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"Bagatell-Anfragen von Krankenkassen": Arzt, Arbeitsgerät Computer

Die Bürokratie-Explosion hat jetzt auch die Spitäler erreicht

Die Ärzteschaft verbringt ihre Zeit zunehmend vor dem Computer statt im Gespräch mit Patienten


Von Nathalie Zeindler


Der Anteil der medizinischen patientennahen Tätigkeiten hat seit 2011 aufgrund zunehmender Administration stetig abgenommen. Dies belegt eine vor kurzem veröffentlichte Begleitstudie der Schweizer Ärzteverbindung FMH. Diese Entwicklung ist auch in Basler Spitälern und Arztpraxen zu beobachten.


Der Patient sollte bei Diagnostik, Behandlung und Medikation im Mittelpunkt stehen, damit er sich sicher fühlt. Doch das ist nicht immer der Fall, denn die neue Spitalfinanzierung hat Auswirkungen: Nur noch rund einen Drittel ihrer Zeit verwenden Medizinerinnen und Mediziner der Akutsomatik für patientennahe Tätigkeiten, unter anderem für Gespräche oder Medikamentenabgabe.

Die Schweizer Ärzteverbindung FMH beobachtet diese Entwicklung mit grosser Sorge. Die Zeit, die für den Patienten gedacht ist, dürfte sich immer mehr verkürzen, falls die administrative Belastung weiter zunehmen sollte.

Tatsache ist: Die Dokumentation gegenüber Krankenkassen, die immer mehr Kostengutsprachen und Begründungen für Behandlungen oder Therapien einfordern, stellt eine Belastung im Mediziner-Alltag dar und führt zu Frustrationen. Dieser Mechanismus schleicht sich auch in Basler Spitälern ein.

Hilfsbereitschaft mit Schranken

Stefano Bassetti, Chefarzt Klinik für Innere Medizin am Universitätsspital Basel (Bild), bestätigt: "Viele Ärztinnen und Ärzte haben ihren Beruf gewählt, um möglichst oft für ihre Patienten da sein zu können, doch genau dies wird ihnen durch die zunehmenden administrativen Aufgaben erschwert." Mittlerweile existierten "zu Recht Arbeitszeit-Beschränkungen für Assistenz- und Oberärzte". Durch gewisse Kompensationsregelungen komme es aber zu einem häufigeren Arztwechsel. "Die Folge ist eine zunehmende Fragmentierung der Behandlung."

Zwar werden im Universitätsspital Basel sogenannte Case-Managerinnen beschäftigt, also Pflegefachpersonen, die sich um die Organisation von Rehabilitationen, Spitex-Nachbetreuungen und Kostengutsprachen kümmern, damit der Arzt ein Stück weit entlastet werden kann. Doch damit ist das Problem noch nicht gelöst. Die zahlreichen Wechsel bei behandelnden Teams führen dazu, dass der Patient verunsichert zurückbleibt und immer wieder neue Medizinerinnen und Mediziner kennenlernt.

Frühe Entlassungen mit Folgen

Davon weiss auch die im Pflegebereich tätige A.C.* zu berichten, die ihren alleinstehenden 88-jährigen Vater wegen eines Sturzes ins Spital einliefern lassen musste. Dazu bemerkt sie: "Beim Fallpauschalen-System wird jeder Spitalaufenthalt anhand von bestimmten Kriterien wie Behandlung und Schweregrad einer Fallgruppe zugeordnet und pauschal vergütet. Nicht selten werden Patienten jedoch frühzeitig entlassen, was zu Rückfällen führen kann und vor allem für ältere Personen eine Belastung darstellt."

Auch ihr betagter Vater wurde Opfer dieses Systems. Als A.C. mit dem Chefarzt darüber sprechen wollte, wurde sie abgewimmelt und von einem Assistenzarzt unsanft darauf hingewiesen, dass ihr Vater ohnehin im Pflegeheim landen werde. Nach erfolglosen Interventionen wandte sich die Angehörige schliesslich an die "Schweizerische Stiftung SPO Patientenschutz".

Nicht zuletzt beklagt sich auch A.C. über ständig wechselnde medizinische Ansprechpersonen und ergänzt: "Die zunehmende Abwesenheit wegen administrativer Belange betrachte ich manchmal auch als Ausrede, um sich nicht ausführlicher mit einem Patienten befassen zu müssen."

