© Foto by YouTube
"Schon fast ein Schnäppchen": Neu eröffnetes Skigebiet Masik-Ryong

Nordkorea bietet Wintersport – auch für europäische Gäste

Alles fährt Ski, alles fährt Ski – jetzt ist auch der jung General Kim Jong-un auf den Geschmack gekommen


Von Peter Achten


Es ist ja nicht so, dass der junge nordkoreanische Tausendsassa Kim Jong-un das Skifahren eigenhändig erfunden hätte. Zu solchen Höhen versteigt sich der bislang grösste und begabteste Manipulator westlicher Medien dann doch wieder nicht. Schliesslich hat er in seiner kurzen Vita bereits einen Schweizer Schulbesuch hinter sich. Dort hat er echt schweizerisch Bodenhaftung mitbekommen und ist trotz eines intensiven Basketball-Trainings im Anblick der Alpen sicher auch aufs Skifahren aufmerksam geworden.

Als gütigem, allmächtigen Landesvater liegt Kim Jong-un nun nach eigenem Bekunden die "Gesundheit des Volkes" besonders am Herzen. Höchste Zeit, denn das Volk nagt am Hungertuch. Ein Drittel der Kinder sind unter- und mangelernährt, und das 24-Millionen-Volk hängt am Tropf internationaler Nahrungsmittelhilfe. Um die Volksgesundheit anzuheben, ist auf Geheiss von Jungspund Kim im Masik-Ryong-Gebiet auf 750 bis 1'350 Metern über Meer ein Ski-Resort mit allem Drum und Dran aus dem Boden beziehungsweise aus dem Wald gestampft worden.

"Im Masik-Ryong-Hotel lässt sich
schon fast so fein dinieren wie in St. Moritz."



In einer wunderschönen Landschaft führen unzählige Pisten zu Tal (110 Pistenkilometer zwischen 40 und 120 Meter breit und einem Maximalgefälle von 39 Grad). Vier Sessellifts befördern die Skifahrer nach oben. An den Talstationen gibt es (noch) keine Warteschlangen. Die Ausrüstung des Resorts lässt keine Wünsche offen: Snowmobiles für die Pistenaufsicht fehlen ebensowenig wie Schneekanonen. Im Masik-Ryong-Hotel, so hört man, lässt sich schon fast so fein dinieren wie in St. Moritz. Eine Skitageskarte zu 25 Euro ist, verglichen ebenfalls mit St. Moritz, schon fast ein Schnäppchen.

Das Masik-Skiresort ist am 1. Januar offiziell eröffnet worden. Zuvor hatte selbstverständlich Kim Jong-un alles genau inspiziert – eine Sesselbahnfahrt inbegriffen – und für gut, nein für "perfekt" befunden. Ob der erste Sekretär der Arbeiterpartei Koreas, der Vorsitzende der Zentralen Militärkommission und Oberbefehlshaber der Koreanischen Volksarmee Marschall Kim Jong-un auch Ski fährt, ist ungewiss und bleibt Staatsgeheimnis.

In Amerika, Europa und Peking werden mittlerweile Skiferien am Masik-Pass angeboten. Nicht ganz billig, aber oho. Auf den gut präparierten nordkoreanischen Pisten können Sportler, so der Prospekt, "wie Vögel entlang der Schneewelt fliegen", und es sei, wird versichert, "reichlich frische Luft vorhanden". Da das Hotel-Angebot noch ziemlich beschränkt ist, werden wohl kaum Nordkoreaner vom grosszügigen Angebot zur Volksgesundheit  Gebrauch machen, sondern zuvörderst devisenstarke Ausländer.

Aber: Darf, soll, kann man überhaupt in ein Land wie Nordkorea reisen und dort als Tourist Ferien verbringen? Jein ist wohl die Antwort. Generell nämlich gibt es keine gültige Antwort, obwohl das westliche Gutmenschen, inspiriert selbstverständlich nur von lauteren Absichten, bestreiten würden. Pauschale Boykotte jedenfalls sind, wie die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, ebenso ins Leere gelaufen wie gezielte Aufrufe.

Burma ist ein gutes Beispiel. Demokratie-Ikone und Friedensnobelpreis-Trägerin Aung San Suu Kyi forderte weltweit zum Tourismus-Boykott auf. Menschenrechts-Organisationen nahmen Suu Kyis Forderung dankbar auf. Sie straften auch all jene ab, die Burma Myanmar nannten mit dem Argument, die burmesischen Militärs hätten ohne das Volk zu befragen, den Namen geändert.

Seit zwei Jahren ist alles anders. Suu Kyi sitzt im Parlament, und selbst Menschenrechts-Organisationen nennen heute Burma ganz selbstverständlich mit traditionellem Namen Myanmar, obwohl das Volk noch immer nicht befragt worden ist. Andrerseits: Nach Kuba oder Usbekistan dürfen sich seltsamerweise Touristen aufmachen, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger von selbsternannten Moralwächtern zurechtgewiesen und öffentlich zur Schnecke gemacht  zu werden. Kurz, Boykott greift zu kurz und hat nachgewiesenermassen bislang wenig bis nichts gebracht.

"Wer sich keinen Illusionen hingibt,
darf getrost nach Nordkorea reisen."



