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"Genaues Hinsehen": Betender Muslim

Hoffnungsschimmer trotz düsterer Stimmung

In Basel debattierten hochkarätige Experten über "Islam zwischen Integration und Weltanspruch"


Von Beat Stauffer


Die Konjunktur hätte nicht idealer sein können für das Thema, dem die Fachtagung des "Advanced Study Centre" der Universität Basel gewidmet war: Dem Islam und seinen vielfältigen Erscheinungsformen, die viele Zeitgenossen in Ratlosigkeit stürzen oder gar zu prinzipieller Skepsis verleiten.


Der Bedarf an vertieftem Wissen scheint auf jeden Fall riesig zu sein. Mehr als 250 Interessierte nahmen am Donnerstag an der Tagung teil und liessen sich weder vom etwas saloppen Titel – "Islam 2004 - zwischen Integration und Weltanspruch" noch von der Begrüssungsrede des umstrittenen Autors und ehemaligen TV-Journalisten Gerhard Konzelmann abschrecken.

Die Tagung, so erklärten die Veranstalter gleich zu Anfang, sei "angesiedelt zwischen Wissenschaft und Lebenspraxis". Das Ziel sei eine offene, kritische Auseinandersetzung mit dem Islam, die weder der Islamophobie Vorschub leisten noch der Gefahr einer Verklärung erliegen sollte. Zu diesem Zweck waren hochkarätige Experten und Expertinnen aus verschiedenen Fachbereichen - neben der Islamwissenschaft auch anderen Disziplinen - eingeladen, zu einem Themenbereich zu referieren und auf solche Weise dem enormen Klärungsbedarf in allem, was mit dem Phänomen "Islam" zusammenhängt, zu begegnen.

Frauen-Unterdrückung: "Nur wenig zu beschönigen"

Dieser interdisziplinäre Zugang zu dem vielschichtigen Thema erwies sich als überaus fruchtbar. Doch lässt sich der hohe Anspruch im vorgegebenen Rahmen überhaupt einlösen? Einige Referenten bekannten gleich zu Anfang ihre Bedenken, derart komplexe Themen in einstündigen Referaten auch nur annähernd darlegen zu können. Von einem "Menschenbild im Islam" zu sprechen, sagte Udo Steinbach, Direktor des Deutschen Orient-Instituts, einleitend, sei eigentlich eine grobe Vereinfachung. Dennoch nahm er die Teilnehmer in Atem beraubendem Tempo auf eine Reise mit, die höchste Konzentration erforderte, aber hohen Erkenntnisgewinn abwarf. Auch andere Referenten schafften es, in dieser kurz bemessenen Zeit ihr Thema präzise und differenziert darzulegen und gleichzeitig ein Höchstmass an Hintergrundwissen zu vermitteln, das zum wirklichen Verständnis unentbehrlich ist.

Als eigentliches Glanzlicht empfanden wir das Referat von Gudrun Krämer, Professorin für Islamwissenschaften an der Freien Universität Berlin, die ausführte, wie sich gewisse demokratische Errungenschaften allenfalls in einem islamischen Rahmen verankern liessen. So eindringlich, ruhig und kompetent, so verständnisvoll und kritisch zugleich wird nur selten über das schwierige Thema referiert. Dabei wies Krämer auch unmissverständlich auf "Problembereiche" hin, in denen sich ein westliches Verständnis von Demokratie und Menschenrechten nicht ohne Weiteres in Einklang bringen lässt mit islamistischen Gegenentwürfen. Das Prinzip der individuellen Entscheidungsfreiheit, so Krämer, unterliege "recht ernst zu nehmenden Einschränkungen", und bezüglich der Unterdrückung der Frauen gebe es "nur wenig zu beschönigen". Dennoch plädierte Krämer für "genaues Hinsehen" und für eine unvoreingenommene Prüfung all der Versuche, den Islam mit der Moderne auszusöhnen.

