Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

[ 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | (...) | 140 ] >>

Theater Basel
Kleine Bühne

"Medea"

Schauspiel von Kate Mulvany und Anne-Louise Sarks nach Euripides

Deutschsprachige Erstaufführung

Regie: Anne-Louise Sarks
Bühne und Kostüme: Mel Page
Dramaturgie: Almut Wagner
Theaterpädagogik: Martin Frank
Musik: Stefan Gegory
Licht: Stefan Erny

Mit Jacob Baumann, Barbara Horvath, Nils Treuer


Todgeweihte im Kinderzimmer

Erst der Schattenwurf des Abseitigen erzeugt die dramatische Bühnenfigur. Wenn dazu, wie bei Medea, leidenschaftliche und naive Liebe, tiefe Verletztheit und eine überaus kraftvolle Persönlichkeit kommen, entsteht ein Mysterium, zu dem wir seit zweieinhalb tausend Jahren Erklärungen produzieren, die bruchstückhaft sind, Annäherungen bleiben müssen: Wir stecken nicht in Medeas Haut.

Euripides, der der Königstochter Medea den Mord an den eigenen Kindern andichtete, gibt eine ganze Reihe von Hinweisen und unterhält so den Sog. Da ist zunächst mal ihr Mann, der kühl denkende Grieche Jason, der sie aus Karrierekalkül betrügt und Glauke, die Tochter des Machthabers, heiraten will. Und dies nachdem Medea ihm aus dem Kaukasus (Kolchis) folgte, die eigene Familie verriet, ihren Bruder tötete, als Zauberin das Heiligtum des goldenen Vlieses für die Griechen raubte.

Sie hat alles aufgegeben, ihre Heimat örtlich, sozial und religiös verloren. Die Korinther grenzen sie als "Wilde" aus. So muss ihr Verhältnis zu den beiden Kindern, die sie mit Jason hat, ein Ambivalentes sein, müssen diese Teil der Welt sein, die zusammengebrochen ist.

Auf Bezüge und Hintergründe müssen wir jedoch in der Dramenversion von Kate Mulvany und Anne-Louise Sarks weitgehend verzichten. Sarks befindet im Programmheft, keine Medea-Adaption, die sie gelesen habe, zeige Mitgefühl mit der Hauptfigur. Auch nicht die von Euripides. Das ist mindestens eine kühne Behauptung.

Weniger kühn ist Sarks Alternative. Da ist nichts weiter als eine liebe "Mama" der Jetztzeit, offenbar im Ehe-Clinch mit ihrem Mann (der nicht auftritt). Barbara Horvath hat nur drei kurze Auftritte zur Verfügung. Innerlich schwer belastet, soviel macht die Schauspielerin deutlich, kämpft ihre Medea darum, die Erregung gegenüber ihren beiden Jungens zu verbergen. Aber was macht diese Frau zur Mörderin ihrer Liebsten?

Keines ihrer Worte schafft ein besonderes persönliches Profil, etabliert ausser ein paar kurzen Aussagen ihre dramatische Lage. Dass sie ihren Bruder getötet hat, wird absichtlich unterschlagen, um sie nicht als Mörderin zu stigmatisieren (Programmheft).

Man habe nachvollziehbar machen wollen, "wie eine Liebende, der das Herz gebrochen wurde, an diesen extremen Punkt kommen kann". Ein Anspruch, an dem das Stück konzeptionell scheitert. Die Liebe wird nicht dramatisch aufgelöst (wie bei Euripides), sie wird behauptet. Wenn Medea den Kindern den Giftbecher überreicht hat und sich mit ihnen ins Bett legt, ergeht sie sich in Liebeserklärungen wie dieser: "Ich liebe eure Füsse. Ich liebe es, wenn euer Bauch rumort, wenn ihr Hunger habt. Ich liebe es, wie ihr eure Strohhalme kaut. Etc." Das ist rührend, aber auch sentimental und allzu nett.

Zu fragen wäre, warum das Stück nicht "Leon und Jasper" heisst. So nennen die australischen Autorinnen die Knaben, denen sie weitgehend das Feld überlassen, und aus deren Blickwinkel das Drama erzählt wird. Die Todgeweihten sind eingesperrt im Kinderzimmer, necken und zanken sich, reden über die Eltern und "Papas Freundin", beschiessen sich gegenseitig mit Schaumgummipistolen.

Hier zeigt das Stück jedoch eine besondere Stärke: Wie die Buben ahnungslos das Unsagbare, das ihnen bevorsteht, wie in Kreisen immer wieder im Spielen berühren, macht Kinderseelen fühlbar, die noch nicht in von Verstand und Logik verhärtet sind. Sie spielen etwa dramatische Tode, überbieten sich im tödlichen Getroffensein, werfen schüttelnd ihre Leiber zu Boden.

