Kommentare

<< [ 1 | (...) | 131 | 132 | 133 | 134 | 135 | 136 | 137 | 138 | 139 | 140 | (...) | 211 ] >>

BaZ-Verkauf: Wagner ist Tettamantis Mann

Von PETER KNECHTLI

Seit Monaten, wenn nicht Jahren brodelte es in der Gerüchteküche: Jetzt ist der Schuss draussen: Nicht die Zürcher NZZ und nicht die Zürcher Tamedia werden die "Basler Zeitung Medien" und damit die Tageszeitung BaZ übernehmen, sondern der bald 80-jährige Tessiner Tito Tettamanti und der Basler Anwalt und Profi-Verwaltungsrat Martin Wagner.

Als BaZ-Präsident Matthias Hagemann seine Führungsposition von seinem Vater Hans-Rudolf übernahm kündigte er noch an, dass das Unternehmen so lange in Familienbesitz bleibt, solange er an dessen Spitze sei. Hagemann hat Wort gehalten – nur hat der 47-jährige Jurist die Unternehmensspitze schneller verlassen als allgemein angenommen: Er verkauft den Medienkonzern, der seit fast sechzig Jahren im Familienbesitz war, und tritt von der Spitze zurück in die Funktion eines einfachen Verwaltungsrates.

Hagemann warnte seine Basler Leserschaft auch immer wieder vor Gelüsten starker Zürcher Verlagshäuser, den Medien- und Meinungsmarkt der Region Basel als zweitstärkstem Wirtschaftsraum der Schweiz zu erobern. Der protestantische Basler Hagemann blieb konsequent und verkaufte sein Haus dem rechtskonservativen katholischen Tessiner Tettamanti und seinem BaZ-Firmenanwalt Martin Wagner. Inkonsequentes Verhalten kann man ihm bei diesem selbst von Medien-Insidern kaum erwarteten Entscheid nicht vorwerfen.

Es ist einem Aussenstehenden nur schwer zugänglich, wie sehr Matthias Hagemann, diesem intelligenten Analytiker das Medien-Metier, in der Erbfolge seiner Vorfahren überhaupt gelegen war. Gelegentlich entstand der Eindruck, er leide darunter, dass er den Familienbetrieb ausgerechnet zu einem Zeitpunkt übernehmen musste, an dem sich die langen goldenen Jahre des Zeitungs- und Druckgeschäfts dem Ende zu neigten und erste düstere Wolken am Technologie-Horizont auftauchten: Online-Portale und Gratiszeitungen zogen Werbegelder und Kunden ab, dazu kam die Finanzkrise, die den Konsumierenden die Ausgabenlust brutal verdarb. Die "Basler Zeitung" verlor dramatisch Leser, das Unternehmen war gezwungen, an allen Ecken und Enden bis in einstellige Frankenbeträge hinunter zu sparen.

Während erste Onliner mit einem Laptop ein neuartiges Informations-Medium kreierten, musste der Printkonzern zweistellige Millionenbeträge in teure Druckmaschinen und Anlagen binden für ein Geschäft, das sich zumindest in der herkömmlichen Art dem Ende seines Lebenszyklus' nähert. Die Fremdschuldenlast begann zu drücken.

Matthias Hagemann muss seit längerem eine gewisse Auswegslosigkeit oder gar Untergangs-Visionen wahrgenommen haben. Dadurch könnte sich auch das Fehlen von Dynamik und Innovation erklären, das in den letzten Jahren innerhalb der BaZ-Gruppe unverkennbar war. Auch die Online-Strategie war von Anfang an weder stringent noch überzeugend. Heute hat im Online-Geschäft der BaZ die NewsNetz-Partnerin Tamedia das gewichtigste Wort mitzureden.

"Tettamanti ist leidenschaftlicher Financier,
nicht Verleger aus Berufung."



Der Verkauf der "Basler Zeitung Medien" wird in der Region Basel keinerlei Proteste auslösen: Das Publikum ist froh, dass nicht ein Zürcher Grossverlag seinen Fuss nach Basel gesetzt hat und fortan am Rheinknie die Meinungen macht. Tettamanti hat die finanzielle Potenz, die BaZ-Gruppe notfalls auch über eine längere Baisse-Periode durchzufinanzieren.

Fürs Erste wird die "Basler Zeitung" ihren bisherigen redaktionellen Kurs weiterführen. Interessenkollisionen könnten allerdings entstehen, wenn die Wirtschaftsredaktion Themen zu behandeln hat, in die Tettamanti über private Interessen persönlich involviert ist.