Gespräch auf Augenhöhe im Zentrum

Hinzu kommt: Im Gespräch mit dem Ratsuchenden werden über einen Bildschirm Informationen eingetippt. Dies wird von vielen Personen heutzutage nicht mehr als volle Aufmerksamkeit und Ernsthaftigkeit empfunden. Deshalb sei es von Vorteil, wenn künftig einheitliche Computersysteme geschaffen würden, um die Zeit bezüglich Dokumentationen möglichst kleinzuhalten, hält der Basler Chefarzt Stefano Bassetti fest.

Apropos digitales Zeitalter: Das elektronische Patientendossier beispielsweise bietet einen Überblick über die medizinischen Daten des Patienten und vermag durchaus Zeit einzusparen, vor allem bei chronisch Kranken mit vielen Medikamenten. Doch das Dossier muss regelmässig gepflegt werden, was aus Sicht des Arztes ein Aufwand bedeutet. Die zunehmende Administration kann also als Herausforderung und Bremsklotz gleichermassen betrachtet werden. Auf alle Fälle bestimmt diese nicht nur das Leben des Spitalpersonals, sondern immer öfter auch jenes der Grundversorger.

Eva Kaiser, Hausärztin in Binningen und Vorstandsmitglied "Hausärzte Schweiz" (Bild), ärgert sich "über Bagatell-Anfragen von Krankenkassen, wenn es um abgeschlossene Unfälle geht". Zugenommen hätten "auch komplexe Anfragen der Krankentaggeld-Versicherungen, die zwar gut bezahlt, jedoch innert zehn Tagen ausgefüllt werden müssen und einen erheblichen Aufwand bedeuten". Die Hausärztin erledigt solche Arbeiten soweit möglich in Anwesenheit der Patienten. Dadurch könne das Gespräch aufrechterhalten bleiben und zudem herrsche mehr Transparenz vor.

Konzentration aufs Wesentliche

Trotzdem hat die Belastung der Spitalärzte durch bürokratische Aufgaben stärker zugenommen als bei den Allgemeinmedizinern. Nebst der Dokumentation in der Krankengeschichte kommen noch Statistiken und Unterlagen für die Verrechnung hinzu. Doch stellt sich die Frage, wie der Arzt wieder mehr Zeit am Patientenbett verbringen könnte. Lösungsansätze sind zwar vorhanden, doch wird es Zeit benötigen, diese langfristig und erfolgreich umzusetzen.

Ein heikler Punkt stellt die Schnittstellen-Problematik dar. Nach Ansicht von Stefano Bassetti müssen die Übergaben vermehrt geübt werden. In einem Schichtdienst sollte der nachfolgende Arzt noch besser über den Zustand eines Patienten informiert werden, damit Fehler vermieden werden können. Es gilt also, so Bassetti, die Verdichtung der Arbeit in den Vordergrund zu stellen und es ist auch bei Visiten oder Gesprächen mit den Patienten ratsam, die Arbeitsabläufe neu zu strukturieren und Blockzeiten im Tagesablauf hervorzuheben.

Auch die Hausärztin Eva Kaiser hat sich einen übersichtlichen administrativen Plan zurechtgelegt: "Ich plane die Bürozeit in meiner Agenda ein und muss dann Sorge tragen, dass diese Arbeitszeit nicht unvergütet bleibt. Ich verrechne also die Position ‚Arbeit in Abwesenheit des Patienten’, wo es für die betreffende Leistung keine eigene Position gibt."

Hilfe an Menschen als entscheidende Motivation

Auch wenn der medizinische Beruf im Zeitalter der Bürokratie an Attraktivität zu verlieren droht, ist der Wunsch, Menschen zu helfen, immer noch eine entscheidende Motivation im Hinblick auf ein Medizinstudium. Bei den Hausärzten zeigt sich überdies in einer aktuellen Studie des Schweizerischen Gesundheits-Observatorium: Je mehr Zeit mit dem Patienten, desto höher die allgemeine Zufriedenheit.

Auf alle Fälle darf das Gespräch nicht leiden, denn die wesentlichen Diagnosen werden immer noch aufgrund der Krankengeschichte gestellt, und daraus lassen sich die nötigen Schlüsse ziehen. Das wird auch in Zukunft die zentrale ärztliche Aufgabe sein, sind sich Stefano Bassetti und Eva Kaiser einig.


