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Urs Ramseyer: Gründer von "Musik der Welt in Basel"

Ein Konservator, der Grenzen sprengt

Porträt eines hellhörigen Museumkonservators, den die Schrillheit der modernen Banalisierungen schmerzt


Von Ruedi Suter


Im Niederreissen geographischer, kultureller oder intellektueller Grenzen hat er sich ebenso einen Namen gemacht wie bei der Vermittlung zwischen Völkern, Denkweisen und Sparten: der Ethnologe und Jazzpianist Urs Ramseyer am Museum der Kulturen in Basel. Ueberdies half er das Museum zu öffnen und vermittelte der Rheinstadt wichtige Impulse wie das interkulturelle Festival "Musik der Welt in Basel".


Ein Piano. Es steht in seinem Büro, und es verrät den Musiker. Doch Konservator Urs Ramseyer ist nicht nur Jazzpianist mit eigener Band, er hat zur Ethnologie und Soziologie auch Musikwissenschaften und Musikethnologie studiert. Musik ist ihm Lebensessenz und Orientierungshilfe zugleich. Ueber die Musik vermag er die Seele anderer Völker zu erspüren, lernt er die Welten aussereuropäischer Kulturen besser begreifen. Ein Zugang, den andere Ethnologen und Ethnologinnen noch nicht hatten, damals, 1969, als Urs Ramseyer am Völkerkundemuseum Basel seine wegweisende Arbeit aufnahm.

Bereits drei Jahre später war die wohlklingende Reihe "Musik im Museum" ins Leben gerufen. Mit ihr wurde die Musik in der Musikethnologie erstmals hör- und sichtbar ernst genommen. 1987 folgte der "Musik im Museum" die "Musik der Welt in Basel" - das alljährliche Festival aussereuropäischer Musik auf dem Münsterplatz. Ein unterdessen institutionalisiertes Kulturtreffen ausserhalb der Museumsmauern, das Basels Bevölkerung und Institutionen mit musizierenden Menschen aus aller Welt zusammenbringt.

Weltweit bestdokumentierte Bali-Sammlung

Das Sprengen von Grenzen sei ihm ausserordentlich wichtig, sagt Urs Ramseyer in seiner ruhigen, engagierten Art. Egal, ob es sich um geographische, kulturelle oder intellektuelle Grenzen handle. Ebenso wichtig ist ihm aber die Vermittlung - zum Beispiel zwischen Völkern, Denkweisen und Sparten. Deshalb hat er sich auch von Beginn an für die Oeffnung des Museums eingesetzt.

Ein Museum der Kulturen hat für den 60-Jährigen nur eine Existenzberechtigung, wenn es in einer lebendigen Wechselbeziehung zu den Menschen und Institutionen ausserhalb der Museumsmauern steht. "Ich bin ortspolygam", unterstreicht der Schüler des wegweisenden Ethnologen und Basler Museumsdirektoren Alfred Bühler seinen Drang zum grenzüberschreitenden Wirken. Dieser Drang hat Ramseyer bereits 1972 nach Bali gebracht, wo er den Grundstein für einen umfassenden Kulturaustausch und die weltweit bestdokumentierte Bali-Sammlung legen konnte.

Auszeichnung durch die Unesco

Sein Ziel, eine "praxisbezogene Ethnologie zu betreiben", führte unter anderem 1987 zur Gründung einer Schule, die zum normalen Lehrplan Indonesiens vor allem das (vom Verschwinden bedrohte) traditionelle Wissen vermittelt und heute von 500 16- bis 19jährigen Schülerinnen und Schülern besucht wird.

Um diese, die balinesische Identität stärkende Schule zu finanzieren, konnte der 1995 dafür mit dem Kulturpreis von Bali und dem Kulturlabel der UNESCO ausgezeichnete Basler in der Rheinstadt zahlreiche Persönlichkeiten und Institutionen zur Mithilfe motivieren. So hilft heute Basel Bali, seine Identität zu verteidigen, seine eigene Sprache, Religion und Schrift zu erhalten. Im Gegenzug hilf Bali Basel, mit Wissen, Gegenständen und kulturellen Beiträgen Zugang zu einer ganz anderen Kultur zu finden - und über sich selbst nachzudenken.

