Gaby Burgermeister - Alles mit scharf

<< [ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 15 ] >>

Tanz zwischen Erde und Himmel

Typischer Fall von Denkste! Eben noch war die Bahn frei, aber wie ich zügigen Schrittes dem Eingang zustrebe, pflanzt sich eine Securitaswächterin vor mir auf und sperrt den Korridor ab. Es seien momentan gerade zu viele Besucher in der Ausstellung, wird mir und einigen anderen spätberufenen Kunstbeflissenen beschieden. Wir müssen uns gedulden. Dabei hatte ich gedacht, wenn ich das Billett zu Hause am Computer löse, erspare ich mir das Anstehen in der Warteschlange.

Falsch gedacht. Aber nach einer knappen Viertelstunde dürfen wir rein. Im zweiten Stock angekommen, entschliesse ich mich, einen "Audio-Guide" mitzunehmen, obwohl ich dafür nochmals Schlange stehen muss. Selber schuld - ich hätte ja nicht bis zur letzten Minute warten müssen.

Nach weiteren zehn Minuten halte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen iPod in den Händen! So erfahre ich, van Gogh sei Dank, auch noch eine technische Bewusstseinserweiterung! Jetzt muss ich bloss noch herausfinden, wie das Ding funktioniert. Bis ich den Dreh mit dem "Bedienungsrad" raus habe, dauert es nochmals gut fünf Minuten.

Der ganze audio-geführte Rundgang dauert zirka eine Stunde. Ich schaue auf die Uhr: Mir bleiben nicht ganz anderthalb Stunden oder fast zwei Fussballhalbzeiten, bis das Museum schliesst. Aber das ist ein theoretischer Wert, wie ich bald merke.

Ehe ich beispielsweise die "Aussicht auf Paris vom Montmartre" geniessen kann, gilt es, fintenreich ein paar andere Schaulustige zu umdribbeln. Das erfordert viel Zehenspitzengefühl, schliesslich will man ja niemandem auf die Hühneraugen treten. Doch obwohl alle in Bewegung sind, kommt es zu keinen Bodychecks. Vielmehr navigieren die Ausstellungsbesucher wie auf einer Tanzfläche mit schlafwandlerischer Sicherheit aneinander vorbei.

Ich ordne mich in den Reigen ein und versuche, die Bilder auf mich wirken zu lassen - erdiges Braun, Pastelltöne, kräftige Farben, unterschiedliche Pinselstrichtechniken. Ich spüre, dass sich der Maler in Südfrankreich wohlfühlte, während ihn der Anstaltsgarten bedrückte und einengte. Die Farben der Zypressen und Olivenhainbilder sind wunderschön komponiert, aber die wirbeligen Pinselstriche zeugen von innerer Unruhe, die sich auf die Betrachterin überträgt. Reetgedeckte Häuschen und eine Aussicht auf das Mittelmeer wecken in mir Erinnerungen an Irland.

So tänzle ich von Raum zu Raum. Die Luft wird immer dicker, der Kopfhörer drückt aufs rechte Ohr. Und nach einer Weile lenken mich die vielen Leute ab. So verpasse ich, was der Mann in meinem Ohr gerade über die Farben auf dem Bild "Ernte in der Provence" sagt. Also springe ich auf meinem Audio-Guide nochmals an den Anfang seiner Ausführungen zurück. Die Zeit verrinnt.

Bis sich die Menschentraube vor der nächsten Audio-Guide-Station aufgelöst hat, betrachte ich die anderen Bilder im gleichen Raum - und merke plötzlich, dass ich offenbar ein paar Stationen übersehen habe.

Also eile ich zurück in den davorliegenden Raum. Wobei "eilen" eigentlich nicht das richtige Wort ist: "Gegen den Strom schwimmen" bringt die Sache eher auf den Punkt. Wo kommen bloss all die Leute immer noch her? Nach 18 Uhr wird doch niemand mehr eingelassen! Schliesslich finde ich die gesuchten Bilder, habe aber entscheidende Minuten im Wettlauf gegen die Uhr verloren.

Gerne würde ich vor einzelnen Bildern länger verweilen, zu anderen nochmals zurückkehren, Vergleiche anstellen. Aber im Raum mit der 20. Station des Audio-Guides ist Schluss: Es ist fast 19 Uhr, und eine unerbittliche Stimme aus dem Untergrund fordert die Besucher auf, das Museum zu verlassen. Eine Securitaswächterin verschafft den kaum verständlichen Worten Nachachtung und komplimentiert uns freundlich, aber bestimmt hinaus. Eine Verlängerung wie an einem Fussballmatch gibt es nicht.

Fazit: Ein nicht ganz ungetrübter Kunstgenuss, ich bin ausgepowert wie nach zwei Stunden auf dem Vita-Parcours. Aber die Mühe hat sich gelohnt. Und, das nehme ich mir fest vor, beim nächsten derartigen Event werde ich nicht bis zur letzten Minute warten!

