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"Verblüfft, was man machen kann": Initiatorin Brigitta Gerber

Politikerinnen jubeln: Emanzipation im Spülbereich

Basler Grossrätinnen freuen sich über die neue grosszügige Rathaus-Toilette


Von Peter Knechtli


Blumen für Regierungsrätin Barbara Schneider und unglaubliche Erleichterung unter den Basler Grossrätinnen: Sie haben endlich eine neue grosszügige Toilette erhalten. Auch im Sanitärbereich zeigt sich: Weibliche Hartnäckigkeit überwindet die Starrköpfigkeit noch so hart gesottener Ratsmänner.


Letzten Januar war alles noch steif und starr - vor allem die Basler Grossräte: Erfolgreich schmetterten sie ein Budgetpostulat der grünen Grossrätin Brigitta Gerber ab, die 100'000 Franken für den Bau einer der männlichen Entsorgungsanlage adäquaten Frauen-Toilette neben dem Parlamentssaal forderte. Einige der Herren, von denen solches eigentlich gar nicht erwartet worden war, konnten sich seichteste Argumente nicht verkneifen, um ihren Kolleginnen Parität am stillen Örtchen zu verwehren.

Weg vom Gletscherspalten-Klosett

Doch jetzt herrscht die Gleichheit der Würde auch im Notwesen: Die Grossrätinnen haben zwei neue Toiletten erhalten, die Herren Grossräte mussten erheblich Raum von ihren Pissoir-Palast abgeben. Baudirektorin Barbara Schneider war nämlich im April mit einem Umbaukredit von 75'000 Franken in der offensichtlich einfühlsameren Regierung durchgekommen. Und diese Woche durfte Grossratspräsdentin Beatrice Inglin Buomberger ihrem Auditorium die feierliche und mit Applaus bedachte Mitteilung machen, dass die Frauen jetzt auch über eine statusgemässe Station verfügen. Alle freuten sich - auch jene Frauen, die damals gegen das Budgetpostulat gestimmt hatten. Die neue Spülbereich ersetzt ein enges Klosett, auf dem jede Sitzung zum Haftpflichtfall zu werden drohte.

"Yessss!", entfuhr es der Parlamentarierin und promovierten Ethnologin Brigitta Gerber beim Anblick der neuen Toilette. Zum einen war es das angenehme Intérieur, das lockeres Drehen und Wenden ebenso ermöglicht wie einen Schwatz unter der Türe, anderseits aber vor allem das bewundernswerte Handwerk, das hier zu Anwendung kam. Die neue eisenbeschlagene Eingangstüre fügt sich so diskret in die Umgebung ein, dass selbst ein geübtes Auge glaubt, sie sei schon immer da gewesen. Dabei steht sie jetzt dort, wo frühere Grossrats-Garderoben hingen. Konsequenz: Sämtliche 130 Kleiderhaken mussen demontiert, in geichmässigen Abständen wieder angeschraubt und, von Hand gemalt, nummeriert werden. Besonders angetan ist Brigitta Gerber von der behindertengerechte Toilette (Gerber: "das 'i'-Tüpfchen"), die im Zuge des Umbaus auch gleich neu dazu kam. So schön kann Politik sein.

Kompliment an die unbekannten Architekten

"Ich bin vor allem verblüfft darüber, was und wie man das machen kann", staunt die Politikerin über das Ergebnis der von ihr angezettelten Debatte. "Sehr schlau" beurteilt sie das stilgerechte Resultat und fragt sich wohl, wessen Architekten Werk dies gewesen sein können - "vielleicht war es eine Architektin". Peter Fischer, nach eigenem Bekunden "Hüttenwart des Rathauses", klärte OnlineReports auf, dass dies das "Konzept des Baudepartementes" gewesen sei: "Die haben ganz gute Leute." Weder den Namen des Kreateurs noch jene der Handwerker wollte Peter Fischer herausrücken. "Es waren auf all Fälle Handwerker, die das Herz in der Hand haben", liess er sich einzig entlocken. Jenen, die gleichorts das WC-Papier in der Hand halten, quillt das Herz gar über.

10. September 2004


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