© Foto by Beat Stauffer, OnlineReports
"Vielfalt islamischer Lebensstile": Ausstellungsobjekte Frauen im Islam

Urbaner Islam, etwas weichgespült

Ausstellung über den Islam im Spannungsfeld zwischen Handy und Koran im Basler Museum der Kulturen


Von Beat Stauffer


Eine neue Ausstellung im Basler Museum der Kulturen mit dem Titel "Urban Islam - zwischen Handy und Koran" dokumentiert die Vielfalt islamischer Lebensstile in Städten innerhalb und ausserhalb der islamischen Welt. Die Ausstellung ist attraktiv gemacht, wirkt aber gelegentlich etwas verharmlosend. Reizthemen bleiben ausgeklammert.


Die letzte Ausstellung der Ära Clara Wilpert hat das Museum der Kulturen dem Thema Islam gewidmet. "Urban Islam" - städtischer Islam - lautet der Titel. Genau genommen handelt es sich um das Islam-Verständnis einer jungen Generation von Musliminnen und Muslimen in einer Reihe ausgewählter Städte der islamischen Welt. Dazu kommen jüngere Zweitgenerations-Muslime aus städtischen Zentren der Schweiz zu Wort.

Individuen und ihre "Geschichten"

Die Ausstellung wolle "dem abstrakten Begriff 'Islam' ein menschliches Gesicht geben", erklärte Kurator Bernhard Gardi anlässlich der Medienorientierung. Aus diesem Grund stünden Individuen in Mittelpunkt, die je eigene "Geschichten" erzählten. Diese Geschichten sollen sichtbar machen, wie diese Muslime des 21. Jahrhunderts ihre Religion praktizieren, wie sie sich im weltlichen Alltag verhalten und wie sie mit westlichen Einflüssen umgehen. Auf solche Weise, so Gardi, soll "die Vielfalt islamischer Lebensstile" dokumentiert werden.

Das Museum der Kulturen verfolgt aber mit "Urban Islam" noch weitere, hoch gesteckte Ziele. Es will beim hiesigen Publikum Ängste und Vorurteile abbauen helfen, Menschen muslimischen Glaubens "in ihren Alltagssituationen einem Publikum näher bringen", aber auch muslimische Secondos ansprechen und ihnen eine Plattform bieten.

Multimedial attraktive Ausstellung

Die multimedial und nach modernen museumsdidaktischen Gesichtspunkten konzipierte Ausstellung - sie beruht auf einer gleichnamigen Ausstellung am Tropenmuseum in Amsterdam und wurde durch einen "Schweizer Teil" ergänzt - besteht aus insgesamt sechs voneinander getrennten Bereichen, denen je ein Ausstellungsraum zugeordnet ist.

Im ersten Raum werden die Besucher anhand weniger ausgewählter Objekte an die "Grundlagen" des Islam herangeführt. Die vier folgenden Räume sind je einer Muslimin oder einem Muslim aus ausgewählten Städten der islamischen Welt zugeordnet. Diese vier Individuen berichten je über ein Thema, das für heutige Muslime von grosser Bedeutung ist - etwa die über die Suche nach einer islamisch korrekten Frauenrolle. Im sechsten Raum erhalten schliesslich in der Schweiz lebende Muslime eine Stimme: In einem vom Dokumentarfilmer Alain Godet produzierten und von der Eidgenössischen Ausländerkommission mitfinanzierten Film werden je drei muslimische Frauen und Männer einfühlsam porträtiert.

Collage-Wände, Hör-Stationen, Monitoren, auf denen Kurzfilme laufen, und verschiedene Zeitschriften vermitteln alle ein lebendiges Bild dieser vielschichtigen und oft widersprüchlichen Alltags-Realität von Menschen islamischen Glaubens. Vor allem ein junges Publikum dürfte sich durch diese gestalterischen Mittel angesprochen fühlen. Spezielle "Workshops" ermöglichen es Schulklassen, sich unter Anleitung von Fachleuten mit dem Thema aktiv auseinander zu setzen.

Wenig Gewicht für brisante Themen

Wer sich von der Ausstellung "Urban Islam" eine vertiefte Auseinandersetzung mit den brisanten Themen erhofft, welche die islamische Welt gegenwärtig bewegen und den Westen nicht selten auch ängstigen, kommt allerdings kaum auf seine Rechnung. Die Radikalisierung junger Muslime in Europa wird nahezu ausgeblendet. Auch der in allen islamischen Städten der Welt existierende militante Islamismus kommt, wenn überhaupt, nur als Randphänomen und unkommentiert vor - etwa in Form von Filmauftritten des ägyptischen TV-Predigers und Soft-Islamisten Amr Khaled. Reizthemen wie Zwangsehen, Scharia-Strafen oder genitale Verstümmelung - in manchen islamischen Ländern noch immer tausendfach praktiziert - haben ebenfalls keinen Eingang in die Ausstellung gefunden. Zwar ist in den Porträts von Alain Godet ein deutlich kritischerer Zugang zum Thema zu spüren. Doch dem Hauptziel – Verständnis für die unterschiedlichen islamischen Welten zu schaffen – wurde alles andere untergeordnet. Ein tüchtiger Schuss "political correctness" - so der Eindruck - hat die Ausstellungsmacher in Holland und in der Schweiz bei ihrer Arbeit geleitet.

Raum für kritische Debatten ist allerdings im vielfältigen Begleitprogramm vorgesehen: Da wird etwa die Frage aufgeworfen, ob der Westen nicht mitschuldig sei an der Radikalisierung der islamischen Welt, und wie den Integrationsdefiziten von im Westen lebenden Muslimen zu begegnen ist.

