© Fotos by OnlineReports.ch/Stettler
"Er höselte hinterher": Katzenfreundin Hedy Stettler, Katzen "Roger", "Timon"

Kalter Krieg am Katzentürchen

In Läufelfingen tobt ein erbitterter Nachbarschaftsstreit um Kater "Timon": Friedensrichter eingeschaltet


Von Peter Knechtli


Das Duell spielt sich nicht am Fuss der Blauen Berge ab, sondern am Fuss des Hauensteins: Es geht um die behauptete Abwerbung von Kater "Timon" mit Nassfutter, Spiel- und Streicheleinheiten. Zwei Nachbarsparteien in Läufelfingen stehen deswegen miteinander auf Kriegsfuss – und vor dem Gang zum Friedensrichter.


Es ist eine bevorzugte erhöhte Wohnlage zwischen Hirzenfeld und Kirchmatt, ein Quartier mit einigen älteren und neuen Einfamilienhäusern. Umgeben von Feldern und Wäldern. Hier wohnt die Familie von Hedy Stettler (56), zwei Häuser weiter ihre Tochter, allesamt alteingesessene Läufelfinger. Über den beiden Liegenschaften wohnt seit zweieinhalb Jahren in neuen Eigenheim aber auch Zuzüger Friedrich Aufdermaur (34) mit seiner Ehefrau Karolina und Kater "Timon" (kleines Bild).

Verdacht der Anmache

Anfänglich ging alles gut. Doch vor mehr als einem Jahr zogen klimatische Wolken auf. Denn auch Hedy Stettler und ihre benachbarte Tochter sind Tier- und insbesondere Katzenfreunde. "Roger", "Charly" und "Gina" nennen sie ihr eigen. Bald habe der schwarz-weiss getigerte  "Timon" in "Roger" einen fröhlichen Spiel-Kumpel gefunden und sei dann auch hinterhär ghöselet, wenn "Roger" zum Futternapf trabte, berichtet Hedy Stettler: "Er war immer sehr hungrig und ging zu meiner Tochter essen."

Bald entpuppte sich auch das fremde Katzentürchen für "Timon" ebenso wenig eine Zutritts-Hemmschwelle wie die fremde Katzenleiter, Schlafplätze und Katzenbäume. Artgenossen holen sich, was sie brauchen, eben dort, wo es erhältlich ist. Alsbald keimte bei Aufdermaurs der bohrende Verdacht, Stettlers hätten akquisitorisch nachgeholfen, um den über den Zaun fressenden Kater durch Zeichen der Zuneigung allmählich in die eigene Katzensippe zu inkorporieren.

Schleichend habe sich entwickelt, was Aufdermaurs bald beträchtlich auf den Wecker ging: "Timon" habe nicht mehr gegessen und sei nicht mehr zu Hause aufgetaucht - und wenn, dann derart überfüttert, "dass er kaum noch gehen konnte", empört sich sein rechtmässiger Besitzer.

Ein Decknamen für "Timon"?

Es sei doch "schon komisch": "Timon" sei "in kein fremdes Haus" gegangen, nur bei den lieben Nachbarn gehe er ein und aus, argumentiert Friedrich Aufdermaur. In ihrem – gut einsehbaren – Garten-Sitzplatz unter der Trauerweide werde mit ihm gespielt. Er habe dort auch schon einen Decknamen: "Moritzli". Als seine Eigentümer eines Tages vor der Haustüre von Hedy Stettler auftauchten und gebieterisch verlangten, "Timon" nicht mehr zu füttern, ihn unverzüglich herauszurücken oder notfalls mit einem Schprutz Wasser aus dem fremden Revier zu verjagen, sei das Gespräch "ziemlich schnell ausgeartet".

Denn für Tierliebhaberin Hedy Stettler, die auch drei Enten hielt, bis der Fuchs oder ein anderer Vierbeiner sie holte, steht fest: "Ich spritze diese Katze nicht mit Wasser ab. Das mache ich nicht." Vielmehr flankieren einige Wasserstellen für durstige Büsi die Anwesen der Stettlers. Das Futter befinde sich nicht etwa zur Kollektivverpflegung unter freiem Himmel, sondern immer im Hausinnern. Doch wie, bitteschön, soll sie verhindern, dass fremde Katzen zwecks Nahrungsaufnahme sozusagen eine tierische Form von Hausfriedensbruch begehen!

