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"Ich erkannte sie wieder": Münsterfährimaa Thurneysen, Metallgeländer

Eine blutig-wahre Fährimaa-Geschichte vor Gericht

Jacques Thurneysen, Fährimaa der Basler Münsterfähre, kam einem anhänglichen Schwimmer zu nahe


Von Peter Knechtli


Jacques Thurneysen, Fährimaa der Basler Münsterfähre, muss vor Gericht: Er vertrieb einen Rheinschwimmer, der die Fähre in sein Schwimmerlebnis einbeziehen wollte, mit einem Bierkrug – und fügte dem ungebetenen Gast bleibende Schäden an der Hand zu.


Still fliesst milchgrün der Rhein vorbei, unter dunklen Wolken wirbelt ein eisiger Wind talaufwärts. Am Grossbasler Ufer unterhalb der Pfalz. Gäste klingeln mit der Glocke und vom gegenüberliegenden Ufer nähert sich am buntbeflaggten Gierseil der "Leu", die Münsterfähre – wie eine letzte Spur von Leben, das in dieser unwirtlichen Umgebung noch geblieben ist.

Aus der beheizten Kabine tritt in seinem regenbogenfarbenen Pullover Jacques Thurneysen, 60-jährig, seit über zwanzig Jahren Fährimaa, verantwortungsbewusst, zweifellos. Trotz der bissigen Kälte trägt er nur Sandalen – und regenbogenfarbene Socken. Er legt am Steg sorgfältig an, sichert seine Fähre und lässt den einzigen Gast einsteigen. Der Fährmann ist seit Sommer Angeklagter.

Konfrontation in der Schifffahrtsrinne

Damals vor zweieinhalb Jahren, am 28. Juli 2008, muss eine ganz andere Szenerie geherrscht haben. Sommer, Wärme, Lebensfreude – und Rheinschwimmer, die sich von den Fluten flussabwärts treiben liessen. Gegen 16.40 Uhr bemerkte der Fährmann etwa 20 Meter vom Grossbasler Ufer entfernt mitten in der Schifffahrtsrinne zwei nicht mehr ganz junge Schwimmer, die Kurs auf den "Leu" nahmen.

Die Beiden seien ihm bekannt vorgekommen. Schon früher seien sie ("sie sahen sich als Rheinpiraten") auf offenem Fluss in die Fähre eingestiegen. "Sie zahlten nicht, sie redeten nichts und sprangen wieder in den Rhein." Einmal habe er versucht, sie mit einem Besen von ihrem Sprung-Vergnügen abzuhalten und zu vertreiben. Denn erstens wirke bei Niederwasser ein Schwimmer, der an der Fähre anhängt, "wie es Bremsklotz", was gefährlich sei. Und zweitens lasse er "niemanden von der Fähre springen, wenn es Leute drauf hat", sagt der Kapitän des unmotorisierten Gefährts.

Als sich die beiden Wasserratten nun an diesem 28. Juli des Fährimaas Reich wieder näherten, stellte er die laut seinen Angaben vollbesetzte Fähre in die Strömung – in der Hoffnung, die Schwimmer würden flussabwärts getrieben. Als sie das Boot trotzdem erreichten, nahm der Fährmann einen Bierkrug und schlug dem einen ungebetenen Gast ohne Vorwarnung und "mit voller Wucht" (so die Anklageschrift) auf die Hände, die das metallene Geländer (Bild oben) umklammerten.

Bierkrug ohne Boden und durchtrennte Sehnen

Beim ersten oder zweiten Schlag löste sich der Glasboden des Bierkrugs – was der Angeklagte "nicht bemerkt" habe, wie er OnlineReports sagte. Dennoch schlug er laut Staatsanwaltschaft weiter auf die Hände des Schwimmers ein und fügte ihm auf diese Weise tiefe Schnittwunden bei, wobei mehrere Sehnen durchtrennt wurden. Er habe "nicht gedacht, dass sich ein Bierkrug zum Schneidewerkzeug entwickelt", und er auch "kein Blut gesehen, nichts!", weshalb "ich nicht davon ausgegangen bin, dass er verletzt ist". Er habe auch "erst später" wahrgenommen, "dass der Glasboden weg war", sagt der Regenbogen-Mann eine Woche vor dem Gerichtstermin.

Die Anklage wirft ihm nun einfache Körperverletzung mit einem gefährlichen Gegenstand, Nötigung und Unterlassen der Nothilfe vor. Für den Rhein-Piraten, der in Begleitung seines Kollegen verletzt ans Kleinbasler Ufer schwamm, hatte die Abwehraktion des Fährmannes fatale Folgen: Fünf traumatisch durchtrennte Extensorsehnen an beiden Händen, Notoperation im Universitätsspital, Antibiotikaprophylaxe, mehrmonatige Arbeitsunfähigkeit, möglicher bleibender Schaden.