28. September 2009
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Gaby Burgermeister, geboren 1959, wuchs am Spalenberg in Basel auf und arbeitete nach dem Abschluss ihres Germanistik- und Anglistikstudiums kurze Zeit als Journalistin. Nach etlichen Wanderjahren in verschiedenen Berufen arbeitet sie seit 2000 als Redaktorin und Korrektorin für einen Fachbuchverlag in Bern und lebt in Basel.

© Foto by OnlineReports.ch

gaby.burgermeister@bluewin.ch

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gesehen.gif
BZ Basel
vom 23. Mai 2018
über den Bau einer
12 Meter breiten Surf-Welle
auf dem Rhein
fileadmin/templates/pics/gesehen.gif

Höhe mal Breite gibt Story.

RückSpiegel


20 minuten online bezeog sich im Bericht über die Email-Affäre um Joël Thüring auf OnlineReports.

Die BZ Basel nahm in ihrer Meldung über Christian Kellers Abgang bei der "Basler Zeitung" Bezug auf eine vorangegangene Nachricht in OnlineReports.

Barfi.ch
und die Gundeldinger Zeitung zogen die OnlineReports-Meldung über den Velofriedhof am Basler Bahnhof SBB weiter.

Die OnlineReports-Erstnachricht vom Tod des ehemaligen Basler Regierungsrates Lukas "Cheese" Burckhardt wurde von Barfi.ch, der BZ Basel, die Basler Zeitung, vom SRF-Regionaljournal und von der Nachrichtenagentur SDA aufgenommen.

Die BZ Basel nahm die OnlineReports-Meldung über die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft zum Urteil gegen den Basler Datenschnüffler-Polizisten auf.

Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Noch eine neue Aufgabe für die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger: Sie wird anstelle der zurücktretenden Christine Gorrengourt Verwaltungsrätin der BLT.

Erfolgreich verlief der ausserordentliche Sirenentest am 23. Mai in beiden Basel.

• Der Baselbieter FDP-Landrat Andreas Dürr wurde als Nachfolger von Urs Schweizer zum neuen Präsidenten des ACS beider Basel gewählt.

• Die Basler Energieversorgerin IWB steigerte 2017 den Umsatz auf 739 Millionen Franken, doch fiel der Jahresgewinn mit 74 Millionen Franken wegen Wertberichtigungen und Rückstellungen um 33 Millionen Franken niedriger aus als im Vorjahr.

• Die Baselbieter FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger wurde zur Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerbeverbands gewählt.

• Nach Konditionstrainer Marco Walker verlässt nun auch Fitness-Chef Werner Leuthard (56) per Ende Saison den FC Basel.

Barbara Gafner soll zur neuen Vorsteherin der unabhängigen staatlichen Finanzkontrolle des Kantons Baselland gewählt werden.

• Die Baselbieter FDP-Sektionen Binningen und Bottmingen haben in getrennten Abstimmungen die Fusion zur FDP Binningen-Bottmingen beschlossen.

• Die BKB-Filiale am Basler Neuweilerplatz 1, während der letzten Monate umfassend modernisiert, wurde am 5. Mai mit einem Eröffnungsfest für das Quartier neu eröffnet.

• Die Baselbieter Grünen werden in der Oberwiler Dorfpolitik aktiv, indem sie die Themen und das personelle
Engagement der sich auflösenden Neuen Liste Oberwil (NLO) übernehmen.

• Der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer übernimmt per 1. Mai das Präsidium der Stiftung "éducation21", einer Fachagentur der Schweizerischen Erziehungsdirektoren-Konferenz (EDK), die sich der Bildung für nachhaltige Entwicklung widmet.

10'454 Patienten weist die Psychiatrie Baselland für das Geschäftsjahr 2017 aus.

Peter Brodmann wird neuer Baselbieter Kantonschemiker und Leiter des Amts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen als Nachfolger von Peter Wenk, der Ende August in Pension geht.

• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".

• Der frühere Basler Grossrat und FDP-Nationalrat Urs Schweizer tritt per 15. Mai 2018 nach 15 Jahren als Präsident des ACS beider Basel zurück.

• Nach den Kontrollen an der vergangenen Basler Fasnacht bleiben Pferde von Chaisen und Vorreitern weiterhin erlaubt.

• Die 43-jährige Elisabeth Heer Dietrich wurde mit 82 von 84 Stimmen glanzvoll zur neuen Baselbieter Landschreiberin gewählt.

• Die Revitalisierung der unteren Wiese hat sich aufgrund der vielen Hochwasser um den Jahreswechsel so stark verzögert, dass das Basler Tiefbaumt sie nicht rechtzeitig vor der Fischschonzeit abschliessen konnte und bis Ende Mai pausieren muss.

• Die Rechnung 2017 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 251 Millionen Franken ab und liegt damit 108 Millionen Franken über dem Budget.