© Foto by OnlineReports.ch
"Menschlicher Abgrund": Herren-Toilette am Basler Kannenfeldplatz

Spritzen, Sprays, Bierdosen und Fäkalien in Basels öffentlichen WCs

Pflege und Unterhalt von öffentlichen Toiletten sind eine – dringend nötige – Daueraufgabe


Von Christof Wamister


Frei zugängliche Toiletten sind eine Visitenkarte von Städten. Doch in Basel wird weniger als ein Drittel dieser Anlagen an allen sieben Wochentagen gereinigt. Drogensüchtige sind trotz Gassenzimmern weiterhin ein Problem für die Hygiene in den WC. Eine selektive Momentaufnahme.


Öffentliche Toiletten sind nicht jedermanns Sache. Es gibt wohl viele Männer und noch mehr Frauen, die sie wenn immer möglich meiden. Nicht nur wegen des geringen Risikos, darin überfallen zu werden, sondern aus Hygienegründen. Andere beklagen sich, dass es zu wenige frei zugängliche Toilettenanlagen gebe.

Laut Auskunft der Abeilung Infrastruktur und Betrieb im Basler Tiefbauamt und von Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), gibt es immerhin 37 "konventionelle" Toilettenanlagen, sieben Pissoirs, drei kostenlose selbstreinigende Toiletten und 29 gebührenpflichtige selbstreinigende WC-Einrichtungen. Von den 37 "konventionellen" Anlagen werden zehn besonders stark frequentierte an sieben Tagen in der Woche gereinigt, die andern nur an den Werktagen.

Kannenfeld-WC: Unbeschreiblicher Zustand

Wer an einem Sonntagmorgen in einem Aussenquartier ein WC aufsuchen muss, kann somit negative Überraschungen erleben, wie unser Beispiel anlässlich einer Stadtwanderung zu zweit belegt. Richtung Schützenmattpark meldet sich ein Bedürfnis. Die Toilette im Park gehört begreiflicherweise zum Typus kostenpflichtig und selbstreinigend. Wer das entsprechende Kleingeld nicht bei sich hat, muss passen. Die "konventionellen" Toiletten im Kioskgebäude an der Haltestelle Schützenhaus waren beide verschlossen.

Also weiter bis zur Haltestelle Kannenfeldplatz. Die dortige Damentoilette war ebenfalls abgeschlossen. In der über alle Massen versprayten Herrentoilette befand sich insbesondere die abschliessbare Kabine in einem unbeschreiblichen Zustand: Fäkalien am Boden, eine Spritze – immerhin – im Abbfallkübel: eine Folge der fehlenden Wochenend-Reinigung. Ein erneuter Test heute Dienstagmorgen beim Betreten der Damentoilette offenbarte einen so widerlichen Gestank, dass sich selbst der Harndrang vorübergehend verflüchtigen dürfte.

Wir treffen zufällig auf François Frutos (Bild) vom Tiefbauamt, der die verstopfte, verschissene Herren-Toilette wieder frei stöpselt. Obwohl in grauenhaftem Zustand, wird die öffentliche Notdurft-Anlage laut Frutos wöchentlich von rund 300 Passanten benützt. Doch obschon täglich amtlich kontrolliert, liegen auch heute wieder Spritzen auf dem Boden oder in Lavabos. Das aussen angebrachte Herren-WC-Logo wird zum Symbol für menschlichen Abgrund.

Damentoilette ist geschlossen: "Versehen"

Diese Haltestelle ist immerhin eine nicht ganz unbedeutende Drehscheibe des öffentlichen Lebens. Der Kiosk ist auch am Sonntag offen, und es wird Kaffee ausgeschenkt. Dass die Damentoilette abgeschlossen war, ist laut Auskunft auf ein Versehen des mit der Reinigung beauftragten Unternehmens zurückzuführen. Allerdings übernachten manchmal "Randständige" in der Toilettenanlage. Die Toiletten an der Haltestelle "Schützenhaus" waren abgeschlossen, weil ein Ablauf mit einer Bierdose verstopft war und eine Überschwemmung drohte.

Drogensüchtige und andere Aussenseiter machen trotz drei Gassenzimmern den Veranwortlichen für die öffentlichen Toiletten das Leben schwer. Wer sich auf einer Toilette einen "Schuss" gesetzt hat, kümmert sich kaum mehr um die weiteren hygienischen Folgen. Auf die blaue Beleuchtung der Toiletten, mit denen man das Setzen einer Spritze erschweren wollte, wurde wieder verzichtet. "Der Nutzen ist wegen kleiner Taschenlampen und Handys mit eingebauter Taschenlampe gleich Null", erläutern die Zuständigen. Aber der Grund für das Toiletten-Malaise darf nicht allein auf Randgruppen abgeschoben werden. Der Umgang mit dieser öffentlichen Gratis-Dienstleistung ist oft beschämend, wie das Beispiel von der Bierbüchse im Ablauf zeigt.