Für Wintersportler, die sich partout wedelnd vom Masik-Pass hinunterstürzen wollen, darf deshalb die gleiche Messlatte angelegt werden. Als Grundregel mag gelten: Wer gut vorbereitet hinfährt und sich keinen Illusionen hingibt, darf getrost nach Nordkorea reisen. Oder nach Kuba, die USA, China, Vietnam, Usbekistan, Nairobi, Luanda, Kasachstan, Sotchi, Graubünden oder Andermatt.

Allerdings gibt es im Falle des Masik-Resorts noch UN-Sanktionen zu beachten. Nachdem Marschall Kim vor einem Jahr wieder einmal mit Raketen und A-Bömbchen gezünselt und das westliche Ausland wüst beschimpft hatte, verschärften die Vereinten Nationen die schon bestehenden Sanktionen im März letzten Jahres mit einem Verbot von "Luxus-Gütern".

Darunter fallen zum Beispiel die am Hofe Kims so beliebten teuren Spirituosen französischer Provenienz oder in Italien entworfene und produzierte Sportwagen. Aber auch Schneekanonen fallen darunter oder, wie eine Schweizer Firma schmerzlich erfahren musste, Sessel-Lifts. Wie denn, so kann man sich fragen, ist es denn Jung-Kim gelungen, trotz UN-Sanktionen europäische Luxus-Sessel-Lifts und Luxus-Schneekanonen zu importieren? Von delikaten Cognacs und Jahrgang-Champagner ganz zu schweigen. Richtig, über China. So kann denn jeder Lieferant ohne rot zu werden behaupten, er habe nicht nach Nordkorea geliefert.

Das Masik-Ski-Ressort ist nun jedenfalls in vollem Schwung. Kim Jong-un, der doch so gerne einen Schweizer Sessel-Lift gehabt hätte, wird wohl zurückschlagen und hinterhältig erst einmal Schweizer Luxus-Skilehrer anstellen. Und dann noch eins drauf geben. Denn noch ist es nicht lange her, als Kim Junior in dem für die nordkoreanische Propaganda üblichen blumigen Stil den USA drohte, das Land jenseits des Pazifiks in einem "Feuerball" zu vernichten. "Die Schweizer Ski-Nationalmannschaft", wird es wohl bald aus Pjöngjang tönen, "werden wir an internationalen Wettkämpfen, an Weltcuprennen und Olympischen Spielen in nicht allzu ferner Zukunft entschieden und resolut vom Podest stossen".

Nicht umsonst prophezeite Kim Jong-un bereits im vergangenen Jahr, dass das Masik-Skigebiet "im Zentrum der Aufmerksamkeit der Welt" stehen werde. In der Zwischenzeit, so die Instruktionen des gütigen Landesvaters Kim an die Masik-Betreiber, sollen "die Besucher  leidenschaftlich der liebenden Fürsorge der Partei teilhaftig werden". Wohl bekomms!

1. Februar 2014


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Theater Basel

"Die Dreigroschenoper"
RückSpiegel


In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über die gerichtliche Niederage von Polizei-Offizier Bernhard Frey Jäggi nach.

Die Basellandschaftliche Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-Nachricht über die geplante Massenentlassung bei der "Küschall AG" in Witterswil auf.

In ihrer Übersicht über die Schweizer Online-Newsmedien ging die NZZ auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung zog die OnlineReports-News über den Entscheid des Basler Appellationsgerichts gegen die Nichtanhandnahme der Strafanzeigen von Staatsanwältin Eva Eichenberger und Strafgerichtspräsident Lucius Hagemann durch die Obwaldner Oberstaatsanwältin Esther Omlin im Fall "Lehrer H." nach.

In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"In der Elsässerstrasse kam es zu einem Unfall mit Salzsäufer."

BaZ online
vom 20. Februar 2018
über einen Salzsäure-Unfall
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Vielleicht hat auch der Redaktor Salz gesoffen.

In einem Satz


• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.

• Der Münchensteiner Gemeinderat hat die Durchführung des "Tension Festivals" vom 31. Juli im Gartenbad St. Jakob sowie auf den angrenzenden Volleyball-Feldern unter Lärmauflagen bewilligt, nachdem letztes Jahr zahlreiche Beschwerden eingegangen waren.

Hans-Peter Ulmann, seit 1996 CEO von Psychiatrie Baselland, tritt auf 30. Juni 2019 in den Ruhestand.

• Im Jahr 2017 verhängte die Basler Kantonspolizei im Zusammenhang mit dem FC Basel 17 Rayonverbote – davon sieben an Fans von Gastmannschaften –, während der FC Basel acht Stadionverbote anordnete, von denen fünf Fans von Gastmannschaften betrafen.

• Die Gemeinde Allschwil plant eine Erneuerung und Erweiterung der Parkanlage sowie rund 140 Wohnungen auf dem Areal Wegmatten zwischen Baselmattweg und Bachgraben.

Thomas Bretscher wird ab 1. Februar neuer Geschäftsführer des "Business Park Laufental & Thierstein" und damit Nachfolger von Daniel Fiechter.

• Die Riehener CVP verlangt eine generelle Aufgabenprüfung (GAP), um die Diskussion um Aufgaben und Leistungen der Gemeinde und die dafür benötigten Ausgaben und Einnahmen zu versachlichen.