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"Basler Zeitung": Happy Landing, Moritz Suter

Von PETER KNECHTLI

Im Untergeschoss des Restaurants "Schwarze Kunst" am Hauptsitz der "Basler Zeitung" geht es in den letzten Monaten zu wie in einem Taubenschlag. Es ist der 8. Februar 2010: Matthias Hagemann präsentiert Martin Wagner und den (abwesenden) Tito Tettamanti als neuen Besitzer der "Basler Zeitung Medien"-Gruppe. Es ist der 30. August 2010: Martin Wagner präsentiert mit Markus Somm den neuen Chefredaktor, der schon um 13 Uhr die erste Redaktionssitzung leitet. Es ist der 24. November 2010: Martin Wagner präsentiert Moritz Suter als neuen Allein-Besitzer des kriselnden Basler Medienunternehmens.

Schon fast in Schwindel erregender Kadenz gaben sich nicht nur Konzernchefs, sondern die Besitzer der BaZ die Klinke. Nur gerade neun Monate hat das Experiment Tettamanti/Wagner gehalten. Jetzt ist es gescheitert. Die Hektik, in der der Basler Flugpionier Moritz Suter wohl zu einem günstigen Preis das Basler Medienhaus übernahm, macht deutlich, dass die bisherigen Besitzer, die vor neun Monaten noch von einem nachhaltigen Investment sprachen, zu einem Notverkauf schreiten mussten, um nicht ein Debakel von ungeheurer Dimension zu provozieren.

Der Financier Tettamanti und der Anwalt Wagner machten mehrere Fehler. Der erzreiche Tessiner Mehrheitsaktionär hat sich während der ganzen Zeit nie in Basel blicken lassen und vorgestellt. Nicht einmal die Redaktion bekam ihrem Hauptinvestor je zu Gesicht. Dass die neuen Eigner Markus Somm als neuen Chefredaktor mit Schreibkompetenz einstellten, war keine Katastrophe. Er verdiente die Chance. Schlimm aber war, dass Somm seine neue Rolle als eigenmächtiger Missionar missverstand und die versprochene Ausgewogenheit nicht zuliess. Er war auf dem Weg, die Zeitung in ein SVP-nahes Blatt umzupolen. Das freute die SVP und einige weitere Kreise, stiess den Liberalen und Linken aber zunehmend sauer auf.

"Mit dem Patron Moritz Suter
kehrt vorerst wieder Ruhe ein."




Obschon anfänglich jegliche Verbindungen zu Christoph Blocher abgestritten wurden, brauchte es eine Zürcher Zeitung, die das Beratungsmandat seiner Robinvest AG öffentlich machte. Diese weitere Grenzüberschreitung verursachte über Nacht einen regelrechten Aufruhr, den das Duo Tettamanti/Wagner nicht länger aussitzen konnte. Drastische Unwillenskundgebungen von massenhaften Abo-Kündigungen bis hin zur feigen Sabotage waren die Folge. Die unternehmerische Lage, vorher tendenziell schöngeredet, nahm nun dramatische Ausmasse an. Moritz Suter sprach in verblüffender Offenheit von einem "sinkenden Schiff" und einer "Notsituation".

Schliesslich verlegten der Financier und der Anwalt den BaZ-Holding-Sitz nach Zug und offenbarten damit nicht nur ihre Untreue zum Standort Basel, sondern auch weitere publizistische Absichten.

Martin Wagner ist immerhin hoch anzurechnen, dass er sein Scheitern als Verleger unumwunden zugegeben hat. Auch der Verkauf an Moritz Suter ist so etwas wie ein Glücksfall. Suter könnte – und will wohl auch – der Mann sein, der "Basel rettet".

Indem nun der turbulenzerprobte 67-jährige Basler Pilot und Luftfahrtunternehmer in einem spontan-emotionalen Kaufanfall die Kontrolle über die BaZ vom Tessin ans Rheinknie zurückholte, sich vom Blocher-Mandat trennte und Somm einen klaren Forums-Auftrag verordnete, wird in der Öffentlichkeit rasch Ruhe einkehren. Der "Crossair"-Gründer ist von jener patronalen Gestalt, die Vertrauen auszustrahlen vermag.

Suters unternehmerische Fähigkeiten können indes keine Wunder bewirken. Zwar sass er lange Zeit im Verwaltungsrat einer Regionalzeitungs-Firma. Doch seine operative Kernkompetenz ist die technische Welt. Mit der "Basler Zeitung" bekommt er es mit Inhalten zu tun. Das ist etwas ganz Anderes. Er wird sehr gute Berater brauchen und sich auf das Management verlassen müssen, um den sinkenden Kahn wieder über Wasser zu ziehen.

Die Abgeklärtheit, die der neue BaZ-Eigner bei seinem ersten Auftritt in dieser Funktion verströmte, und die stehende Ovation, mit der die Redaktion ihn empfing, sollten deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Umbau der "Basler Zeitung" zum sauber gruppierten Multimedia-Konzern erst noch bevorsteht. Einigen der 1'100 Mitarbeitenden, denen jetzt eben noch ein Stein vom Herzen fiel, steht – und daran führt leider nichts vorbei – die harte Zeit noch bevor. Denn auch Moritz Suter wird die Kosten drücken, die Zeitung ebenso wie den Online-Auftritt neu modellieren und die immensen Probleme im Druckbereich lösen müssen.

Seine Rolle als gütiger Patron wird schon bald gefragt sein, wenn er den betroffenen Mitarbeitenden die schmerzliche Botschaft wird überbringen müssen. Happy Landing, Moritz Suter!

OnlineReports-Recherchierfonds
Bericht: Moritz Suter übernimmt die BaZ

24. November 2010
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