© Foto by Ruedi Suter
Langjähriger Arbeitsort von Ridha Ben Ayed: Moschee in Basel

"Wir haben unsere Extremisten, ihr habt eure Neonazis"

Interview mit Ridha Ben Ayed*, einem der prominentesten Islamisten der Schweiz


Von Beat Stauffer


Ridha Ben Ayed ist einer der prominentesten Islamisten der Schweiz. Seit 1993 lebt er als anerkannter politischer Flüchtling in der Schweiz. Während mehr als fünf Jahren spielte er eine führende Rolle in der Moschee an der Basler Friedensgasse. Im Interview mit OnlineReports äussert sich Ben Ayad zu der Behauptung der Schweizer Staatsschützer, die Ennahda sei in Anschäge verwickelt, aber auch zu seinem Leben als Islamist in der Schweiz.


OnlineReports: In einem kürzlichen Interview mit der SonntagsZeitung nahm der Ennahda-Chef Ghannouchi eine sehr moderate Position ein. Gleichzeitig verdichten sich die Hinweise, dass sich tunesische Islamisten in ganz Europa aktiv am Netzwerk al-Kaida beteiligten. Hat Ghannouchi die Kontrolle über seine eigenen Leute verloren?

Ridha Ben Ayed: Im Westen wird einmal mehr alles miteinander vermischt. Neben der Ennahda gibt es in Tunesien verschiedene islamistische Gruppierungen wie zum Beispiel Hizb Tahrir**, der "Front Islamique Tunisien" (FIT) und andere mehr. Ghannouchi ist nur verantwortlich für seine eigene Partei. Er hat sich bereits 1981 für den legalen, gewaltfreien Weg entschieden und als erste islamistische Partei ein Gesuch um staatliche Anerkennung gestellt. Dieses wurde allerdings abgelehnt. Mit den erwähnten Gruppierungen, die teilweise einen extremistischen Kurs verfolgen, hat Ennahda nichts am Hut.

OnlineReports: Die Schweizer Behörden sind der Überzeugung, Ennahda-Mitglieder seien zumindest in der Vergangenheit an Anschlägen beteiligt gewesen.

Ben Ayed: Das ist vollkommen falsch. Ennahda hat zu keinem Zeitpunkt eine solche Strategie gewählt. Die Bewegung verfügt über keinen bewaffneten Arm. Wer solche Behauptungen aufstellt, sollte Beweise vorlegen.

"Das tunesische Regime versucht uns seit Jahren
zu kriminalisieren, um eine
brutale Repressionspolitik zu rechtfertigen."




OnlineReports: Auch in Tunesien heisst es, die Ennahda verfüge über einen bewaffneten Arm.

Ben Ayed: Das tunesische Regime versucht uns seit Jahren zu kriminalisieren, um seine brutale Repressionspolitik zu rechtfertigen.

OnlineReports: Die Tunesier, die in den letzten Wochen in verschiedenen europäischen Ländern verhaftet worden sind, gehören also nicht der Ennahda an?

Ben Ayed: Da bin ich mir absolut sicher. Ich habe zudem grosse Vorbehalte gegenüber den Anschuldigungen, von denen in verschiedenen Medien die Rede ist. Meines Wissens ist noch in keinem einzigen Fall bewiesen, dass diese Tunesier wirklich die Delikte begangen haben, die man ihnen zur Last legt. Ich bin überzeugt, dass da viel westliche Propaganda im Spiel steckt.

OnlineReports: Kennen Sie persönlich Anhänger dieser extremistischen Gruppierungen?

Ben Ayed: Ich kenne zum Beispiel einen tunesischen Asylbewerber, der dem Hizb Tahrir angehört. Er ist in Tunesien gefoltert worden und nach seiner Freilassung in die Schweiz geflüchtet. Ich teile die Auffassungen dieser Gruppierung nicht. Doch meines Wissens haben diese Leute bis anhin nirgendwo Attentate begangen.

"In den Moscheen, in denen ich verkehre,
ist al-Kaida nicht präsent."




OnlineReports: Was wissen Sie von Organisation al-Kaida? In den letzten Wochen und Monaten wurden in ganz Europa Islamisten verhaftet, die angeblich in engem Kontakt zu dieser Organisation stehen sollen oder gar eigene Zellen gebildet haben.

