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"Symbol für positive Kraft": Eichin-Werk, Grossratspräsidentin von Bidder

Die "Markttische" gehören jetzt der Basler Bevölkerung

Die von der "Schweizerhalle"-Katastrophe inspirierten Symbolwerke bleiben im Kreuzgang des Basler Münsters


Von Peter Knechtli


Nach der Brandkatastrophe von Schweizerhalle im Jahr 1986 schuf die Basler Bildhauerin Bettina Eichin zwei bronzene "Markttische". Heute Mittwoch endete eine lange Geschichte: Die Künstlerin übergab die Werke an die Basler Bevölkerung.


Es war eisig kalt heute Morgen, als sich im Kreuzgang des Münsters eine beträchtliche Schar eher älterer Semester zu einer schlichten Feier versammelte: Frauen und Männer, die damals 24 Jahre jünger waren, als die Sandoz-Brandkatastrophe von Schweizerhalle die Region Basel in Schrecken erstarren und an die Vergänglichkeit erinnern liess.

Zwischen Wachsen und Verderben

Das Gedicht zur Vergänglichkeit von Johann Peter Hebel aus dem Jahr 1880 schmückt auch einen der beiden bronzenen "Markttische", die von der Basler Bildhauerin Bettina Eichin (Bild) geschaffen wurden vor einigen Jahren inmitten zahlreicher Epitaphien im Kreuzgang des Basler Münsters Gastrecht fanden. Ein zweiter "Markttisch", belegt und flankiert von reichlich gefüllten Körben, zeigt Reichtum und Fülle landwirtschaftlicher Ernte. Die Künstlerin betrachtet ihr Werk selbst auch als Epitaph.

Auf den Spannungsbogen und die fragile Balance von Wachsen und Verderben verwiesen mehrere Rednerinnen und Redner. Mit der Feier, umrahmt von originellen Perkussionseinlagen der Tambour-Virtuosin Edith Habraken, nahm eine teilweise turbulente Geschichte um die "Markttische" nach fast zweieinhalb Jahrzehnten ein Ende: Mit dem heutigen Tag übergab Bettina Eichin ihre Werke offiziell der Basler Bevölkerung. Dass es so weit kommen konnte, ist auch dem Engagement der Vereinsmitglieder Ursula Steiner und Felix Drechsler zu verdanken.

Ort des Stadtgedächtnisses

Der Korrektheit halber: Die Übergabe "zuhanden der Öffentlichkeit" erfolgte formell an einen von Liselotte Reber-Liebrich präsidierten Gönnerverein, der seit drei Jahren Spenden sammelte, um das Werk, das sich immer noch im Besitz der Künstlerin befand, mindestens teilweise zu finanzieren. Allein die Gusskosten beliefen sich auf 85'000 Franken. Schon vor gut zwanzig Jahren hatte der Verein "Oekostadt" hundert von Eichin geschaffene Bronze-Malven zu 1'200 Franken an Freunde der Tische verkauft. Mit den Beträgen, die auf diese Weise insgesamt zusammen kamen, hätten die Kosten allerdings nicht vollumfänglich gedeckt werden können.

Die Basler Grossratspräsidentin Annemarie von Bidder sah eine inhaltliche Verbindung des Werk zum heutigen Standort darin, dass das berühmte Hebel-Gedicht den Basler Münster-Kreuzgang auch erwähne. Das Ensemble, das Basler wie Touristen gleichmassen erfreue, sein ein "Symbol für positive Kraft".

Die Geschichtsprofessorin Regina Wecker liess allerdings nicht unerwähnt, dass Junge und Zugezogene "fast nichts mehr über 'Schweizerhalle' wissen". Es sei gut, dass die Pharmaindustrie nicht nur als guter Arbeitgeberin, sondern auch als Verantwortungsträgerin wahrgenommen werde. Der Sprachwissenschafter Beat Trachsler Ausschnitte aus dem Hebel-Gedicht vorgetragen hatte, würdigte Pfarrer Franz Christ die Symbol-Tische mit dem Hinweis, dass der Kreuzgang ein "Ort des Stadtgedächtnisses" und der Besinnung sei. Gleichzeitig fügte er an, dass dieser hochsensible Bereich des Münsters nun nicht sozusagen zur Kunstgalerie mutieren könne ("eine Ausnahme kann man ja machen"). Innerhalb der Reformierten Kirche ist der Standort dem Vernehmen nach immer noch nicht ganz unumstritten.

Das zurückgezogene Sandoz-Geschenk

Bettina Eichins Werk hat aber in der Tat eine gesellschaftspolitisch und geistesgeschichtlich besondere Bedeutung. Denn ursprünglich war die Kunstschaffende von der damaligen Pharma-Firma Sandoz beauftragt worden, zu deren 100-jährigem Jubiläum einen Brunnen auf dem Marktplatz zu schaffen und ihn der Stadt Basel zu schenken. Doch mitten in die Vorbereitungsphase platzte am 1. November 1986 der Chemie-Brand in Schweizerhalle, der die regionale Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzte.

Auch Eichin war vom "Ereignis" (wie es das Unternehmen gern herunterspielte) persönlich stark betroffen. Sie konnte ihren ursprünglichen Entwurf nicht mehr umsetzen, sondern wollte auf dem "politischen Tisch", wie er damals vorgesehen war, den 1. November künstlerisch einbringen. Doch davon wollte Sandoz nichts wissen und entzog ihr den Auftrag und zog das Geschenk an die Regierung wutentbrannt zurück. Auf eigenes Risiko schuf Bettina Eichin sodann das Werk in seiner jetzigen Form und Aussage.

Katastrophe schuf Nachhaltigkeits-Bewusstsein

An der heutigen Feier kam denn auch zum Ausdruck, dass die Brandkatastrophe, die Millionen Tieren im Rhein das Leben kostete, auch zu einem wesentlichen Bewusstseinswandel bis hin zu neuen Studiengängen an der Universität (MGU) oder der Gründung von "Oekostadt" geführt habe. Zudem habe eine neue Umweltschutzgesetzgebung die Bedeutung des nachhaltigen Handelns in Firmen wie in der Öffentlichkeit erhöht, was unter anderem auch in einer massiven Verbesserung der Wasserqualität des damals geschundenen Rheins sichtbar werde. Wie ein kleiner Lichtblick zum Ende des Hebel-Jahres.

1. Dezember 2010

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"Balance gehalten"

Peter Knechtlis Artikel finde ich gut, er hält die Balance zwischen Oberflächlichkeit und Langfädigkeit.


Karl Riwar, Full-Reuenthal


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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


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• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.