Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

<< [ 1 | (...) | 41 | 42 | 43 | 44 | 45 | 46 | 47 | 48 | 49 | 50 | (...) | 127 ] >>

Theater Basel, Hotel "Dorint"
Uraufführung

"Expats. Eidgenossen in Shanghai"
 
Ein Auftragswerk des Theater Basel

Autorin: Gesine Schmidt
Regie: Antje Schupp
Bühne: Eva-Maria Bauer
Kostüme: Claudia Irro
Dramaturgie: Eva Böhmer

Mit Ariane Andereggen, Andrea Bettini, Christian Heller, Claudia Jahn, Johannes Schäfer, Mareike Sedl


Sex, Geld und Dreckluft in Shanghai

Der Hammersatz kommt ganz am Ende: In zehn Jahren braucht Shanghai unsere  Schweizer Fachkräfte nicht mehr. "Dann ist der Wissenstransfer erledigt. Dann gibt's keinen Vorsprung mehr", sagt Cheng (44), chinesischer Bereichsleiter einer Schweizer Firma in Shanghai. Ein Glück vielleicht, dass dieses Mal ein Basler Regierungsrat an einer Schauspielpremiere zugegen war. Baudirektor Hans-Peter Wessels könnte die Aussage bei Gelegenheit im Kollegium vortragen. So als Gesprächsbeitrag etwa, dass sich der globale Standort-Wettbewerb für Basel noch verschärfen werde. Ist ja brisant.

Allein, ändern wird das gar nichts. Denn die 23 Millionen-Metropole rauscht uns eh davon. Dort hemmt keine Einsprache den wirtschaftlichen Aufstieg. 12'000 US-Dollar monatlich betrage das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen bereits, bis in drei Jahren sollen es 20'000 sein, trägt ein Schweizer Konsul vor. Die Chinesen seien nicht so romantisch wie die Schweizer Männer, so wieder Cheng.

Zumal es in Shanghai nur um das Geld und den hierarchischen Status gehe. Das sagen alle Leute, die wir als Publikum im Basler Hotel "Dorint" – indirekt - antreffen. Indirekt darum: Autorin Gesine Schmidt hat in Shanghai mit 20 sogenannten Expats, Schweizern, Interviews geführt. Aus deren acht hat sie Monologe geformt. Nun schickt uns das Theater Basel in Gruppen durch Konferenzräume, Schlafzimmer, in die Lobby, wo uns jeweils Schauspieler eben diese Monologe vorspielen. Unsere Rolle dabei: Wir sind neue Expats, frisch eingetroffen im Shanghaier Hotel, die dort die bereits Ansässigen (und Cheng via Video-Interview) antreffen.

Zum Beispiel im Schlafzimmer die erschöpfte 41-jährige Verena (Sedl). Die Projektmanagerin baut Hochhäuser. Viel zu weich dazu ist aber nicht bloss der Shanghaier Boden; die Abmachungen, an denen Millionen Dollar hängen, lassen sich auch nicht in den Köpfen der chinesischen Geschäftspartner richtig verankern. Weder wird Klartext geredet noch das Besprochene vertragsgemäss umgesetzt. Um mit solchen Sitten klar zu kommen, hat sie einen Coach engagiert. Am freien Samstag. Es sei schon so: Sie arbeite sieben Tage die Woche. Und schon klingelt das Handy, sie schickt uns weg.

Wie gross die Dimensionen, wie hart die Bandagen hier sind: Die überspannte Turn around-Spezialistin Astrid prügelt es uns im Seminarzimmer in uns hinein. Wer diesen Millionen-Markt nicht mit Spitzenprodukten und vor allem vielen Millionen bearbeite, könne gleich nach Hause. Claudia Jahn springt uns an wie eine Pantherin. Das Publikum verschränkt schutzsuchend die Arme.

