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Blogger füs Grobe, raus aus den Verstecken!

Von PETER KNECHTLI

Die OnlineReports-Recherche über anonyme Blogs als zunehmendes Kampf- und Denunzierungs-Tool im Internet hat über die Landesgrenzen hinaus - auch auf zahlreichen Web-Plattformen Reaktionen hervorgerufen. Leser und Leserinnen äusserten Betroffenheit ("ich wusste gar nicht, dass es das gibt") und Bestürzung darüber, dass Blogger, die sich teils als professionelle Journalisten verstehen und über einen gewerkschaftlichen Hintergrund verfügen, einem Hobby als versteckte Verfolger nachgehen.

Dass anderseits einige Maulhelden auf ihren Plattformen zu Jaulhelden mutierten, war zu erwarten. Denn längst ist ein Teil der Blogger-Szene weit weg von dem, was er ursprünglich als "virtuelles Tagebuch" und als neue Form in die Internet-Kommunikation darstellen wollte: Entwickelt hat sich ein zunehmend rabiate Angriffs-Szene, die sich darin gefällt, im Schutz der Anonymität die Grund-Regeln des menschlichen Anstands zu verletzen, und glaubt, ihr fieses Versteckspiel als Graswurzel-Kult und "Freiheit des Internet" hochjubeln zu müssen.

Als beste Realsatire muss die kürzlich im Brustton der Überzeugung geäusserte Meinung eines Gesichts- und Namenlosen bezeichnet werden, in einer direkten Demokratie brauche es "Menschen mit Zivilcourage". Es fehlt nur noch, dass sich Blog-Hooligans bei ihrem Pöbeln auf das Recht auf Meinungsäusserungs-Freiheit berufen. Wer in der Schweiz - anders als in Diktaturen, wo Internet-Gemeinschaften die staatliche Zensur überlisten können - anonym publiziert, verwirkt das Recht, sich auf Demokratie und Zivilcourage zu berufen.

Ein Streifzug durch Blog-Angebote zeigt allerdings, dass zahlreiche Anbieter, die ihre Selbstverantwortung wahrnehmen, über ein Impressum und über klare Publikationsregeln verfügen. Ein gutes Beispiel ist jenes von Tom "Bloggingtom" Brühwiler, der nicht nur einen klaren Absender, sondern auch eine Urheberrechtsbestimmung aufführt.

In der Blogger-Szene ist sogar eine Strömung auszumachen, die sich ernsthaft mit der Rolle, Wirkung und ethischen Basis ihrer veröffentlichten Kommentare auseinandersetzt. Es ist ein erfreuliches Zeichen, dass jetzt ausgerechnet aus der Blogger-Szene die Forderung nach Einführung einer Impressums-Pflicht ertönt. Diese Forderung ist zu unterstützen, weil sie nötig ist, um eine fällige Korrektur herbeizuführen: Die Verantwortung muss auch in Blogs offen deklariert werden. Nur so kann verhindert werden, dass Feiglinge aus dem Hinterhalt Kampagnen gegen Personen, Firmen oder Institutionen führen und die Freiheit des Internets zu persönlichen Zwecken oder Racheakten missbrauchen.

Es ist ausserdem nicht einzusehen, weshalb eine Impressumspflicht, wie sie für die traditionellen Medien wie Zeitungen oder Radio und Fernsehen gilt, nicht auch für Blogs gelten soll. Blogger reden sich zwar damit heraus, sie publizierten bloss in Form eines "asynchronen Bartheken-Gesprächs unter Gleichgesinnten". Diese etwas gar blauäugige Definition vertuscht das Wesentliche: Blogger plaudern nicht privat, sondern in aller Öffentlichkeit. Sie suchen im Internet ganz bewusst Öffentlichkeit und Wirkung. Darum ist an Blogger derselbe Anspruch auf Anstand zu stellen wie an Journalisten in Informations-Medien.
 
