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"Kopfschuss im Gehege": Nahrungs-Ressource Hirsch

Immer mehr Zucht-Wild auf dem Speisezettel

Immer mehr Wild stammt gar nicht aus Jagd sondern aus teils problematischen Zuchten


Von Matthias Brunner


Herbstzeit - für Liebhaber der saisongerechten Küche steht Wild auf dem Speisezettel. Allerdings: Nur ein kleiner Teil des in der Schweiz konsumierten Wildbrets stammt auch tatsächlich aus Jagd. Immer mehr Wildtiere stammen aus Zuchtbetrieben. Doch die Wildtierhaltung ist oft problematisch.


Einige freuen sich bereits das ganze Jahr darauf, andere fürchten sich davor: Jetzt ist hierzulande Jagdzeit und damit auch die Saison für Wildbret. Fleisch von Wildtieren liegt im Trend, denn es gilt als gesund und schmackhaft. Der Verbrauch nimmt somit kontinuierlich zu.

Doch was da an Wildfleisch auf Schweizer Tellern landet, ist meistens "nur halb so wild", wie es den Anschein macht: Hirsche, Rehe, Wachteln, Fasane, ja sogar südafrikanische Springböcke und weitere Wildtiere werden vermehrt in Gefangenschaft gezüchtet. Was Schweizer Jäger an Wildtieren erlegen, reicht gerade einmal für den Eigenverbrauch, einige Privatkunden und ausgesuchte Restaurants aus.

Beliebter Zucht-Hirsch aus Neuseeland

Rund 4'500 Tonnen Wildfleisch pro Jahr importiert die Schweiz nach offizieller Statistik der Oberzolldirektion. Eine genaue Aufgliederung nach Tierart ist nicht vorhanden, doch macht Hirschfleisch aus Neuseeland weitaus den grössten Teil aus. Einzig eine Absurdität ist beim Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) statistisch festgehalten: Jährlich werden zwei Tonnen Krokodilfleisch importiert.

Neuseeland hat in den letzten Jahrzehnten mit der Hirschzucht einen profitablen Industriezweig aufgezogen. Auf der Insel auf der andern Seite des Erdballs werden über zwei Millionen Hirsche in Gehegen gehalten. Mit über 20'000 Tonnen exportiertem Hirschfleisch allein im letzten Jahr gilt Neuseeland weltweit als grösster Produzent, wobei die Tendenz weiter steil nach oben weist.

Explosionsartige Vermehrung

Dabei waren Hirsche ursprünglich gar nicht heimisch in Neuseeland. Erst um 1860 wurden sie durch die jagdverrückten Engländer auf der Insel eingeführt. Das Rot- und Damwild vermehrte sich dank idealen Lebensbedingungen und mangelnder Feinde explosionsartig, bis es zur Plage wurde. Die Regierung setzte Abschussprämien aus und sogar per Helikopter sollen die Hirsche gejagt worden sein.

Bis die "Kiwis", wie sich die neuseeländischen Einwanderer selber nennen, die Hirsche als Einnahmequelle entdeckten. Anfang der siebziger Jahre entstanden die ersten Farmen, doch vor allem in den letzten zehn Jahren setzte der ganz grosse Boom ein. Heute existieren angeblich Farmen mit über 5'000 Rothirschen, die in Gattern gehalten werden. Gezielt wurden Rothirsche mit Wapitis gekreuzt, da diese Hybriden einen noch höheren Fleischertrag bringen.

Aus Bastgeweih wird Liebespulver

Ein zusätzliches Einkommen von immerhin über 26 Millionen neuseeländischen Dollars im letzten Jahr bringen Produkte aus frischen Bastgeweihen. In China, Korea und den USA wird dem Hirschbast unter anderem eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben.

Dem Hirsch wird dabei zuerst eine Beruhigungsspritze verabreicht und anschliessend ein Narkosemittel gegen die Schmerzen. Dann wird ihm das Geweih knapp über dem Ansatz abgesägt. Während der Bastzeit ist diese Stelle besonders stark durchblutet und entsprechend auch empfindlich. Aus der Optik des Tierschutzes ist die Geweihentfernung eine inakzeptable Praxis.