Das Geld hat auch den 24-jährigen Buchhalter Jan (Schäfer) hier her gelockt, ein ehrlicher, egoistischer Jungspund. Seinen Ekel vor den Essenssitten, erzählt er uns im Restaurant, hat er endlich überwunden. Demonstrativ spuckt er Gemüse aus der Suppe (wir dürfen auch essen) auf den Tisch. Das dürfe man hier in China. Das Wichtigste sei hier aber, dass man jemanden kenne, den man fragen könne, ohne langwierige Umwege über offizielle Kanäle nehmen zu müssen. Bald will er einen Handel in die Schweiz aufziehen. Keine Frage, er will bleiben.

Völlig heimatlos fühlen sich jedoch Niki (Andereggen) und ihr Mann Florian (Heller), dem als Leiter Controlling hier ein Job angeboten wurde. Die dreckige Luft, der Überwachungsstaat, die sozialen Ungerechtigkeiten, die fehlenden Manieren bringen die Ärztin aus der Fassung und zerren am Ehegefüge: Vor uns "Gästen" geraten die beiden in heftigen Streit. In der unendlichen Steinwüste Shanghais träumt sie nachts von Landschaften mit Bäumen.

Solche Ehepaare landen etwa bei Pfarrer Martin (Bettini), der uns launig in der Lobby vor allem über die üblichen Beziehungs- und Sexprobleme bei Expats aufklärt. Die Schweizer Männer gingen ja hier rasantem Tempo fremd. Am Schlimmsten seien die Projektingenieure mit kurzer Verweildauer. Andere Ehemänner entdeckten hier nach langer sexueller Abstinenz ihren Trieb wieder. Vor allem aber zeigte er auf die tiefen Gräben zwischen unseren Kulturen: Dass junge Chinesen im Kasernenstil auf einen Berufsabschluss getrimmt, dass junge Chinesinnen mit finanziell guten Partien verheiratet würden.

Für sich genommen erzählen die Monologe für den Konsumenten von News-Magazinen – zumal im Internet-Zeitalter - nichts Neues. Und warum lässt man nicht reale Expats reden? Aber Autorin Gesine Schmidt ist es nach "Der Kick" (Thema: Neonazi-Gewalt) und "Oops, wrong Planet" (Thema: Autismus) erneut geglückt, uns Signale aus intimeren Lebenswelten zu schicken, die so kaum jemand auf einer Bühne ausbreiten würde.

Um so schamloser hören wir zu, suchen in der Darbietung des wiederbelebten Textes unweigerlich die Person, die diese Sätze im Originalton ausgesprochen hatte. So muss es auch kein Problem sein, wenn die Regie (Schupp) den Ehekrach von Niki und Florian zum Slapstick hat ausufern lassen, denn so wird das Drama neu auf den Punkt gebracht.

Indes spricht der Abend eher die Denk- und Vorstellungsmaschinerie an als den Bauch oder gar das Herz. Dazu passt, dass die süssen chinesischen Dekorationen in den Räumen und Gängen mehr als schrilles Zitat wirken denn als Nachbau der Realität. Der Abend wirkt trotz allerlei belastenden Informationen leicht. Mit dem Raum-Hopping und den kurzen Darbietungen verfliegen die drei Stunden wie nichts.

17. März 2013
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Auf Fahrt ins Depot: Tram fuhr plötzlich auf zwei Schienen"

OnlineReports.ch
Schlagzeile vom
14. März 2017
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

... nachdem in Basel bekanntlich Monorail gefahren wurde.

"Und übrigens ..."

Gegen Eliten und Sunniten
RückSpiegel


Die NZZ nennt Pionier OnlineReports in ihrem Beitrag über die Finanzierung von Online-Medien.

Die Basler Zeitung und die Basellandschaftliche Zeitung berichteten unter Bezugnahme auf OnlineReports über die Trennung der BVB von zwei Kaderleuten.

Das OnlineReports-Interview mit dem designierten FCB-Besitzer Bernhard Burgener nahmen die Fussball-Plattform 4-4-2.com, die Basellandschaftliche Zeitung und die Schweiz am Wochenende auf.

