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"Schübe gibt es immer wieder": Gesundes (links), befallenes Auge (rechts)

Aggressives Augen-Virus in der Region Basel

Das Adeno-Virus greift die Bindehaut an, die Augen röten sich, schmerzen und laufen über / Hygiene wichtig


Von Peter Knechtli


In regelmässigen Abständen treibt ein aggressives Augen-Virus in der Region sein Unwesen. Derzeit scheint das Oberbaselbiet betroffen zu sein. Ausser strikter Hygiene scheint gegen den Erreger kein Kraut gewachsen zu sein.


Franziska Felber* (47) wohnt in einer höher gelegenen Oberbaselbieter Gemeinde. Seit gut einer Woche ist sie in medizinischer Behandlung. Grund, so der Befund der Augenärztin, ist das Adeno-Virus: "Meine Augen sind rot, geschwollen und schmerzen sehr. Um sie herum kommt es zu Wasseransammlungen", sagte die Patientin, die selbst in einem medizinischen Beruf tätig ist, zu OnlineReports. Schlimmer noch: "Meine Hornhaut ist angerissen."

"Wellenweises Auftreten"

Sie sei derzeit "in guter Gesellschaft", habe ihr die Ärztin mitgeteilt. Scheinbar ist Franziska Felber längst nicht die einzige Patientin, die sich derzeit in ihrer Praxis behandeln lässt. "Solche Schübe gibt es immer wieder", bestätigte Professor Joseph Flammer, Chefarzt der Augenklink Basel gegenüber OnlineReports. "Er tritt häufig relativ regional auf und verschwindet auch wieder."

Übertragen wird das Virus beispielsweise an Türklinken, Handtüchern oder beim Händeschütteln. Wird dann in den Augen gerieben, kann es zur Infektion kommen. Flammer: "Die Palette reicht von einem schweren Befall bis zu einem milden Grad, den der Patient nicht einmal wahrnimmt." Von einem "wellenweisen Auftreten" spricht auch Theo Signer, Leitender Arzt in der Binninger "Vista-Klinik".

Die Versuche von OnlineReports, sich von Augenärzten des mittleren und oberen Baselbiets den aktuellen Zustand erklären zu lassen, waren nicht von Erfolg gekrönt: Die Fachpersonen waren entweder abwesend oder wollten nicht Stellung nehmen ("Dazu geben wir keine Auskunft"). Ein möglicher Grund: Ausgerechnet die Augenarzt-Praxis oder optik-institute können ein Ort der Ansteckung sein. Der Baselbieter Kantonsarzt Dominik Schorr sagte OnlineReports, in einer Baselbieter Praxis seien vor Jahren 40 Patienten betroffen gewesen. Dies habe dazu geführt, dass zu ihrem Schutz die Praxis-Türe offen gehalten wurde, um zu verhindern, dass sich das Virus in der Praxis weiter verbreitet.

Häufung von Bindehaut-Entzündungen

Von einer lokalen Adeno-Epidemie mag Schorr aber nicht sprechen. Die letzte Welle der Augenvirus-Erkrankung habe im Juli und August ihren Höhepunkt erlebt; sie sei derzeit "am Abklingen". Ganz anders die Wahrnehmung von David Goldblum, Leitender Arzt an der Augenklink Basel. "Seit über zwei Wochen stellen wir eine Häufung von viralen Bindehaut-Entzündungen fest." Dabei sei allerdings nicht untersucht worden, ob es sich um den Adeno-Stamm handle. Das Alter der Patienten reiche vom Säugling über ganze Familien bis zum hochbetagten Mann.

Behandeln lässt sich die hochansteckende Kontakt-Infektion nicht, der Patient und die Patientin müssen das Leiden durchstehen. Laut Goldblum dauert die Krankheit in der Regel zwischen 10 und 14 Tagen. Danach verschwindet sie wieder, wie sie gekommen ist. Laut "Vista-Klink"-Arzt Theo Signer kann sie aber auch zu Narben und damit zu bleibenden Schäden auf der Hornhaut führen – allerdings nur in sehr seltenen Fällen. Augenklinik-Arzt David Goldblum hat seit Beginn seiner medizinischen Tätigkeit im Jahr 1995 zwei Patienten mit bleibenden Schäden erlebt.

Strikte Hygiene wichtig

Die wichtigste Massnahme zur Eindämmung und gegen die Weiterbreitung des Virus sei eine "strikte Hygiene von Patient und Umfeld", betonen die Ärzte. So sollten die Betroffenen die Hände häufig waschen, ein eigenes Handtuch benützen und nicht in den Augen reiben. Wenn sich eine Welle abzeichnet, seien die Arztpraxen gehalten, strengere Hygiene-Vorschriften zu erlassen, wozu auch verstärkte Desinfektion, gute Lüftung und eine saubere Patienten-Information gehöre, sagte Kantonsarzt Dominik Schorr.

Franziska Felber hat in der Nacht auf heute Montag kein Auge zugetan, die Schmerzmittel versagten. Jetzt ist zudem auch ihr Sohn vom Virus betroffen.

* Name geändert

26. Oktober 2009


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