Gaby Burgermeister - Alles mit scharf

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Mobil-Quassler: Bei Anruf Mord

Unwillkürlich zucke ich zusammen. Diese schrillen Geigentöne kenne ich doch irgendwoher? Es dauert einen Moment, bis ich drauf komme, doch dann sträuben sich mir sämtliche Nackenhaare, und ich wähne mich mit einem Mal in einem dunklen Kinosaal.

Vor meinem inneren Auge läuft ein Film ab: eine junge Frau unter der Dusche. Plötzlich wird der Duschvorhang zur Seite gerissen, und ein langes Messer, von einer unsichtbaren Hand geführt, sticht staccatoartig, zum Takt der hohen Streichertöne, so lange auf das Opfer ein, bis dieses leblos an den weissen Badezimmerkacheln heruntergleitet. Das Duschwasser verfärbt sich dunkel vom Blut. Die Frau ist tot. Die berühmte Duschszene aus Alfred Hitchcocks "Psycho".

Verstohlen sehe ich mich um. Im Zugabteil schräg hinter mir, auf der anderen Seite des Mittelganges, nimmt ein Mann, etwa in meinem Alter, gelassen sein Handy vom Tisch, wirft einen scheinbar gelangweilten Blick darauf und drückt auf eine Taste. Augenblicklich verstummt die Filmmusik, und der Mann legt das Handy wieder weg, ohne ein Gespräch anzunehmen.

Wer einen solchen Klingelton auf sein Mobiltelefon lädt, muss entweder einen Hang zum Makabren haben, schiesst es mir durch den Kopf. Oder er ist ein eingefleischter Fan von Alfred Hitchcock. Aber vielleicht braucht er auch einfach einen kräftigen Adrenalinstoss, um früh morgens in die Gänge zu kommen.

Schon als kleines Kind habe ich mir einen Sport daraus gemacht, meiner Mutter beim Telefonieren zuzuhören und herauszufinden, mit wem sie sprach und was am anderen Ende der Leitung gesagt wurde. In dieser Hinsicht ist "Mister Psycho", wie ich ihn insgeheim nenne, eine herbe Enttäuschung. Es gibt ausser dem Klingelton nichts Prickelndes zu hören.

Das ist beileibe nicht immer so, wenn ein Handy klingelt. "Mister Psycho" ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt. "Jaaa?" Der junge Mann, der mir gegenübersitzt, hat gerade aufgeregt seine Unterwegsquatsche aus der Hosentasche gefischt. "Hm? … Ja. … Hä? … Du weisst ja, wo. Hä? … Ja. Also, bis … hä? … Ja. Also, bis nachher. Ciao." Ende der Durchsage.

Da kommt der Hobbyspitzel aber voll auf seine Kosten: Wer war am anderen Ende der Leitung? Jedenfalls jemand, der gern und viel schwatzt und den Gesprächsempfänger kaum ausreden liess. "Du weisst ja, wo." Uiii, das klang ja beinahe nach einer Verschwörung. Aber gegen wen? Wann? Und im Gegensatz zum Anrufer habe ich auch keinen blassen Dunst, "wo". Hier sitze ich, war womöglich soeben Zeugin eines Komplotts, und sehe mich ausser Stande, es zu verhüten. Es ist zum Verrücktwerden!

Kaum hat der unheimliche Fahrgast sein mobiles Endgerät wieder weggesteckt, sagt hinter mir eine andere Männerstimme: "Jaaa? Ja, ich bin jetzt in Olten. In OLTEN." Die Person am anderen Ende ist offenbar schwerhörig. "Ja. Ja, war in Biel unten, arbeiten. … Nein, in OLTEN, … ja, jetzt." Vielleicht nicht nur schwerhörig, sondern auch ein bisschen schwer von Begriff? "So in einer halben Stunde bin ich zu Hause. Ja. Also, tschau-tschau."

Für spannende Unterhaltung auf Reisen ist also gesorgt. So kommen wir, ob wir wollen oder nicht, täglich in den Genuss unzähliger kleiner und manchmal auch grösserer Dramen. Angesichts so elementarer Fragen wie jener, wo man gerade ist und wann man zu Hause zu sein gedenkt, ist die drohende Schweinegrippe-Pandemie der reinste Pipifax, und die Weltwirtschaftskrise verblasst zur Bedeutungslosigkeit. Und selbst wenn kein Wort gesprochen wird, ist für suspense gesorgt – siehe Anfang.

Vor allem die Generation Internet, aber nicht nur sie, pflegt ihre Beziehungen in erster Linie mobil und online mit Gleichgesinnten. Je öfter die Gurke klingelt, desto gefragter ist dein Typ. Oder anders rum: Wenn der Knochen stumm bleibt, ist entweder der Akku leer, oder aber es kräht einfach kein Hahn nach dir.

Empfangs- resp. Sendelöcher gibt es angesichts der Dichte unserer Mobilfunknetze höchstens noch in der Mitte langer Tunnels, also dort, wo so eine mobile Strippe wirklich nützlich sein könnte, um Hilfe herbeizurufen, beispielsweise wenn der Cisalpino wieder einmal steckenbleibt. Aber das ist Stoff für mindestens eine weitere Geschichte.

