© Foto Museum der Kulturen Basel
"Manchmal versteckten Ironie": Identitäts-Objekt Tattoo

Der Körper als Baustelle und Oberfläche – die Geschichte seiner Ausstellung

Neue Ausstellung im Museum der Kulturen Basel: "Make up – Aufgesetzt, ein Leben lang?"


Von Aurel Schmidt


Zu allen Zeiten, vom Naturzustand bis in die moderne Zivilisation, haben die Menschen den Körper ausgezeichnet und aufgewertet und sind dabei den unglaublichsten Schönheitsidealen gefolgt.


Die Oberfläche, die Fassade, das Äussere ist das Tiefste und Allergegenwärtigste. Wer das sagt, liegt vollkommen im Trend der Zeit. Auf die Erscheinung kommt es an. Jeder Mensch ist das, was er darstellt und von sich zeigt. Früher war das Sein wichtiger als der Schein, aber das ist heute überholt. Ein Blick in das Stadtbild macht deutlich, dass die Repräsentation den Ausschlag gibt.

Die Bemühungen dazu laufen auf Hochtouren. Jeder und jede macht sich zu seinem Brand, zu ihrer eigenen Hausmarke. Wer etwas auf sich hält, will zu gleichen Teilen Urheber und Produkt seiner Selbstvermarktung sein. So sieht es aus.

Leider aber hat die Natur den Menschen nicht immer so ausgestattet, wie er es sich gewünscht hätte, zum Beispiel mit grünen oder blauen Haaren. Das natürliche Defizit muss er daher ausgleichen und das von der Natur Versäumte nachbessern. Mit den Jahren immer mehr. Dann wird es Zeit für Kosmetik und plastische Chirurgie.

Das ist eine alte und doch immer aktuelle Geschichte. Ihre Anfänge liegen in einer Zeit, als die Menschen nackt herumliefen, ihrer Nacktheit gewahr wurden und begannen, sich zu schämen. Wie es in der Bibel steht. Aber dann stellte sich heraus, dass damit ein grosser Schritt in der Menschheitsgeschichte auf dem Weg zur Selbsterkenntnis und Selbstbestimmung getan war. Alles, was die Menschen unternommen haben, war ein Versuch, den ursprünglichen Naturzustand zu überwinden.

Irritierendes Thema, intelligente Ausstellung

Wir wissen das unter anderem aus der Ethnologie. Die frühen Menschen, unsere Vorfahren, begannen damit, sich selbst aufzuwerten, in dem sie sich schön machten, den Haaren eine Façon verpassten, Bärte zu Zöpfen zwirbelten, die Ohren mit Ringen behängten, sich tätowierten, den Körper bemalten, das Geschlecht schmückten, um es zu verdecken und gerade dadurch auf es aufmerksam zu machen. Seltsam, merkwürdig, komisch war das, was der Mensch sich alles einfallen gelassen und mit sich selbst angestellt hat, muss man sagen. Wie lässt sich das erklären?

Eine Antwort versucht das Museum der Kulturen in Basel in seiner neuen Ausstellung "Make up – Aufgesetzt, ein Leben lang?" zu geben. Richard Kunz und Kathrin Fischer, die beiden Kuratoren, meinen, dass der Körperschmuck so ursprünglich und so selbstverständlich sei wie der aufrechte Gang oder die Sprache.

Die Gründe sind damit noch nicht ganz erfasst. Dafür geht die Ausstellung mit einer manchmal versteckten Ironie darauf ein, was die Menschen alles ersonnen und getan haben, um sich auszuzeichnen, sich hervorzuheben, sich von den anderen zu unterscheiden und zugleich ihre religiösen, tribalen, sozialen Zugehörigkeiten auszudrücken. Entstanden ist auf diese Weise eine thematisch gelegentlich irritierende, aber immer intelligente Schau, die am Beispiel von 300 ethnologischen Objekten die Idee des Körperdesigns und damit eine "condition humaine" illustriert.

Der Körper wird umgebaut
 
Beim Betreten der Ausstellung gerät der Besucher in einen Spiegelsaal. Er wird also mit der Frage konfrontiert, wie er sich selbst sieht. Die Antwort kann nicht anders als individuell ausfallen. Auf dem anschliessenden Rundgang wird gezeigt, was die Menschen in anderen Kulturen unternommen haben, als sie diese Frage an sich selbst richteten.

Die Objekte werden in Schaukästen präsentiert, die in einem Baugerüst montiert sind. Aha, der Körper als Baustelle. Wie wird der Körper umgebaut, verändert, modifiziert, einem Ideal angepasst beziehungsweise unterworfen? Welche Eingriffe erfährt er, um zu einer höheren Bedeutung zu gelangen? Alles, was diesem Ziel näher kam, war gut genug und gerade recht: Körperbemalungen, die auch ein Schutz vor Sonneneinstrahlung bildeten; Tätowierungen; Schmucknarben; die verkrüppelten Füsse der Japanerinnen, Bonsai-Füsse gewissermassen, die dazu zwangen, sich im Trippelgang eines waghalsigen Schönheitsideals zu bewegen, auch wenn es bestimmt mit keinerlei Vergnügen verbunden gewesen sein konnte.

Das Korsett sollte den Frauenkörper in einer schlanke Form bringen. Die Maya im vorspanischen Mexiko nahmen Schädeldeformationen vor. Schon in frühester Zeit wurde den Kindern ein Brett vor den Kopf gebunden, um eine zurückliegende, flache Stirn am Schädel heranzubilden. Manchmal scheinen Ideale tatsächlich einem Brett vor dem Kopf zu entsprechen. Fremde Völker, fremde Sitten.

Wir sind alle gleich

Einspruch! Wir selbst heute im 21. Jahrhundert im aufgeklärten Europa stecken voller heimlicher oder offen zu Schau getragener Atavismen. Das Korsett kommt angeblich wieder in Konjunktur; die blasse Haut wird gebräunt, Krebsrisiko eingeschlossen; Brustimplantate werden eingesetzt, um die Figur besser zur Geltung zu bringen; Piercings und Tätowierungen gelten als verführerisch und chic; und surrealistische Körperinszenierungen sind im Show Business an der Tagesordnung.

Wenn mit alledem noch nichts erreicht wird, dann muss es die Garderobe leisten. Die Basler Innerstadt gleicht einer Kleiderboutique. Da muss etwas dran sein. Sich kleiden, nach der Mode natürlich, ist immer noch die am weitesten verbreitete textile Selbstaufwertung der Erscheinung.

Am Ausgang der Ausstellung steht ein Samurai-Krieger neben einem Goalie in Eishockey-Outfit: eine überraschende Parallele. So gross sind die Unterschiede gar nicht. Wir meinen zwar, dass das, was wir von den anderen denken, uns gar nichts angeht, aber das ist ein Irrtum! Die Menschen sind sich in ihrer ganzen Verschiedenheit am Ende erstaunlich ähnlich. Und die Motivation scheint immer die selbe zu sein: die Soheit, die tatsächlichen Gegebenheiten zu überwinden.

Museum der Kulturen, Basel. "Make up – Aufgesetzt, ein Leben lang?" Bis 26. Juli 2014.

26. September 2013


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"Trotz Tattoos wie graue Mäuse"

Ob früher das Sein wichtiger war als der Schein bezweifle ich doch sehr. Man denke an die Zeit des Rokokos, Barocks, der Renaissance ... diese Kleider, diese Schminke, diese Perücken! Da wirken wir doch heutzutage, trotz Piercings und Tattoos wie graue Mäuse ...


Ernst Feurer, Biel-Benken


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