Telebasel berief sich in seinem Bericht über die Interpellation von "Basta"-Grossrat Beat Leuthardt über den designierten FCB-Präsidenten Bernhard Burgener auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung berief sich in ihrer Meldung über Betriebs-Wegweiser-Posse auf OnlineReports.

Die Schweiz am Wochenende nahm eine OnlineReports-Story über den Gang der BVB ans Bundesgericht wegen einer Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf.

In ihrem Bericht über den Streit um die schmale Treppe im neuen Gelterkinder Hallenbad bezogen sich die Basler Zeitung und die Volksstimme auf OnlineReports.

Die Basler Zeitung griff die OnlineReports-Recherche über markante bauliche Veränderungen im Nord-Teil des Basler "Dreispitz"-Areals auf.

Das Medienportal persoenlich.com zog die OnlineReports-Meldung über die Kündigung des BaZ-Abos durch den ehemaligen BaZ-Verleger Matthias Hagemann nach.

Die Nachricht über den Abbruch der Gelterkinder Rahmtäfeli-Fabrik wurde von der Volksstimme aufgenommen.

Die Sissacher Volksstimme, die Basler Zeitung und 20 Minuten nahmen die OnlineReports-News über den Bolzenschuss im Gelterkinder Ortskern auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über den erneuten Parteiwechsel von Grossrat Michel Rusterholtz auf.

Die Basellandschaftliche Zeitung griff die OnlineReports-News über den Sammelerfolg des Referendums gegen Alkohol in Jugendzentren auf.

Die OnlineReports-Story über Andrea Strahm und die Präsidiums-Suche der Basler CVP nahmen das SRF-Regionaljournal, die TagesWoche, die Basler Zeitung und die BZ Basel auf.

Das SRF-Regionaljournal, die Basler Zeitung und die BZ online nahmen die OnlineReports-News über den Austritt Daniel Goepferts aus dem Basler Grossen Rat auf.

In ihrem Kommentar über "Die Arroganz der Basler Regierung" (Schlagzeile) nahm die Basler Zeitung Bezug auf eine Schilderung in OnlineReports.

SRF online bezog sich in ihrem Bericht über den ASE-Prozess auf OnlineReports.

Für ihre Sendungen "10vor10" und "Schweiz aktuell" holte das Schweizer Fernsehen Statements bei OnlineReports ein.

Die BZ Basel und 20 Minuten online bezogen sich in ihren Artikel über die Basler CVP-Präsidentin Adrea Strahm auf ihre Kolumnen in OnlineReports.

Die Basellandschaftliche Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht über Platzprobleme des neuen BVB-"Flexity"-Trams am Basler Aeschenplatz auf.

In seinem Bericht über den Anlage-Skandal der ASE Investment ging die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens auf die Rolle von OnlineReports bei der Enthüllung des Schwndels ein.

In seinem Bericht über das von Handwerker-Autos besetzte Trottoir in der Basler Centralbahnstrasse nahm das SRF-Regionaljournal auf einen früheren OnlineReports-Artikel Bezug.

Die Basler Zeitung, die BZ Basel, das SRF-Regionaljournal, 20 Minuten online und die SDA nahmen den OnlineReports-Bericht über die Verurteilung des Rappers Ensy auf.

Die Volksstimme beschrieb, wie Peter Knechtli vor 30 Jahren die Brand-Katastrophe von Schweizerhalle erlebte.

Die NZZ zitierte aus dem OnlineReports-Kommentar zu den Basler Regierungsrats-Wahlen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• Die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel (habs) ändern "unter dem Einfluss des modernen Gender-Verständnisses zur bunten Community sexueller und geschlechtlicher Identitäten" ihren Namen in "habs queer basel".

Ivo Corvini-Mohn wird neuer Präsident des Personal-Verbandes Polizei Basel-Landschaft (PVPBL) als Nachfolger von Sven Oppliger.