4. Mai 2009
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Gaby Burgermeister, geboren 1959, wuchs am Spalenberg in Basel auf und arbeitete nach dem Abschluss ihres Germanistik- und Anglistikstudiums kurze Zeit als Journalistin. Nach etlichen Wanderjahren in verschiedenen Berufen arbeitet sie seit 2000 als Redaktorin und Korrektorin für einen Fachbuchverlag in Bern und lebt in Basel.

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BZ Basel
vom 17. April 2019
über Regula Rytz
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Sie regularisiert einfach zuviel.

RückSpiegel


Die Nachrichtenagentur SDA nahm die OnlineReports-News über die Berufung im Fall des pädophilen Sekundarlehrers auf.

Die OnlineReports-Nachricht des Todes von Hannes Bertschi wurde von der Basler Zeitung, für die der Verstorbene auch gearbeitet hat, aufgenommen.

Die BZ Basel, Telebasel, das Regionaljournal, die SDA und die Basler Zeitung zogen die OnlineReports-Recherche über den Verzicht auf den Bau eines Forschungszentrums beim Basler Augenspital nach.

Telebasel, das Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ Basel nahmen den OnlineReports-Primeur über die Massenkündigung von Mietern der Hochhäuser am Basler Schorenweg auf.

In einer Buchbesprechung über LSD zitierte die Basler Zeitung aus einem OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2006.

La Liberté zitiert in einer Vorschau Peter Knechtli zur geplanten Fusion der öffentlichen Spitäler in der Region Basel.

In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Der Arzt, Uni-Dozent, LDP-Grossrat, Meister E.E. Zunft zum Goldenen Stern und Aktivfasnächtler Raoul Furlano ist neuer Obersperber des Basler Sperber-Kollegiums.

• Eine Baselbieter Rentnerin übergab einem "falschen Polizisten" Schmuck im Wert von mehreren 10'000 Franken.

• Bei einem budgetierten Gewinn von 3 Millionen Franken schloss die Baselbieter Staatsrechnung mit einem Überschuss von 56 Millionen Franken.

• Die "Starke Schule Baselland" hat den Rückzug der Initiative "Niveaugetrennter Unterricht in Promotionsfächern" bekanntgegeben.

• Ein Referendums-Komitee hat am 30. März 5’000 Unterschriften für das Referendum gegen die "Lautsprecher-Beschallung" in Basel der Staatskanzlei übergeben.

• Die Rechnung 2018 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 283 Millionen Franken ab und liegt damit um 150 Millionen Franken über dem Budget.

• Die Universität Basel vergibt den Auftrag zur Realisierung des Ersatzneubaus Departement Biomedizin an das Basler Architekturbüro Burckhardt+Partner.

• Der Ständerat hat am 7. März einstimmig die Aufnahme der Projektierungskosten für die Durchmesserstrecke Herzstück in den Bahnausbauschritt 2035 beschlossen.

Michael Wilke wird neuer Leiter der Fachstelle Diversität und Integration in der Kantons- und Stadtentwicklung Basel-Stadt und Nachfolger von Andreas Räss, der neuer Leiter des Baselbieter Amts für Migration und Bürgerrechte wird.

• Die Einführung von Mitarbeitergesprächen und einer leistungsabhängigen Lohnentwicklung bei den Baselbieter Kantonsangestellten führt dazu, dass die "Liga der Baselbieter Steuerzahler" ihre Verfassungsinitiative "Für eine vernünftige staatliche Personalpolitik" zurückzieht.

• Die Basler Regierung spricht sich im Rahmen der Konsultation zum Entwurf des institutionellen Abkommens Schweiz-EU für eine Unterstützung des vorliegenden Abkommens aus.

• Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben mit fast 128 Millionen Fahrgästen letztes Jahr 2,2 Prozent weniger Fahrgäste befördert – dies vor allem wegen Gleiserneuerungs-Arbeiten.

• Das von SVP- und FDP-Kreisen getragene Komitee gegen das vom Grossen Rat beschlossene Neubauprojekt "Naturhistorisches Museum / Staatsarchiv" hat fristgerecht das Referendum mit über 2'700 Unterschriften eingereicht.

• Das Basler Tiefbauamt erteilt Gabriel Pellicanò und Alfredo Ogi den Zuschlag für den Betrieb des Gastro-Kiosks "Hamburgeria Pellicano" an der Feldbergstrasse, der ab Frühjahr in Betrieb gehen soll.

• Mit 18'000 Besuchenden, davon 14'000 Kindern und Jugendlichen und über 300 Schulklassen verzeichnet die "tunBasel" einen Besucherrekord, der sogar das Spitzenjahr 2017 übertraf.

• Die Juso Basel-Stadt haben ihre Nationalrats-Bewerbenden nominiert: Seyran Dilekci (20), Nicolas Eichenberger (28), Livia Kläui (21), Nino Russano (18) und Lucas Wirz (29).

Jochen Kirsch wird neuer Direktor der "Mission 21" und somit Nachfolger von Claudia Bandixen, die Ende August in Pension geht.

• Die Grünliberalen Frauen Schweiz haben die bisherige Vizepräsidentin, die Oberwilerin Tanja Haller, zu ihrer neuen Präsidentin gewählt.