Departement: "Regelmässige Kontrollen"

Die Verantwortlichen im Departement Wessels bemühen sich, die Probleme in Grenzen zu halten. Die Arbeiten des Reinungsunternehmens würden von Mitarbeitern des Tiefbauamtes regelmässig kontrolliert, sagt BVD-Sprecher Keller. "Für die selbstreinigenden Toilettenanlagen sind drei unserer Mitarbeiter von Montag bis Freitag im Einsatz. Ebenso gehören Reparaturen, das Lösen von Verstopfungen, Entfernen von Sprayereien und Schmierereien und das Entfernen von Plakaten und Klebern auf allen Toilettenanlagen zu ihren Aufgaben."

Ausserdem sei das Departement ständig damit beschäftigt, die Infrastruktur zu sanieren. Im Durchschnitt werden etwa drei "konventionelle" und drei selbstreinigende Toilettenanlagen pro Jahr saniert oder ersetzt. Dabei berücksichtige man bereits bei der Planung, ob Spielplätze, Treffpunkte oder Verweilplätze in der Nähe sind. Es bestehe aber keine Absicht, sämtliche frei zugänglichen Toiletten in kostenpflichtige umzuwandeln.

Positive Beispiele und Massnahmen

Ein positives Beispiel ist das Pissoir am Schlüsselberg mit dem pinkelnden Waggis von Kunstmaler Niklaus Stöcklin, das kürzlich renoviert und umgebaut wurde. Und noch zwei Beispiele aus einem ruhigeren Quartier: Die Toilettenanlage beim neuen Reservoir mit Kinderspielplatz und Planschbecken im Jakobsberg ist seit einem Jahr abgeschlossen. Sie wurde laut Tiefbauamt sehr wenig benützt, dafür von Vandalen beschädigt. Offen und sauber ist dagegen das WC im Sockel des Wasserturms auf dem Bruderholz.

Ganz zufrieden ist das Tiefbauamt mit der Situation nicht. So soll der öffentliche Auftrag für die Reinigung der Toiletten aus submissionsrechtlichen Gründen neu ausgeschrieben werden. Eine Reinigung sämtlicher öffentlicher WCs an sieben Tagen in der Woche wird es aber aus Kostengründen auch in Zukunft nicht geben.

7. August 2012


 Ihre Meinung zu diesem Artikel
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)

www.onlinereports.ch - Das unabhängige News-Portal der Nordwestschweiz

© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigene Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

Auf dieser Website gibt es Links zu Websites Dritter. Sobald Sie diese anklicken, verlassen Sie unseren Einflussbereich. Für fremde Websites, zu welchen von dieser Website aus ein Link besteht, übernimmt OnlineReports keine inhaltliche oder rechtliche Verantwortung. Dasselbe gilt für Websites Dritter, die auf OnlineReports verlinken.

Frisch pubertiert

Klimastreik mit Easyjet

Alles mit scharf

Mann, Frau, Businessfrau
RückSpiegel


In ihrem Bericht über den Verkauf der "Winkler Livecom" durch die MCH Group zitiert die Basler Zeitung einen OnlineReports-Bericht aus dem Jahr 2007.

In ihrer Analyse über die Zukunft der Basler Medienlandschaft ging die BZ Basel auch auf OnlineReports ein.

Die BZ Basel schrieb OnlineReports eine Meldung über eine Baselbieter Richter-Karriere ab.

Die Basler Zeitung und Telebasel griffen die OnlineReports-Recherche über die aggressive Mietzins-Erhöhung der Schweizerischen Rheinhäfen gegenüber dem privaten Sportboot-Hafen auf.

Telebasel zitierte zur Einleitung des "Sonntalks" über Prämienverbilligungen aus dem OnlineReports-Kommentar "Anton Lauber muss sozialer werden".

Die NZZ nimmt in ihren Hintergrund-Artikel über "Basel in der Abseitsfalle" auf einen OnlineReports-Leitartikel Bezug.

Eine Kolumne in der Basler Zeitung erinnert daran, dass OnlineReports über die Verlegung der Tram-Haltestelle vom Spalentor in die Spalenvorstadt berichtet hat.

Die Basler Zeitung publiziert aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Porträt zur Entwicklungsgeschichte.

Prime News führte aus Anlass des 20-jährigen Bestehens von OnlineReports ein ausführliches Interview mit Chefredaktor Peter Knechtli.

In ihrem Bericht über einen hartnäckigen Streit um das Basler Restaurant "Löwenzorn" nimmt die Basler Zeitung auf einen früheren OnlineReports-Bericht Bezug.

Die Nachrichtenagentur SDA erwähnt OnlineReports und seine schwarzen Zahlen seit zwanzig Jahren im Zusammenhang mit der Einstellung der "Tageswoche".

Der Basler Zeitung fiel in einem Leserbrief in OnlineReports auf, dass der frühere Baselbieter Polizeisprecher auf der SVP-Liste für den Landrat kandidiert.