"Dieses Hin und Her finde ich ausserordentlich wichtig", betont Urs Ramseyer und verweist auf eine weitere Verbindung: den regelmässigen Austausch von Kulturschaffenden. Diese seien ihm in seiner Laufbahn immer wichtiger geworden: "Der Kontakt mit zeitgenössischen Kunstschaffenden hat meinen Zugang zur Ethnologie langsam stark verändert. Durch ihr zyklisches Zeitdenken, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem Teil der Ewigkeit macht, habe ich plötzlich den Wandel nicht mehr als Bruch erlebt - sondern als Chance, nicht zu erstarren und unter Verwendung der Traditionen an einer eigenen Modernität zu schaffen. Künstler, die mit ihrer bildenden Kunst neue Möglichkeiten ausprobieren und an neuen Formen herumdenken, spielen als Pendler zwischen ihren Traditionen und den zeitgenössischen Kulturen eine ganz wichtige Rolle."

Enge Kontakte mit aussereuropäischen Kulturen

Folgerichtig arbeitet der musische Konservator zunehmend mit Kunstschaffenden zusammen und organisiert Ausstellungen im Kulturaustausch mit Menschen aus verschiedenen Ländern. Nebst dem engen Kontakt mit aussereuropäischen Kulturen vorab in Indonesien und Südostasien fasziniert den Autor vieler Bücher die konservatorische Arbeit am Museum der Kulturen: "Etwas vom Schönsten daran ist, die Ergebnisse meiner eigenen wissenschaftlichen Forschungen nachher in Ausstellungen visionalisieren und vermitteln zu können." Voraussetzung dafür ist die heikle Reduktion und Umsetzung komplexer Themen in eingängliche Bilder und Texte. Eine gewaltige Herausforderung, doch Urs Ramseyer meint: "Dies war für mich das Faszinierendste an der Museumsarbeit."

Dankbar erinnert er sich an die gemeinsamen, zusammenschweissenden Ausstellungen mit den Kolleginnen und Kollegen des Museums sowie an die von ihm selbst konzipierte Ausstellung mit engagierten Inhalten. So zeigte er etwa mit "Reis ist Leben" die Vielschichtigkeit einer Agrarkultur und die Irrungen der Grünen Revolution.

Wider die Gleichmachungsstrategien und Oberflächlichkeiten

Urs Ramseyer ist auch ein politisch handelnder Mensch, dem die kulturelle Vielfalt am Herzen liegt. So wehrt er sich auf seine Art für die lokalen Kulturen, die in allen Lebensbereichen von mächtigeren Kulturen mit Gleichmachungsstrategien überrollt zu werden drohen. Mit Unbehagen nimmt er wahr, dass auch die eigene Museumskultur vermehrt unter Druck gerät. Den stark zur Oberflächlichkeit neigenden Einflüssen vor allem aus den USA mit ihrem gnadenlosen Zwang zur Rentabilität ist die Basler Politik bereits erlegen. Damit hat sich auch das Museum der Kulturen auseinanderzusetzen. Flotte Neusprach-Begriffe wie "New Public Management" und "Events" geistern durch die Hallen, die kulturellen Beiträge sind zu "Produkten", die Besuchenden zur "Kundschaft" mutiert.

Nicht, dass Ramseyer nicht auch dieser Entwicklung Positives abringen könnte. Als engagierter Wissenschafter spürt er aber, dass mit dem Trend zu mehr "Show" die traditionellen Forschungs- und Bildungsaufgaben des Museums in den Hintergrund treten: "Die gut recherchierten und engagierten Arbeiten haben heute nicht mehr den früheren Stellenwert.

Mehr Shows, weniger Qualität?

Die Einflussnahme von aussen und die Erwartungen an statistische Erfolge sind stark gestiegen. Gefragt sind immer mehr erfolgsträchtige Themen, die ein möglichst breites Interesse auf sich ziehen." Dass sich auch Museen verändern müssen, steht für einen Urs Ramseyer, der feinfühlig die Namensänderung vom "Völkerkundemuseum" zum "Museum der Kulturen" anregte, natürlich ausser Frage. Nur: Die berufliche Qualität sollte Massstab der Arbeit bleiben.