Ben Ayed: Ich kann ihnen darauf keine Antwort geben. Ich kenne keine Muslime, die dieser Gruppierung angehören. In den Moscheen, in denen ich verkehre, ist al-Kaida nicht präsent.

OnlineReports: Hat sich Ennahda in der Schweiz klar von der Gruppierung al-Kaida abgegrenzt?

Ben Ayed: Wir wollen in erster Linie unseren eigenen Weg definieren. Das scheint uns wichtiger als uns bei jeder Gelegenheit abzugrenzen. Nach den Attentaten vom 11. September haben wir klar Stellung bezogen gegen diese Form von blindem Terrorismus. Doch gleichzeitig weigern wir uns, das amerikanische Vorgehen pauschal zu akzeptieren.

OnlineReports: Wie stark sind extremistische Tendenzen unter Schweizer Muslimen vertreten?

Ben Ayed: Extrem ist nur eine winzige Minderheit. Ich bin überzeugt, dass man in den islamischen Zentren der Schweiz vor allem die Interessen der hier lebenden Muslime vor Augen hat und nicht irgendwelche abstrakten Ziele. Im eigenen Interesse versuchen deshalb die Verantwortlichen der Moscheen, radikale Gruppierungen zu kontrollieren. Dazu kommt, dass die Behörden in der Schweiz die Moscheen sehr gut überwachen.

OnlineReports: Dennoch haben Menschen auch hierzulande Angst, dass sich radikale Muslime in Zukunft Ziele in Europa vornehmen könnten.

Ben Ayed: Meiner Ansicht nach ist diese Angst nicht gerechtfertigt. Man könnte ebenso gut Angst vor Neonazis und Rechtsextremen haben. Extremisten gibt es überall. Wir haben die al-Kaida, ihr habt die Neonazis.

"Wir sind nicht generell
gegen den Westen eingestellt."




OnlineReports: Es irritiert, dass Islamisten, die in Europa Asyl beantragt haben, die hierzulande üblichen Freiheiten und Rechtsgarantien ausnutzen, um letztlich gegen diesen Westen vorzugehen.

Ben Ayed: Ich kann nur als Mitglied von Ennahda sprechen. Wir sind nicht generell gegen den Westen eingestellt, sondern in erster Linie gegen die Einmischung Frankreichs in Nordafrika und gegen das arrogante Auftreten der Weltmacht USA und deren Haltung im Nahostkonflikt. Die Schweiz nimmt als westliches Land eine Sonderstellung ein. Mir scheint es sehr wichtig, dass nun endlich ein Dialog zwischen dem Westen und den islamistischen Bewegungen zustande kommt. Dabei möchten wir als gleichberechtiger Partner behandelt werden. Wir verlangen allerdings, dass unsere islamisch-arabische Kultur und Weltsicht respektiert wird.

OnlineReports: Hat sich Ihr Bild des Westens nach acht Jahren Aufenthalt in der Schweiz verändert? Immerhin wurde Ihnen hierzulande nicht nur der Lebensunterhalt, sondern auch ein Zweitstudium finanziert.

Ben Ayed: Ich möchte klar festhalten, dass ich aus politischen Gründen in die Schweiz geflüchtet bin und nicht aus Armut oder um mich hier weiterzubilden. Mein Bild des Westens hat sich vielleicht in einem gewissen Mass verändert. Die Demokratie auf Gemeinde- und Kantonsebene beeindruckt mich. Positiv scheint mir auch, dass in der Schweiz der Laizimus weniger extrem ausgeprägt ist als etwa in Frankreich.

OnlineReports: Es erstaunt, dass Sie als Islamist Gefallen an der Demokratie finden..

Ben Ayed: Im Westen wird der Islamismus verzerrt wahrgenommen. Ich möchte klarstellen, dass die grundlegenden Freiheitsrechte eine zentrale Forderung der islamistischen Bewegung sind.

"Das islamische Genf hat für mich
etwas Verschlafenes."