Nur: Diese Gefahr ist aus drei Gründen nicht allzu gross. Erstens ist der charmante Tessiner in keinen Verwaltungsräten mehr tätig – erstaunlicherweise gehört er auch dem BZM-Aufsichtsgremium nicht mehr an. Dafür hat der neue 75-Prozent-Eigner, zweitens, gute Gründe: Martin Wagner ist Tettamantis Statthalter. Wagner geniesst das volle Vertrauen seines langjährigen Gefährten Tettamanti. Darum steht der stetige Aufsteiger mit seinem 25-Prozent-Anteil jetzt auch an der Konzernspitze. Drittens wäre eine rechtskonservative Zeitung im Kanton mit einer links-grün dominierten Regierung der sichere Weg in den wirtschaftlichen Abgrund.

Martin Wagner heisst der neue starke Mann auf dem Medienplatz Basel: Er wird und muss aus der BZM wieder eine solide rentable Firma machen. Dabei wird er das Personal nicht schonen. Ein intimer Kenner schildert Wagner als "harten Hund". Das war an der heutigen Medienkonferenz schon zu spüren, als er kritische Fragesteller kalt abputzte. Künftig dürfte in den Räumen des Basler Verlagshauses ein rauherer Wind wehen als bisher schon. Was Wagner an soliden Medienbeziehungen bis hin ins Filmgeschäft im In- und Ausland mitbringt, das bietet Tettamanti mit seinen immer noch vorhandenen wirtschaftlichen Beziehungen und seiner Finanzkraft.

Ein gewisser Fatalismus ist, was die Einschätzung der Zukunftsaussichten der "Basler Zeitung" betrifft, allerdings eher angesagt als Optimismus: Wagner konnte heute nicht präzise benennen, was er besser machen wird als Hagemann. Und Tettamanti ist kein Medienunternehmer aus Leidenschaft. Ihn verbindet nicht die geringste Emotion mit der Basler Medien-Geschichte. Er ist industrieller Financier, der seinen Reichtum vor allem durch die Gabe vermehrte, wankende Konzerne unter strengem Regime fit zu trimmen und dann gewinnbringend zu verkaufen. Weshalb bei der "Basler Zeitung"-Gruppe plötzlich idealistische Motive massgeblich sein sollen, ist nicht einsehbar. Sollte dereinst ein Weiterverkauf in Aussicht stehen, wäre Martin Wagner der Mann, der über die guten Medien-Verbindungen verfügt. Und Tettamanti der Geld-Vermehrer, der verkauft, wenn es ihm passt.

Die Aussichten für ein kleines Medienunternehmen wie OnlineReports sind durch den Besitzer-Wechsel bei der "Basler Zeitung" nicht düsterer geworden. Vielleicht erkennt nun das Qualitätspublikum der Region Basel noch eher die Bedeutung, die das wirkliche Basler News-Portal heute hat und in Zukunft noch haben könnte.

Bericht über den BaZ-Verkauf

8. Februar 2010
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Peter Knechtli, ist Chefredaktor und Gründer von OnlineReports.ch.

peterknechtli@onlinereports.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gesehen.gif
BZ online
Byline vom 18. Oktober 2019
zu einem Artikel über
umstrittene Wahlkampfhilfe
fileadmin/templates/pics/gesehen.gif

Endlich eine Tageszeitung, welche die Gender-Thematik halbwegs ernst nimmt.

RückSpiegel


nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Kirchgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Am 9. August 2019 hat Eva Meuli dem Landrat ihren Rücktritt als Präsidentin der Abteilung Sozialversicherungs-Recht des Kantonsgerichts Basel-Landschaft per 31. März 2020 erklärt.

Am 14. Oktober, lediglich drei Wochen nach Ausschreibung der Publikumsöffnung der ADEV Ökowärme AG, waren alle 3000 neu ausgegebene Namenaktien gezeichnet.

Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.

Beat Tschudin (48), seit rund zwölf Jahren den Fachbereich Fahrzeugbewirtschaftung der Baselbieter Polizei, übernimmt ab Dezember die Leitung des Fahrzeugwesens der Bau- und Umweltschutzdirektion als Nachfolger von Christian Oberhausser, der Ende August in vorzeitige Pension geht.

• Das Basler Gesundheits-Departement hat den Umzug von der St. Alban-Vorstadt an seinen neuen Hauptstandort an der Malzgasse 30 in Basel abgeschlossen.

Tom Ryhiner und Balz Stückelberger wurden an einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der St. Clara AG und damit gleichzeitig in den Verwaltungsrat des Claraspitals gewählt.

• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).