© Fotos by Ruedi Suter, OnlineReports.ch
"Neues Gesicht": Schild-Montage, Staatsarchiv-Kader Isler, Zwicker

Uriella sei Dank: Original-Schild wieder an seinem alten Platz

Nach 16 Jahren der unfreiwilligen Absenz wurde heute Nachmittag das Schild des Basler Staatsarchivs wieder montiert - diebstahlsicher


Von Ruedi Suter


Anderthalb Jahrzehnte lang war das historische Original-Schild des Basler Staatsarchivs verschwunden, nachdem es vermutlich Studenten der Verbindung "Zofingia" entwendet hatten. Zufällig brachte es OnlineReports an den Tag. Heute Mittwochnachmittag wurde es an seinem Original-Standort an der Martinsgasse montiert.


Ein wahrhaft denkwürdiger Augenblick: Heute, an diesem sonnigen Frühlingsmittwoch, wurde das vor 16 Jahren geklaute Staatsarchivschild wieder an den Gitterzaun des ehrwürdigen Gebäudes an der Martinsgasse 2 montiert. Mit acht Rundkopfschrauben aus Messing, die Roman Müller (41) von der Bau- und Kunstschlosserei Weiland & Co mit Flüssigstahl so behandelte, dass sie höchstens noch weggesprengt werden können.

Wieder ein vollkommenes "Gesicht"

Die Platzierung der für einige hundert Franken restaurierten Tafel bereitete dem überglücklichen Staatsarchivar Josef Zwicker (63) und Daniel Isler (41), Leiter der zentralen Archivdienste, zunächst noch arges Kopfzerbrechen. Wohin genau mit dem dank einer glücklichen Fügung wieder zurück erhaltenen Prachtstück? Denn unterdessen war eine peinvoll nüchterne, wenn auch recht informative Ersatztafel angebracht worden. Die Männer beschlossen schliesslich, den restaurierten alten Hingucker über den neuen Langweiler zu platzieren.

Nur wenige Augenblicke später erhielt die Staatsarchiv-Crew bereits eine erste Reaktion: "Sehr schön!" entzückte sich eine vorbei schlendernde Touristin. "Meine Institution hat wieder ein Gesicht!", freute sich auch Staatsarchivar Zwicker. Als einer, dem der geschichtliche Überblick am Herzen liegt, erinnerte der Archivar an das Jahr 1899, wo das jetzt aufgepeppte Schild erstmals an den damals neuen Archivbau befestigt worden war. 1,9 Laufkilometer Material betrug seinerzeit der Umfang des Archivs, das heute mit seinen 17 Kilometern aus allen Nähten zu platzen droht.

Raumnot und platzende Nähte

Damit stellt sich die bange Frage, wie lange das schöne Schild am jetzigen Platz bleiben darf. Immerhin bestehen Pläne, das Staatsarchiv ganz oder teilweise auszulagern. Vielleicht aber wird der Münsterberg noch ein bisschen ausgehöhlt und das Archiv Richtung Erdmitte erweitert. Dann würde die Jugendstiltafel noch mindestens einige Jahrzehnte am jetzigen Ort hängen können.

Noch in diesem Jahr soll die Basler Regierung über die Optionen entscheiden und den Weg für einen Projektierungskredit frei machen. "Wir müssen spätestens bis 2012 eine Lösung haben", versichert Daniel Isler. Dann wäre Josef Zwicker bereits etwa vier Jahre im Ruhestand. Aber, so lässt er feixend durchblicken, er hätte auch noch Jahrzehnte später seine helle Freude, bei Spaziergängen durch die Martinsgasse eine Rast unter dem wieder aufgehängten Staatsarchiv-Schild einlegen zu können.

Eine Schildbürger-Geschichte

Dieses war im Oktober 1991 von Unbekannten in einer Nacht- und Nebelaktion abgeschraubt worden. 15 Jahre blieb es verschwunden. Sozusagen spurlos, obwohl unzählige Studenten und eingeladene Honoratioren im Lokal der Studentenverbindung Zofingia am Nadelberg 12 die edle Tafel zu Gesicht bekamen. Erst ein OnlineReports-Foto vom 9. November 2000, auf dem hinter der Gastrednerin Uriella das Schild an der Wand zu erkennen war, brachte sechs Jahre später Bewegung in den Fall: Staatsarchivar Zwicker, der das Foto zufällig zu sehen bekam, erkannte sein abhanden gekommenes Meisterstück wieder.

Unverzüglich bat er die Zofingia-Studenten höflich aber bestimmt um hurtige Rückgabe, zu der sich diese nach längerem Hin und Her schliesslich auch bewegen liessen - selbstverständlich ohne jedes Schuldeingeständnis. Dieses hätte, sofern die Schild-Klauer auch tatsächlich Zofingia-Studenten waren, eh nur jene machen können, die wohl längst schon zu Würden und Ehren gekommen sind. Aber das ist wieder eine andere Schildbürger-Geschichte.

11. April 2007

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