OnlineReports: Genf wird häufig als ein internationales Zentrum islamistischer Aktivitäten bezeichnet. Von Genf aus sollen in den letzten Jahren auch immer wieder junge europäische Muslime für die Ausbildunglager in Pakistan rekrutiert worden und anschliessend ausgereist sein. Was wissen Sie darüber?

Ben Ayed: Davon weiss ich nichts. Meiner Ansicht nach wird die Rolle Genfs in diesem Zusammenhang massiv übertrieben. Das islamische Genf hat für mich etwas Verschlafenes. Die Genfer Muslime bringen es nicht fertig, ihre Interessen wirklich zu vertreten.

OnlineReports: In muslimischen Kreisen sind sie unter dem Pseudonym "Dr. Ridha" bekannt und ihre Telefonnummer und Adresse liessen Sie sperren. Weshalb diese Geheimnistuerei?

Ben Ayed: Ich habe leider immer wieder unangenehme Telefone erhalten und habe beschlossen, mich auf diese Weise zu schützen. Mit Untergrundmethoden hat dies nichts zu tun.

*Der Name des Interviewpartnes wurde geändert, ist der Redaktion aber bekannt.
** Kleine, radikal-islamische Gruppierung ist, die Anwendung von Gewalt nicht ausschliesst.

10. Dezember 2001


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Die Temperaturen kratzen heute am Gefrierpunkt."

BZ Basel
Newsletter
vom 1. Dezember 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Hinterliessen sie Spuren, die Temperaturen?

"Und übrigens ..."

Weihnachts-Geschichte aus Israel
RückSpiegel


In ihrem Artikel über die "Berlusconisierung von links" zitiert die Weltwoche aus dem "dem gutinformierten Basler Internetdienst OnlineReports".

In seinem Bericht über die Gefährlichkeit des Basler Centralbahnplatzes geht Barfi auf einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2001 ein, der damals schon die Probleme thematisierte.

Blick, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, BZ Basel, 20 Minuten und Barfi bezogen sich in ihren Artikeln über die Schüsse einen Mann in der Basler Innenstadt auf einen News-Primeur von OnlineReports.

Der Tages-Anzeiger und 20 Minuten nahmen in ihren Berichten über den gefährlichen Zwischenfall mit einem Intercity-Zuges der SBB in Stein-Säckingen auf OnlineReports Bezug.

In ihrem Interview mit der neuen BVB-Präsidentin Yvonne Hunkeler nahm die Basler Zeitung auf OnlineReports Bezug.

Die Basler Zeitung nahm den OnlineReports-Feature über den Einbruch im Restaurant "Dalbestübli" auf.

Die Volksstimme zitierte in ihrer Presseschau über die Säuli-Metzgete in Sissach aus der OnlineReports-Reportage.

Im Bericht über Rechtsprobleme des Bordells an der Basler Amerbachstrasse zitiert Barfi aus OnlineReports.

Ausführlich geht die Basler Zeitung auf einen kritischen OnlineReports-Gastkommentar über den Eigenmietwert-Steuerfall um Rösly M. ein.

In seinem Beitrag über "Die Basler Sinnkrise" zitiert der Tages-Anzeiger aus dem OnlineReports-Leitartikel "Willkommen im Baselbiet: Nichts geht mehr", in dem es um einen "Kanton in der Sinn-Krise" geht.

barfi, die BZ Basel, die Tageswoche, die Badische Zeitung und das Baublatt haben die OnlineReports-Story über den Abbruch des "Rostbalkens" und die geplanten Hochhäuser beim Basler Bahnhof SBB aufgenommen.
 
Infosperber.ch geht in einem Kommentar über das "Dauer-Bashing" der Behörden durch die Medien auf die Konter-Position von OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung nahm in ihrer Berichterstattung über den "Fall Wessels" auf einen OnlineReports-Kommentar Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, die SDA und die Badische Zeitung gingen auf den OnlineReports-Primeur über die Berufung des türkischen Basler Polizei-Assistenten gegen den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft ein.

20 Minuten online nahm die OnlineReports-News über die Basler verkehrs-Betriebe (BVB) an der Grenze ihrer Belastung auf.

Die BZ Basel und das Regionaljournal gingen aktuell auf die OnlineReports-Recherche über einen Manipulations-Versuch der BVB-Direktion im Vorfeld der Wahlen in die Personalkommission ein.

