© Fotos Polizeibild, OnlineReports.ch
Carl Doser (links) sei "nicht der Mörder": Hans Blaser

Beim "Waldeggli" herrscht Grabesruhe

Vor 25 Jahren ereignete sich in Seewen SO der grösste Mordfall der Schweiz - bis heute ist er ungeklärt


Von Peter Knechtli


Die schreckliche Bluttat bleibt unvergessen: Am Pfingstwochenende 1976 wurden in einem Wochenendhäuschen im solothurnischen Seewen fünf Menschen erschossen. Der umfangreichste Mordfall der Schweizer Kriminalgeschichte bis auf den heutigen Tag ungeklärt. Noch ein Vierteljahrhundert danach brechen die Mutmassungen darüber nicht ab, wer das Unfassbare begangen haben könnte.


"Waldeggli" heisst das heimelige Wochenendhäuschen im solothurnischen Juradorf Seewen. Das wellblechbedeckte Refugium Marke Eigenbau ist Schauplatz einer der grausamsten Mordtaten der Schweizer Kriminalgeschichte: Am Pfingstsamstag 1976 werden dort fünf Menschen durch 13 Schüsse hingerichtet - elf Schüsse in den Kopf, zwei in die Brust. Vier Leichen werden ins Häuschen geschleppt, die fünfte wird auf der Terrasse in einen Teppich eingewickelt.

Der Mord soll dem Ehepaar Siegrist gegolten haben

Die Toten: Das Ehepaar Elsa (62) und Eugen (63) Siegrist, seine Schwester Anna Westhäuser (80) und ihre beiden Söhne Emanuel (52) und Max (49) Westhäuser. "Eines der Opfer war viermal in den Kopf getroffen worden - und jeder Schuss 'sass' mit grauenhafter Präzision", schreibt Robert Siegrist, Sohn des ermordeten Ehepaars, in seinem soeben veröffentlichten Buch "Der Mordfall Seewen". Allgemein wird heute davon ausgegangen, dass der Mordanschlag primär dem Ehepaar Siegrist galt, während die drei weiteren Opfer den oder die Täter überrascht haben sollen.

Obschon die Solothurner Kriminalpolizei über 9'000 Hinweisen nachging und systematisch nach Besitzern von Winchestern und Winchester-Imitationen fahndete, blieb die Suche nach dem Mörder erfolglos.

Der spektakuläre Waffenfund im Herbst 1996

Doch im Herbst 1996, zwanzig Jahre nach der Tat, schien die Zeit der langen falschen Verdächtigungen und fruchtlosen Verhaftungen ein Ende zu nehmen: Bei der Renovation einer Wohnung in Olten wurde in der ehemaligen Wohnung einer gewissen Frau Doser eine italienische Winchester-Imitation der Firma Umberti, Modell 1866, Kaliber .38 Spez. mit gekürztem Lauf, in einem Plasticsack hinter einer Küchenkombination entdeckt: Es war die Tatwaffe und sie gehörte Carl Doser. Der in Basel wohnhafte Einzelgänger war nach der Tat von der Basler Polizei im Rahmen der Reihenuntersuchung befragt worden. Doser gab an, die Waffe auf dem Flohmarkt verkauft zu haben. Und die Polizei gab sich mit dieser Auskunft zufrieden.

Erwiesenermassen hatte Doser das Schiesseisen 1973 in der Zürcher Firma Hofmann & Reinhart Waffen AG rechtmässig erworben. Seit dem Oltener Waffenfund gilt Doser, seit Jahrzehnten verschwunden, sowohl für den Sohn des ermordeten Ehepaars als auch in Fahndungskreisen und in der breiten Öffentlichkeit als "Täter".

Hans Blaser hatte Kontakt zu "Johnny" Siegrist

Daran glaubt Hans Blaser hingegen nicht. Der heute 75jährige Pensionär war damals Prokurist und Verkaufschef der Fischereiartikel-Engrosfirma Louis Irion AG in Binningen BL. Dort kam er 1975, ein Jahr vor dem Seewen-Mord, mit Adolf Siegrist, dem Cousin von Buchautor Robert, in geschäftlichen Kontakt: "Johnny" Siegrist (so sein Rufname) war auf der Suche nach Fischerei-Ersatzteilen. Er wusste aber, dass auch die Waffenhandelsfirma IZU Waffen AG zum Fischereihandelsunternehmen gehörte und die Schweizer Generalvertretung der österreichischen Marke Steyr betrieb.

