© Symbolfoto by OnlineReports.ch
"Prophylaktisch abgemahnt": Lagerchef der Schweizer L'Oréal-Tochtergesellschaft

Handfeste Attacken im Schönheits-Lager

In der Schweizer Tochtergesellschaft des Kosmetikkonzerns L'Oréal kam es zu sexueller Belästigung


Von Peter Knechtli


Schwer wiegende Vorwürfe gegen die Schweizer Tochtergesellschaft des französischen Kosmetik-Multis L'Oréal in Neuenhof AG: Mehrere Frauen bezichtigen einen subalternen Lagerchef der sexuellen Belästigung. Eine betroffene Frau, die gegen die Übergriffe vor Gericht ging, wurde entlassen.


Jadwiga Szyjkowski, 52, ehemalige Mitarbeiterin der Cosmétique Active (Suisse) SA in Neuenhof bei Baden, steht mit ihrem wirklichen Namen dazu: Lagerchef Paul Stamm (Name geändert) habe sie in verschiedenen Stufen sexuell belästigt. Angefangen habe es mit Bemerkungen über Busen und Po von Mitarbeiterinnen. Anfänglich waren es nette Bemerkungen und Berührungen an den Händen, später war es ein Streicheln an Kopf und hinter den Ohren. An einem Freitagabend Anfang Januar, kam es zum Höhepunkt der Belästigung: Er habe er sie erst von hinten umarmt, sie dann fest umschlungen und ihr alkoholisiert Zungenküsse aufgezwungen. Am nächsten Montagmorgen erstattete die Bedrängte bei der Sekretärin ihrer Vorgesetzten Meldung.

Klagende Frau entlassen

Doch statt dass der knapp fünfzigjährige Lagerchef über ein knappes Dutzend fast ausnahmslos ausländische und weibliche Mitarbeitende zur Rechenschaft gezogen wurde, erhielt die Betroffene Ende Januar den blauen Brief. Offizieller Grund: Sie passe nicht ins Team und arbeite zu langsam. Einen Antrag auf provisorische Wiedereinstellung wies das Arbeitsgericht Baden Anfang Mai ab, da die Kündigung aus „begründetem Anlass“ erfolgt sei.

Pikant: Die behaupteten Übergriffe spielten sich im Schweizer Versandzentrum des weltbekannten französischen Kosmetikmultis L’Oréal ab. Von Neuenhof aus werden vor allem Apotheken, Drogerien und Händler mit Produkten der Marken „Vichy“ und „La Roche-Posay“ beliefert. Der Konzern verkauft Frauen nicht nur Schönheit und Attraktivität, sondern bekennt sich auch zu edlen ethischen Grundsätzen. „Jede Haltung und jedes Verhalten, das dazu angetan ist, ein diskriminierendes Arbeitsumfeld zu schaffen, insbesondere sexuelle Belästigung, werden nicht toleriert.“

Ob Cosmétique Active-Generaldirektor Hansjörg Netzer bei der Umsetzung der hehren Arbeitskultur die beanspruchte Konsequenz („das sind für uns keine Worthülsen“) anwendet, scheint zweifelhaft. In seiner Stellungnahme an OnlineReports schrieb er, die Vorwürfe hätten nicht bewiesen werden können. Teilweise seien Vorwürfe sorgar widerlegt worden. Es stehe der Geschäftsleitung darum nicht an, „Mutmassungen“ anzustellen. Vielmehr deckt Netzer seinen Lagerchef: „Sofern sich Vorwürfe nicht beweisen lassen, können wir die Entlassung eines beschuldigten Mitarbeiters genauso wenig verantworten, wie wir eine sexuelle Belästigung akzeptieren würden.“

Fünf Frauen beobachteten oder erlebten Übergriffe

Zu ganz andern Ergebnissen kam OnlineReports bei der Befragung von fünf Frauen, die im Lager gearbeitet und selbst gekündigt haben oder entlassen wurden. Allen Aussagen ist gemeinsam: Die Rede war von einem Klima der Angst vor dem Arbeitsplatz-Verlust, Annäherungen des Lagerchefs, von Kirsch und hochprozentigem Rum.

Eine frühere Mitarbeiterin schilderte, wie der Lagerchef „den Charmeur spielte“, mal „einen Popo berührte“ oder Mitarbeitende „an Kopf und Hals geküsst“ habe. Eine andere Ex-Mitarbeiterin: „Mir sagte er, ich sehe sexy aus. Er machte immer seine Spässchen und Witze. Wenn er am Morgen kam, gab er Küsschen. Wer es nicht akzeptierte, den strafte er mit Verachtung.“

Eine weitere Augenzeugin, die als Aushilfe im Lager arbeitete, sah, wie der Chef einer Mitarbeiterin auf der Schoss sass: „Die küssten sich vor uns.“ Eine Angestellte erklärte, sie habe schon eine „Hand unter der Bluse“ gesehen, er habe Frauen „massieren“ wollen und auf Weigerung mit Aggression reagiert. „Oh, nimm mich!“, soll es schon aus aus den Monitoren seines Computers gestöhnt haben.

Der Lagerchef wurde "abgemahnt"

Leicht abzuschminken sind diese Vorwürfe nicht. Erst im April, nachdem seine Ex-Mitarbeiterin Klage gegen die Vorfälle eingereicht hatte, wies Hansjörg Netzer seine Mitarbeitenden erneut auf die von ihm schon ein Jahr zuvor verteilte Ethik-Broschüre hin. Ganz grundlos scheinen die Klagen aber auch der Geschäftsleitung nicht erschienen sein. Jedenfalls sei der Beschuldigte, so Netzer zu OnlineReports, „prophylaktisch abgemahnt“ worden.

Weitere Konsequenzen aber blieben aus, obschon die im Raum stehenden Vorwürfe zahlreicher Zeuginnen wuchtig sind. Jadwiga Szyjkowski ist zwar mit ihrem Antrag bezüglich Wiedereinstellung gerichtlich gescheitert. Doch ihre Klage wegen der sexuellen Übergriffe ist vor dem Arbeitsgericht Baden noch hängig.

Expertin fordert entschlossene Massnahmen

Laut Expertinnen sind die Unternehmen schon seit 1996 gesetzlich zu Massnahmen gegen ein Betriebsklima verpflichtet, das sexuelle Belästigungen begünstigt. Ingrid Rusterholtz, Leiterin des Gleichstellungsbüros Basel-Stadt: "Die Weiterbeschäftigung des Beschuldigten ist nicht mehr tragbar. Zudem muss sich der CEO die Frage stellen, wie er seine Führungsverantwortung wahr nimmt."

1. Juni 2003


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.