Ein Erdbeben könnte Basel von der Landkarte verbannen

Trotz des hohen Risikos ist die Basler Bevölkerung auf die Katastrophe nicht vorbereitet


Von Peter Knechtli


Die Region Basel mit ihren Chemiekonzernen zählt weltweit zu den Gebieten mit dem grössten Erdbeben-Risiko. Doch während die Sicherheits-Fachleute im Ernstfall dramatische Katastrophen-Szenarien für realistisch halten, verdrängt die Bevölkerung die Gefahr erfolgreich.


Am Abend des 18. Oktober 1356 legte ein gewaltiger Erdstoss Basel in Trümmer. Noch acht Tage später wütete die Feuersbrunst, Dutzende von Burgen der Umgebung stürzten ein. Vom Berner Münster soll eine Säule gefallen sein und selbst im 300 Kilometer entfernten Burgund nahmen Stadtmauern noch Schaden.

Was in Basel als mittelalterliche Reminiszenz die Geschichtsbücher füllt, ist das stärkste Erdbeben nördlich der Alpen seit Menschengedenken und auch heute latente Gefahr: Laut Dieter Mayer-Rosa, Chef des Schweizerischen Erdbebendienstes an der ETH Zürich, entspricht das Beben einer Stärke, die "maximal im Verlauf von etwa 800 Jahren auftritt".

Wahrscheinlichkeit im "mittleren Bereich"

Zwar stuft der Seismologe die Wahrscheinlichkeit eines starken Erdbebens in der Region Basel global "eher im mittleren Bereich" ein. Ganz anders aber beurteilt er das Risikopotential: "Da zählt Basel weltweit zu den zehn Städten mit dem höchsten Risiko. Man wird hier Basel und San Francisco in einem Atemzug nennen können."

Erst noch letzten August debattierten Fachleute am Rheinknie die Bedrohung durch Erdbeben, auch beübten die Ereignisdienste vorletztes Jahr grenzüberschreitend die Gefahr aus der Erdkruste ("Regiokat 93"). Doch im Gegensatz zu San Francisco gibt es im Raum Basel - von einigen Bemühungen der Industrie abgesehen - weder generelle bauliche Vorkehrungen noch eine breite Verhaltensschulung der Oeffentlichkeit.

Statistisch noch 161 Jahre bis zum nächsten Beben

Dass eines der regionalen Erdbebenzentren in unmittelbarer Nachbarschaft des Chemie-Satelliten Schweizerhalle liegt, ficht die Bevölkerung nicht an: Nach statistischer Rechnung bleiben ihr noch 161 Jahre bis zum nächsten grossen Beben. Staatsschreiber Robert Heuss, der stellvertretende Chef des kantonalen Führungsstabes, hat für solche Gleichgültigkeit eine schlichte Erklärung: "Soll man immer das Schwärzeste an die Wand malen? Das Leben ist halt einfach gefährlich."

Dieser Optik kann Rudolf Frei, der frühere Leiter der Basler Kontrollstelle für Chemiesicherheit, Gift und Umwelt (KCGU), wenig abgewinnen. Würde mit der Bevölkerung das richtige Verhalten eingeübt, könnte im Ernstfall nicht nur Panik verhindert, sondern auch Leben gerettet werden, glaubt der heutige Risk Manager bei der Schweizer Rück.

Kaum vorstellbare Katastrophe

Einig sind sich die Fachleute darin, dass ein Erdbeben der Intensität von 1356 heute zu einer kaum vorstellbaren Katastrophe führen würde. Für den Grossraum Basel schätzt die Schweizer Rück die Schäden auf 50 Milliarden Franken.

Gefahr droht im hochindustrialisierten Dreiländereck mit mehr als einer halben Million Einwohnern überall: Lagerhäuser und Chemiewerke sind genauso Risikopotentiale wie die Rheinhäfen in Basel, Birsfelden und Muttenz mit ihren immensen Benzin-, Oel- und Flugpetroltanks, Verkehrswege genauso wie die Strahlengefahr aus umliegenden Atomkraftwerken und das explosionsgefährdete städtische Gasnetz.

Pharmafirmen würden weggespült

Zusätzliches Unheil könnten nach Ansicht der Fachleute auch die zahlreichen Wehre am Hochrhein und der Staudamm des Schluchsees im benachbarten Schwarzwald anrichten: Wenn sie bersten, könnte es zu einer Flutwelle kommen, die ganze Hafenanlagen, Benzintanklager oder Pharmafirmen wegspült und letzte Fluchtwege abschneidet. Zudem käme es zu verheerenden Sekundärwirkungen auf die andern Rheinanliegerstaaten, wie Erdbeben-Kenner Mayer-Rosa glaubt: "Wenn beispielsweise Sandoz wegschwimmt, dann ist in Amsterdam der Teufel los."

Einsturzrisiko birgt auch der Rangierbahnhof Muttenz für die unter ihm liegende Galerie Schweizerhalle der Autobahn N2. Folge wäre eine Blockade des wichtigsten Zufahrtsweges für schweizerische Rettungsmannschaften. Baulich am stärksten gefährdet ist nach Meinung von Risikospezialist Rudolf Frei die City: "Basel ist nicht erdbebensicherer als andere Schweizer Städte. Vor allem die Altstadt läge in Schutt und Asche." Folge auch hier: Blockierte Zufahrts- und Fluchtwege, unterbrochene Löschwassersysteme.

Kombination von Gefahrenherden wäre besonders schlimm

"Besonders schlimm", so Frei, "wäre eine Kombination der verschiedenen Gefahrenherde. Dann könnte man Basel vergessen. Die Stadt würde aus Rentabilitätsgründen wohl nicht mehr aufgebaut." Es würde Jahre dauern, bis nur die verseuchten Trümmer entsorgt wären. Die Chemieindustrie zöge aus, um möglichst bald weiter produzieren zu können.

Der neue Basler KCGU-Chef Andreas Escher schränkt ein: "Erdbeben werden in die Beurteilung von industriellen Risiken einbezogen." Auch hat Basel-Stadt erste Erfahrungen mit der Grobbeurteilung der Erdbebensicherheit bestehender Bauten.

Für Peter Waldner, Leiter der Katastrophen-Vorsorge Basel-Stadt, ist indes klar, dass ein Ernstfall massive Hilfe aus dem In- und Ausland erforderlich machte. Denn: "Es ist nicht sicher, ob es dann die lokalen Einsatzstäbe noch gibt. Sicher ist nur das vollständige Chaos."

20. Februar 1995

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Weitere RückSpiegel

In einem Satz


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• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.

• Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer übernimmt per 1. Mai das Präsidium der Stiftung "éducation21", einer Fachagentur der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK), die sich der Bildung für nachhaltige Entwicklung widmet.

10'454 Patienten weist die Psychiatrie Baselland für das Geschäftsjahr 2017 aus.

Peter Brodmann wird neuer Baselbieter Kantonschemiker und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen als Nachfolger von Peter Wenk, der Ende August in Pension geht.

• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".