Eines Tages, so erinnert sich Hans Blaser, erkundigte sich "Johnny", ob er eine Maschinenpistole kaufen könne. Nach seinem Motiv gefragt, antwortete er: "Ich bin Combat-Schütze, jeweils in der südbadischen Nachbarschaft."

Gemeinsames Combat-Schiessen?

Aufgrund weiterer Indizien vertritt Hans Blaser die These: "Johnny Siegrist könnte der Täter und Doser nur der Komplize gewesen sein." Blaser hält es für möglich, dass sich die beiden zum Combat-Schiessen getroffen und Waffen ausgetauscht haben, ohne dass die Polizei diese Frage geklärt hat. Dosers Aufgabe wäre es demnach nur gewesen, die Waffe zum Verschwinden zu bringen und allenfalls an der Tat mitzuwirken.

Mit grösster Wahrscheinlichkeit war es auch "Johnny" Siegrist, der rund drei Wochen vor dem Mord in der Waffenhandel R. Mayer AG an der Basler Steinenvorstadt die Tatmunition beschaffte. Der damalige Verkäufer Hans-Georg Spinnler (49), erinnert sich heute noch, wie der "sporadische Kunde" Siegrist nach zwei Päckli à 50 Patronen des Kalibers ".38 Spez." fragte und dabei eine Variante mit "besonders schwerem Bleigeschoss" wünschte. "Ob diese Patronen in diese Tschinggen-Winchester passen" habe sich Siegrist erkundigt und beiläufig erwähnt, er müsse "diese Patronen für jemanden besorgen".

Durchschossene Styropor-Köpfe

Ist von Doser allerdings keinerlei Bekanntschaft zu den Ermordeten aktenkundig, gehörte "Johnny" zur direkten Verwandtschaft. Zweimal war er in Untersuchungshaft genommen und durch die Polizei intensiv einvernommen worden. "Es ging bei dieser Bluttat um Geld und Erbschaft", heisst es mitunter hinter vorgehaltener Hand. Auch der Blutrausch eines gelegentlich jähzornigen Waffenfans, in dessen Wohnung durchschossene Styropor-Köpfe gefunden wurden, oder Rache könnten das Motiv gewesen sein: Adolf Sigrist, 150 Zentimeter gross und mit Frauenstimme versehen, wurde neben "Johnny" meist auch "Dölfeli" genannt oder mit "Globi" gehänselt.

Ob der Mordfall Seewen je geklärt werden kann, wird immer unwahrscheinlicher: Doser ist verschollen, "Johnny" Siegrist Mitte der achtziger Jahre gestorben, die 20jährige Verjährungsfrist abgelaufen.

Fahnder Jaeggi: "Das gibt es viele Experten!"

In den Aufklärungsversuch hat Max Jaeggi, damaliger Vizechef des Fahndungsdienstes der Solothurner Kantonspolizei, viele Jahre seines Berufslebens investiert. Dass der Erfolg ausblieb, ist ihm "grundsätzlich Wurst": "Wir haben unternommen, was wir konnten." Auch die ganze Tracht Kritik, die er über sich ergehen lassen musste, ficht er nicht an: "In einem solchen Fall sind alle Experten - wie bei einem Fussballmatch."

Das "Waldeggli" ist längst vernichtet. Nur noch sein Beton-Fundament erinnert an das Pfingst-Massaker von damals.

3. Juni 2001



 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Frisch pubertiert

Küssen, nicht spucken!
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Kilomattstunde"

OnlineReports.ch
in einer Meldung
vom 30. Mai 2018
über Wind-Energie
in der Region Basel
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Kein Wunder bei diesen lauen Lüftchen.

RückSpiegel


20 minuten online bezeog sich im Bericht über die Email-Affäre um Joël Thüring auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.

• Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer übernimmt per 1. Mai das Präsidium der Stiftung "éducation21", einer Fachagentur der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK), die sich der Bildung für nachhaltige Entwicklung widmet.

10'454 Patienten weist die Psychiatrie Baselland für das Geschäftsjahr 2017 aus.

Peter Brodmann wird neuer Baselbieter Kantonschemiker und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen als Nachfolger von Peter Wenk, der Ende August in Pension geht.

• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".