Gaby Burgermeister - Alles mit scharf

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Dem Kaiser, was des Kaisers ist

Seit Wochen schlage ich mich mit der Steuererklärung herum. Zugegeben, seit sie am Computer ausgefüllt werden kann, geht es viel einfacher und schneller. Auch der Papierwust auf dem Schreibtisch ist kleiner geworden. Der Assistent lotst die Steuerzahlerin zielsicher durch das Zahlendickicht. Die Lohnempfängerin kann diese Zahlen ja – selbst wenn sie wollte – kaum manipulieren. Den Lohnausweis stellt der Arbeitgeber aus. Da steht alles drauf. Bruttolohn, davon abgezogen die Beiträge an AHV/IV/EO/NBUV und Pensionskasse. Das ergibt den Nettolohn.

So weit, so gut. Nun zieht Ihnen der Arbeitgeber aber möglicherweise auch monatlich einen fixen Betrag für die Krankentaggeld-Versicherungsprämie ab. Der Abschluss einer derartigen Versicherung ist fakultativ, das heisst, es ist dem Arbeitgeber überlassen, ober er sie abschliessen will oder nicht. Aber wenn er es tut, muss der Arbeitnehmer einen Teil der Prämie berappen.

Bis 2006 gab es dafür auf dem Lohnausweis die Rubrik "Versicherungsbeiträge". In der Unterrubrik "Krankheit/Unfall" war der effektiv abgezogene Betrag beziffert, der "im Bruttolohn enthalten" war. Auf dem neuen Lohnausweis fehlt das alles.

Die Nachrechnung ergibt, dass mein im Lohnausweis deklariertes Nettoeinkommen um eben diesen Prämienanteil höher ist, als die Summe der Nettoeinkommen auf meinen Lohnabrechnungen, die ich monatlich erhalte.

Eine Konsumentenzeitschrift schrieb im Februar, dass dieser Lohnabzug im Rahmen der Versicherungsprämien von den Steuern abgezogen werden könne, sofern er nicht schon auf dem Lohnausweis berücksichtigt worden sei. Bingo! Aber jetzt versuchen Sie mal, auf einem elektronischen Formular etwas einzutragen oder zu ändern, wenn die dafür vorgesehenen Felder gar nicht aktiv sind! In solchen Augenblicken wünscht man sich, die Steuererklärung wieder wie weiland von Hand ausfüllen zu dürfen.

Schön, ich darf für Versicherungsprämien beim Kanton pauschal 2'000 Franken und beim Bund 1'700 Franken abziehen. Aber dieser Pauschalabzug erfolgt von einem falschen, weil zu hohen Nettoeinkommen!

Die "Wegleitung zur Steuererklärung" schweigt sich zu dem Thema aus. Also rufe ich die kantonale Steuerverwaltung an. Der für mich zuständige Veranlagungssachbearbeiter erklärt mir freundlich, nein, in der Steuererklärung könne man diesen Betrag nicht abziehen. Ach? Aber es sei klar: Geld, das der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer vom Bruttolohn abziehe, dürfe im Nettolohn nicht mehr vorkommen. Sonst hätten die Personalverantwortlichen meines Arbeitgebers den Lohnausweis falsch ausgefüllt. Aha, verstehe.

Es ist praktisch, dass der Lohnausweis jetzt in der ganzen Schweiz gleich aussieht. So kann ich meinen Basler Sachbearbeiter auch gleich fragen, wo denn bitte auf meinem Berner Lohnausweis dieser Abzug stehen müsste. Darauf weiss der freundliche Beamte keine eindeutige Antwort.

Also folgt eine E-Mail-Anfrage an die Eidgenössische Steuerverwaltung. Die Antwort flattert schon am nächsten Arbeitstag in meinen elektronischen Briefkasten: Da "die Beiträge für Krankentaggeld-Versicherungen auf dem neuen Lohnausweis nicht abgezogen werden können", müssen sie "auch nicht deklariert werden". Da drängt sich doch die Frage auf, warum man diese Beiträge auf dem neuen Lohnausweis nicht abziehen kann?

Und weiter heisst es aus Bundes-Bern: "Die Prämien sind somit im Nettolohn noch enthalten und werden erst anschliessend abgezogen. Die Abzüge ersehen Sie auf der monatlichen Lohnabrechnung. Der monatlich ausbezahlte Nettolohn stimmt daher nicht mit dem Betrag auf dem Lohnausweis überein." Wozu erhalten wir dann eigentlich überhaupt einen Lohnausweis?

