles Verbot aussprach.

• Der Riehener CVP-Einwohnerrat Patrick Huber tritt von seinem Amt als Vizepräsident der Basler CVP und als Leiter der Arbeitsgruppe Wirtschaft auf Ende Juli zurück.

Patrick Huber wird im August neuer Geschäftsführer der Basler Bankenvereinigung (BBVg) als Nachfolger von Raphael Vannoni.
 
"Parterre Basel" ist die neue Pächterin des Basler Konzertlokals "Atlantis" am Klosterberg.

Ueli O. Kräuchi, Geschäftsführer des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG), gibt die Leitung der VBLG-Geschäftsstelle per 31. März 2019 altershalber ab.

• Das Bürgerspital Basel übernimmt per 1. Januar 2019 die Spektrum Werkstätte für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel.

• Die Gewerkschaft Unia hat am 4. Juli 2'300 Unterschriften für das Referendum gegen längere Ladenöffnungszeiten eingereicht.

• Der Basler Gewerbeverband reichte zusammen mit den Parteien FDP und SVP, der "IG Lysbüchel" sowie verschiedenen Branchenverbänden das Referendum "gegen die Fehlplanung Lysbüchel" mit 2'972 Unterschriften ein.

Dominique Tellenbach, bisheriger Direktor der Berufsfachschule Basel, wird ab 1. Februar 2019 neuer Rektor der beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz.

Alexander Lenzlinger wird ab 1. August neuer Finanzchef der IWB und Nachfolger von Michael Ackermann, der eine längere berufliche Auszeit nimmt.

• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.