Gewünschte Klärung nicht gebracht

Höchst informativ waren auch die Ausführungen von Walter Kälin, Professor für Staats- und Völkerrecht an der Universität Bern, der sich mit der religiösen Freiheit im demokratischen Verfassungsstaat beschäftigte. Die Beiträge über Märtyrertum und über Fanatismus im Islam fielen demgegenüber ab und brachten gerade nicht die erwünschte Klärung. Hier zeigte sich zudem in aller Deutlichkeit, wie schwierig es ist, die Brücke zwischen den verschiedenen Disziplinen - in diesem Fall von Psychiatrie, Soziologie und Politikwissenschaft - zu schlagen.

Während diese Referate mehrheitlich auf einer theoretischen Ebene angesiedelt waren, berichtete der Korrespondent des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira in Berlin - von seinen Erfahrungen als muslimischer Medienschaffender in Deutschland. Der Anspruch eines Praxisbezugs wurde aber auch durch die Debatte eingelöst, die sich durch den Einbezug des Publikums ergab. So war etwa zu erfahren, dass Walter Kälin die Entlassung von Hani Ramadan, dem umstrittenen Leiter des "Centre Islamique" in Genf, ausdrücklich gutheisst.

Muslime nicht mundtot machen

Eine wichtige und gesamthaft überaus gelungene Veranstaltung, möchte man bilanzieren. Dies ist neben Kathy Zarnegin, die für die Tagung verantwortlich zeichnete, auch das Verdienst von Klara Obermüller, welche die Tagung geschickt moderierte. Erstaunlicherweise vermochten die meisten Referenten trotz der bedrückenden internationalen Lage und der "verqueren Debatte" um den Islam auch Lichtschimmer zu erkennen. So äusserte etwa Steinbach die Überzeugung, dass der Islam im Prinzip mit der Moderne kompatibel sei. Voraussetzung sei allerdings, dass man die Muslime nicht "mundtot" mache. Wenn man ihnen statt dessen gewisse "Stichworte" gebe, hätten sie eine Chance, sich "eigenständig weiterzuentwickeln". Zum heutigen Zeitpunkt sei allerdings eine Selbstkritik auf sowohl auf muslimischer wie auch auf westlicher Seite bitter nötig.

27. November 2004

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"Personenwagen entfernt sich nach Kollision mit Velo von der Unfallstelle"

Polizei Basel-Landschaft
Titel einer Medienmitteilung
vom 28. Mai 2019
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RückSpiegel


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Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

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Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Am 21. Juni fand der Spatenstich für den Neubau des Schweizerischen Tropen- und Public Health-Instituts) im BaseLink-Areal in Allschwil statt.

• Die Generalversammlung der "SVP Frauen Basel-Stadt" wählte Gianna Hablützel-Bürki einstimmig zur neuen Präsidentin.

• Nach elfjähriger Tätigkeit als Bürgerrätin der Basler Bürgergemeinde tritt die Juristin Gabriella Matefi auf Ende Jahr zurück.

• Die Nationalratsliste der Jungen LDP: Benjamin Grob, Emélie Dunn, Benjamin von Falkenstein, Adrienne Strahm und Michael Hug.

• Der frühere BVB-Kommunikations-Chef Stephan Appenzeller tritt die Nachfolge von Stephan Maurer als Präsident der IGöV Nordwestschweiz an.

• Die Nationalrats-Kandidierenden der EVP Baselland: Elisabeth Augstburger, Liestal; Sara Fritz, Birsfelden; Martin Geiser, Gelterkinden; Andrea Heger, Hölstein; Werner Hotz, Allschwil; Lukas Keller, Bottmingen

• Die Stadt Weil am Rhein und der Kanton Basel-Stadt veranstalten gemeinsam einen städtebaulichen Studienauftrag für das Areal Otterbach Süd in Weil am Rhein, das sich im Eigentum der Einwohnergemeinde der Stadt Basel befindet.

• Der SP-Vizepräsident Mustafa Atici tritt Ende Mai aus dem Grossen Rat zurück und nach damit seiner Nachfolgerin Michela Seggiani Platz.

• Die Wintersingerin Nicole Roth wird neue Präsidentin der Jungen SVP Baselland (JSVP BL).

Anna Holm wird Präsidentin der Juso Baselland, Jasmine Bosshard und Noam Schaulin firmieren als Vizepräsidium.

• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.