Claude Bühler – Premiere am Theater Basel

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Theater Basel
in der Allgemeinen Lesegesellschaft
Premiere

"Atlantik Mann"

Eine Liebe, zum Beispiel zwischen Marguerite Duras und Yann Andréa

Autorin: Marguerite Duras
Fassung: Nikola Weisse und Alexander Tschernek
Regie: Elias Perrig
Bühne, Kostüme: Beate Fassnach
Mit Nikola Weisse als Duras, Alexander Tschernek als Yann Andréa, Mihai Grigoriu am Klavier


Hornbrille, Sex und Alkohol

Abendstimmung im hohen Lesezimmer. Ins Schweigen tickt die Standuhr, die Duras in der Ecke schwenkt ungeduldig das Weinglas, Andréa am Schreibpult macht fleissig Notizen, die Lampen leuchten gilbe. Und sie spricht irgendwann in die Stille: "Mein Leben ist ein synchronisierter, schlecht geschnittener, schlecht gespielter, schlecht zusammengestellter Film, alles in allem ein Irrtum." Sie könnte das ja auch nicht sagen, aber sie muss es, denn sie ist die Literatin, die Erörterin, ein Wörtermensch – und alledem längst überdrüssig. Aber dank Andréa gibt sie noch nicht auf. "Was machen wir jetzt? Kommt jetzt mehr Körperaktivität oder noch mehr Literatur", fordert sie frivol ihren jungen Sekretär und Liebhaber heraus. Sie streift die Schuhe ab, er zieht sie ihr wieder an.

Es ist die geniale Idee des Abends, diese Liebesgeschichte in die spätklassizistischen Wände der Allgemeinen Lesegesellschaft zu verlegen, die Schweigen gebieten, nach Büchern riechen und deren dunkles Parkett knarrt. Hier drohen Abgehobenheit, Trockenheit und Isolation, und hier soll aber Konzentration durch Geistesaktivität erhöhte Lebensintensität ermöglichen: der Widerspruch als Lebensfrage der Vielschreiberin Duras. "Wir haben der Unmöglichkeit dieser Liebe getrotzt", resümiert sie etwa triumphierend. Unmöglich, ja: Er ist fast 40 Jahre jünger, schwul, Student, ganz im Kopf, "der absolute Leser", wie er sagt. Sie, 66, die berühmte Schriftstellerin, mit der strengen Hornbrille der fünfziger Jahre-Intellektuellen, unter dem Jupe schwarze Unterwäsche. Alkoholikerin und liebessüchtig, in jeder Hinsicht.

Unmöglich, ja. "Sie sind nichts. Das gefällt mir. Bleiben Sie so", diktiert ihm die Literatin. Er nimmt es als Schüler benommen entgegen. Das Wunder, so philosophiert die Weisse alias Duras mit erbittertem Tonfall, liege in der "unerbittlichen Verschiedenheit", die alles voneinander trenne wie "die Menschen von den Hunden". Das Trennende: Eine Oscar-Nominierung erhielt die echte Duras für die unmögliche Liebesgeschichte einer jungen Französin mit einem deutschen Besatzungssoldaten im zweiten Weltkrieg. Er wird erschossen, sie kahlgeschoren: "Hiroshima, mon amour" hiess der Film (1959) von Alain Resnais, für den sie das Drehbuch schrieb.

Der Abend gehört der Weisse. Sie weiss, wie man das macht: erschrecken vor dem Alter im eigenen Spiegelbild. Oder den jungen Mann hilflos machen, wenn sie direkt vor ihm steht und sich als reife Dame ziert, in der noch das Weib vibriert. Kein Wort, kein Satz ohne plastische Durchgestaltung: "Ich werde heute mit Ihnen sprechen", lässt sie wie eine dringliche Botschaft durch den Raum klingen, als wäre diese Aussage die absolute Ausserordentlichkeit. Gekonnt ist gekonnt. Handwerklich kann auf Basels Bühnen der Weisse derzeit niemand etwas vormachen. Die leisen, fein modulierten Klänge erinnern an Intimität, lassen viel Lebensgerümpel mitschwingen.

Aber wessen? Weisse spielt nicht die Duras sondern die Weisse als Duras; sie enthüllt sie nicht, die Duras wird nicht nackt. Tschernek gibt seine Sätze so gerade, als hätte er kaum Lebenshintergrund, ein Statist in der Weisse/Duras-Welt, ein leeres Gefäss mit naiven Ideen. Die Idee ist nachvollziehbar, aber sie macht den Abend nicht spannender.

Zwischendurch tanzen und singen sie auch, Cole Porters "Night and day" lässt die beiden von einer Liebe träumen, die nicht die ihre ist. Und das Billie Holiday-Liebesduett "I'm Fool" hauchen und brüllen sie, jeder für sich allein, zum Fenster hinaus. Das Publikum lachte vor allem über diese kleinen, ironischen Brechungen, mit denen Regisseur Elias Perrig die Spannung löste – und manchmal auch aufhob. Nach 65 Minuten gabs kräftigen Applaus für eine insgesamt konzentrierte Leistung in stark atmosphärischer Echt-Kulisse.

14. April 2010
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Claude Bühler, ist Journalist und Schauspieler in Basel. Er arbeitete erst als Freier Journalist bei Printmedien sowie als Medienverantwortlicher von act entertainment. Derzeit Redaktor und Produzent bei Telebasel. Als Schauspieler war er in verschiedenen Regie-Arbeiten der Basler Schauspielerin und Regisseurin Ingeborg Brun sehen, beispielsweise als Jean in "Fräulein Julie" (A. Strindberg), aber auch als Professor Siebegscheit im Märli "Froschkönig" des Theater Fauteuil oder als Lucky in "Warten auf Godot" (S. Beckett) des Theater Marat Sade.

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Wie blöd. Jetzt hab' ich schon die Grättimanne eingekauft.

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