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"Ich habe die Aufsicht über das Verfahren": Schwiegersohn trumpfte auf

Dugginger Lohnaffäre: Verfahren jetzt auch gegen Vögtlins Schwiegersohn

Der als Polizei-Fahnder tätige Schwiegersohn des Gemeindepräsidenten gab sich als "Verfahrens-Aufseher" aus


Von Peter Knechtli


Die Affäre um den angeblich frisierten Lohnausweis des Gemeindepräsidenten von Duggingen BL weitet sich aus: Jetzt hat das Statthalteramt Laufen auch gegen dessen Schwiegersohn eine Strafuntersuchung wegen Amtsmissbrauch eingeleitet. Pikant: Der Angeschuldigte ist Fahnder bei der Baselbieter Kantonspolizei. Er soll sich als Verfahrensleiter ausgegeben haben.


Kurz vor den Sommerferien platzte die Bombe durch ein Communiqué der Laufener Untersuchungsrichterin Jacqueline Vogel: Gegen Reinhard Vögtlin, den Gemeindepräsidenten, und Urs Schönenberger, den Gemeindeverwalter von Duggingen, läuft eine Strafuntersuchung. Mögliche Tatbestände: Amtsmissbrauch, versuchte Anstiftung zur Urkundenfälschung im Amt, Begünstigung und Urkundenunterdrückung. Bei einer Hausdurchsuchung wurde am 25. Juni auf der Gemeindeverwaltung "umfangreiches Aktenmaterial" beschlagnahmt.

Der Vorwurf an den freisinnigen Gemeindepräsidenten Reinhard Vögtlin (73) geht zurück auf die Zeit zwischen 1997 und 2000: Er habe die Finanzverwalterin zur Ausstellung eines Lohnausweises angewiesen, dessen Betrag die Ansätze des Besoldungsreglements massiv übertrifft, aber auch deutlich unter den realen Bezügen Vögtlins liegt. Angeschuldigt ist auch Gemeindeverwalter Urs Schönenberger, weil er "trotz Kenntnis der Situation seiner Anzeigepflicht an die zuständigen Behörden nicht nachgekommen" sei. Ins Rollen brachte das Verfahren die Dugginger Finanzverwalterin Ursula Gygax, die sich geweigert hatte, den - bereits vorausgefüllten - Lohnausweis mit erhöhten Bezügen zu unterschreiben.

Schwiegersohn deklarierte sich als "Oberfahnder"

Jetzt scheint sich die Affäre auszuweiten. Denn auch gegen Vögtlins Schwiegersohn, der ebenfalls in Duggingen wohnt und als Fahnder bei der Polizei Basel-Landschaft arbeitet, hat das Laufener Statthalteramt ein Strafverfahren eingeleitet. Nach Informationen von OnlineReports hatte der Polizist die Finanzverwalterin vor der Gemeindeversammlung vom 25. Juni die Finanzverwalterin in Anwesenheit weiterer Personen aufgefordert, ihm nach der Versammlung zur Verfügung zu stehen für Auskünfte darüber, was gegen seinen Schwiergervater und allenfalls gegen ihn vorliege. Dabei soll er aufgetrumpft haben, er sei "Oberfahnder" und habe "die Aufsicht über das Verfahren" gegen seinen Familienangehörigen Reinhard Vögtlin. Ursula Gygax, seit elf Jahren Dugginger Finanzverwalterin, bestätigte OnlineReports den Sachverhalt und fügte an, der Schwiergersohn habe die Aufforderung in einem "bestimmten Ton" vorgetragen.

Stephan Mathis, Generalsekretär der Baselbieter Justiz- und Polizeidirektion, bestätigte die Strafuntersuchung gegen den Fahnder. Bis zum Abschluss der Untersuchung gelte die Unschuldsvermutung. Der Staatsangetellte sei weiterhin in seiner Funktion tätig. Zu den neusten Informationen wollte Statthalterin Jacqueline Vogel indes nicht Stellung nehmen. "Ich kann keine Auskunft geben. Wir haben das Untersuchungsgeheimnis." Ausserdem sehe sie im neuen Fall "das öffentliche Interesse nicht". Laut Meinrad Stöcklin, Sprecher der Polizei Basel-Landschaft, führte der Chef der Kriminalpolizei mit dem Fahnder ein "eingehendes Gespräch", das zu einer vom Angeschuldigten unterzeichneten Aktennotiz führte. Gemäss dieser Aktennotiz musste sich der Fahnder verpflichten, nicht noch einmal zu versuchen, an Informationen zum Strafverfahren gegen seinen Schwiegervater zu gelangen. Andernfalls werde ein Suspendierungsgesuch gestellt.

Vögtlin: "Tolpatschiges" Statthalteramt

Der Angeschuldigte, dessen Name der Redaktion bekannt ist, konnte durch OnlineReports telefonisch nicht erreicht werden. Auch Gemeindepräsident Reinhard Vögtlin - unter Bekannten "Reini" genannt und in seinem Habitus so etwas wie ein Dorfkönig - wollte sich zum Stand der Ermittlungen nicht äussern. "Da wird er Ihnen keine Antwort geben", wehrte seine Frau die Anfrage von OnlineReports ab. Umso deftiger hatte sich Vögtlin zuvor gegenüber der "Basler Zeitung" über das Verfahren beschwert: "Unverhältnismässig, tolpatschig und unanständig" sei das Statthalteramt Laufen vorgegangen.

Wenn indes wahr ist, was Vögtlins Schwiegersohn sich als Fahnder der Polizei Basel-Landschaft geleistet haben soll, dann wirft dies ein schräges Licht auf Rechtsempfinden und Herrschaftsverhältnisse an der Spitze der Dugginger Gemeindebehörde. Beobachtern ist auch rätselhaft, weshalb sich der Fahnder selbst ins Spiel brachte, obschon er formell ins Verfahren gegen seinen Schwiegervater in keiner Weise einbezogen war. Weil es der auswärts wohnhaften Finanzverwalterin nicht mehr zumutbar war, auf der Dugginger Gemeindeverwaltung sozusagen Tür an Tür zum Gemeindeverwalter zu arbeiten, wurde eine Datenleitung an ihr privates Domizil gelegt, wo sie nun ihre Aufgabe wahrnimmt. Sowohl Gemeindepräsident Vögtlin wie Gemeindeverwalter Schönenberger nehmen ihre Funktionen weiterhin uneingeschränkt wahr.

28. Juli 2002


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