25. Januar 2006


DAS BEGLEIT-PROGRAMM

red. Ein vielfältiges Rahmenprogramm, das auch kritische Ansätze verspricht, begleitet die Ausstellung "Urban Islam", die vom 25. Januar bis 2. Juli zu sehen ist. Einzelheiten dazu sind unter www.urbanislam.ch zu finden.

Am Donnerstag, 9. Februar, um 20 Uhr, findet im Museum der Kulturen ein von OnlineReports-Autor Beat Stauffer geleitetes Podiumsgespräch über "Islam - Integration oder Ghettoisierung" statt. Es diskutieren: Julia Morais, Leiterin der Stabsstelle Integrations- und Migrationsfragen Baselland sowie Mitglied der Eidgenössischen Ausländerkommission, die Islamwissenschafterin Amira Hafner-Al Jabaji, der Religionswissenschafter und Imam Bekim Alimi sowie der Modedesigner Bülent Öcal, Vorstandsmitglied des "Forums für einen fortschrittlichen Islam".


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
fileadmin/templates/pics/echo.gif

"Vorurteile bedient?"

Offenbar bedient diese Ausstellung die Vorurteile von Beat Stauffer nur ungenügend.


Stefan Zingg, Basel


www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Totalausfall der Infomatik"

OnlineReports.ch
vom 27. September 2019
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Der Redaktor fand die Taste nicht mehr.

RückSpiegel


nau.ch schrieb die OnlineReports-Recherche über den FDP-Wahlversand an Basler Neu- und Jungwähler zu einem eigenen Artikel um und verwertete auch die OnlineReports-Illustration dazu.

In der Besprechung des Films "Bruno Manser – Stimme des Regenwalds" nahm die BZ auf eine OnlineReports-Recherche Bezug.

Die BZ nahm den OnlineReports-Primeur über eine Rückzahlung der wegen Veruntreuung angeklagten ex-Kassierin der katholischen Krichgemeinde Grellingen auf.

Die Basler Zeitung greift in ihrem Bericht über die E-Trottinett-Anarchie auf ein OnlineReports-Interview zurück.

In ihrem Bericht über die Hühnerhaltung auf einem Basler Mehrfamiienhaus nimmt die BZ Bezug auf eine frühere Recherche von OnlineReports.

Die BZ bezog sich in ihrer Recherche über die Abgänge von Kaderärzten am Kantonsspital Baselland auf einen Bericht in OnlineReports.

Die BZ berief sich in einem Bericht über die Massenkündigungen am Schorenweg auf eine OnlineReports-News.

Die Schweiz am Wochenende und die Basler Zeitung haben die OnlineReports-News über den Bombenalarm am EuroAirport aufgenommen.

Das SRF-Regionaljournal, Telebasel, die Schweiz am Wochenende und Prime News haben den OnlineReports-Primeur über die Schliessung des Basler Kinos "Rex" nachgezogen.

In ihrem Bericht über den Gelterkinder Antennenposter-Streit bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

Die BZ nahm die OnlineReports-News über den Rücktritt der Basler Unispital-Verwaltungsrätin Irmtraut Gürkan aus dem Vorstand des Universitäts-Klinikums Heidelberg auf.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Die Universität Basel richtet am 1. Februar 2020 mit dem Biologen Carsten Gründemann eine Stiftungsprofessur für translationale Komplementärmedizin ein.

Wechsel in der Geschäftsführung der Suchthilfe Region Basel: Barbara Held übernimmt die Leitung per Januar 2020, nachdem Walter Meury – ein Pionier in der Suchtarbeit – Ende Jahr in den Ruhestand geht.

Der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels, Riehens Gemeindepräsident Hansjörg Wilde und Gemeinderat Daniel Hettich haben die erneuerte Lörracherstrasse in Riehen feierlich eingeweiht.

Veronica Schaller
, frühere Basler Sanitätsdirektorin und zuletzt Kulturbeauftragte der Stadt Bern, wurde zur neuen Präsidentin von "Curaviva Basel-Stadt", dem Verband der Basler Alterspflegeheime, gewählt.

Designierte Verwaltungsratspräsidentin der Schweizerischen Rheinhäfen ist Martina Gmür, Petra Mösching wird Mitglied des Verwaltungsrats.

Der Verein Region Oberbaselbiet wählte den aus dem Fricktal stammenden Gerry Thönen, der die Oberbaselbieter Gemeinden bis zur Gründung des Regionalvereins betreute, zum Geschäftsführer.

Anlässlich der Feierlichkeiten zum 70-Jahr Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Israel organisiert die Schweizer Botschaft in Israel im September diverse Anlässe mit Bezug zu Basel.

Die Parteileitung des CVP-Wahlkreises Liestal hat einstimmig beschlossen, Elisabeth Augstburger für die Ständeratswahlen vom 20. Oktober zu unterstützen.

Schweizerische Rheinhäfen: Benedikt Weibel hat seinen Rücktritt als Verwaltungsrats-Präsident per 31. Dezember 2019 bekannt gegeben; Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, trat per 30. Juni zurück.

Beat Tschudin (48), seit rund zwölf Jahren den Fachbereich Fahrzeugbewirtschaftung der Baselbieter Polizei, übernimmt ab Dezember die Leitung des Fahrzeugwesens der Bau- und Umweltschutzdirektion als Nachfolger von Christian Oberhausser, der Ende August in vorzeitige Pension geht.

• Das Basler Gesundheits-Departement hat den Umzug von der St. Alban-Vorstadt an seinen neuen Hauptstandort an der Malzgasse 30 in Basel abgeschlossen.

Tom Ryhiner und Balz Stückelberger wurden an einer ausserordentlichen Generalversammlung in den Verwaltungsrat der St. Clara AG und damit gleichzeitig in den Verwaltungsrat des Claraspitals gewählt.

• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).