In den arglosen Spielszenen und Bubenritualen besteht das grösste Vergnügen der gut einstündigen Kinderzimmer-Tragödie. Sie erzeugen einen Gegensatz zur Beklemmung, die über die Aufführung nie aussetzt. Andererseits haben Jacob Baumann (14) und Nils Treuer (11) mit Sätzen zu kämpfen, die ihnen wohl kaum selber einfallen. Beispiel: "Ich schwebe zwischen Raum und Zeit". Das ist nicht altkluger Kindermund, so werden Kinder als kleine Erwachsene vorgestellt. Das Stück erfordert zudem eine spielerische Reife, wie sie von Kindern dieses Alters kaum zu bewältigen ist.

Das Kabinettstück der Aufführung zeigt Horvath, während sie dem Jüngeren die Schuhe bindet. Die Buben haben den tödlichen Trank bereits intus, spielen das Tiernamenspiel. Immer wieder fragen sie "Mama". Etwa: "Stimmt das, dass Salamander mit 'A' aufhört?" Horvath sagt geistesabwesend immer nur: "Ja. Ja. Ja." Das ist magisch. Aber insgesamt ist Medea die schwächste Überarbeitung eines antiken Stoffes, die Intendant Andreas Beck im Rahmen der "Basler Dramaturgie" realisieren liess.

22. April 2018
 Ihre Meinung zu dieser Kolumne
(Mails ohne kompletten Absender werden nicht bearbeitet)
Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

© Foto by OnlineReports.ch

Claude.Buehler@gmx.net

(Die Kolumnisten sind in ihrer Meinung frei;
sie braucht sich nicht mit jener der Redaktion zu decken.)

www.onlinereports.ch
© Das Copyright sämtlicher auf dem Portal www.onlinereports.ch enthaltenen multimedialer Inhalte (Text, Bild, Audio, Video) liegt bei der OnlineReports GmbH sowie bei den Autorinnen und Autoren. Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Veröffentlichungen jeder Art nur gegen Honorar und mit schriftlichem Einverständnis der Redaktion von OnlineReports.ch.

Die Redaktion bedingt hiermit jegliche Verantwortung und Haftung für Werbe-Banner oder andere Beiträge von Dritten oder einzelnen Autoren ab, die eigenen Beiträge, wenn auch mit Zustimmung der Redaktion, auf der Plattform von OnlineReports publizieren. OnlineReports bemüht sich nach bestem Wissen und Gewissen darum, Urheber- und andere Rechte von Dritten durch ihre Publikationen nicht zu verletzen. Wer dennoch eine Verletzung derartiger Rechte auf OnlineReports feststellt, wird gebeten, die Redaktion umgehend zu informieren, damit die beanstandeten Inhalte unverzüglich entfernt werden können.

 

Theater Basel

"Medea" im Theater Basel
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif
"Abfallkübel statt Herz"

BaZ und BZ Basel
Titel über gleich lautendem
Artikel zum Juventus-Aus
vom 13. April 2018
fileadmin/templates/pics/gelesen.gif

BaZ-Autorenzeile: SDA. BZ-Autorenzeile: Stefan Wyss. Wer suggeriert mehr Eigenleistung?

Alles mit scharf

Wachsen und Widerstand

"Und übrigens ..."

Zeit für Stau und Lottogewinn
RückSpiegel


Die BZ Basel zog die OnlineReports-News über den Einbürgerungs-Streit der drei baselstädtischen Bürgergemeinden mit dem Kanton Basel-Stadt und den Gang ans Bundesgericht nach.

Die Schweiz am Sonntag schrieb eine OnlineReports-Nachricht über die rechtlichen Schritte der Wirtschaftskammer Baselland gegen die "Basler Zeitung" ab.

In ihrem Artikel über Markus Ritters Abgang aus dem Basler Präsidialdepartement bezog sich die Basler Zeitung auf OnlineReports.

20 Minuten, die BZ Basel, theworldnews.net, die Basler Zeitung, die Tageswoche, die Bauernzeitung und Telebasel nahmen die OnlineReports-Story über das gescheiterte Projekt von "Urban Farmers" in Basel auf.

Die BZ Basel, die Basler Zeitung und das Regionaljournal zogen die OnlineReports-Meldung über die Schliessung der Basler Buchhandlung "Narrenschiff" nach.

Die Basler Zeitung nahm die OnlineReports-Nachricht vom Tode des früheren BLKB-Bankrats-Präsidenten Werner Degen auf.

In ihrem Bericht über die "FDP Baselland auf seltsamen Wegen" (Schlagzeile) nimmt die Basler Zeitung zentral auf einen OnlineReports-Primeur über den neu auftauchenden Namen Daniel Recher Bezug.

Die Kommentar-Plattform Infosperber geht auf die Berichterstattung von OnlineReports zum Mord an Martin Wagner ein.

In ihrem Kommentar zu "Lukas Engelberger, der Pressezensor" nimmt die Basler Zeitung eine Metapher ("medienrechtliche Namesburka") von OnlineReports auf.

InsideParadeplatz.ch empfahl den Lesern die Lektüre des OnlineReports Porträts des getöteten Medienanwalts Martin Wagner.

Die OnlineReports-Erstnachricht über den gewaltsamen Tod des Basler Wirtschaftsanwalts Martin Wagner in Rünenberg haben unter anderen der Tages-Anzeiger, BZ Basel, Le Temps, Tageswoche, 20 Minuten, Watson, Telebasel, die Volksstimme, der Blick und nau.ch aufgenommen.