Barfi zog die OnlineReports-Story über die umstrittene Umnutzung des "FKK-Clubs" in ein Bordell an der Amerbachstrasse in Basel nach.

Der Landbote nahm die OnlineReports-Story über den Stromeinkauf der Gemeinde Muttenz beim Stadtwerk Winterthur auf.

Die OnlineReports-News über den Personalabbau auf der Basler Hauptpost wurde durch Telebasel aufgenommen.

Telebasel online ging in seinem Bericht über die SP-Prämieninitiative auf einen Kommentar von OnlineReports ein. 

Die Weltwoche zitierte in ihrem Bericht über den Basler Scharia-Befürworter Aziz Osmanoglu aus einem Gerichts-Bericht von OnlineReports.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


Elisabeth Pestalozzi, seit August 2016 stellvertretende Chefredaktorin von Radio SRF, wird im zweiten Quartal 2018 neue Kommunikationsleiterin der Christoph Merian Stiftung.

• Über tausend Personen verlangen in einer Petition der SP Gelterkinden die Einführung von Tempo 30.

• Im zweiten Wahlgang der Liestaler Stadtrats-Ersatzwahl vom 14. Januar 2018 treten Marie-Theres Beeler (geboren 1959, Grüne) und Karin Jeitziner (geboren 1961, FDP) an.

Marco Greiner, Regierungssprecher und Vizestaatsschreiber von Basel-Stadt, ist neuer Präsident der Schweizerischen Informations-Konferenz öffentlicher Verwaltungen.

• Die Basler CVP hat ihre mit 3'910 Unterschriften versehene Krankenkassen-Initiative eingereicht, die verlangt, dass selbstbezahlte Prämien für die obligatorische Krankenpflege-Versicherung vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden können

• Mit der Jus-Studentin Laetitia Block als Nachfolgerin von Pascal Messerli steht erstmals eine Frau an der Spitze der Jungen SVP Basel-Stadt.

• Das Basler Ristorante Cibo Mediterraneo ist der künftige Betreiber der neuen Buvette am St. Alban-Rheinweg.

Reto Meyer, Inhaber und Geschäftsführer der WS Kommunikation in Basel, kauft per Jahreswechsel sämliche Anteile der BSSM Werbeagentur von Urs Schneider und Hannes Müller.

Jana Wachtl (38) wird als Nachfolgerin von Sabine Kubli auf Jahresbeginn neue Leiterin der Baselbieter Fachstelle "Gleichstellung für Frauen und Männer".

• Das Basler Energieunternehmen IWB plant, im Februar 2018 elf neue Ladesäulen für Elektrofahrzeuge in Quartierstrassen auf Allmend zu installieren.

• Entgegen der Parole der kantonalen CVP sagte der CVP-Wahlreis Liestal Nein zum "8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr" und damit Ja zum "Läufelfingerli".

Raymond Cron wird als Nachfolger von Andreas Büttiker ab 1. Januar 2018 neues Verwaltungsratsmitglied des EuroAirport Basel-Mulhouse-Freiburg.

• Der Basler Grosse Rat hat die Standesinitiative der SP gegen der Schliessung von Quartier-Poststellen überwiesen.

• Die bürgerlichen Jungparteien von Basel-Stadt ziehen ihre Zweirad-Initiative zurück, da sie mit dem vom Grossen Rat beschlossenen Gegenvorschlag ihre Hauptforderungen als erfüllt betrachten.

• Die Baselbieter Wahlen des Landrats und des Regierungsrats für die Amtsperiode vom 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2023 finden am 31. März 2019 statt.

• Weil mit dem als Gegenvorschlag verabschiedeten neuen Bürgerrechtsgesetz und den Anpassungen auf Bundesebene die Anliegen der Initianten erfüllt sind, zieht die SVP Basel-Stadt ihre Volksinitiative "Keine Einbürgerung von Kriminellen und Sozialhilfeempfängern" zurück.

• Mit der Gründung der Sektion Waldenburg wollen die Grünen Baselland im Wahlkreis Waldenburg den verlorenen Landratssitz zurück erobern.