*Name der Redaktion bekannt

Dieser Beitrag war dank des OnlineReports-Recherchierfonds möglich.

6. Mai 2016

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"Ärzte sollen für Anfragen Rechnung stellen"

Vielleicht begegnete man diesem "Geschwür" an ehesten, wenn die Ärzte den Krankenkassen die Beantwortung von "Anfragen", welche über ein vorgegebenes, strukturiertes Mass hinausgehen, in Rechnung stellen dürften. Zum normalen Tarif. Vermutlich würde das den Prämienanstieg eher beruhigen. Viel von dem "Theater" wird nämlich auf dem Buckel der Patienten ausgetragen, wenn zum Beispiel ein Arzt die dumme Anfrage einfach nicht beantwortet und die Krankenkasse (oder IV) sich dann darauf beruft. Gerade Ältere, die sich nicht wehren können und bei denen die Krankenkasse sich freut, wenn sie in eine andere wechseln, sind die Leidtragenden.


Peter Waldner, Basel


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"Baselbieter SVP saugt an der Turnier-Subvention"

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vom 4. Februar 2017
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Exklusiv: Die einzige Partei, die Geld essen kann.

RückSpiegel


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In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozess auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


•  Die Baselbieter Jungsozialisten (Juso) haben Ronja Jansen (21) und Nils Jocher (20), beide aus Frenkendorf, einstimmig als ihr Co-Präsidium gewählt.

• Der Leiter der Basler Stadtreinigung, Peter Schär (47), hat seine Stelle beim Tiefbauamt auf 1. März gekündigt, um eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.

• Weil im Gelterkinder Kindergarten "Staffelen" die defekte Ölheizung nicht durch eine "einigermassen kostenattraktive und baulich auch realisierbare Alternative zu Öl ersetzt werden kann", beschloss der Gemeinderat "den Ersatz der alten Anlage durch einen neuen Öl-Brennwertkessel".

• Der 44-jährige Chemiker Alexander Schocker wird neuer Leiter Forensik bei der Polizei Basel-Landschaft als Nachfolge von Markus Looser, der letzten Herbst zur Kriminalpolizei Basel-Stadt wechselte.

• Die Oberwiler Bevölkerung hat in einer Referendums-Abstimmung den Beschluss über den Kredit für die Planung Eisweiherplus mit 1'072 Ja zu 2'820 Nein aufgehoben und damit die Planung beendet.

• Der Baselbieter Landrat hat einen Kredit von 14 Millionen Franken zum Bau der Tramlinie Margarethenstich bewilligt.

• Das Referendum gegen die unbegrenzte Alkohol-Abgabemöglichkeit in baselstädtischen Jugendzentren wurde mit 4’600 Unterschriften eingereicht.

• Der 53-jährige Patrick Dill wird ab 1. April neuer Leiter der Gemeindeverwaltung Allschwil.

• Der Kanton Baselland beteiligt sich an der "Berufsschau 2017" in Pratteln mit einem finanziellen Beitrag aus den Mitteln des Wirtschaftsförderungs-Fonds in der Höhe von 900'000 Franken (bisher 950'000 Franken).

• Der Basler "Mittelstand" hat seit Anfang dieses Jahres mit Remo Ley, der Paul Rüst ablöst, einen neuen Präsidenten.

• Mit 7,3 Millionen Passagieren verzeichnete der EuroAirport im Jahr 2016 mit einer Zunahme von knapp vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr einen neuen Rekord.

• Nach dem Rücktritt von Elisabeth Ackermann als Co-Präsidentin der Basler Grünen als Folge ihrer Wahl in die Kantonsregierung führen interimistisch Harald Friedl und Barbara Wegmann die Partei.

Tobias Brenk ist als Nachfolger der abtretenden "Kaserne"-Chefin Carena Schlewitt neuer künstlerischer Leiter des Theaterfestival Basel.

Gerhard Schafroth, Gründungsmitglied und Gründungspräsident der Baselbieter Grünliberalen, tritt nach fast zehn Jahren aus dem Parteivorstand zurück und überlässt seinen Posten dem 26-jährigen Frenkendörfer Wirtschaftsstudenten Patrick Wolfgang.