Weitere RückSpiegel

In einem Satz


• An der 1. Mai-Feier in Liestal wird etwas Ständerats-Vorwahlkampf spürbar, indem die grüne Nationalrätin Maya Graf und SP-Nationalrat Eric Nussbaumer mit als Hauptredner auftreten.

• Die Grünen Baselland nominieren im Hinblick auf die Delegiertenversammlung vom 5. Mai in Olten Landrätin Florence Brenzikofer als Vizepräsidentin der Grünen Schweiz.

• Der Gemeinderat von Birsfelden hat auf einen Vorstoss von Désirée Jaun (SP)beschlossen, als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz die Auszeichnung als "Fair Trade Town" anzustreben.

• In der Amtsperiode 2018-2022 bilden die Grünliberalen (GLP) im Einwohnerrat Riehen gemeinsam mit dem parteilosen David Moor eine Fraktion.

• Die Basler Badesaison beginnt im beheizten Sportbad St. Jakob (28. April), in den unbeheizten Becken des Gartenbads St. Jakob (12. Mai), im Gartenbad Eglisee (19. Mai) und im Gartenbad Bachgraben infolge Sanierungsarbeiten (2. Juni 2018).

• Die SP Muttenz hat an ihrer Generalversammlung Kathrin Schweizer einstimmig als Regierungsrats-Kandidatin der SP Baselland nominiert.

• Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit verlässt Moderatorin Tamara Wernli Telebasel, weil sie sich künftig aufs Schreiben konzentrieren will.

• Die Gemeinde Riehen ist laut der Einschätzung des Gemeinderates "weiterhin kein Hotspot für kriminelle Aktivitäten".

Heidi Mück und Tonja Zürcher bleiben laut Wahl durch die Mitglieder für weitere zwei Jahre Co-Präsidentinnen von "Basta".

• Der frühere Basler Grossrat und FDP-Nationalrat Urs Schweizer tritt per 15. Mai 2018 nach 15 Jahren als Präsident des ACS beider Basel zurück.

• Nach den Kontrollen an der vergangenen Basler Fasnacht bleiben Pferde von Chaisen und Vorreitern weiterhin erlaubt.

• Die 43-jährige Elisabeth Heer Dietrich wurde mit 82 von 84 Stimmen glanzvoll zur neuen Baselbieter Landschreiberin gewählt.

• Die Revitalisierung der unteren Wiese hat sich aufgrund der vielen Hochwasser um den Jahreswechsel so stark verzögert, dass das Basler Tiefbaumt sie nicht rechtzeitig vor der Fischschonzeit abschliessen konnte und bis Ende Mai pausieren muss.

• Die Rechnung 2017 des Kantons Basel-Stadt schliesst mit einem Überschuss von 251 Millionen Franken ab und liegt damit 108 Millionen Franken über dem Budget.

Matthias Hubeli, Leiter des Polizeistützpunkts Liestal und stellvertretender Leiter der Sicherheitsabteilung Ost, wird Geschäftsführer des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests 2022 in Pratteln.

• Der von der Wirtschaftskammer Baselland eingereichten Gesetzesinitiative "Für eine faire steuerliche Behandlung der Wohnkosten" (Wohnkosten-Initiative) stellt die Regierung einen Gegenvorschlag gegenüber.

Naomi Reichlin und Florian Sennhauser gehören neu dem Vorstand der FDP-Sektion Liestal an.

Melchior Buchs (FDP) ist neuer Gemeindepräsident von Reinach, indem er mit 2'544 Stimmen die CVP-Kandidatin Béatrix von Sury (CVP) mit 2'452 Stimmen knapp schlug.

• Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2022 findet laut Beschluss des Eidgenössischen Schwingerverbands definitiv in Pratteln statt.

• Die Universität Basel erhält fünf von 39 neuen Förderungsprofessuren, die der Schweizerische Nationalfonds (SNF) dieses Jahr vergeben hat.

• Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien von staatsnahen baselstädtischen Betrieben liegt per 1. Januar 2018 bei 40,9 Prozent und übertrifft somit die geforderten 33,3 Prozent deutlich.

• Da SP-Landrat Hannes Schweizer per 31. März als Präsident der Bau- und Planungskommission zurückritt, schlägt die SP-Fraktion als seinen Nachfolger den Frenkendörfer Urs Kaufmann vor.

• Die SP Pratteln-Augst-Giebenach lanciert eine Petition zur Erhaltung des Schalters der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) in Pratteln.

BaselArea.swiss wird ab März im Mandat die Geschäftsführung des Switzerland Innovation Park Basel Area AG übernehmen.

Thomas Kessler, der frühere Basler Stadt- und Kantonsentwickler, wird Leiter eines von den AZ Medien für die "BZ Basel" ins Leben gerufenen Publizistischen Beirats.

• Nach Vandalenakten und einer Einbruchserie fordert die Riehener CVP von den Behörden "endlich die wirksame Umsetzung längst bekannter Forderungen" zur Erhöhung der Sicherheit.