Die Staatsanwältin, die sich von der Gerichtsverhandlung dispensieren liess, betragt eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten auf zwei Jahre Probezeit. Jacques Thurneysen hatte seinem "Rhein-Piraten" nach dem Vorfall einen Brief geschrieben und sich für die ihm zugefügten Beeinträchtigungen entschuldigt. Der Schwimmer antwortete – per Strafanzeige. Die Verhandlung findet am Nachmittag des 28. Januar statt. Das Gericht muss dann herausfinden, welche Version der Geschichte wahr ist, die Fährimaa und Schwimmer erzählen.

Am 16. Oktober 2008, keine drei Monate nach dem Bierkrug-Duell, rettete Thurneysen einen Lebensmüden, der von der Wettsteinbrücke gesprungen war.

21. Januar 2011

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"... oder man sucht Nebenflüsse, auf denen man noch fahren kann, wie die Donau oder auf der Mosel"

Regionaljournal Basel
Basler Schifffahrts-Sprecher
André Auderset
am 22. Oktober 2018
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Aus Urkleinbasler Optik ist die Donau als Nebenfluss des Rheins durchaus denkbar.

RückSpiegel


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Die BZ Basel nahm die OnlineReports-News über den Streit der Basler SVP mit ihrem Grossrat Patrick Hafner über Ausstände bei den Mandatabgaben auf.

Das SRF-Regionaljournal und die Schweiz am Wochenende nahmen auf die OnlineReports-Recherche über den durch die Suva verfügten Baustopp am neuen Werkhof in Sissach Bezug.

Die WochenZeitung verweist darauf, dass textfokussierte Nachrichtenportale wie OnlineReports gemäss dem Entwurf des neuen Bundesgesetzes über elektronische Medien nicht in den Genuss einer Bundesförderung kämen.

20 Minuten
entlarvte die von OnlineReports vermeldete Besetzung des Gewächshauses auf dem Dreispitz-Lok-Depot als Scheinbesetzung.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


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• In weniger als sieben Wochen sammelte das parteiunabhängige Komitee "Kein Parkhaus unter dem Tschudi-Park" mehr als 3500 Unterschrift'en für seine Petition.

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Elena Hermann wird neue Leiterin der Staatlichen Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten Basel-Stadt und löst Ernst Jost ab, der per Ende Jahr in Pension gehen wird.

• Das Basler Komitee gegen die kantonale Vorlage zur "Steuervorlage 17", das sich aus linken Parteien und Gewerkschaften rekrutiert, hat 3'300 Unterschriften für das Referendum gesammelt.

Andreas Häner, von 2009 bis 2015 schon Vorstandsmitglied, wird neuer Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes und damit Nachfolger von Paul Dilitz, der nach elfjähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt.

Daniel Roth (61) wird im Baselbiet neuer Leiter des Rechtsdienstes von Regierung und Landrat, als Nachfolger von Hans Jakob Speich, der sich vorzeitig pensionieren lässt.

Irene Heinimann wird neue Baselbieter Kantonsapothekerin und folgt als bisherige Stellvertreterin auf Hans-Martin Grünig, der Ende Dezember in Pension geht.

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Steigende Bildungs- und Sozialkosten belasten das Ergebnis der Gemeinde Reinach, so dass für 2019 ein Defizit von 1,67 Millionen Franken budgetiert werden muss.

Olivier Aebi wird per 1. Februar 2019 neuer CEO des Basler Ingenieur- und Planungsunternehmens Gruner AG und Nachfolger von Kurt Rau ab, der die Gruner-Gruppe interimistisch leitet.

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Andrea Schenker-Wicki, die Rektorin der Universität Basel, ist durch den Universitätsrat für weitere vier Jahre bestätigt worden.

• Am 1. Oktober beginnen in Basel die Vorarbeiten für den Bau des unterirdischen Kunstmuseum-Parkings mit der Umlegung unterirdischer Leitungen.

Liestal hat den Bruttokredit in der Höhe von 4,96 Millionen Franken für den Bau der städtischen Velostation und den Bau der erhöhten Velospur in der Unterführung der Oristalstrasse mit 2'386 Ja-Stimmen gegen 732 Nein-Stimmen sehr deutlich angenommen.

• Der 33-jährige FCB-Mittelfeldspieler Geoffroy Serey Die hat den bis zum 30. Juni 2019 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert.

• Der 41-jährige Betriebsökonom Daniel Arni, derzeit noch Leiter der Fachstelle Messen und Märkte im Präsidialdepartement, wird ab Dezember neuer Leiter der Basler Allmendverwaltung und Nachfolger von Niklaus Hofmann.

• Die Elektra Baselland (EBL) senkt auch im Jahr 2019 wieder ihre Strompreise, diesmal um 3,1 Prozent.