Als Zeichen des guten Willens liess die Tierfreundin ihren drei Katzen einen Sicherheits-Chip verpassen - Kostenpunkt: 80 Franken pro Tier. Dazu kam die Investition in ein kompatibles Katzentürchen ("Kostenpunkt total 500 Franken, das können wir belegen"), das freilich nie montiert wurde: Die etwas korpulente "Gina", die Katzentüren aufgrund ihrer Physis schon immer gemieden hatte, war zu umfangreich, um die Passage zu meistern: Sie bockte. "Da mussten wir die Aktion abbrechen", noch bevor die digitale Miau-Pforte montiert war, seuft Hedy Stettler.

Nebenkriegsschauplatz Trockenfutter

Auch der Versuch, den Balkon am benachbarten Wohnhaus der Tochter mit einem Netz abzuschirmen, sei aus Angst, "Timon" könne sich darin strangulieren, ebenso zum Misserfolg geworden wie der Versuch, den Vierbeiner mit laufendem Staubsauger zu vertreiben. Ganz in Gegenteil folge der Kater ihr und ihrer Tochter freiwillig auch beim Spaziergang. Dieser führe just an der Haustür seiner formellen Besitzer vorbei, die der Vierbeiner nicht einmal eines Blickes würdige.

Hedy Stettler will nichts davon wissen, ihre Katzenschar proaktiv expandieren zu wollen. Indes vermutet sie zu erkennen, weshalb "Timon" bei ihr über den Hag frisst: Seine Besitzer, beide berufstätig, müssten "aktiver Zuneigung zeigen", sich "um die Sache kümmern" und ihr Büsi nicht bloss mit Trockenfutter abspeisen. Einmal habe sie Aufdermaurs als Zeichen des guten Willens eigens ein Muster Nassfutter in den Briefkasten gelegt.

Hier widerspricht "Timon"-Halter Friedrich Aufdermaur entschieden: Das Trockenfutter sei "auf Empfehlung des Tierarztes" abgegeben worden, zudem stehe der Katze, wenn sie denn nur wollte, nun auch Nassfutter zur Verfügung. Zutreffend sei, dass er wie seine Frau berufstätig seien: "Wir arbeiten beide Schicht, sind aber immer wieder zu Hause." Wenn die Katze dann zugegen wäre, "würden wir sie gern auch streicheln". So, wie letztes Jahr, als "der Dorfpolizist" mal bei Frau Stettler angerufen habe. "Da kam die Katze wieder wie gewohnt heim und war ganz normal."

Richter vor schwieriger Aufgabe

Doch seit Mai tummle sich "Timon" wieder auf Nachbarparzellen, was Friedrich Aufdermaur mit Foto- und Videokameras dokumentarisch festhielt. Jetzt hatte das Ehepaar genug. Daniel Probst, Sachbearbeiter des Polizeipostens Läufelfingen, bestätigt auf Anfrage, eine Partei sei "wegen einer Anzeige an mich herangetreten". Da jedoch "diesbezügliche Artikel im Strafgesetzbuch fehlen, habe ich sie auf den Zivilrechtsweg verwiesen".

Inzwischen hat das Ehepaar Aufdermaur den Sissacher Friedensrichter Andreas Maier angerufen. Die Klagpartei fordert von der Familie Stettler per Rechtsbegehren ein Fütterungsverbot. Ausserdem habe sie es "zu unterlassen, die Katze 'Timon' anzulocken und somit die Eigentums- und Besitzrechte der Klagpartei zu verletzen", mit der Klagpartei gehörenden Tieren "zu spielen" oder sie "absichtlich in ihre Häuser zu lassen sowie Einrichtungen wie Schlafplätze für diese Tiere einzurichten".

Der Richter steht jetzt vor der wohl nicht ganz einfachen Herausforderung, mit welchem weisen Entscheid ihm die besitztechnische Domestizierung von Kater "Timon" gelingen wird. Kommenden Monat ist Gerichtstermin. Am 6. Oktober, 16 Uhr, in Sissach. "Timon", "Roger", "Gina" und "Charly" sind nicht vorgeladen.

(Namen der Parteien verändert, sie sind der Redaktion bekannt)

14. September 2009


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"Es ist halt so, ..."

"Es ist halt so, ein Kater geht dorthin, wo es ihm gefällt – so richtig menschlich."


Bruno Heuberger, Oberwil


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