Zieht er nach seiner jetzt 30jährigen Museumsarbeit Bilanz, ist er "unglaublich dankbar dafür, die Chance und Freiheit gehabt zu haben, alle diese Projekte zu realisieren". Klar, dass Urs Ramseyer auch in Zukunft noch viel vor hat. Im Feld, hinter dem Schreibtisch - und am Piano.

17. August 1999


Jazz als Dialog: das "Urs Ramseyer Trio"

Urs Ramseyer ist seit 40 Jahren ein passionierter Klavierspieler. Klar, dass der kommunikative Ethnologe nicht einfach im stillen Kämmerlein vor sich hin klimperte. Seine Sporen verdiente er sich in zahlreichen Jazz-Formationen ab. Am meisten geprägt hat ihn Bill Evans, dessen interaktive Spielweise und gleichwertige Kommunikation zwischen Bass und Piano besonders zusagt. Seit 1997 sorgt nun das "Urs Ramseyer Trio" für Stimmung. Die Band repräsentiert die klassische Jazzformation mit Piano, Bass und Schlagzeug. Sie spielt zeitgenössischen interaktiven Jazz, vorwiegend mit Kompositionen von Bill Evans, Herbie Hancock und dem Italiener Enrico Pieranunzi.


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Wo bitte ist der Geld-Selbstbedienungsschalter?

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Waschmaschinen gegen Gemüse
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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Da die Prämien der obligatorischen Krankenversicherung in Basel-Stadt im kommenden Jahr um durchschnittlich 4,5 Prozent ansteigen, passt die Regierung die Prämienbeiträge des Kantons für Haushalte mit bescheidenem Einkommen im gleichen Umfang an.

• Für den 9. Basler Pop-Preis sind folgende Bands nominiert: Alma Negra (Electronic World Music, Basel), Audio Dope (Electronic Music, Basel), Schammasch (Avantgarde Metal, Liestal), We Invented Paris (Indie-Pop, Liestal) und
Zeal & Ardor (Black Metal/Gospel, Basel.

• Weil sich FDP und SVP nicht auf eine gemeinsame Kandidatur für die Ersatzwahl in den Stadtrat von Liestal einigen konnten und "alle offiziell Kandidierenden wählbar" sind, verzichtet die CVP auf eine Wahlempfehlung.

• Die Wettbewerbs-Kommission hat entschieden, den geplanten Zusammenschluss zwischen dem Universitätsspital Basel und dem Kantonsspital Baselland ohne Auflagen zu genehmigen.

Endress+Hauser übernimmt die deutsche IMKO Micromodultechnik GmbH mit Sitz in Ettlingen, einen Hersteller innovativer Systeme zur Feuchtemessung, und beschäftigt die 19 Mitarbeitenden weiter.

• Verhaftet wurde ein 25-jähriger Spanier, der dringend verdächtigt wird, am 10. September eine Frau im Basler Erlenmattquartier vergewaltigt zu haben.

• Bei der Einreise von Frankreich nach Basel wurde ein etwa 50-jähriger Bulgare erwischt, der 800 Gramm Kokain mit sich führte.

• Die 57-jährige Juristin und frühere Leiterin der Basler Sozialhilfe Nicole Wagner wird Mitglied der Stiftung Habitat, wo sie die zurücktretende Beatrice Oeri ersetzt. 

• Nachdem im Baselbiet die Initiative zum Ausbau des Hochleistungsstrassennetzes rechtsgültig zustande gekommen ist, hat sich das Initiativekomitee aufgrund der laufenden Arbeiten zu einem allfälligen Gegenvorschlag mit einer Unterbrechung der Behandlungsfrist bis maximal 30. September 2019 einverstanden erklärt.

• Die Baselbieter Apotheken dürfen neu – mit Auflagen – nicht nur Grippe-Impfungen, sondern auch weitere Impfungen und Folge-Impfungen durchführen.

• Ab 9. September ist die Umfahrung Liestal im Bereich des Ergolzviadukts wieder ohne Einschränkungen befahrbar.

