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"Unfreiwillig zum Medienstar": Psychisch kranker Ziegelwerfer

Der Ziegelwerfer und das Interesse der Welt-Öffentlichkeit

Wie Polizei-Sprecher Klaus Mannhart Mitte Mai das Medienspektakel um den psychisch kranken Basler Ziegelwerfer erlebte


Von Klaus Mannhart


Wer bei Google "Ziegelwerfer" eingibt, erhält auf einen Klick 13'700 deutschsprachige Hits und unzählige Filmchen auf "Youtube" und andern Medienportalen. Unfreiwillig mutierte der psychisch kranke Mann zum Medienstar rund um den Globus. Kräftig nachgeholfen hatten da nicht nur die regulären Medien. "Im Einsatz" standen auch zahllose "Leserreporter", die mit ihren Handys aus allen möglichen Blickwinkeln den Mann auf dem Dach ablichteten, ihre Bildchen und Filmchen den Medien anboten oder gleich selbst auf den diversesten Plattformen publizierten.

Aus Sicht der Medienstelle begann die ganze Sache an jenem Montagmorgen eher harmlos, um dann innert Stunden auszuarten. Zuerst waren einzelne Vertreter der lokalen Medien sur place. Nachdem sie ihre ersten Meldungen ins Netz gestellt hatten, reisten weitere Teams an auf der Suche nach der ultimativen Sensation. Gespannt wurde jede Bewegung auf dem Dach registriert. Die Objektive blieben voll auf ihr Objekt gerichtet; beim Absturz wollte man schliesslich live dabei sein.


"Manche Journalisten wollten 'Action, Teile
des Publikums skandierten 'Gumpe, gumpe'."




Gegen Abend wurden manche Journalisten ungeduldig, wollten "Action", warfen der Polizei Untätigkeit vor. Auch Teile des Publikums murrten, skandierten "Gumpe, gumpe". Das war mehr als nur ärgerlich, bot mir aber die willkommene Gelegenheit, den Fokus der Medien auf eine blutrünstige Gaffermeute zu richten und weg vom Mann auf dem Dach. Dies gelang vortrefflich. In den Kommentaren der Zeitungen am nächsten Tag war die Empörung über die Schaulustigen gross und die Kritik am Vorgehen der Polizei klein.

24 Stunden nach Beginn des Einsatzes war der "Ziegelwerfer von Basel" zum international beachteten Thema geworden, weil der Mann immer noch auf dem Kamin stand. Entsprechend erhöhten die Medien ihren personellen Einsatz und schickten ihre "Spezialisten" nach Basel. Für Informationen, Hintergrundmaterial und Fotos über die Person wurde mehr oder weniger versteckt Geld angeboten, ungeniert die ganze Nachbarschaft abgeklappert, sämtliche Besserwisser und selbsternannten Experten interviewt. Das Interesse am Fall wuchs stetig und wurde riesig.

Am dritten Tag, am Mittwoch gegen halb elf Uhr, ist der Mann in der Obhut der Polizei und das Spektakel unspekakulär zu Ende. Einige Medienschaffende sind ebenfalls erleichtert, andere weniger. Was der Einsatz gekostet habe, wer bezahle, ob der Mann nicht einfacher vom Dach hätte geholt werden können, ob es tatsächlich notwendig war, das Gundeldingerquartier lahmzulegen; die aggressiven Fragen sind sofort gestellt.

"Auch eine japanische Fernsehstation
hat Bildmaterial erhalten."




Gegen Mittag haben alle Journalistinnen und Journalisten genug Material und reisen ab. Auch das Team von RTL macht sich auf den Weg nach Luxemburg zurück. Das glückliche Ende des Einsatzes in Basel macht weltweit die Runde. Die nächsten Stunde verbringe ich im Büro. Am Telefon sind Radio-, Fernseh- und Printredaktionen aus dem In- und Ausland, von überall her. Auch eine japanische Fernsehstation hat über News-Exchange Bildmaterial erhalten und will mehr wissen. Über 50 Mal erzähle ich dieselbe Story und beantworte Medienanfragen, gebe Interviews.  

Um 16.30 Uhr an diesem dritten Tag. Es ist alles x-mal gesagt, x-mal alles erzählt, alles im Internet abrufbar und bekannt. Trotzdem zieht die mediale Aufmerksamkeit immer weitere Kreise. Die Liste der Redaktionen im Ausland, die nun auch noch einen Rückruf wollen, einen O-Ton, ein eigenes Interview, wird immer länger.

Ich entschied mich damals für den pragmatischen Weg: Rückrufliste mit noch 54 Einträgen löschen, Computer abstellen und durchatmen ... irgendwann muss man einen Schlussstrich ziehen.

Quelle: Der Bericht erschien in der neusten Ausgabe von "Basilea Info", dem Mitteilungsblatt der Kantonspolizei Basel-Stadt

19. Oktober 2011

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Der Autor




Autor Klaus Mannhart ist seit 13 Jahren Leiter Kommunikation des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements. Zuvor war er während über 25 Jahren als Journalist tätig, unter anderem bei den "Basler Nachrichten", der "Basler Zeitung" und bei "Radio Basilisk". Er gehörte auch während fünf Jahren dem Schweizer Presserat an.


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"Die Sprecherin der Swiss Indoors antwortete nicht auf die Anfrage dieser Zeitung."

BZ Basel
vom 27. November 2017
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Auf unsere Medienanfrage zu einem Gerichtsfall hat die Sprecherin auch nicht geantwortet. Die Swiss Indoors-Schweigerin.

"Und übrigens ..."

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Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.