• Der Basler Gewerbeverband hat die beiden Initiativen "Zämme fahre mir besser" mit 3'811 Unterschriften und "Parkieren für alle Verkehrsteilnehmer" mit 3'917 Unterschriften im Rathaus eingereicht.

Riehen muss den Kunstrasen auf der Grendelmatte ersetzen, wofür dem Einwohnerrat ein Kredit von 520’000 Franken beantragt wird.

• Die frühere Baselbieter Juso-Copräsidentin Samira Marti (Ziefen) wird Vizepräsidentin der SP-Kantonalpartei, wobei sie den ehemaligen Juso-Präsidenten Florian Schreier (Birsfelden) ersetzt.

• Die Kantonstierärzte der beiden Basel haben die regionalen Verfügungen über die Schutzmassnahmen gegen die Vogelgrippe als abgeschlossen erklärt.

Thomas Mächler wird Anfang April neuer Bereichsleiter Jugend, Familie und Sport (JFS) im Basler Erziehungsdepartement als Nachfolger von Hansjörg Lüking, der das Departement im Januar verlassen hat.

• Weil für sie keine Ersatzteile mehr verfügbar sind, treten demnächst 111 Betten aus dem Rehab Basel, die 2002 beschafft wurden, ihre Reise in die Slowakei an.

Stephan Wetterwald wird neuer Vorsitzender der Geschäftsleitung der Baselbieter Pensionskasse und damit Nachfolger von Hans Peter Simeon, der Ende November in den Ruhestand tritt.

• Die Stadt Basel hat den Zuschlag für die Durchführung des Eidgenössischen Jodlerfestes im Jahr 2020 erhalten, wodurch sich vom 26. bis 28. Juni jenes Jahres rund 12'000 aktive Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger treffen werden.

• Der FC Basel hat mit seinem 32-jährigen Mittelfeldspieler Davide Callà den ursprünglich bis zum 30. Juni 2017 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert.

• Die Baselbieter Jungsozialisten (Juso) haben Ronja Jansen (21) und Nils Jocher (20), beide aus Frenkendorf, einstimmig als ihr Co-Präsidium gewählt.

• Der Leiter der Basler Stadtreinigung, Peter Schär (47), hat seine Stelle beim Tiefbauamt auf 1. März gekündigt, um eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.

• Weil im Gelterkinder Kindergarten "Staffelen" die defekte Ölheizung nicht durch eine "einigermassen kostenattraktive und baulich auch realisierbare Alternative zu Öl ersetzt werden kann", beschloss der Gemeinderat "den Ersatz der alten Anlage durch einen neuen Öl-Brennwertkessel".

• Der 44-jährige Chemiker Alexander Schocker wird neuer Leiter Forensik bei der Polizei Basel-Landschaft als Nachfolge von Markus Looser, der letzten Herbst zur Kriminalpolizei Basel-Stadt wechselte.

• Die Oberwiler Bevölkerung hat in einer Referendums-Abstimmung den Beschluss über den Kredit für die Planung Eisweiherplus mit 1'072 Ja zu 2'820 Nein aufgehoben und damit die Planung beendet.

• Der Baselbieter Landrat hat einen Kredit von 14 Millionen Franken zum Bau der Tramlinie Margarethenstich bewilligt.

• Das Referendum gegen die unbegrenzte Alkohol-Abgabemöglichkeit in baselstädtischen Jugendzentren wurde mit 4’600 Unterschriften eingereicht.

• Der 53-jährige Patrick Dill wird ab 1. April neuer Leiter der Gemeindeverwaltung Allschwil.

• Der Kanton Baselland beteiligt sich an der "Berufsschau 2017" in Pratteln mit einem finanziellen Beitrag aus den Mitteln des Wirtschaftsförderungs-Fonds in der Höhe von 900'000 Franken (bisher 950'000 Franken).