• Der Kanton Basel-Stadt rechnet für das Jahr 2018 mit einem Budgetüberschuss von 138 Millionen Franken.

Gottlieb Keller, Mitglied der Konzernleitung und Chefjustitiar der Hoffmann-La Roche, hat in der Deutschen Botschaft in Bern das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten.

• Die Fraktion "Grünes Bündnis" des Bürgergemeinderats Basel nominierte Brigitta Gerber einstimmig für das Amt als Bürgerrätin.

• Den städtebaulichen Wettbewerb zur Bebauung des Felix Platter-Areals in Basel hat das Team Enzmann Fischer Partner AG / Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau GmbH gewonnen.

• Die Gemeinderäte der direkt betroffenen Gemeinden des Leimentals – von Binningen bis Burg – befürworten übereinstimmend den Bau der Tramlinie 17 über den Margarethenstich, da diese einen "klaren Mehrwert" darstelle.

Monique Juillerat, bisher als Mitglied der Geschäftsleitung von "familea" für die externe und interne Kommunikation verantwortlich, wird ab 1. September neue Kommunikations-Verantwortliche der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion.

• Der Kanton Baselland verkauft das "Chuenimatt-Areal" der Bricks Group AG zur Realisierung des Konzeptes "Tri-innova", das eine schrittweise Entwicklung von unterschiedlich grossen Flächen für Dienstleistungs-, Labor-, Produktionsnutzungen sowie Co-working vorsieht.

Spitex Muttenz schliesst die Pflegewohnung Seminarstrasse per 30. November dieses Jahres.

• Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) verkaufen ihren Anteil an der Rheinhafen-Gesellschaft Weil am Rhein an die Stadt Weil am Rhein.

• Das Rote Kreuz Basel eröffnet am 11. August einen neuen Secondhand-Kleiderladen im Kleinbasel, konkret: am Claraplatz.

• Der 47-jährige Ökonom Michael Harr, verheiratet und Vater zweier Kinder, übernimmt ab 1. August die Geschäftsleitung der Pro Senectute beider Basel.

• Die Basler Regierung legte die Abgeltung der Staatsgarantie durch die Basler Kantonalbank (BKB) für die Jahre 2017 bis 2020 auf jährlich 8,8 Millionen Franken fest.

• Mit Datum vom 1. Juli wird die Kunstkommission für das Kunstmuseum Basel vom Rechts-Professor Felix Uhlmann präsidiert, der den langjährigen Vorsitzenden Peter Mosimann ablöst.

• Die Basler Regierung hat der Bau- und Finanzgesellschaft Zum Greifen AG den Zuschlag für Bau und den Betrieb eines neuen Quartierparkings unter dem Landhof-Areal erteilt.

• Die von der UNICEF erst kürzlich rezertifizierte "kinderfreundliche Gemeinde" Riehen gibt ihr Wissen an 40 Bürgermeister aus Südkorea weiter, die die Basler Landgemeinde besuchen.

• Da der Vereinszweck erfüllt sei, hat die Generalversammlung den "Verein Kunschti Eglisee" am 16. Juni mit 30 zu 4 Stimmen aufgelöst.

• Nationalrat Christoph Eymann, der ehemalige Vorsteher des Basler Erziehungsdepartements, wurde als neues Mitglied in den Verwaltungsrat des Karger Verlags gewählt.

• Der Kanton Basel-Stadt führt eine neue, zusammenhängende Fussgängerorientierung ein, mit der sich ortsunkundige Gäste, aber auch Einheimische in Basel künftig durch neue Stadtpläne auf Stelen besser zurechtfinden sollen.

• Die kantonale Volksinitiative "Recht auf Wohnen" wurde mit bisher 3'188 gültigen Stimmen der Basler Staatskanzlei überreicht.

• Der Therwiler Gemeindepräsident Reto Wolf löst kommenden September Elisabeth Schneider-Schneiter im Präsidium der "Starken Region Basel/Nordwestschweiz" ab.

Dominik Prétôt, der frühere CEO von Telebasel, wird per 1. Januar 2018 mit einem 50 Prozent-Pensum neuer Informations-Beauftragter der Römisch-katholischen Landeskirche Baselland.