Ferner erhalte ich den Bescheid, dass überobligatorische Versicherungen im Lohnausweis nicht berücksichtigt werden, "unabhängig davon, dass sie für den Arbeitnehmer obligatorisch sind". Warum eigentlich nicht?

Zum Schluss immerhin der tröstliche Hinweis, dass ich die Krankentaggeld-Prämien auf der Steuererklärung als allgemeinen Versicherungsabzug geltend machen kann. Was theoretisch stimmen mag, in der Praxis aber nicht funktioniert, das ist ja das Problem – siehe oben.

Ich höre schon den Einwand, man könne eben nicht den Batzen und das Weggli haben: Entweder Pauschale oder effektive Kosten – beides geht nicht. Das ist bei anderen Abzügen auch so. Mag sein. Tatsache ist aber auch, dass für das steuerbare Nettoeinkommen, von dem all diese Pauschalen abgezogen werden können, der Lohnausweis massgebend ist. Und es ist ebenso eine Tatsache, dass das Nettoeinkommen dort höher ist als das tatsächlich ausbezahlte.

Bekanntlich macht auch Kleinvieh Mist. Und so läppern sich Jahr für Jahr bei hunderttausenden von Lohnempfängern kleine Differenzen, beispielsweise in Form von obligatorischen Bestandteilen fakultativ überobligatorischer Versicherungsprämien zusammen, die sie versteuern müssen, obwohl sie ihnen nie ausbezahlt worden sind.

25. Mai 2009
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Gaby Burgermeister, geboren 1959, wuchs am Spalenberg in Basel auf und arbeitete nach dem Abschluss ihres Germanistik- und Anglistikstudiums kurze Zeit als Journalistin. Nach etlichen Wanderjahren in verschiedenen Berufen arbeitet sie seit 2000 als Redaktorin und Korrektorin für einen Fachbuchverlag in Bern und lebt in Basel.

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Solchen Tempo-Versprechen gegenüber ist Vorsicht geboten. Seien wir mal froh, wenn die Geschwindigkeit nicht sinkt.

Frisch pubertiert

Küssen, nicht spucken!
RückSpiegel


Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Die Basler Zeitung nahm in ihrem Bericht über den Rückzug des potenziellen Baselbieter FDP-Regierungs-Kandidaten Daniel Recher Bezug auf OnlineReports.

20 minuten online
bezog sich im Bericht über die Email-Affäre um Joël Thüring auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


"Parterre Basel" ist die neue Pächterin des Basler Konzertlokals "Atlantis" am Klosterberg.

Ueli O. Kräuchi, Geschäftsführer des Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden (VBLG), gibt die Leitung der VBLG-Geschäftsstelle per 31. März 2019 altershalber ab.

• Das Bürgerspital Basel übernimmt per 1. Januar 2019 die Spektrum Werkstätte für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel.

• Die Gewerkschaft Unia hat am 4. Juli 2'300 Unterschriften für das Referendum gegen längere Ladenöffnungszeiten eingereicht.

• Der Basler Gewerbeverband reichte zusammen mit den Parteien FDP und SVP, der "IG Lysbüchel" sowie verschiedenen Branchenverbänden das Referendum "gegen die Fehlplanung Lysbüchel" mit 2'972 Unterschriften ein.

Dominique Tellenbach, bisheriger Direktor der Berufsfachschule Basel, wird ab 1. Februar 2019 neuer Rektor der beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen Liestal und Muttenz.

Alexander Lenzlinger wird ab 1. August neuer Finanzchef der IWB und Nachfolger von Michael Ackermann, der eine längere berufliche Auszeit nimmt.

• Die Grünen Baselland folgten dem Vorstand und nominierten Isaac Reber für die Regierungsratswahlen 2019 (dritte Amtsperiode).

• Die Basler Grünliberalen lancieren in Riehen eine Petition zum Thema Kunststoff-Recycling, die sowohl in Riehen wie in Basel eingereicht wird.

• Seit 1. Juni ist Bettina Bühler als Nachfolgerin von Birgit Sachweh Geschäftsführerin des Frauenhauses beider Basel.

• Laut einer Studie des Versicherungskonzerns "Baloise" ist Fussball die "gefährlichste Sportart der Welt", da sich jeder vierte Sportunfall in dieser Gattung ereignet.

Anja Bandi übernimmt Anfang Juni von Marc Lüthi die Gesamtleitung der Abteilung Bestattungswesen der Stadtgärtnerei Basel.

• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.