Telebasel, nau.ch und 20 Minuten bezogen sich in ihren Beiträgen über Sachbeschädigungen gegen die Jüdische Genossenschafts-Metzgerei auf OnlineReports.

Im Interview mit Claudia Sigel geht die Basler Zeitung auf eine Aussage der Baselbieter CVP-Präsidentin Brigitte Müller in einem OnlineReports-Interview ein.

In ihrem Bericht über das Ja der Wettbewerbs-Kommission zur Übernahme der "Basler Zeitung" durch Tamedia erwähnt die NZZ auch OnlineReports.

Die BZ Basel, Telebasel und die Basler Zeitung nahmen die OnlineReports-Nachricht vom Tod der FCB-Legende Peter Ramseier auf.

Prime News geht in ihrem Überblick über die Perspektiven des Medienplatzes Basel auch auf OnlineReports ein.

Die Basler Zeitung geht in ihrem Bericht über den "Spagat der CVP-Präsidentin" Brigitte Müller auf ihre Aussagen im OnlineReports-Interview ein.

Die Basler Zeitung, die Basellandschaftliche Zeitung, Prime News und Telebasel zitierten in ihren Berichten zur Baselbieter CVP aus dem OnlineReports-Interview mit Parteipräsidentin Brigitte Müller.

Weitere RückSpiegel

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Da war zunächst der Schock eines Kunden, ja, er erbleichte gar, als er seine leer geräumte und offensichtlich aufgebrochene Kassette ans Tageslicht befördern liess."

Basler Zeitung
vom 21. Dezember 2018
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

Fantasievoll: Erst der Schock, dann das "gar Erbleichen".

In einem Satz


Anna Ott gibt das Amt als Vizepräsidentin der Grünen Baselland aufgrund ihres Masterstudiums in Nordeuropa ab; eine Nachfolge steht noch nicht fest.

• Das von der Fondation Franz Weber massgeblich unterstützte Referendum gegen ein Ozeanium auf der Basler "Heuwaage" ist mit 4'649 Unterschriften zustande gekommen.

• Der Reinacher Gemeinderat hat beschlossen, ab Februar 2019 mit einem neuen TV-Sendeformat zu starten, das wöchentliche Fernsehsendungen mit Inhalten aus Gemeinde und Vereinen bietet.

• Der Basler "Basta"-Grossrat Daniel Spirgi tritt per 12. Februar 2019 nach nur zweieinhalb Jahren aus dem Kantonsparlament zurück, der Grüne Jérôme Thiriet rückt nach.

Henriette Götz wird am 1. Mai 2019 die Nachfolge von Danièle Gross als Kaufmännische Direktorin am Theater Basel antreten.

• Mit 12'673 Studierenden und Doktorierenden, die sich im Herbstsemester 2018 für ein Studium an der Universität Basel eingeschrieben haben, ist die Gesamtzahl der Studierenden im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen.

• Der EuroAirport begrüsste am 4. Dezember seinen 8 Millionsten Passagier und erzielte damit die höchste Jahres-Frequenz seit Gründung im Jahr 1946.

Erik Rummer (48) ist seit 2002 bei den IWB, seit 2016 als Leiter Public Relations, übernimmt auf Jahresbeginn die Leitung des Bereichs Kommunikation & Marketing und folgt damit auf Lars Knuchel, der sich selbstständig macht.

• Die Baselbieter Regierung will bei der Staatssteuer den Vergütungszins für das Jahr 2019 bei 0,2 Prozent belassen, ebenso bleibt der Verzugszins bei 6 Prozent.

• Die Bau- und Raumplanungs-Kommission des Basler Grossen Rates spricht sich für den Neubau von Staatsarchiv und Naturhistorischem Museum im St. Johann-Quartier aus.

Matthias Gysin, heute Verwaltungsleiter in der Gemeinde Aesch, wird ab 1. April 2019 neuer Geschäftsführer des "Verbandes Basellandschaftlicher Gemeinden" (VBLG) und Nachfolger von Ueli O. Kräuchi.

• Das Projekt eines Ozeaniums des Basler Zoos hat mit starkem Wellengang zu kämpfen: Das gegnerische Komitee reichte fast 5'000 Referendums-Unterschriften ein, wodurch es zu einer Volksabstimmung kommen wird.

Yvette Harder wird per 18. März 2019 neue Generalsekretärin des Basler Finanzdepartements und damit Nachfolgerin von Alexandra Schilling, die in die Kommandoabteilung der Kantonspolizei wechselte.

• Der frühere Baselbieter SP-Regierungsrat Urs Wüthrich-Pelloli übernahm an der ordentlichen Mitgliederversammlung des Fördervereins Universität Basel von Jean-Luc Nordmann das Präsidium.

• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

• Die Baselbieter Regierung beantragt dem Landrat, dem Staatspersonal für das Jahr 2019 einen Teuerungsausgleich von 1,4 Prozent auszurichten.

Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.