Kaum Angaben über Haltung

Wie gut oder schlecht die Hirsche in Neuseeland tatsächlich in den von zwei Meter hohen Zäunen begrenzten Gattern gehalten werden, ist von hier aus schwierig zu beurteilen. Von den angefragten Hauptimporteuren und Grossverteilern sind nur wage Angaben erhältlich wie "alles nach neuesten Standards geregelt" (Coop) oder "unsere Produzenten halten sich an die gesetzlichen Richtlinien" (Migros).

Die neuseeländische "Deer Industry" (Hirschindustrie) verfügt zwar über so genannte Qualitätssicherungsprogramme, die auf der Farm und für den Transport gelten und Mindestanforderungen definieren. Doch in beiden Dokumenten finden sich beispielsweise weder konkrete Angaben zu den Gatter-, beziehungsweise Herdengrössen noch zur Schlachtung, welche hauptsächlich in Schlachthäusern geschieht. Die Manuals befassen sich in erster Linie mit dem Umgang mit den Tieren und der Qualitätssicherung. Die deutsche Niederlassung der neuseeländischen "Deer Industry" reagierte nicht auf entsprechende Anfragen zur Haltung und Schlachtung. Allein schon der Transport in engen Behältern dürfte für die scheuen Wildtiere jedoch eine enorme Stressbelastung sein.

Kopfschuss im Gehege

In der Schweiz wird die Hirschhaltung vom Bundesamt für Landwirtschaft finanziell unterstützt. Laut Michael Buchmann vom Landwirtschaftlichen Beratungszentrum Lindau leben in geschätzten 500 Gehegen um die 5000 Tiere. Es sind vorwiegend Damhirsche, da diese zutraulicher zum Menschen werden und deshalb einfacher zu halten sind als Rothirsche. Normalerweise werden sie durch einem gezielten Kopfschuss im Gehege getötet.

Doch nicht nur Hirsche werden gezüchtet. In Österreich sollen laut BVET-Mitarbeiter Bruno Mainini bereits Rehe in Gattern gehalten werden. Allerdings ist diese Behauptung unter den Experten umstritten. Im Unterschied zur Schweiz werde laut Mainini auch bewusst Winterfütterung betrieben, weshalb der Rehbestand in Österreich höher sei als in der Schweiz.

Nach Ansicht des Schweizer Tierschutz STS ist eine artgerechte Rehhaltung in Gefangenschaft in der Praxis gar nicht möglich und deshalb abzulehnen. STS-Wildtierexperte Peter Schlup zieht da die Jagd vor, sofern sie waidgerecht ausgeübt wird: "Dann konnte das Tier seine Zeit bis zum Tod wenigstens in seinem natürlichen Lebensraum verbringen."

Fasan-Mast in Volieren

Noch bedenklicher ist die Methode, Fasane in Volieren intensiv zu mästen, wie dies in Frankreich praktiziert wird. Im Elsass werden gar extra Fasane grossgezogen, um sie später wieder als leichte Jagdbeute auszusetzen. Im Herbst werden dann die an Menschen gewohnten Vögel mit der Schrotflinte abgeschossen.

Nicht besser ergeht es den Wachteln. In der Schweiz steht dieser Vogel auf der roten Liste der gefährdeten Arten und ist deshalb geschützt. Vor allem in Frankreich und Italien werden Wachteln zu Millionen in Batterien gemästet. In der Dombes, einem Gebiet nördlich von Lyon, befindet sich das Zentrum dieser Industrie. Hier existieren Betriebe mit bis zu 150'000 Wachteln, die dicht gedrängt in Käfigen zu je 50 Tieren vor sich hinvegetieren. Wie erschreckend die hygienischen Verhältnisse sind, hat Tierfilmer Mark Rissi für die Fernsehsendung "Kassensturz" dokumentiert.

Fazit: Was in den Regalen oder im Restaurant als "Wild" deklariert wird, stammt in Tat und Wahrheit zu einem grossen Teil aus Zuchten.

20. November 2005


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