Pseudonyme Blogger mögen ihren diabolischen Spass daran haben, Leser und Strafverfolger an der Nase herumzuführen. Sie dürfen sich aber nicht zu wundern, wenn der Ruf der Justiz nach verstärkten Kontroll- und Identifikations-Möglichkeiten eines Tages auch in der Politik mehrheitsfähig werden sollte. Und es ist wohl zutreffend, was der Basler Staatsanwalt Beat Voser sagt: Wenn der "Leidensdruck" der Beschimpften, Bedrohten, Genötigten und an den Pranger gestellten stark genug sein wird, dann wird die Freiheit im Internet zu Ende sein - und mit ihr die fehlinterpretierte Freiheit der Kapuzen-Blogger.

Dass sich auch in traditionellen Schweizer Verlaghäusern die äusserst zweifelhafte Mode eingeschlichen hat, anonyme Leserbriefe zu publizieren oder die Absender nicht mehr zu indentifizieren, ist keine Rechtfertigung für krasse Entgleisungen, die sich Blogs in immer aggressiverer Form zu eigen machen. Zu bemängeln ist vielmehr, dass auch im herkömmlichen Journalismus Ethik-Debatten und selbstkritische Reflexionen im Umgang mit neuen Medien höchstens noch in kleinen Zirkeln, aber keineswegs mehr auf breiter Basis stattfinden. Der Konkurrenz- und Renditedruck - Motto: Mitreiten auf Trends - lässt die Auseinandersetzung um gesellschaftliche Werte zusehends erodieren.

Dies dürfte auch ein Grund dafür sein, weshalb sich im Web die Gattung der groben Anonymen so lange so ungehindert entwickeln konnte.

Report: Immer mehr Gift-Spritzen aus dem virtuellen Hinterhalt

28. November 2008
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Frisch pubertiert

Luxusproblem "Motz-Kultur"
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"Regula Rytz ist somit der*die einzige Bundesratskandidat*in, welche sich klar hinter die Forderungen der Klimastreik-Bewegung stellt."

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RückSpiegel


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nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Das Theater Basel konnte im Jahr 2018/2019 die Anzahl der Besuchenden zum vierten Mal in Folge auf 183'705 Personen (+1,6 Prozent) erhöhen, während jedoch die Besucher-Einnahmen um 1,7 Prozent sanken.

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Der Basler Bürgerrat hat eine spürbare Senkung der Einbürgerungsgebühren beschlossen, von der sowohl ausländische als auch Schweizer Bewerbende profitieren.

Die Verlängerung der BVB-Tramlinie 3 nach Saint-Louis kostete rund 84 statt 93,7 Millionen Franken und ist somit um fast zehn Millionen Franken günstiger als geplant.

Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal per 1. Januar 2020 einen Teuerungsausgleich von 0,5 Prozent auszurichten.

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Nach dem Rücktritt der neuen Basler Regierungsrätin Tanja Soland aus dem Grossen Rat rückt die ehemalige Juso-Präsidentin Jessica Brandenburger ab 1. Dezember ins Parlament nach.

Die ausserordentliche Mitgliederversammlung des Jungen Grünen Bündnisses Nordwest vom 3. November 2019 wählte als Nachfolger von Dominik Beeler Simon Fankhauser in das Co-Präsidium.

Zu sieben Fällen von Sachbeschädigungen an Autos kam es in der Nacht von Freitag auf Samstag, 2. November, in der Umgebung der Tramhaltestelle "Vogesenstrasse" in Reinach.

Der Gemeinderat von Riehen erwartet für die Planperiode 2020 bis 2023 jährliche Defizite von 1,3 bis 2,5 Millionen Franken.

Susanne Wäfler-Müller (42) wird ab dem 1. Mai 2020 die Führung der Kantonsbibliothek Baselland übernehmen und auf Gerhard Matter folgen, der im Frühjahr in den Ruhestand gehen wird.

Zu Beginn des Schuljahrs 2021/22 wird Informatik als obligatorisches Fach in allen Baselbieter Gymnasien eingeführt.